Analyse: Putin organisiert den Israel-Syrien-Krieg und gefährdet den Iran

Putin, Trump, Netanyahu und offensichtlich auch Bashir Assad spielen alle auf derselben Seite. Irans Präsident Hassan Rohani sollte mit dem Abzug seiner Truppen aus Syrien drohen und endgültig mit Russland brechen.

In der Nacht nach dem Besuch von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in Moskau bei Russlands Präsident Wladimir Putin, dem gemeinsamen Abnehmen einer Parade auf dem roten Platz und unmittelbar nach Netanyahus Rückkehr nach Tel Aviv, beschießen syrische Militäreinheiten die Golan-Höhen, also seit 1967 israelisch besetztes Territorium. Netanyahu nimmt die Einladung dankend an. Israels Militär beschießt nun Syrien und verkündet selbst, es habe sich vorher mit den russischen Stellen abgesprochen.

Zur Zeit herrscht informelles Chaos, von allen Seiten strömt Propaganda.

Es ist offensichtlich und unleugbar, dass sowohl das Handeln der syrischen, wie israelischen Stellen in Absprache mit Russlands Militär und dessem Oberkommandierenden Putin über die Bühne geht. Dabei spielen sowohl die Handlungen der syrischen, als auch der israelischen Regierungsstellen direkt den Interessen der U.S.-Regierung von Donald Trump im Weißen Irrenhaus in die Hände, der gerade das internationale Iran-Abkommen gebrochen, die "Netanjahu Doktrin" vollständig adaptiert hat und offene Pläne zum Angriffskrieg alias "Regime Change" gegen den Iran schmiedet, für den derzeit irgendwelche Vorwürfe gesucht werden.

Was wir seit seit Jahren immer wieder berichtet und analysiert haben, tritt nun offen zu Tage: Doppelagent Putin ist nicht einmal mit Russland verbündet und schon gar nicht mit Iran, Syrien oder Israel. Es geht Putin um die Fortsetzung des transformativen weltweiten u.s.-geführten Krieges seit 2001, dem er seit dessen Ausbruch nie etwas entgegen gesetzt, sondern stets in die Hände gespielt hat.

Putin, Trump, Netanyahu und offensichtlich auch Bashir Assad spielen alle auf derselben Seite. Leidtragender sind derzeit noch das syrische Volk, was bereits rund eine halbe Million Tote zu beklagen hat. Nächstes Zielobjekt der Falschspieler ist absehbar das iranische Volk.

Irans Präsident Hassan Rohani sollte sich überlegen, mit wem er glaubt verbündet zu sein und im Zweifel mit dem Abzug seiner Truppen aus Syrien drohen. Wenn dessen Präsident Assad zum wiederholten Mal, in Absprache mit Putin und damit mit Netanyahu, dem angeblichen Erzfeind und den Invasoren  Syriens eine Einladung ausspricht, sollte Rohani den Iran nicht in den Abgrund dieses Verrats mit hineinziehen lassen.

Aktualisierung 17.11 Uhr

Der Kreml bestätigte im Laufe des Nachmittags unsere Analyse. Putins Sprecher forderte in einer Telefonkonferenz mit Reportern "Israel und den Iran" auf, Zurückhaltung zu üben und "ihre Streitigkeiten" diplomatisch zu lösen. Das ist die indirekte Behauptung, iranische Verbände hätten den Raketenangriff auf den Golan verübt. Im Gegensatz dazu behauptet eine Vielzahl syrischer regierungstreuer Quellen, es seien syrische Verbände gewesen die den Raketenangriff gestartet hätten.

Aus dem Iran wiederum kam ein Dementi, das umsonst noch zu teuer ist.

Hassan Beigi (Abolfazl Hasan Beigi), den "Sputnik" zum harmlosen Parlamentarier (unvollständig) und die "Haaretz" zum Vize des iranischen Nationalen Sicherheitsrates (falsch) machte, bestritt heute im Laufe des Nachmittages, dass iranische Verbände im Syrien-Krieg die Raketen auf den von Israel besetzten Golan abgefeuert hätten.

Und dann sagte der Vizevorsitzende der iranischen Parlamentskommission für Nationale Sicherheit und Außenpolitik, es gäbe gar keine iranischen Verbände im Syrien-Krieg.

Ein so erbärmliche Lüge macht die Gefahr für den Iran nur noch größer.

Der Iran verteidigt in Syrien seit 2011 einen vermeintlichen Verbündeten gegen eine brutale und blutige Invasion. Zum Dank zieht nun dieser Verbündete, Bashir Assad, unter der Regide des vermeintlichen Verbündeten Putin, im Konzert mit den angeblichen Feinden Netanyahu und Trump, den Iran in einen drohenden Krieg hinein, den dieser gerade jetzt als Allerletztes gebrauchen kann. Und nicht nur den Iran, sondern obendrein noch die libanesischen Milizen der Hisbollah (Hizb-Allah, "Partei Gottes"), deren interkonfessionelles Wahlbündnis 8. März gerade im Libanon einen überwältigenden Wahlsieg eingefahren hat.

Und das alles für einen militärisch sinnfreien, militärpolitisch haarsträubenden und politisch selbstmörderischen Angriff, den U.S.-Geheimdienste auch noch unmittelbar vorher voraussagten und um den Israels rechtsradikale Regierung geradezu bettelte und präventiv schon mal feststellte, wer diesen verüben würde.

Wenn Irans Staatsführung jetzt nicht reagiert, lässt sie sich von falschen Freunden und echten Feinden in den Abgrund reißen.

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