Doppelagent Putin

Dritte AmtseinfĂŒhrung von Wladimir Putin am 7. Mai 2012, Screenshot aus LiveĂŒbertragung

Der ranghöchste FunktionĂ€r seiner staatlichen Hierarchie ist nicht einmal mit Russland verbĂŒndet, geschweige denn mit Syrien, dem Iran oder irgendeinem anderen aus der U.S.-Hegemonie seit Jahrzehnten attackierten oder direkt angegriffenen Land. In Wirklichkeit dient Wladimir Putin dem von uns bereits mehrfach beschriebenen imperialen Komplex und einer seit bald siebzehn Jahren den weltweiten Terrorkrieg fĂŒhrenden großen Koalition des Krieges und internationalen Kriegslobby und strebt deren noch effektivere Kollaboration an.

Putins Rolle dabei ist Ă€hnlich dem eines der vielen Monarchen vor und im Ersten Weltkrieg. Und seine Funktion, wie der „prorussischen“, also der pro-regierungs-russischen Lobby insgesamt, ist es, in verdeckter Dialektik mit ihren spiegelbildlichen „proamerikanischen“ bzw „proeuropĂ€ischen“ Pendants in der U.S.-Hegemonie die jeweilige innere Opposition, gerade die fortschrittliche und pazifistische, in Verbindung mit dem jeweils anderen Blockgegner zu bringen, sie von diesem absorbieren zu lassen und so im Inneren erst zu diskreditieren und letztlich neutralisieren zu können.

Die Skripal-AffĂ€re, mit all ihrer Schnitzeljagd, drehbuch-Ă€hnlichen Facetten, dramaturgischen Kniffen und dem auch aus dem Syrien-Krieg bekannten um-die-Wette-LĂŒgen von allen staatlichen Seiten, sprang aus dem Hut nicht nur nachdem, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach gerade weil angesichts des Korea-Gipfels im LĂ€nderdreieck Korea, China und Japan ein Frieden mit weltweiter Strahlkraft droht.

Von Anfang diente dabei die Skripal-AffĂ€re nicht nur dem Wahlkampf des vermeintlichen Nationalisten Wladimir Putin und dessen Vorantreiben der „Eurasischen Union“, mitsamt einem seit 28 Jahren auch von der Nomenklatura in Deutschland still und leise geplanten Andocken an eine „EuropĂ€ische Union“ zwecks „gemeinsamer Wirtschaftszone von Wladiwostok bis Lissabon“ bzw gleich „von Vancouver bis Wladiwostok“. Die Skripal-AffĂ€re diente natĂŒrlich auch der von OppositionsfĂŒhrer Jeremy Corbyn getriebenen Premierministerin ihrer MajestĂ€t, Theresa May im Vereinten Königreich. NatĂŒrlich wurde Corbyn, der angesichts der aus dem Nichts und nur Monate nach der BegrĂŒĂŸung des guten alten Boris in Moskau (inszenierte Hakelei inklusive) aufgeblasenen Spannung zwischen zwei Quasi-Monarchien auf dem Kontinent, in gutem Glauben erst Beweise vor Urteilen oder gar irgendwelchen militĂ€rischen Aktionen forderte, prompt als „Prorusse“ diffammiert.

Moskau selbst gab in dieser AffĂ€re mal den doofen, gemeinen Russki, oder auch den armen, unschuldigen ex-Befreier vom Faschismus und historisch immer vom Westen Überfallenen. Substanz hatte dabei nichts, was irgendein staatlicher FunktionĂ€r behauptete oder aussagte, weder in Russland, noch in Großbritannien. Nichts.

Der nun erfolgte erneute Luftangriff gegen Syrien reprÀsentiert die Wiederholung einer Seifenoper aus dem letzten Jahr (11.04.2017, Wag the Russki). Drehbuch wie folgt:

– U.S. PrĂ€sident Donald Trump Ă€ußert in etwa „es hat nach Hunderttausenden von Toten keinen Sinn mehr die Invasion in Syrien mit terroristischen Proxy-Truppen und regulĂ€ren eigenen Einheiten weiter fortzusetzen“,

– im Gebiet der terroristischen Proxies und Invasoren bei Ghouta ereignet sich ein fiktiver oder tatsĂ€chlicher Einsatz von Chemiewaffen,

– Trump dreht sich um 180 Grad und kĂŒndigt einen MilitĂ€rschlag auf Syrien an,

– dieser erfolgt, mit AnkĂŒndigung und laut der französischen Verteidigungsministerin und einem anonymen Politiker ĂŒber „Reuters“ abermals mit Vorwarnung durch die WestmĂ€chte,

– die russische Flugabwehr tut nichts, gibt auch noch damit an und die syrische, die genau wie die russischen MilitĂ€rs noch jedem Massaker gegen die eigenen und verbĂŒndeten Truppen aus Irak, Iran und Libanon zugesehen hat wie die Karnickel auf der Fahrbahn, behauptet dies und das.

Einer der wenigen Unterschiede zum letzten Jahr ist, dass sich neben Donald Trump mit Emmanuel Macron und Theresa May nun zwei weitere in ihrem Land hoch umstrittene Staatsleiter vor die Presse stellen und sagen können, sehet her, das haben sie nun davon, diese Russkis. Und Putin, der arme Putin, zitiert das Völkerrecht.

Dass die russische StaatsfĂŒhrung Syrien nie beabsichtigt hat Syrien gegen Luftangriffe zu verteidigen, sagte sie schon im letzten Jahr. Dass der russische PrĂ€sident jetzt von einer Verletzung der SouverĂ€nitĂ€t Syriens redet, spricht BĂ€nde ĂŒber dessen auch im Humor zum Ausdruck kommenden Grausamkeit. Der ganze Luftraum Syriens quillt ĂŒber von irgendwelchen Kampfjets von Vancouver bis Wladivostok, seit Jahren. Noch einmal – hĂ€tte die Russische Föderation vor Beginn der Syrien-Invasion oder vor Beginn der Libyen-Invasion den dortigen Regimen eine GarantieerklĂ€rung gegeben, wie sie China letzten Sommer unter viel Gewimmer und Gebrumm endlich gegenĂŒber Nordkorea abgab, wĂ€ren Hunderttausende Menschen heute noch am Leben.

Und wer es vergessen hat – Russlands „Eingreifen“ in der Syrien-Invasion, vor der ich schon vor elf Jahren warnte, erfolgte erst Mitte 2015, drei Jahre nachdem ich warnte, dass die Schwachmacht Russland wieder dabei ist die Welt in einen Abgrund zu reißen.

Es sollten sich grade politisch links stehende bzw progressive KrĂ€fte in der U.S.-Hegemonie dreimal ĂŒberlegen, ob sie eine unreflektierte „prorussische“ Position adaptieren und es dann sein lassen. Umgekehrt ist allen Dissidenten in der Russischen Föderation und deren Macht- und Einflussbereich dringend zu raten, von allen vermeintlich guten Freunden aus dem „Westen“ den weitestmöglichen Abstand zu nehmen.

(…)

Artikel zum Thema:
07.06.2017 Taktik des Terrorkrieges: Wahrnehmungs-Management, Verwirrung, gelenkte Querfront
„In Russland gab es eine Gruppe von MĂ€nnern, die bemerkt hatte, wie dieser fehlende Glaube an die Politik, sowie die dunkle Unsicherheit ĂŒber die Zukunft, zu ihrem Vorteil arbeiten konnte. Was sie getan hatten, war, russische Politik in eine seltsame Art von Theater zu verwandeln, wo keiner mehr sicher sein konnte was wahr oder FĂ€lschung („fake“) war. Diese wurden „politische Technologen“ genannt. Und sie waren die SchlĂŒsselfiguren hinter PrĂ€sident Putin.“

14.03.2016 Russland sinkt sogar unter den GroßmĂ€chte-Standard eines abschreckenden Beispiels
Man stelle sich mal vor, in, sagen wir, Spanien wĂŒrden erst Massendemonstrationen gegen die Monarchie beginnen, dann von ScharfschĂŒtzen bzw Unbekannten in die Reihen der Polizei und der Demonstranten gefeuert und ĂŒber Monate eine Eskalationsspirale zwischen natĂŒrlich unbewaffneten, guten Demokraten und einer mörderischen Monarchie aufgebaut, in dessen weiterer Folge Teile des spanischen MilitĂ€rs plötzlich desertieren, aber genĂŒgend Munition und AusrĂŒstung fĂŒr jahrelangen Krieg mitnehmen, sich fortan auf magische Weise selbst versorgen und sich dann irgendwann, merkwĂŒrdigerweise zu blutrĂŒnstigen Todesschwadronen geronnen, bei der Versorgung ĂŒber Marokko und das Mittelmeer erwischen lassen. Glaubt irgendjemand im Ernst, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sich das auch nur einen Monat lang mitangesehen hĂ€tten?