Im Weißen Irrenhaus

Donald Trump gestern nach der Unterschrift unter einen Präsidentenbefehl ("Executive Order") zwecks neuer Sanktionen gegen Iran. (Bild: Screenshot Youtube)

Das Gefährliche an Donald Trumps am 73. Jahrestag vom Ende des Zweiten Weltkriegs abgesonderten Potburi des Wahnsinns waren nicht der Bruch des internationalen Iran-Abkommens oder die Unterwürfigkeitsgesten der üblichen Untertanen. Es war das Schweigen der Staatskader in der großen Koalition des Krieges in China und Russland.

Was Donald Trump, der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, da gestern im Präsidentenpalast erzählte, hatte nur insofern etwas mit der Realität zu tun, als dass er diese nahezu diametral auf den Kopf stellte und so leidlich erkennbar werden ließ.

Trump machte nicht nur den Eindruck eines TV- und Game Show Moderators, der dank der Mutter aller Verräterparteien (die "Demokratische Partei") und sogar wider eigenen Willens ins "Weiße Haus" geschoben worden war und nun einen mit lauter Verrücktheiten gefüllten Bildschirm ablas - er war es, aus Fleisch und Blut.

Er redete und redete. Hunderte von amerikanischen Soldaten seien, letzten Endes, irgendwie durch den Iran ermordet worden. Hisbollah. Und so weiter. Man kann nur vermuten, dass er mit "über die Jahre" die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts und Beirut meinte, oder Jemen und den Angriff auf die U.S.S. Cole im Jahre 2000. Und an der Tür stand John Bolton, den sogar Etablierte im internationalen Medienkomplex als "zweitgefährlichsten Mann in Amerika" oder "Gefahr für den Weltfrieden" bezeichnen. Das Bolton damit Politschleuder der Regierungsverrückten in Tel Aviv spielt, versteht sich von selbst.

Es gäbe nun, so Trump, den "definitiven Beweis", dass das Versprechen eines zivilen Atomprogramms zum Betrieb von Atomkraftwerken im Iran "eine Lüge war". Er zieht Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Show vom 30. April heran. Diese habe "schlüssig bewiesen", dass Irans Regime "seine Geschichte des Strebens nach Nuklearwaffen hatte".

Wie wir bereits dazu anmerkten, ist es für Fans der rechtsradikalen Regierung von Israel offensichtlich schon ein Problem zu verifizieren, bei was sie dieser überhaupt zustimmen.

Selbst Netanjahu konnte nicht behaupten, dass "der Iran" (also dessen staatliche Autoritäten) ein Atomwaffenprogramm habe, dass der Iran auch nur den Entschluss gefasst habe eines zu beginnen, oder dass der Iran das internationale Atomabkommen verletzt habe.

Was Netanjahu am 30. April tatsächlich behauptete, während er im Nebel seiner Show drei weitere Schritte zum Faschismus in Israel in Gang setzte:

Man habe nun Beweise, dass der Iran fünfzehn Jahre alte Unterlagen über ein bis zum Jahre 2003 existierendes und seitdem nie wieder begonnes Atomwaffenprogramm lagere, mit deren Hilfe dieser islamische Staat zu einem Zeitpunkt seiner Wahl mit Hilfe wieder ein Atomwaffenprogramm beginnen könnte (das Atomabkommen läuft im Jahre 2025 bzw 2030 aus) und dass israelische Stellen eine halbe Tonne dieses Materials vor Wochen irgendwie aus einem Bungalow in Teheran nach Israel geschafft hätten. (01.05.2018, Was Netanjahu tatsächlich sagt)

Alles, aber auch wirklich alles an Netanyahus (und der vulkanischen Geistverschmelzung folgend nun Trumps) Sermon beruht auf Geheimdiensten und deren angeblichen "Informationen", genauso wie der Show Netanjahus folgende windelweiche Unterwürfigkeitsgeste der "Internationalen Atomenergiebehörde" I.A.E.A., die ihren eigenen Abschlussbericht zum Internationalen Atomabkommens mit dem Iran relativierte.

Das analytisch Interessante an Trumps Auftritt war, dass die internationale Kriegslobby offenbar tatsächlich glaubt, die Zeit einfach wieder zurückdrehen zu können und so zu tun, als ginge es einfach weiter mit dem weltweiten Krieg. Öffentlich zu Füßen lagen Netanjahu und Trump diesmal aber nur die üblichen Untertanen, wie Bret Stephens in der "New York Times", Noa Landau in der "Haaretz" oder Clemens Wergin und Daniel-Dylan Böhmer in der "Welt".

Der Großteil im internationalen Medienkomplex hält diesmal den Kopf unten, wartet auf die Antwort tatsächlich relevanter Journalisten, die Entwicklung der öffentlichen Weltmeinung und versucht sich im Windschatten zu halten, um ja nicht auf der Seite der Verlierer zu stehen. Und alle, wirklich alle im Medienkomplex, ließen den gestrigen 73. Jahrestag vom Ende des Zweiten Weltkriegs stillschweigend unter den Tisch fallen, um den zeitlichen Zusammenhang mit Trumps Auftritt nicht auffallen zu lassen.

Wirklich bedeutsam, extrem perfide und gefährlich für die Menschheit ist vielmehr das Trumps Verrücktheiten begleitende Schweigen, vorneweg von Doppelagent Wladimir Putin, der heute seinen guten Freund Netanjahu im Kreml begrüßt, aber auch seitens der Kader Chinas.

Beide Staatsführungen, sowohl die in Russland, als auch in China, könnten eine Kriegsgefahr gegen oder um den Iran jederzeit durch eine Garantie-, Beistands- und Neutralitätserklärung beenden, wie sie China schließlich im August 2017 gegenüber Nordkorea abgab und sich schließlich damit, mürrisch und extrem widerwillig, als sehr wohl in der Lage entpuppte einen Krieg zu beenden bevor er beginnt.

Wie wir bereits mehrfach erwähnten, taten dies China und Russland weder gegenüber Irak, Libyen oder Syrien. Die Staatsführungen in Peking und Moskau sind damit mitverantwortlich für den Tod von bislang über vier Millionen Menschen durch den U.S.-geführten Terrorkrieg seit 2001.

Dass die Staatsführungen von Frankreich, Großbritannien und Deutschland eine (auf der Webseite der Bundesregierung weggeschämte) gemeinsame Erklärung abgaben, in der sie den Bruch des internationalen Abkommens mit dem Iran durch die Vereinigten Staaten kritisierten und am Atomabkommen festhielten, ist einerseits zwar ein gutes Zeichen. Es deutet allerdings andererseits darauf hin, dass die Großmächte den Planeten bereits unter sich aufgeteilt und ihre Reviere bzw Abbaugebiete abgesteckt haben.

Dass bei all diesen Entwicklungen Parlamente, Parteien, "Friedensbewegungen" oder Bürgerrechtsorganisationen lediglich die Rolle begleitener Simulationen spielen, gilt bis zum Beweis des Gegenteils.

Der iranische Präsident Hassan Rohani reagierte unterdessen klug. Zur Zeit bricht der Iran nicht das internationale Abkommen.

Behält die iranische Regierung diesen Kurs bei, hält ihre Dummbeutel von Revolutionsgarden an der Leine, ihre eigene Kriegslobby im Käfig, und macht sonst einfach nichts als weiterhin Syrien zu helfen gegen den Angriffskrieg der Invasionsmächte U.S.A., Saudi-Arabien, Großbritannien, Frankreich, Türkei, Deutschland, etc, etc, etc, und deren terroristischen Proxys zu gewinnen und letztere endlich aus dem Land zu jagen, kann der Iran aus dieser Entwicklung nur als Gewinner hervorgehen.

Die Vereinigten Staaten aber sind nun selbst verschuldet international, völkerrechtlich und offiziell Vertragsbrecher und nicht vertragswürdig, bei was auch immer.

(...)

Artikel zum Thema:
25.04.2018 Was allein Verhandlungen über ein neues internationales Iran-Abkommen bedeuten würden
und die einzig richtige Antwort darauf.

Artikel zuletzt aktualisiert um 15.44 Uhr

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