DAS WANDERNDE AUGE – Der besonders exklusive VIP-Club
Aufgrund der Tatsache, dass an diesem Wochenende die jĂ€hrliche Zusammenkunft des geheimnisumwobenen Bilderberg-Clubs bevorsteht, dieses Mal in der Schweiz, veröffentlichen wir zwei ĂŒbersetzte Artikel des investigativen Journalisten Pepe Escobar aus der Vergangenheit als Hintergrundinformation.
ZusĂ€tzlich zu den zwei Texten von Pepe Escobar möchte ich bezĂŒglich des geschichtlichen Hintergrunds des Bilderberg-Clubs, insbesondere des nazistischen, auf einen Essay von David Guyatt hinweisen, der sich unter anderem damit beschĂ€ftigt, dass der erste Tagungsort des Bilderberg-Clubs 1954 in der NĂ€he der berĂŒhmten BrĂŒcke von Arnheim eventuell nicht ganz zufĂ€llig gewĂ€hlt worden war. Dieser Text, der unter der Ăberschrift âPRINCES OF PLUNDER. THE SHAPE OF TREACHERY AND THE BRIDGE AT ARNHEMâ veröffentlicht wurde, ist auf der Website Deep Black Lies einzusehen: http://www.deepblacklies.co.uk/princes_of_plunder.htm.
Nachdem ich des Ăfteren erfolglos versucht hatte, mit Herrn Guyatt, einem englischen Bankier, der in der City of London gearbeitet hat, Kontakt aufzunehmen, wandte ich mich an Bob Chapman, den Herausgeber des âInternational Forecasterâ. Herr Chapman schrieb mir daraufhin zurĂŒck:
âIch bin mit David Guyatt etwa 15 Jahre, vielleicht auch 20 Jahre bekannt gewesen. Er hat ein Buch ĂŒber Gold geschrieben und schien mir immer ein netter Mensch zu sein. Allerdings haben wir den Kontakt zueinander verloren. Ja, er ist sehr geheimnisvoll, und ich kann es ihm nicht verdenken. Heutzutage ist es in den USA so, dass wenn die Regierung eine starke Abneigung gegen jemanden hegt, dass man geselbstmordet wird oder einen Unfall hat. Das letzte Mal, dass ich Kontakt mit ihm hatte, war er in England, und ich weiĂ nicht, ob er noch lebt.â
Von daher kann ich leider keine Ăbersetzung des obigen Textes anbieten, weil partout kein Kontakt zu Herrn Guyatt fĂŒr eine Genehmigung zustande kommen will.
Und damit nun zu Pepe Escobar und seinen zwei Texten zum Bilderberg-Club, der sich dieses Jahr vom 9. bis 12. Juni in St. Moritz, Schweiz im 5-Sterne-Hotel âSuvretta Hausâ zusammenfindet.
Der 1954 geborene Pepe Escobar aus Sao Paulo, Brasilien ist einer der herausragendsten Journalisten unserer Zeit. Escobar, der vom frĂŒheren CIA-Analysten Ray McGovern schlichtweg âder Besteâ genannt wird, arbeitet fĂŒr die Asia Times und ist ein Analyst von The Real News. DarĂŒber hinaus ist er der Autor dreier BĂŒcher: Globalistan: How the Globalized World is Dissolving into Liquid War, Red Zone Blues: a snapshot of Baghdad during the surge und Obama does Globalistan.
Er hat von verschiedenen LĂ€ndern und Konflikten berichtet, darunter Afghanistan, Pakistan, Irak, Iran, Zentralasien, U.S.A. und China. FĂŒr Asia Times Online ist er als âThe Roving Eyeâ, das heiĂt: âDas Wandernde Augeâ unterwegs, um vor allem geopolitische Weltereignisse, aber auch die Art, wie sie in den Medien prĂ€sentiert werden, zu diskutieren. Diese Kolumne ĂŒbersetzen wir mit freundlicher und ausdrĂŒcklicher Autorisierung von Pepe Escobar exklusiv fĂŒr LarsSchall.com ins Deutsche.
DAS WANDERNDE AUGE
Die Herren des Universums
von Pepe Escobar, 22. Mai 2003
Es kann aufschlussreich sein zu erfahren, was US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der âPrinz der Finsternisâ Richard Perle am vergangenen Wochenende taten. Vom 15. bis 18. Mai waren sie GĂ€ste im Trianon Palace Hotel, in der NĂ€he des spektakulĂ€ren Palastes von Versailles bei Paris, um das jĂ€hrliche Treffen des Bilderberg-Clubs zu besuchen.
Je nachdem, welches ideologische Prisma man ansetzt, kann man den Bilderberg-Club als eine internationale Ultra-VIP-Lobby der Machtelite in Europa und Amerika betrachten, die fĂ€hig ist, die internationale Politik hinter verschlossenen TĂŒren zu lenken; einen harmlosen âGesprĂ€chskreisâ von Politikern, Wissenschaftlern und Industriemagnaten; oder eine kapitalistische Geheimgesellschaft, die vollstĂ€ndig im Eigeninteresse operiert und nach der Weltherrschaft strebt.
Der Bilderberg-Club wird von vielen Finanz- und GeschĂ€ftseliten als die oberste Kammer der Hohepriester des Kapitalismus angesehen. FĂŒr einen solchen Club kann man keinen Mitgliedsantrag stellen. Jedes Jahr stellt ein mysteriöser âLenkungsausschussâ eine ausgewĂ€hlte Einladungsliste mit maximal 100 Namen zusammen. Der Ort fĂŒr ihre jĂ€hrlichen Sitzungen ist nicht wirklich geheim: sie haben sogar einen Hauptsitz in Leiden in den Niederlanden. Aber die Treffen sind umhĂŒllt von gröĂter Geheimhaltung. Teilnehmer und GĂ€ste legen nur selten offen, dass sie anwesend sind. Ihre Sicherheit wird vom militĂ€rischen Geheimdienst durchgefĂŒhrt. Was aber hat diese geheimnisvolle Gruppe wirklich vor? Nun, sie reden. Sie betreiben Lobby. Sie versuchen, ihren bereits immensen politischen Einfluss zu vergröĂern, auf beiden Seiten des Atlantiks. Und alle versprechen absolute Geheimhaltung ĂŒber das, worĂŒber diskutiert wurde.
Bei den Bilderbergern mischen sich Zentralbanker, Verteidigungsexperten, Pressebarone, Staatsminister, Premierminister, Aristokraten, internationale Financiers und Politiker aus Europa und Amerika. Die GĂ€ste in diesem Jahr, zusammen mit Rumsfeld und Perle (der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz ist auch Mitglied), waren der Bankier David Rockefeller sowie verschiedene Mitglieder der Familie Rockefeller, Henry Kissinger, Königin Beatrix der Niederlande, Königin Sofia und König Juan Carlos von Spanien, und hohe Beamte verschiedener Regierungen. Bilderberg lĂ€dt â oder akzeptiert â keine Asiaten, Menschen des Nahen Ostens, Lateinamerikaner oder Afrikaner ein.
Einige der fĂŒhrenden Financiers und auĂenpolitischen Strategen der westlichen Welt nehmen an Bilderberg teil, ihrer Ansicht nach, um einen praktischen Konsens aufzupolieren und zu verstĂ€rken, eine Illusion, dass die Globalisierung, zu ihren Bedingungen, unvermeidlich und das Beste fĂŒr die Menschheit ist â was gut fĂŒr Banken und groĂe Unternehmen ist, ist auch gut fĂŒr alle anderen. Falls sie eine geheimen Agenda besitzen, dann ist dies die Tatsache, dass ihre unglaubliche Konzentration von Reichtum und Macht komplett losgelöst ist von ihrer ErklĂ€rung an ihre GĂ€ste, wie die Globalisierung 6,2 Milliarden Menschen zugute kommt. Einige der frĂŒheren GĂ€ste des Clubs wurden spĂ€ter zu wichtigen Akteuren. Bill Clinton wurde 1991 und Tony Blair 1993 eingeladen, und sie wurden von Bilderberg ordnungsgemÀà âabgesegnetâ, bevor sie ihre Ămter antraten.
Es gibt unzĂ€hlige zwielichtige, immer noch ungeklĂ€rte Verbindungen zwischen dem frĂŒhen Bilderberg-Club und den Nazis ĂŒber Prinz Bernhard der Niederlande, dem Vater von Königin Beatrix, der den Club 1954 grĂŒndete (der Name geht auf ein hollĂ€ndisches Hotel zurĂŒck), darauf abzielend, âdas VerstĂ€ndnis zwischen Europa und Amerika zu verbessernâ. Bernhard war Mitglied von Adolf Hitlers SS. Eines der GrĂŒndungsmitglieder von Bilderberg ist Otto Wolff von Amerongen, der aktiv die GeschĂ€ftsverbindungen zwischen Deutschland und dem Sowjetblock verbesserte und in 26 VorstĂ€nden, darunter dem der Deutschen Bank, arbeitete. Wenige Menschen kennen ihn, und das womöglich aus gutem Grund: er wurde mit dem Raub der Nazis von jĂŒdischen Holdings vor und wĂ€hrend des 2. Weltkriegs in Verbindung gebracht.
Rumsfeld ist ein aktiver Bilderberger. Ebenso wie General Peter Sutherland aus Irland, ein ehemaliger Kommissar der EuropĂ€ischen Union und Vorstandsmitglied von Goldman Sachs und BP. Rumsfeld und Sutherland arbeiteten im Jahre 2000 zusammen im Vorstand des Schweizer Energieunternehmens ABB. Und ABB hat zufĂ€llig zwei Leichtwasserreaktoren an Nordkorea verkauft. Zu der Zeit war Nordkorea natĂŒrlich kein aktives Mitglied der âAchse des Bösenâ.
Dieses Jahr ging das Treffen in Versailles bequemer Weise in das G8-Treffen der Finanzminister am 19. Mai in Paris ĂŒber, eine 20-minĂŒtige Autofahrt von Versailles entfernt. Diese Prozedur besitzt Tradition: was bei Bilderberg geschieht, ist fĂŒr gewöhnlich eine Vorschau auf das, was spĂ€ter beim vollen G8-Zusammentreffen diskutiert wird, das dieses Jahr vom 1. bis zum 3. Juni in Evian-les-Bains in den französischen Alpen stattfindet.
Am ersten vollen Arbeitstag des Treffens gab der französische PrĂ€sident Jacques Chirac eine Willkommensrede, in der er versuchte, die bitteren Spaltungen zwischen den GĂ€sten aufgrund des Irakkriegs beizulegen, indem er betonte, dass die USA und Westeuropa Langzeit-VerbĂŒndete sind. Aber Chiracs Ansprache reichte vermutlich nicht aus, um die Falken in der US-Regierung, die wegen des âpazifistischenâ Frankreichs noch immer verstimmt sind, zu beruhigen.
Ein einflussreicher jĂŒdisch-europĂ€ischer Bankier enthĂŒllt, dass die herrschende Elite in Europa ihren Lakaien nunmehr mitteilt, dass der Westen am Rande der finanziellen Kernschmelze steht; also sei der einzige Weg, ihre kostbaren Investitionen zu retten, der, auf die neue globale Krise im Mittleren Osten zu wetten, die die Krise des Kalten Kriegs ersetzte.
Laut einer Quelle in einer Bank in der City of London, die mit Versailles verbunden ist, vermochten die amerikanischen und die europĂ€ischen Bilderberger bei ihrem Treffen 2003 weder ihre Spaltung bezĂŒglich der amerikanischen Invasion und Besetzung des Irak, noch bezĂŒglich des harten Kurses des israelischen Premierministers Ariel Sharon gegenĂŒber den PalĂ€stinensern zu kontrollieren. WĂ€hrend die Bilderberger redeten, wies Sharon Bushs Fahrplan fĂŒr den Mittleren Osten ab, der von den anderen Mitgliedern des so genannten Quartetts, den Vereinten Nationen, den USA, der EU und Russland, bereits gutgeheiĂen worden war. Dieser Fahrplan ist offenbar abgelaufen; nicht einmal die Anwesenheit von US-AuĂenminister Colin Powell â der in Versailles stoppte, um die Bilderberger zu informieren â reichte aus, um Sharon davon zu ĂŒberzeugen, den Abbau israelischer Siedlungen auf palĂ€stinensischem Gebiet auch nur zu erörtern.
Amerikanische imperiale Abenteuer werden ĂŒblicherweise auf Bilderbergtreffen einstudiert. Europas Elite stand einer amerikanischen Invasion des Irak seit dem Bilderberg-Treffen von 2002 in Chantilly, Virginia, ablehnend gegenĂŒber. Rumsfeld selbst hatte ihnen versprochen, dass es nicht geschehen wĂŒrde. Letzte Woche schlugen alle auf Rumsfeld ein und fragten nach den berĂŒchtigten âMassenvernichtungswaffenâ. Die meisten der europĂ€ischen Elite glauben den amerikanischen Versprechen nicht, dass das irakische Ăl âdem irakischen Volk zugute kommenâ wird. Sie wissen, dass ErtrĂ€ge aus dem irakischen Ăl verwendet werden, um wiederaufzubauen, was Amerika zuvor zerbombte. Und die Diskussion dauert an, welche Art VertrĂ€ge, die Bechtel und Halliburton belohnten, Westeuropa âzuguteâ kommen werden.
Europas Elite ist denen zufolge, die Bilderberg nahestehen, misstrauisch, dass die USA keine stabile legitimierte Zentralregierung im Irak brauchen oder auch nur wollen. Wenn das passierte, wĂŒrde es keinen Grund mehr fĂŒr die USA geben, in dem Land zu verbleiben. Europas Elite sieht, wie die USA âam Boden Fakten schaffenâ: durch die Etablierung einer langfristigen MilitĂ€rprĂ€senz und die Wiederankurbelung der Ălproduktion unter amerikanischer Kontrolle. Das könnte jahrelang so weitergehen, so lange, wie die Amerikaner ausreichend essentielle Dienste bereitstellen können, um die Iraker davon abzuhalten, sich in einem nationalen Befreiungskampf zu engagieren.
Es war auch extrem schwierig auf dem Treffen, einen Konsens ĂŒber die Notwendigkeit einer europĂ€ischen Armee zu finden, die absolut unabhĂ€ngig von der North Atlantic Treaty Organization (NATO) ist. Das amerikanische Establishment ist selbstverstĂ€ndlich gegen eine EU-Armee. Aber das sind auch einige EuropĂ€er, beginnend mit dem Anti-Armee-AnfĂŒhrer Lord Robertson, dem GeneralsekretĂ€r der NATO. Europas Elite kann die Beherrschung der NATO durch die USA nicht mehr lĂ€nger ertragen. Einige EuropĂ€er legen eine eigene Truppe nahe, aber von der NATO kontrolliert. Die Amerikaner argumentieren, dass eine eigene EU-Truppe die Rolle der NATO als die Armee der UN schwĂ€chen wĂŒrde. Und die Amerikaner bestehen darauf, dass die NATO nicht mehr an die Verteidigung Europas gebunden ist; die Truppen können jetzt ĂŒberall auf der Welt eingesetzt werden, mit oder ohne Auftrag des UN-Sicherheitsrats. Die HĂ€ngepartie bleibt bestehen.
All diese entscheidenden Entwicklungen wurden hinter verschlossenen TĂŒren besprochen. Das Trianon Palace Hotel in Versailles war fĂŒr die Ăffentlichkeit geschlossen und alle Nicht-Bilderberg-GĂ€ste mussten abreisen. TeilzeitkrĂ€fte wurden nach Hause geschickt. Denen, die blieben, wurde gesagt, dass sie entlassen werden wĂŒrden, wenn sie dabei erwischt wĂŒrden, irgendetwas ĂŒber das Treffen zu verraten. Sie durften mit keinem Bilderberger sprechen, solange sie dieser nicht ansprach. Sie durften niemandem in die Augen sehen. Bewaffnete Wachen isolierten und riegelten das Hotel komplett ab. Einige Mitglieder der amerikanischen Presse waren anwesend â aber die Ăffentlichkeit wird davon niemals etwas erfahren: Bilderberg-Nachrichten sind nicht geeignet, um gedruckt oder gesendet zu werden. Keinen Journalisten der Medien, die von multinationalen Bilderberg-Magnaten wie Rupert Murdoch kontrolliert werden, wird es erlaubt, jemals darĂŒber zu berichten. Selbst wenn sie es irgendwie schafften, in die Party hineinzuplatzen. Es gibt kein Business, so wie das (private) Eliten-Business.
DAS WANDERNDE AUGE
Bilderberg schlÀgt wieder zu
von Pepe Escobar, 10. Mai 2005
âEs wĂ€re fĂŒr uns ganz unmöglich gewesen, unseren Plan fĂŒr die Welt zu entwickeln, wenn wir wĂ€hrend dieser Jahre dem Licht der Ăffentlichkeit ausgesetzt worden wĂ€ren. Inzwischen ist die Welt aber sehr viel ausgereifter und darauf vorbereitet, einer Weltregierung entgegenzugehen. Die supranationale SouverĂ€nitĂ€t einer intellektuellen Elite und der Weltbanker ist mit Sicherheit der nationalen Selbstbestimmung, die in den vergangenen Jahrhunderten praktiziert wurde, vorzuziehen.â
– David Rockefeller, stĂ€ndiges Mitglied des Bilderberg-Club, 1991
Diese Unterredung hat nie stattgefunden. Nun, tatsĂ€chlich hat sie es. Datum: 5. bis 8. MĂ€rz 2005. Ort: das isolierte, voll ausgebuchte Dorint Sofitel Seehotel Ăberfahrt in Rottach-Egern, 60 Kilometer östlich von MĂŒnchen in Deutschland. Wesentliche Ausstattung: Luxus-Zimmer, ein See, ein Golfplatz, keine AnzĂŒge â und keine Ehefrauen. Teilnehmer: 120 sonderbare westliche Macher â Politiker, Industrielle, Bankiers, Industrie-KapitĂ€ne, sogenannte strategische Denker -, die zum Treffen 2005 des ultra-geheimen Bilderberg-Club eingeladen waren. Sicherheitsvorkehrungen: absolut drakonisch. Globale Medienberichterstattung: nicht vorhanden.
Sprechen wir ĂŒber die BĂŒrde des weiĂen Mannes (âWhite Manâs Burdenâ): Bilderberg ist streng âwestlichenâ Eliten, das heiĂt amerikanisch-europĂ€ischen vorbehalten. Bilderberg schlieĂt resolut Asiaten, Lateinamerikaner, Bewohner des Nahen Ostens und Afrikas aus. Bilderberg arbeitet auf strengem âMeister des Universumsâ-Gebiet: was wir sagen, gilt. Nur wenn Ereignisse eintreten, werden die Konzernmedien sie berichten, obwohl es ausgewĂ€hlten Medien-Menschen bewusst gewesen ist, was Wochen oder sogar Monate im Voraus beschlossen wurde. Die New York Times, die drei groĂen amerikanischen TV-Netzwerke und die Financial Times haben an vielen Bilderberg-Treffen teilgenommen. Aber sie sind durch das Schweigen der LĂ€mmer eingeschrĂ€nkt.
Bilderberg hat eine Adresse â in Leiden, Holland â und sogar eine Telefonnummer â immer auf Anrufbeantworter-Modus mit weiblicher Stimme gestellt. Allerdings gibt es keine Website.(i) In einem jĂ€hrlichen Ritual wurden Bilderberg-Treffpunkte und Tagesordnungen mĂŒhsam von einer kleinen Gruppe von unabhĂ€ngigen SpĂŒrhunden wie dem Briten Tony Gosling oder dem Amerikaner James Tucker aufgedeckt â letzterer verfolgt Bilderberg seit 30 Jahren. Tucker wird ein Buch ĂŒber Bilderberg spĂ€ter in diesem Jahr veröffentlichen.(ii) Der Historiker Pierre de Villemarest und der Journalist William Wolf haben bereits das zweibĂ€ndige Buch âFacts and Chronicles Denied to the Publicâ veröffentlicht, zu dem eine geheime Geschichte der Bilderberger gehört. Der belgische Soziologe Geoffrey Geuens von der UniversitĂ€t LĂŒttich hat auch ein ganzes Kapitel ĂŒber Bilderberg in einem seiner BĂŒcher aufgenommen. Obwohl Geuens die obsessive Geheimhaltung von Bilderberg verurteilt, schlieĂt er sich nicht den Verschwörungstheorien an: er zieht es vor zu untersuchen, wie Bilderberg die Art, wie Macht funktioniert, und die inzestuösen Beziehungen zwischen Politik, Wirtschaft und Medien entlarvt.
Wann immer sich die Konzernmedien Bilderberg annehmen, spiegeln sie die Stille der LĂ€mmer wider. 2005 veröffentlichte die Financial Times eine klassische PrĂ€ventivschlag-Geschichte, um herunterzuspielen, was als Verschwörungstheorien gilt. In der Tat wird jeder, der den mĂ€chtigsten Club der Welt in Frage stellt, als ein Verschwörungstheoretiker verhöhnt. Bilderberger wie britische Lords oder amerikanische Politiker rechtfertigen ihn als âeinen Ort, um Ideen zu diskutierenâ, ein unschuldiges âForumâ, wo jeder âoffen sprechenâ kann, und verschiedene andere Klischees.
Der Bilderberger Etienne Davignon, ein ehemaliger VizeprÀsident der EuropÀischen Kommission, betont hartnÀckig:
âDies ist keine kapitalistische Verschwörung, um die Welt zu kontrollieren.â
Thierry de Montbrial, Direktor des Französisch Instituts fĂŒr Internationale Beziehungen und ein Bilderberg-Mitglied seit fast 30 Jahren, sagt, dies sei nur âein Vereinâ. Die offizielle Bilderberg-Pressemitteilung von 2002 besagte zum Beispiel, dass
âBilderbergs einzige AktivitĂ€t ihre Jahreskonferenz ist. In den Sitzungen werden keine BeschlĂŒsse vorgeschlagen, keine Abstimmungen vorgenommen und keine politischen Stellungnahmen abgegeben.â
Bilderberg ist nur
âein kleines flexibles, informelles und internationales Forum, in dem unterschiedliche Standpunkte zum Ausdruck gebracht werden und das gegenseitige VerstĂ€ndnis verbessert werden kannâ.
Dies ist in der Tat das, worum es bei den viel gepriesenen âtransatlantischen Beziehungenâ geht.
Nur fĂŒr Mitglieder
Die Bilderberg-Gruppe â die ihren Namen von einem niederlĂ€ndischen Hotel nahm â wurde 1954 von Prinz Bernhard von den Niederlanden gegrĂŒndet. Der deutschgeborene Bernhard war ein Nazi und SS-Mitglied. Wie bekannt ist, war Prescott Bush ein Offizieller der WA Harriman & Co, die Adolf Hitler und die Nazis mit Hilfe von Averell Harriman und des deutschen Tycoon Fritz Thyssen finanzierte. Alden Hatch schrieb eine Biographie von Prinz Bernhard, in der er darauf insistiert, dass Bilderberg die Wiege der EuropĂ€ischen Gemeinschaft wurde â spĂ€ter in EuropĂ€ische Union umbenannt. Er beschreibt als das Endziel von Bilderberg die Eine-Welt-Regierung.
Die Bilderberg-Mitgliederschaft kreuzt sich stark mit dem Council on Foreign Relations, der Pilgrims Society, der Trilateralen Kommission und dem berĂŒhmten âRound Tableâ â einer britischen Elitegruppe aus Oxford und Cambridge, die sich aus der gleichnamigen Zeitschrift des Empire, das im Jahre 1910 gegrĂŒndet wurde, herauskristallisierte. Der Round Table â der ebenfalls seine Existenz als formale Gruppe bestritt â forderte eine effizientere Form des globalen Imperiums, so dass die anglo-amerikanische Hegemonie im 20. Jahrhundert erweitert werden könnte.
Zu den Bilderberg-StammgĂ€sten zĂ€hlen/zĂ€hlten Henry Kissinger, David Rockefeller (von JP Morgans International Council), Nelson Rockefeller, Prinz Philip von England, Robert McNamara (John F. Kennedys Verteidigungsminister und ehemaliger PrĂ€sident der Weltbank), Margaret Thatcher, der ehemalige französische PrĂ€sident (und Haupt-Redakteur der EU-Verfassung) Valery Giscard dâEstaing, US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski und der Vorsitzende der Federal Reserve Alan Greenspan. Die Familie Rothschild war Gastgeber vieler Bilderberg-Treffen. 1962 und 1973 waren auf dem Insel-Resort von Saltsjobaden, Schweden die Gastgeber die Bankiersfamilie Wallenberg.
Einige dieser Meister kontrollieren gewiss mehr vom Universum als andere. Sie sind die Mitglieder des Lenkungsausschusses, der Josef Ackermann (Deutsche Bank), Jorma Ollila (Nokia), JĂŒrgen Schrempp (DaimlerChrysler), Peter Sutherland (ehemals NATO, nun bei Goldman Sachs), James Wolfensohn (der scheidende PrĂ€sident der Weltbank) und den âPrinzen der Finsternisâ Richard Perle umfasst. Der Konzeptionist des Irak-Kriegs und werdende Weltbank-PrĂ€sident Paul Wolfowitz ist auch ein stĂ€ndiges Bilderberg-Mitglied. George W. Bush war zufĂ€llig gerade in der Nachbarschaft â den Niederlanden, fĂŒr die Gedenkfeiern zum Zweiten Weltkrieg â wĂ€hrend Bilderberg 2005. Er könnte vorbeigeschaut haben. Bush traf auf jeden Fall Königin Beatrix der Niederlande, deren Anwesenheit bei jedem Bilderberg-Treffen ein Muss ist.
Zu wessen Vorteil?
Bilderberg ist sicherlich kein âExecutive Councilâ. Der britische Ăkonom Will Hutton kam der Wahrheit wahrscheinlich nĂ€her, als er sagte, dass der Konsens, der bei jedem Bilderberg-Treffen erreicht wird, âder Hintergrund ist, vor dem Politik weltweit gemacht wird.â Was Bilderberg beschlieĂt, von dem kann erwartet werden, dass es spĂ€ter durch ein G-8-Treffen und Entscheidungen des Internationalen WĂ€hrungsfonds und der Weltbank umgesetzt wird.
FĂŒr unzĂ€hlige ernsthafte Kritiker in Europa sowie den USA ist Bilderberg alles â von einem zionistischen Komplott bis hin zu einem gröĂenwahnsinnigen geheimen Kult. Die Serben, und nicht ohne Grund, haben Bilderberg fĂŒr den Balkankrieg und den Sturz von Slobodan Milosevic 1999 getadelt: immerhin brauchten die USA die Kontrolle fĂŒr wichtige Balkan-Pipeline-Routen. Von Bilderberg 2002 â wenngleich nicht unumstritten â wird angenommen, dass es die Invasion und Eroberung des Irak zementiert habe. In seinem bahnbrechenden Buch âA Century of War: Anglo-American Oil Politics and the New World Orderâ beschreibt F. William Engdahl Details, was bei Bilderberg 1973 in Schweden passiert ist. Ein Amerikaner skizzierte ein Szenario fĂŒr eine bevorstehende 400%-ige Anhebung des Ălpreises durch die Organisation der Erdöl exportierenden LĂ€nder, OPEC. Bilderberg verhinderte die Ălkrise nicht, sondern plante, wie man die Mega-Gewinne handhaben wĂŒrde â das, was Kissinger als âRecycling der PetrodollarflĂŒĂeâ beschrieb. Jeder, der zĂ€hlte, war bei diesem Bilderberg-Treffen prĂ€sent: Ălkonzerne und Banken.(iii) Engdahls Fazit:
âDie mĂ€chtigen MĂ€nner, die rund um Bilderberg gruppiert waren, beschlossen offenbar, dass im Mai ein kolossaler Angriff gegen das industrielle Wachstum in der Welt gestartet werden wĂŒrde, um das Gleichgewicht der KrĂ€fte wieder zum Vorteil der anglo-amerikanischen Finanz-Interessen und des Dollar zu kippen. Um dies zu tun, bestimmten sie, ihre wertvollste Waffe zu benutzen â die Kontrolle ĂŒber die weltweiten ĂlflĂŒĂe. Die Bilderberg-Politik war es, ein globales Ăl-Embargo auszulösen, um einen dramatischen Anstieg der Ălpreise auf dem Weltmarkt zu erzwingen. Seit 1945 wurde weltweit gefördertes Erdöl nach den internationalen Gepflogenheiten in Dollar eingepreist, da die amerikanischen Ălfirmen den Markt der Nachkriegszeit dominierten. Ein plötzlicher starker Anstieg der Weltmarktpreise fĂŒr Ăl bedeutete daher einen ebenso dramatischen Anstieg der weltweiten Nachfrage nach US-Dollar, um das notwendige Ăl zu bezahlen.â
Saudische Petrodollars bewegten sich dann zu den ârichtigenâ Banken in London und New York, um US-Defizite zu finanzieren. Spiel, Satz und Sieg fĂŒr Bilderberg â wo die Mandarine der globalen Finanzen immer gewinnen.
Plutokratie international
Obgleich es keinem einzigen Wort, das innerhalb der Bilderberg-Gewölbe gesprochen wird, erlaubt ist, an die Ăffentlichkeit zu gelangen, ist es möglich, eine fundierte Vermutung vorzunehmen, was sie bereden. Letzte Woche begann der allgegenwĂ€rtige Kissinger das Prozedere durch die Illuminierung der Bedeutung des Begriffs âFreiheitâ â in der Bush-Version. Natan Sharansky, Bushs demokratischer Guru, war ein Teilnehmer.
Probleme, die Bilderberg 2005 logisch interessiert haben dĂŒrften, schlieĂen die Rolle der NATO und die erforderliche Genehmigung der EuropĂ€ischen Verfassung im Jahr 2005 durch alle 25 Mitglieder der EU ein. Die Folgen eines französischen âNeinâ beim kommenden Verfassungs-Referendum am 29. Mai mĂŒssen berĂŒcksichtigt werden. Die verbreitet Auslagerung von ArbeitsplĂ€tzen in Europa nach Ukraine, China und Indien könnte die Totenglocke fĂŒr die Verfassung erklingen lassen: die französischen Demonstranten â die die Deutschen und NiederlĂ€nder erweckt haben â weisen darauf hin, dass das, was gut fĂŒr groĂe Konzerne ist, nicht unbedingt gut fĂŒr die westeuropĂ€ischen Arbeitnehmer sein muss. Kritiker sagen, dass das Kapitel III der Verfassung in der Tat Möglichkeiten des Freihandels detailliert, die den europĂ€ischen Wohlfahrtsstaat effektiv töten könnten.
Sie haben ihre GrĂŒnde, um besorgt zu sein. In seinem Buch âThe Grand Chessboardâ (iv) begrĂŒĂt der Bilderberger Zbigniew Brzezinski ein âWesteuropa ⊠das in einem groĂen MaĂ ein amerikanisches Protektorat bleibtâ. Brzezinski betont auch, dass âEuropa das Problem, das durch sein soziales Umverteilungssystem verursacht wird, lösenâ muss, welches eine âeuropĂ€ische Initiative verhindertâ. Der Vater der europĂ€ischen Verfassung ist niemand anderes als der Bilderberger Valery Giscard dâEstaing, der zufĂ€llig Kissinger sehr nahe steht.
Aus geopolitischer Sicht ist der Kern der ganzen Angelegenheit, dass die Verfassung rechtlich bestĂ€tigt, dass Europa keine Streitmacht abseits von der NATO haben kann, das heiĂt auĂerhalb der Kontrolle der USA. Bilderberg-Ăberzeugungen weisen nur in eine Richtung: eine stĂ€ndig wachsende, US-kontrollierte NATO, eine immer mehr nach Osten expandierende EU, eine massenweise Delokalisierung, massige Unternehmensgewinne und eine unangefochte US-militĂ€rische Ăberlegenheit. Kein Wunder, dass das der Mittelpunkt einer heftigen Debatte innerhalb der EU-Korridore in BrĂŒssel ist, wo Dutzende von Diplomaten und Beamte der Kommission offen ĂŒber das Mobbing von Washington klagen und ihren Regierungen einen Ausverkauf vorwerfen. GĂŒnther Verheugen, der europĂ€ische Kommissar fĂŒr die Erweiterung der EU, ist zufĂ€llig ein Bilderberger. Wenn Mitglieder der EuropĂ€ischen Kommission auf ein Bilderberg-Treffen gehen, werden ihre Reisekosten und Spesen von der Kommission bereitgestellt. Dies disqualifiziert sicherlich Bilderbergs Selbst-PrĂ€sentation als einen âprivaten Clubâ.
Bilderberg 2005 verschmolz â zufĂ€llig? â mit Bushs Tour bei seinen baltischen Freunden und dem angespannten Treffen mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin. Die EindĂ€mmung RuĂlands stand wahrscheinlich ganz oben auf der Agenda fĂŒr Bilderberg. Russland ist sehr ĂŒber sein ânahes Auslandâ besorgt und sieht keinen Grund, seine Armee aus Basen in Georgien oder die Marine aus Sebastopol in der ukrainischen Krim zu entfernen â egal, wie viele farb-kodierte Revolutionen vor der HaustĂŒr geschehen.
Quellen aus der EuropĂ€ischen Kommission versichern, dass Brzezinski eine Ă€uĂerst einflussreiche Figur bleibt. Die Bilderberg-Diskussion ĂŒber die Kontrolle von Eurasien bezieht sich immer noch auf âThe Grand Chessboardâ. Washington ist deshalb ein so begeisterter Cheerleader des Beitritts der TĂŒrkei zur EU, da dies eine Erhöhung des amerikanischen Einflusses in der NĂ€he des Kaspischen Meeres und ĂŒber dem östlichen Mittelmeer bedeutet. Und es funktioniert auch in Richtung der EindĂ€mmung des Iran, Russlands und Chinas â denen es nach Brzezinski nicht erlaubt ist, als rivalisierende MĂ€chte fĂŒr die USA in Eurasien aufzusteigen.
Ein weiteres umstrittenes Thema, dass die Köpfen jener besetzt haben muss, die an Bilderberg 2005 teilnahmen, ist die Verhinderung, dass der Iran in den Besitz einer Atomwaffe kommt â das ist aber nur ein Detail: der eigentliche Punkt ist, wie der Iran daran gehindert werden kann, zu einer erstklassigen eurasischen Macht zu werden. Einige in BrĂŒssel tun die Möglichkeit eines Szenarios nicht ab, wonach eine massiv aufgebaute Propaganda versuchen wird, die amerikanische und europĂ€ische öffentliche Meinung von der Notwendigkeit eines MilitĂ€rschlags gegen den Iran zu ĂŒberzeugen. Wie Peking zur Aufwertung des Yuan gezwungen werden kann, dĂŒrfte auch ein Thema gewesen sein.
Anmerkungen des Ăbersetzers:
i Das hat sich inzwischen geÀndert. Die Website lautet: http://www.bilderbergmeetings.org/index.php
ii James Tucker: âJim Tuckerâs Bilderberg Diary: Reporterâs 25 year Battle to Shine the Light on the World Shadow Governmentâ, American Free Press, 2005.
iii Vergleiche hierzu auch Lars Schall: âWir sind inmitten einer epochalen tektonischen Verschiebungâ â Teil 1, ein Interview mit F. William Engdahl, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 27. MĂ€rz 2011 unter:
iv Zbigniew Brzezinski: âThe Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperativesâ, Basic Books, 1998.
