Die Kollaborateure des finanziellen Blitzkriegs gegen die Republik
Die nĂ€chste PlĂŒnderung der Staatskasse durch die Parteien-Kaste zugunsten der Banken lĂ€uft im vollen Tempo. Bereits heute Vormittag beschloss die Regierung die nĂ€chsten 123 Milliarden Euro auf unseren Staat an die Banken zu verpfĂ€nden, wobei laut Aussagen aus den Parteien noch nicht einmal klar ist, ob es bei dieser Summe bleibt. Schon seit 13 Uhr beraten die Fraktionen im Parlament.
Den Vogel schiessen mal wieder die SteigbĂŒgelhalter diesen finanziellen Blitzkriegs gegen die Republik innerhalb der SPD ab. Heute im Morgenmagazin versuchte deren parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer im Bundestag, Thomas Oppermann, wieder einmal vorzutragen, was alle wissen. ARD-Moderator Werner Sonne, erkennbar ungeduldig, konnte das Gequatsche ebenfalls nicht mehr hören, sondern wollte einfach nur von Thomas Oppermann wissen, ob er und die SPD dem Blitzkrieg zustimmen. Oppermann quatschte und quatschte und erdreistete sich die Behauptung, das gesamte Parlament sei am Freitag durch die Regierung einfach“falsch informiert“ worden. (1)
Das Parlament ist ein Haufen LĂŒgner, so sieht das aus.
Am Mittwoch Nachmittag verhandelten CDU-Kanzlerin Angela Merkel und der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel unter vier Augen ĂŒber eine Zustimmung der SPD zum 22.4 Milliarden Ausverkauf. Gabriel forderte eine „europĂ€ische und internationale Beteiligung der FinanzmĂ€rkte“ an den Kosten der Krise. Oder besser – er forderte ein Versprechen, nĂ€mlich dass ausgerechnet die Regierung sich dafĂŒr „einsetzen“ werde, das zu fordern. (Es fehlen einem die Worte, dies noch nĂ€her zu beschreiben, finden möchte man sie schon gar nicht mehr.)
Dann kommt zufĂ€llig auch der liebe Herr Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) – der seine groĂe Koalitions-Mutti offenbar nicht alleine lassen wollte – rein zufĂ€llig des Weges. Und auch der Herr Frank-Walter Steinmeier, (bisheriger) EigentĂŒmer der SPD-Fraktion, findet irgendwie den Weg zu dem vertraulichen GesprĂ€ch. (2)
Da gibt es natĂŒrlich keinerlei Möglichkeiten fĂŒr eine SPD, sich irgendwie bei der Regierung zu informieren, wieviele Milliarden es denn noch werden könnten, was?!
Am Mittwoch, dem 28.April waren OECD-GeneralsekretĂ€r Angel GurrĂa, WTO-Generaldirektor Pascal Lamy, ILO-Generaldirektor Juan Somavia, IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn, WeltbankprĂ€sident Robert B. Zoellick und der Chef der Frankfurter „EuropĂ€ischen Zentralbank“ Jean-Claude Trichet in Berlin. Strauss-Kahn und Trichet trafen zusammen mit Bundesfinanzminister Wolfgang SchĂ€uble die FĂŒhrer aller Partei-Fraktionen im Bundestag und „brieften“ sie ĂŒber die kommenden Massnahmen (3). Anschliessend behaupteten sie folgendes:
„Im Anschluss berichteten Teilnehmer, EU und IWF wollten das Rettungspaket fĂŒr einen Zeitraum von drei Jahren auf 100 bis 120 Milliarden Euro aufstocken“ (4)
Entweder logen diese Herrschaften, oder sie wissen nicht was sie tun und können nicht mit Geld umgehen, schon gar nicht mit ganzen Staaten. Anschliessend wurden „die Fraktionen“ beknetet, dem kommenden ersten Ausverkauf deutscher Staatsgelder in Höhe von 22.4 Milliarden Euro am Freitag dem 7.April zuzustimmen – angeblich ohne Angaben darĂŒber, um welche Summen es wirklich ging.
„Trichet und Strauss-Kahn informierten die Bundestagsfraktionen ĂŒber die Krisenhilfe, die den Weg aus der griechischen Schuldenfalle ebnen sollen. Die beiden schwiegen sich mit Hinweis auf die noch laufenden Verhandlungen in Athen ĂŒber die Summe jedoch noch aus. Zugleich beschworen sie den Bundestag, die Hilfen fĂŒr die in BedrĂ€ngnis geratenen Griechen rasch freizugeben.“
Noch am gleichen Abend der Bewilligung der FinanzermĂ€chtigung durch Bundestag, Bundesrat, PrĂ€sident und Bundesverfassungsgericht beschloss der BrĂŒsseler Regierungsrat mit der herbei geeilten deutschen Kanzlerin Merkel zusammen mit dem IWF Massnahmen in Höhe von 750 Milliarden Euro. Dass die Bundesregierung in ihrer spĂ€teren ErklĂ€rung 720 Milliarden benannte (5), das fiel schon gar nicht mehr auf. 30 Milliarden mehr oder weniger kĂŒmmerte hier niemand mehr. Beschlossen wurde ebenfalls die Einrichtung eines „Fonds“ in Höhe von 440 Milliarden Euro, der durch eine „Zweckgesellschaft“ verwaltet werden soll. Dieser „Rettungsschirm“ soll sich direkt an die Massnahmen des am 17.Oktober 2008 durch den Bundestag durchgewunkenen „Finanzmarktstabilisierungsgesetzes“ in Höhe einer halben Billion Euro anlehnen, welches von den Banken selbst mitentworfen worden war und die finanzielle ErmĂ€chtigungsbehörde Soffin schuf, welche der parlamentarischen Kontrolle vollstĂ€ndig entzogen wurde. Die nun durch die EU-RĂ€te beschlossenen Massnahmen decken sich haarscharf mit den penetranten Forderungen der Banken nach einer weiteren Finanzierung durch den Staat durch einen „Notfallfonds“. Diese PlĂ€ne hatte Deutsche Bank-Chef in einer Rede am 16.November 2009 in einer Rede auf der Euro Finance Week vorgestellt. (DIE GRIECHENLAND-KRISE (VI): Der Plan der Banken von einer europĂ€ischen Soffin)
Und von all dem sollen folgende Personen ausnahmslos alle keine Ahnung gehabt haben, obwohl sie vorher mit den Akteuren nur knapp eine Woche zuvor gesprochen hatten. HĂ€tte auch nur eine einzige Person von all dem gewuĂt, wĂ€re das ja Hochverrat an der Republik.
Die FraktionsfĂŒhrung der SPD (6):
FĂŒhrer: Frank-Walter Steinmeier
stellvertretende FĂŒhrer: Dr. Angelica Schwall-DĂŒren (zustĂ€ndig fĂŒr Angelegenheiten der EuropĂ€ischen Union), Gernot Erler, Elke Ferner, Hubertus Heil, Ulrich Kelber, Joachim PoĂ, Florian Pronold, Olaf Scholz, Dagmar Ziegler
Erster Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer: Thomas Oppermann
Weitere Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer: Petra Ernstberger, Iris Gleicke, Ute Kumpf, Christian Lange
Erweiterter Fraktionsvorstand: Rainer Arnold, Doris Barnett, Sören Bartol, Gerd Friedrich Bollmann, Klaus Brandner, Sabine BÀtzing-LichtenhÀler, Martin Dörmann, Sebastian Edathy, Bettina Hagedorn, Christel Humme, Dr. BÀrbel Kofler, Anette Kramme, Nicolette Kressl, Christine Lambrecht, Gabriele Lösekrug-Möller, Caren Marks, Petra Merkel, Dr. Sascha Raabe, Dr. Carola Reimann, Dr. Ernst Dieter Rossmann, Anton Schaaf, Bernd Scheelen, Swen Schulz, Waltraud Wolff
Justiziar: Brigitte Zypries
VizeprÀsident des Bundestages: Wolfgang Thierse
Die FraktionsfĂŒhrung von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen:
FĂŒhrer:JĂŒrgen Trittin, Renate KĂŒnast
Stellvertretende FĂŒhrer: Fritz Kuhn, BĂ€rbel Höhn, Josef Winkler, Ekin Deligöz, Frithjof Schmidt
Erster Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer: Volker Beck
Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerInnen: Katja Keul, Undine Kurth, Britta HaĂelmann, Fritz Kuhn MdB
BundestagsvizeprÀsidentin: Katrin Göring-Eckardt
Die FraktionsfĂŒhrung der Linksfraktion:
FĂŒhrer: Gregor Gysi
stellvertretende FĂŒhrer: Dietmar Bartsch, Jan van Aken (zustĂ€ndig fĂŒr Internationale Politik, Europapolitik, Innenpolitik und Rechtspolitik), Werner Dreibus, Klaus Ernst (zustĂ€ndig fĂŒr Finanzen und Steuern), Gesine Lötzsch (zustĂ€ndig fĂŒr Haushalt), Ulrich Maurer
Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin: Dagmar Enkelmann
Nur einen Tag nach dem Besuch von OECD-GeneralsekretĂ€r Angel GurrĂa, WTO-Generaldirektor Pascal Lamy, ILO-Generaldirektor Juan Somavia, IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn, WeltbankprĂ€sident Robert B. Zoellick und EZB-Chef Jean-Claude Trichet erklĂ€rten am 29.April SPD-FraktionsfĂŒhrer Frank-Walter Steinmeier und GrĂŒnen-FraktionsfĂŒhrer JĂŒrgen Trittin ihre Zustimmung „Griechenland-Hilfe“, welche nur innerhalb einer Woche nach einem irregulĂ€r verkĂŒrzten Gesetzgebungsverfahren am Freitag im Bundestag beschlossen wurde. (Und am Montag Hochverrat: Banken-Parteien SPD und GrĂŒne stĂŒtzen irregulĂ€re Gesetzgebung fĂŒr âGriechenland-Hilfeâ, 29.April)
In die erste Reihe der schlimmsten VerrĂ€ter stellte sich der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes Michael Sommer. Wie alle DGB-FunktionĂ€re heuchelte er am 1.Mai ĂŒber das allgemeine menschliche Vorstellungsvermögen hinaus. Vorher hatte in einem Telefoninterview mit der Tagesschau folgendes gesagt:
„Dass jetzt Banken zum Beispiel helfen oder Industriebetriebe, Griechenland zu stabilisieren, auch im eigenen Interesse, auch um irgendwann möglicherweise die eigenen Anleihen wieder zu vernĂŒnftigen Konditionen zurĂŒckzubekommen oder auch den Exportabsatz stabil zu halten, ist vernĂŒnftig, das hilft wahrscheinlich auch den Griechen, aber es ist nicht eine MaĂnahme, um wirklich die Krise in den Griff zu bekommen. Denn diese Krise wird man nur in den Griff bekommen, wenn man jetzt die Soforthilfe macht, da hat die Bundesregierung auch meine UnterstĂŒtzung. Ich kenne nicht alle Details, aber wir haben gar nicht die freie Auswahl, als die Soforthilfe zu machen, weil wir hatten auch beim Bankenrettungspaket nicht die freie Auswahl.“
Anschliessend lehnte das Bundesverfassungsgericht es ab, diesen Akt des finanziellen Blitzkrieges gegen die Republik auch nur solange aufzuhalten wie es selbst diesen ĂŒberprĂŒfte. Die BegrĂŒndung (10):
„Bei der fĂŒr den Erlass einer einstweiligen Anordnung gebotenen FolgenabwĂ€gung legt das Bundesverfassungsgericht einen strengen MaĂstab an. Die insoweit erforderliche AbwĂ€gung ergab, dass der Allgemeinheit schwerere Nachteile drohen wĂŒrden, wenn die einstweilige Anordnung ergehen wĂŒrde und sich die Ăbernahme der GewĂ€hrleistungen spĂ€ter als verfassungsrechtlich zulĂ€ssig erweisen wĂŒrde.“
Die sich spÀter im Stundentakt verselbststÀndigende und multiplizierende FinanzermÀchtigung bewies besser als alles andere, wie grausam die obersten WÀchter der Verfassung der Republik hier versagt hatten. Feigheit vor der Verantwortung nennt man so etwas.
Was hier ablĂ€uft ist ein Vernichtungsfeldzug der Marke „Verbrannte Politik“. Was man nicht ausbeuten, kontrollieren, belĂŒgen und betrĂŒgen kann, dass soll zerstört werden, bevor es ein Eigenleben gewinnt.
Die Demokratie auf Deutschem Boden hatte noch nie eine Chance. Sie hat es jetzt. Nur – nutzen muss sie diese schon. Das kann ihr niemand abnehmen. Die Interventionen der GroĂ- und FinanzmĂ€chte mĂŒssen abgewehrt und zurĂŒckgeschlagen, die eigene Regierung aus dem Amt gejagt und die eigenen Abgeordneten daran erinnert werden, dass sie hier leben und nicht in BrĂŒssel. Sonst bleibt hier nichts mehr ĂŒbrig. Die Parteien-Kaste hat allen gezeigt, dass sie entweder unfĂ€hig oder unwillig ist, verfassungsgemĂ€Ăe politische ReprĂ€sentation zu ĂŒbernehmen.
Die Regierung eine Chunta. Das Parlament ein Placebo. Der PrĂ€sident ein Witz. Das Verfassungsgericht ein Haufen Feiglinge und Versager. Die DGB-Gewerkschaften ĂŒben Verrat.
Die Republik ist in höchster Gefahr.
Quellen:
(1) http://www.tagesschau.de/inland/kabinetteuro100.html
(2) http://www.faz.net/s/Rub3ADB8A210E754E748F42960CC7349BDF/Doc~EC1457034818744A4B70999E4F1C67D65~ATpl~Ecommon~Scontent.html
(3) http://www.businessweek.com/news/2010-04-27/trichet-on-mission-to-berlin-as-germans-balk-at-greek-rescue.html
(4) http://www.welt.de/aktuell/article7381218/Rettung-Griechenlands-wird-fuer-Deutschland-teuer.html
(5) http://www.bundesregierung.de/nn_1516/Content/DE/Mitschrift/Pressekonferenzen/2010/05/2010-05-10-statement-bk-vbk.html
(6) http://www.spdfraktion.de/cnt/rs/rs_rubrik/0,,3153,00.html#fraktionsvorstand
(7) http://www.gruene-bundestag.de/cms/fraktion/rubrik/17/17215.vorstand.html
(8) http://www.linksfraktion.de/vorstand_der_fraktion.php
(9) http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1174832/
(10) http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg10-030.html
