Analyse: Die Kriegslobby hat verloren, Chinas geopolitisches Gewicht ist dramatisch gewachsen
Nur mĂŒrrisch und extrem widerwillig hat sich China im Zuge der Nordkorea Situation als Weltmacht geoutet.
Die Bedeutung von Chinas BeistandserklĂ€rung fĂŒr Nordkoreas Regime, wie auch der deutlichen Ansage an Pjöngjang alle Folgen einer wahnsinnigen Attacke auf U.S.-Territorium gefĂ€lligst selbst auszubaden, ist in der Ăffentlichkeit natĂŒrlich nicht begriffen worden.
Entsprechend hier abermals unsere gestĂŒtzte Kommunikation.
Mit dem inoffiziellen Regierungsstatement Pekings vom Donnerstag (10.), im Falle eines Erstschlags von Nordkorea NeutralitÀt zu wahren (und damit in diesem Falle faktisch U.S.-SchlÀge gegen Nordkorea zu dulden) und andererseits dem nordkoreanischen Regime bei Umsturzversuchen und Invasion Beistand zu leisten, ist ein Krieg um, in, gegen oder seitens Nordkorea de facto vom Tisch. Die gesamte Kriegslobby ist nicht nur blamiert; sie hat eine epische, historische und strategische Niederlage erlitten, ihre erste seit Ausbruch des weltweiten Krieges in 2001. Gleichzeitig hat sich das gesamte geostrategische KrÀfteverhÀltnis auf dem Planeten grundlegend geÀndert.
Im Detail.
China wird also erklĂ€rtermaĂen militĂ€risch eingreifen, wenn es zu einem Umsturzversuch in Nordkorea kommt. Keine U.S.-Regierung, mĂ€chtigstes Land der Welt hin oder her, wird sich das erlauben können. Damit ist zunĂ€chst einmal der von C.I.A.-Direktor Pompeo am 20. Juli im Aspen Institut in die Welt geblasene Bluff vom „Regime Change“ (also Umsturz bzw Invasion) in Nordkorea vom Tisch. Pompeo hatte dieseLuftnummer als improvisierten Gegenangriff gestartet, wohl im Versuch das Gesicht zu wahren. Einen Tag zuvor war bekannt geworden, dass U.S.-PrĂ€sident Donald Trump der C.I.A. die Operation in Syrien entzogen bzw die Gelder fĂŒr deren terroristischen Milizen gestrichen hatte – fĂŒr die sich selbst als Gott verstehende klandestine Organisation C.I.A. mehr als hochnotpeinlich (wir berichteten).
In Nordkorea wiederum weiĂ das Regime nun, dass Chinas StaatsfĂŒhrung z.B. Luftangriffe des U.S.-MilitĂ€rs in Nordkorea dulden wird, wenn diese im Falle eines (völkerrechtlich legitimen) Gegenschlages erfolgen, weil Nordkoreas Regime zuerst angegriffen hat. Gleichzeitig kann Pjöngjang sich in diesem Falle nicht darauf hinausreden, dass seine Herrschaft bedroht ist, da China zugesagt hat Versuche eines Umsturzes und einer Invasion zu verhindern. Selbst vor der eigenen Bevölkerung, ja selbst vor den eigenen Kadern könnten die machthabenden bzw die Erstschlags-KrĂ€fte kontrollierenden Entscheider nun einen Erstschlag nicht mehr rechtfertigen, sondern mĂŒsste sich vor diesen fĂŒr die Folgen des eigenen Handelns rechtfertigen.
Das Regime wird sich also vor einer epischen, gigantischen Dummheit hĂŒten mĂŒssen.Im Gegenteil mĂŒssten diejenigen, die einen Erstschlag befehlen, einen Umsturz durch die eigenen Untergeben fĂŒrchten, ohne SystemverĂ€nderung. Ganz zu schweigen davon, dass die angeblichen Raketen-KapazitĂ€ten fĂŒr einen Angriff auf das rund 3600 Kilometer entfernte Guam nicht existieren (beim letzten Raketentest flog Nordkoreas „Interkontinentalrakete“ gerade einmal 1000 Kilometer weit, nicht weiter als bei Tests vor Monaten).
Dazu noch einmal der Hinweis: wo ist eigentlich der Diktator Kim Jong-Un? Auch bei der gestrigen Propagandascharade am Freitag (11.) auf dem Kim Il Sung Platz in Pjöngjang tauchte der geliebte FĂŒhrer des nordkoreanischen Universums nicht am Horizont auf.
Dass wiederum sogar der geliebte FĂŒhrer der Freien Welt mittlerweile ins GrĂŒbeln darĂŒber kommt, wem er eigentlich droht, wer ihn eigentlich provoziert and what the Hack eigentlich vor sich geht wenn er mal in Ruhe Golf spielen will, zeigte Donald Trump bei seiner gestrigen Pressekonferenz (Freitag, 11.).
Auf den gezielten, ziemlich ĂŒblen Versuch eines Reporters Trump mit angeblichen Beileidigungen Nordkoreas wieder einmal aus dem Anzug springen zu lassen und gut verkĂ€ufliche Fire, Fury and Slaughterhouse Zitate zu produzieren (ab 9.47 min), reagierte der U.S.-PrĂ€sident bemerkenswert gut: Er wolle dies von Kim Jong-Un selbst hören. Dieser habe in den letzten drei Tagen nicht viel gesagt (Anm.: es waren sehr viel mehr als drei Tage).
Zur Pressekonferenz ist noch folgendes zu sagen: dass der links neben der Pressesprecherin auch dabei stehende Nationale Sicherheitsberater H.R. McMaster nichts sagte, dafĂŒr aber AuĂenminister Rex Tillerson. Der PrĂ€sident lieĂ seinem AuĂenminister erkennbar Raum, auch fĂŒr ErklĂ€rungen hinsichtlich mutmaĂlicher medialer Entlastungsangriffe bezĂŒglich angeblich vor Monaten erfolgter „Schall-Angriffe“ in Kuba, und wĂŒrgte Tillerson nur fĂŒr eine eher ĂŒbliche Wenn-Dann-Ansprache („militĂ€rische Option, wenn notwendig“) in Richtung Venezuela ab.
Auf den erneuten Versuch des ominösen Reporters sofort wieder auf den Zug aufzuspringen und „Regime Change in Nordkorea oder Venezuela“ ins Spiel zu bringen, ging Trump nicht in die Falle und betonte, es handele sich um „zwei sehr verschiedene Orte“.
Bereits vorher hatte Trump angekĂŒndigt, dass er und der StaatsprĂ€sident Chinas Xi Jinping noch am Freitag (11.) telefonieren wĂŒrden.
Anzunehmen, dass Xi dabei das wiederholte, was die regierungsnahen Zeitungen ab Donnerstag Abend Pekinger Zeit bereits zum Ausdruck gebracht hatten. Offiziell hieĂ es aus China, Xi habe die Bereitschaft zur Kooperation mit der U.S.-Regierung zum Ausdruck gebracht und das gemeinsame Interesse einer „Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel“ betont – also ein Ende des Atomwaffenprogramms vom nordkoreanischen Regime.
Trump kann insoweit zufrieden sein. Er steht als starker Mann da, der im Falle eines Falles, der nie der Fall sein wird, mit Erlaubnis von China Nordkorea bombardieren darf.
China wiederum hat etwas getan, was kein anderer Staat, explizit Russland und China selbst, seit 2001 jemals getan hat: es hat, durch ein eindeutiges „Bis hierhin und nicht weiter!“, den U.S.A. und deren sauberen „Alliierten“ Grenzen fĂŒr deren im Zuge des weltweiten Terrorkrieges („global war on terror“) exekutierte weltweite KriegfĂŒhrung, UmstĂŒrze und BlutbĂ€der gesetzt.
Gerade Russland, dessen StaatsfĂŒhrung nach dem kurzen Aufblitzen einer ernstzunehmenden Politik im Zuge des Dreier-BĂŒndnisses von Deutschland, Frankreich und Russland gegen die Irak-Invasion in 2002 / 2003 eine extrem heuchlerische und verlogene Politik betrieben und dem „War on terror“ verdeckt sogar zugearbeitet hat, ist geopolitisch blamiert. China hat das getan, wozu Russland auch in Libyen und in Syrien nicht willens war: einen Krieg zu stoppen, bevor er beginnt.
Dass Moskau nun auch Venezuela in aller Ruhe und ohne mit der Wimper zu zucken in den Abgrund fallen lĂ€sst, wĂ€hrend seine Boulevardschleudern im „Westen“ um die Wette heucheln, rundet das Bild ab. Alles Geschwafel aus Moskau, sowie Versuche nun auf einen fiktiven „russisch-chinesischen“ SchoĂ zu springen, sind in diesem Kontext zu sehen. Moskau kann sich hinten an die Wand stellen und die Klappe halten, wĂ€hrend andere Politik machen.
China hat, als einzige GroĂmacht, deutlich gemacht, dass es keinen Krieg zu fĂŒhren braucht um seine Positition zu stĂ€rken oder zu halten. Das hat es gar nicht nötig. Andererseits haben die Kader Pekings bewiesen, dass ihnen das Schicksal anderer Völker und Millionen von Menschen völlig gleichgĂŒltig sind, genauso wie das eigene milliardenfach ausgeplĂŒnderte „Humankapital“ im Kapitalisten-Bordell von „Volksrepublik“. Nur wenn die eigenen GeschĂ€fte bedroht sind – aber auch nur dann – bequemt sich Peking ausnahmsweise einmal irgendetwas zu tun, was (quasi nebenbei) mehr tut als nur die eigenen GeschĂ€fte zu beschĂŒtzen.
MĂŒrrisch und extrem widerwillig hat sich China im Zuge der Nordkorea Krise als Weltmacht geoutet. Wie viele Millionen Menschen weltweit könnten noch leben und um wie viel könnte das Leben fĂŒr alle auf dem Planeten besser sein, wenn die chinesischen Kader dies Jahre frĂŒher getan hĂ€tten?
Die Bedeutung der gegenwÀrtigen geopolitschen Entwicklungen werden in Deutschland wie immer viel spÀter ankommen.
Um wie viel spÀter, hÀngt von jedem und jeder Einzelnen und der aus der Mode gekommenen FÀhigkeit ab, auch mal etwas anderes als Mist weiterzuerzÀhlen, der wiederum nur erzÀhlt wird und erzÀhlt werden kann in der zumeist richtigen Annahme, dass die Beschwatzten ihn gerne hören.
