Auch Putin will Iran weiter im Syrien-Krieg und auf der Abschussliste halten
Fast 40 Jahre nach der heute weithin verdrĂ€ngten Iran-Contra-AffĂ€re, in der die U.S.-Regierung ĂŒber Israel Waffen an den Iran und den Irak lieferte um deren Krieg möglichst lange andauern zu lassen, hĂ€lt die jĂŒngste AnkĂŒndigung des Kreml, demnĂ€chst wĂŒrden alle „auslĂ€ndischen Truppen“ aus Syrien abziehen, den Standard an Doppelspiel und Zynismus.
Neben dem Jemen-Krieg, einer weiteren fĂŒr den Iran ausgelegten Falle, spielt auch ein durch die U.N.-AtommĂ€chte angestrebtes weiteres „Abkommen“ mit dem Iran eine Rolle.
In der Nacht zum 10. Mai wurden die israelisch besetzten Golan-Höhen von unter Regierungskontrolle stehendem syrischen Territorium aus beschossen.
Dieser militÀrisch völlig sinnfreie und politisch katastrophale Akt, der unmittelbar nach dem Besuch von Benjamin Netanjahu bei Wladimir Putin in Moskau und dem Bruch des internationalen Iranabkommens durch die U.S.-Regierung unter Donald Trump erfolgte, musste als orchestrierte und punktgenaue Einladung der syrischen und russischen Regierung an ihre Kollegen in Israel verstanden werden.
Diese nahm dankend an, startete Luftangriffe gegen Syrien und schlachtete Dutzende syrischer und verbĂŒndeter Soldaten aus dem Iran, Irak oder Libanon am Boden regelrecht ab. Diese waren den Luftangriffen schutzlos ausgeliefert, wie bei allen zuvor erfolgten feindlichen Luftangriffen, da die syrische Regierung in sieben Jahren Krieg nie eine effekive Luftabwehr aufstellte und der Kreml entgegen allen Geredes nie eine lieferte.
Dass Russlands MilitĂ€r aus Israel „vorab ĂŒber die AngriffsplĂ€ne informiert worden“ war, rundete das Bild ab.
Der sofortigen Behauptung der Netanjahu-Gang, der Beschuss des Golan sei durch iranische Einheiten erfolgt, widersprach die Putin-Gang nicht etwa, sondern stĂŒtzte diese auch noch, indem sie am Nachmittag des 10. Mai „Israel und den Iran“ dazu aufrief, ZurĂŒckhaltung zu ĂŒben und „ihre Streitigkeiten“ diplomatisch zu lösen. Dabei hatte zu diesem Zeitpunkt das syrische MilitĂ€r bereits kleinlaut auf Facebook die Urheberschaft des Beschusses vom Golan zugegeben.
Und obwohl es keine Anzeichen oder gar Belege dafĂŒr gab, dass es iranische Einheiten waren, die den Golan beschossen und der Gang in Tel Aviv den allerbesten Vorwand fĂŒr nur Tage zuvor in die Welt geblasenen PlĂ€ne von Luftangriffen auf Teheran geliefert hatten, kam von der iranischen Regierung fast einen Tag lang nichts und dann VerkehrsunfĂ€lle von Dementis.
Abermals, zum wiederholten Male, erwies sich die iranische Rgierung unter Hassan Rohani als bestenfalls strategisch unfÀhig und viel zu langsam.
Nach unseren Berichten zum Thema, in der wir der iranischen Regierung nahelegten Assad und Putin zum Teufel gehen zu lassen und ihre Truppen aus den HĂ€nden dieser vermeintlichen VerbĂŒndeten nach Hause zu holen, erschien es fast so, als ob die israelische Regierung Angst bekam, der Iran könnte sich der Falle des endlosen Syrien-Krieges von selbst entziehen. Plötzlich forderte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman von der Assad-Regierung den „Rauswurf“ des Iran aus Syrien.
Wie wir dazu am 12. Mai analysierten, wĂ€re fĂŒr die Netanjahu-Gang, die dringend einen Krieg und eine fiktive oder tatsĂ€chliche Ă€uĂere Bedrohung Israels braucht um dort an der Macht zu bleiben, ein Abzug der iranischen und libanesischen Einheiten aus dem Syrien-Krieg das tatsĂ€chliche Problem.
Dem Versuch aus der rechtsradikalen Regierung Israels die Initiative zu behalten, folgte Tage spĂ€ter der Kreml. Am 17. Mai, wĂ€hrend eines Besuchs von Assad im russischen Sotschi, hieĂ es durch Putins Sprecher, demnĂ€chst beginne der Abzug „auslĂ€ndischer bewaffneter KrĂ€fte“ aus Syrien.
ZunĂ€chst wurde nicht einmal erklĂ€rt, welche der zahlreichen auslĂ€ndischen MilitĂ€rs und ParamilitĂ€rs im Krieg in Syrien wohl damit gemeint seien. Kurze Zeit spĂ€ter fĂŒgte dann der Syrien-Sonderbeauftragte von Putin, Alexander Lavrentiev, hinzu, die ErklĂ€rung des Kreml umfasse
„alle auslĂ€ndischen Truppen in Syrien, eingeschlossen die tĂŒrkischen, amerikanischen, iranischen und Hisbollah“.
Der Begriff „Witz“ wĂ€re fĂŒr diese Farce des Kreml noch geschmeichelt. Russlands Marine-Basis im syrischen Tartus ist seit Jahrzehnten die einzige im Mittelmeer. Trotz jahrzehntelanger fortgesetzter Zuarbeit Russlands fĂŒr seine vermeintlichen geostrategischen Gegner ist es nahezu ausgeschlossen, dass die russische StaatsfĂŒhrung diese Basis opfert. TĂ€te es Putin dennoch, wĂŒrden eventuell sogar die Russen gegen ihren Zaren murren. Im Ăbrigen erzĂ€hlt Putin immer mal wieder vom Abzug Russlands aus Syrien, ohne dass es passiert.
Und nichts, aber auch gar nichts deutet auf einen Abzug der u.s.-amerikanischen, britischen, französischen Truppen, LuftstreitkrĂ€fte, Marine und Sondereinheiten hin, nichts. Und ebenfalls nichts auf einen Abzug der gesamten internationalen Kriegskoalition, von der Merkel-Scholz-Regierung bis hin zu Saudi-Arabien und Singapur. Und noch weniger auf einen Abzug der Truppen des Möchtegern-Sultans Tayyip Erdogan. Und immer noch zu wenig auf den Abzug der terroristischen Proxys und ParamilitĂ€rs, die all die zuvor genannten sauberen Herrschaften direkt oder indirekt finanzierten, ausrĂŒsteten, aufstellten und wohl auch bis heute fĂŒhren.
Dass der Kreml schon im Dezember 2015 erklĂ€rte, er decke und unterstĂŒtze auch die sogenannte „Freie Syrische Armee“, also nach fast allen öffentlich vorliegenden Quellen praktisch mit allen anderen terroristischen Proxys und ParamilitĂ€rs deckungsgleiche KrĂ€fte der Invasoren, auch das rundet das Bild ab.
Wie nun die „Welt“ exklusiv ankĂŒndigen durfte, wollen nĂ€chste Woche „Spitzenbeamte aus Deutschland, GroĂbritannien, Frankreich, Russland und China“ in Wien ĂŒber ein weiteres „Abkommen“ mit dem Iran beraten.
Die VetomĂ€chte im U.N.-Sicherheitsrat machten am 20. Juli 2015 schon das Atomabkommen mit dem Iran durch eine Resolution fĂŒr diesen komplett wertlos, da die Resolution es sowohl den Vereinigten Staaten, wie jeder anderen Vetomacht jederzeit ermöglichte das internationale Iranabkommen zu brechen bzw zu „kĂŒndigen“. Und das auch noch völkerrechtlich ungestraft, obwohl völkerrechtswidrig, und bei kompletter Irrelevanz des Sicherheitsrates, aber bei gleichzeitigem Zwang fĂŒr den Iran das „Abkommen“ bis ins kleinste Detail einzuhalten, bei Androhung von Sanktionen oder gar einem Angriffskrieg.
Was nun allein Verhandlungen mit den Atom- und VetomĂ€chten ĂŒber ein neues „Abkommen“ fĂŒr den Iran und die Welt bedeuten wĂŒrden, umschrieben wir bereits vor Wochen. Aus unserer Sicht heisst die einzig richtige Antwort aus Teheran dazu „Nein!“.
Bislang hat sich der Iran klugerweise an das Atom-„Abkommen“ gehalten. Der Iran hĂ€tte durch ein Atomwaffenprogramm nur alles zu verlieren und nichts zu gewinnen. Das gleiche in Syrien, oder im ebenfalls als Falle fĂŒr den Iran ausgelegten Jemen-Krieg.
In letzterem unterstĂŒtzt die saudische Monarchie offensichtlich beide Seiten. Und regelmĂ€Ăig rufen blutĂŒberströmte Jeminiten auf Twitter die iranischen BrĂŒder zu Hilfe, halten „Sputnik“ und „RT“ als ehrenwerte Journalisten das Thema konsequent in ihren Schlagzeilen, ohne dass dabei auch nur eine U.N.-Vetomacht, eine Institution der Vereinten Nationen, oder gar eine Regierung einen Finger rĂŒhren wĂŒrde um das Massaker dort tatsĂ€chlich zu beenden oder wenigstens aufzuklĂ€ren, was dort ĂŒberhaupt vor sich geht.
Stattdessen warten Medien, Regierungen, MilitĂ€rs und Eingeweihte heimtĂŒckisch darauf, dass der Iran dort endlich interveniert und die Drohnen am Himmel ĂŒber Riad als real, heilig und iranisch verkauft werden könnten. Absehbar folgen wĂŒrden Luftangriffe auf „iranische Einheiten“ hier und da und am Besten gleich im Iran selbst, aus lauter „Selbstverteidigung“.
Und auch dazu aus Teheran von seiten der Rohani-Regierung: nichts als groĂe, dicke, rote Augen und brĂ€sige UnfĂ€higkeit, seit Jahren. Und von Seiten der MilitĂ€rs, Revolutionsgarden, „Hardliner“ und Kriegslobby das gleiche heimtĂŒckische Glotzen in Sprunghaltung wie das ihrer Kollegen im „Westen“, um den gemeinsam verabscheuten iranischen PrĂ€sidenten endlich loszuwerden und einen Win-Win-Krieg zu starten, zum Wohle aller Kriegslobbyisten.
Der Kreml hat ĂŒberhaupt nichts dagegen, jedwede Entwicklung oder jedes Geschehen entweder als seine Idee, seinen genialen Plan, oder eben seine Allmacht und „Verschwörung“ darzustellen, wo und wann auch immer, solange nicht dessen tatsĂ€chliche Machtpolitik und Betrugsmaschinerie ebenso offensichtlich wird wie der grundsĂ€tzliche Widerspruch zwischen Regierung und Volk, in jedem Land, sowie das grundsĂ€tzliche Interesse aller Machthaber von diesem Widerspruch abzulenken und ihre Stellung durch einen fiktiven oder tatsĂ€chlichen Ă€uĂeren oder inneren Feind zu verbessern.
In der Betrugsmaschinerie innerhalb der U.S.-Hegemonie sehnt man sich nach einem neuen Feind. Die Syrien-Invasion ist gescheitert (was am Allerwenigsten an Russland liegt, sondern an dem enormen Blutzoll, den erstens die syrischen Bodentruppen und zweitens ihre VerbĂŒndeten bezahlt haben) und den terroristischen Milize der InvasionsmĂ€chte droht das Aus.
Selbst wenn man der gewohnt glĂ€ubigen Kundschaft im Hinterhinterland des „Westens“ die RĂŒckkehr der eigenen geheimdienstlich gestĂŒtzten InvasionsmilizionĂ€re noch eine Weile als Gefahr und Alibi fĂŒr noch mehr polizeistaatliche Transformation verkaufen kann, ist fĂŒr die Nomenklatura in Amerika und den E.U.-Staaten absehbar ein neues Feindbild notwendig, das quasi allzweckmĂ€Ăig zu gebrauchen ist und die Legitimation zur „Rettung“, also Fortsetzung des eigenen siebzehnjĂ€hrigen Terrorkrieg liefert und sicherstellt, dass kein Frieden ausbricht.
„Der Ewige Russe“, der einfach ĂŒberall lauert, Wahlen manipuliert, Agenten vergiftet und heimtĂŒckisch und gefĂ€hrlich gerade fĂŒr die „westlichen“ Demokratien ist (die zur Zeit in aller Ruhe von deren herrschenden Klassen zersĂ€gt werden, wĂ€hrend die Bevölkerung am linken Daumen lutscht und den anderen in den Wind hĂ€lt), er kommt da nur recht. Und Doppelagent Wladimir Putin spielt die Rolle gewohnt dienstlich und professionell. Und beim nĂ€chsten Gipfel oder Herrschaftsklassentreffen spielen sie alle wieder Karten miteinander und prosten sich zu, wie gerade beim G20-AuĂenministertreffen in Buenos Aires, von dem man ja die ganze Zeit in den Nachrichten hört.
Die Atom, GroĂ- oder VetomĂ€chte werden nie Wort halten, nie irgendetwas anderes im Sinne haben als Krieg, Eroberung, Betrug und Ausbeutung und nie irgendetwas fĂŒr den Frieden tun (letzteres vielleicht mit Ausnahme von China, welches dies aber nur extrem widerwillig, mĂŒrrisch, fĂŒnfzehn Jahre zu spĂ€t und nur deswegen tat, weil der Atomkrieg um Nordkorea buchstĂ€blich vor der HaustĂŒr stand).
Man kann sich nur wiederholen: der Iran sollte die StĂ€rke finden sich von Russland und dem Krieg in Syrien zu verabschieden, sich konsequent aus der Jemen-Falle fernhalten, schon zu Verhandlungen ĂŒber abermalige „Abkommen“ mit auslĂ€ndischen MĂ€chten Nein sagen, schlicht auf das Völkerrecht vertrauen und einfach abwarten.
