Der Iran wird zu einem Verlierer des Westasienkrieges
Eine Analyse zum derzeitigen Status des Angriffskrieges gegen den Iran. Im Kontext.
Irgendeine Gruppe oder Fraktion hat die Staatsführung des Iran übernommen, in deren Interesse nicht der Iran selbst, sondern die Fortführung des Krieges auf unabsehbare Zeit steht. Welche Rolle dabei der Sohn des in der ersten Angriffswelle auf den Iran am 28. Februar ermordeten „Obersten Führers“ („Supreme Leader“) Ali Khamenei, Mojtaba Khamenei spielt, erscheint völlig unklar. Bisher ist er nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten. Ausgerechnet über israelische Medien wird gestreut, dies werde so bleiben bis zum unabsehbaren Ende des Krieges. Die formal dem „Obersten Führer“ unterstellten Revolutionsgarden agieren gegen die iranischen Interessen. Gewinner des Krieges sind u.a. Ölmagnate, Kriegsproduzenten und der internationale geheimdienstliche Komplex, nicht zuletzt in der Russischen Föderation, sowie der zum Machterhalt auf Krieg und externe Bedrohung angewiesene Machthaber in Israel, Benjamin Netanyahu.
Dabei ist das Interesse der Kriegsgewinnler auf allen Seiten den Westasienkrieg insgesamt noch auszuweiten.
Der Palästinakrieg hat seit dem 7. Oktober 2023 nie geendet und läuft auf eine faktische Vernichtung Palästinas als kohärentes Gebilde hinaus. Irgendwelche relevanten Gegenmaßnahmen dagegen, die nur völkerrechtlich legaler Natur sein können, fehlen vollständig. Der zweimal (1, 2) von den Vereinten Nationen festgestellte Genozid am Palästinensischen Volk hat für den Schurkenstaat Israel keinerlei strategische Konsequenzen. Das EU-Israel Abkommen wird durch die in Deutschland und Italien an der Regierungsmacht befindlichen Vorbilddemokraten weiter aufrecht erhalten. Auch stellt weiterhin keine einzige Regierung in den Vereinten Nationen den Antrag Israel endlich auszuschließen, weder in der Generalversammlung, noch vor dem Internationalen Gerichtshof.
Im Libanonkrieg geht die israelische Besatzung im Südlibanon einfach weiter, unter Taktik der Verbrannten Erde. Die Todesstatisk der libanesischen Bevölkerung steigt. Dabei werden in der Weltöffentlichkeit, die weigehend in die Spucknäpfe und Echokammern der Monopole (alias „Soziale Medien“) kanalisiert wurde, selbst die simpelsten Fragen nicht mehr gestellt; z.B. warum nach Jahrzehnten willkürlichen Bombardements durch das israelische Militär weder die Hisbollah-Miliz, noch das libanische Militär über eine Flugabwehr verfügt.
Auch im von Ansar Allah alias „die Huthis“ und ihrem „Supreme Political Council (SPC)“ kontrollierten Gebiet Jemens ist die Machtfrage völlig unklar. Der offizielle Machthaber Abdul-Malik al-Houthi ist mutmaßlich seit 2009 tot. Vermeldete Stellungnahmen seinerseits gibt es lediglich schriftlich. Die jüngste Eskalation im Jemen erfolgte am 4. Juli durch einen Angriff der Ansar Allah-Milizen auf die von Saudi Arabien gestützte „international anerkannte Regierung“ des „Presidential Leadership Council (PLC)“ von Rashad al-Alimi. Dann erfolgte am 13. Juli ein Luftangriff auf den Flughafen der im Ansar Allah-Gebiet liegenden Stadt Sanaa, für den der PLC und Rashad al-Alimi die Verantwortung übernahmen. Nur Stunden später, so hieß es, beschoss Ansar Allah den Flughafen der Stadt Abha in Saudi Arabien.
Das wiederum rief Pakistan auf den Plan, welches ein Verteidigungsbündnis mit Saudi Arabien abgeschlossen hat. Pakistan warnte den Iran, der Luftangriff der iranischen Verbündeten Ansar Allah auf saudisches Territorium habe eine „rote Linie“ überschritten. Jeder Angriff von Ansar Allah auf Saudi Arabien sei ein Angriff auf Pakistan.
Immerhin die Warnung einer Atommacht. Noch dazu durch eine Regierung, die sich tatsächlich mehr als bemühte, um eine diplomatische Lösung zwischen dem Schurkenstaat USA und der iranischen Staatsführung herbeizuführen.
Prompt erfolgt noch am selben Tag der Warnung Pakistans, am Donnerstag dem 17. Juli, ein Luftangriff auf die saudische Prince Sultan Luftwaffenbasis. Und simsalabim: wieder versagt das dort von pakistanischen Militärs betriebene Flugabwehrsystem HQ-9 .
Interessant war nicht nur, daß hinsichtlich des angeblich oder tatsächlich von Iran durchgeführten Luftangriff eine offizielle Bestätigung seitens der saudischen und der pakistanischen Regierung ausblieb. Das von den Pakistanis auf der saudischen Prince Sultan Air Base betriebene Flugabwehrsystem HQ-9 ist aus chinesischer Produktion und basiert auf dem russischen S-300. Dieses wiederum versagte schon mehrfach im Iran, sowohl beim israelischen Luftangriff am 26. Oktober 2024, als auch beim israelischen Luftangriff am 13. Juni 2025 und dem nachfolgenden „Zwölftagekrieg“, sowie ebenso beim Luftangriff am 28. Februar 2026, dem Beginn des aktuellen Irankrieges.
Das könnte natürlich damit zusammenhängen, dass Israel unter Netanyahu und Russland unter Wladimir Putin offiziell seit 2010 eine gepflegte Militärkooperation betreiben und die israelischen Militärs, laut öffentlich zugänglicher Quellen, das russische S-300 System bei einem Militärmanöver in Griechenland in 2015 genauestens unter die Lupe nehmen konnten.
Dies wirft mehrere Fragen auf: warum lassen sich sowohl die pakistanischen, als auch die iranischen Militärs russische, chinesische oder auf deren Technologien basierende Flugabwehrsysteme andrehen, obwohl diese sich immer wieder als wertlos erweisen? Und gesetzt den Fall, der Iran bzw dessen unter unklarer Befehlsstruktur agierenden Revolutionsgarden haben tatsächlich schon wieder einen erfolgreichen Luftangriff auf die saudische Prince Sultan Luftwaffenbasis durchgeführt: wieso stoßen sie einen so wichtigen und wohlmeinenden Nachbarn wie Pakistan und dessen politische Führung derart vor den Kopf? Als Betrafung für Diplomatie?
Das gleiche Spiel mit Oman.
Über Wochen hinweg verhandelt das iranische Außenministerium mit dem zweiten Land, durch dessen Territorium eine Passage durch die Straße von Hormuz möglich ist, über eine gemeinsame Abwicklung des Schiffsverkehrs in der für die Weltwirtschaft so bedeutenden Meerenge. Nach Abschluss des „Memorandum of Understanding“ mit den USA am 21. Juni, über das weltweit Kriegslobbyisten vor Wut aus dem Hemd springen, ist die Lage für den Iran äußerst günstig. US-Sanktionen gegen Ölverkäufe aus dem Iran sind bis zum 21. August aufgehoben, ebenso die US-Blockade der Meerenge von Hormuz.
Obwohl der Iran aus unerfindlichen Gründen plötzlich ein peinliches Gezerre über „Gebühren“ anfängt, obwohl das Memorandum mit den USA ausdrücklich eine freie Passage für den zivilen Schiffsverkehr durch die Meerenge von Hormuz für die Dauer von 60 Tagen festlegt, laufen die Verhandlungen mit dem Oman vielversprechend. Die iranische Staatspresse höchstselbst vermeldet, dass sich der Oman dabei an das internationale Seerecht hält, die United Nations Convention on the Law of the Sea (UNCLOS).
Dann kommt der 7. Juli.
Während sich neben Präsident Masoud Pezeshkian praktisch die gesamte Staatsführung des Iran bei Trauerfeiern für Ali Khamenei im Irak aufhält, aber dessen Sohn und neuer „Oberster Führer“ Mojtaba Khamenei bei der Beerdigung des eigenen Vaters fehlt, und sich US-Präsident Trump auf dem Weg zum NATO-Gipfel befindet wo der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz auf der Agenda steht, feuern die iranischen Revolutionsgarden auf drei zivile Öltanker im Territorium von Oman.
Die denkbar effektivste Sabotage von 1. einem möglichen dauerhaften Friedensabkommen, sowie 2. der stragischen Position in der Golfregion und 3. des eigenen internationalen Ansehens. Und das zum denkbar günstigsten Zeitpunkt.
Es wirkt sofort. US-Präsident Trump erklärt den Waffenstillstand mit Iran für beendet, setzt die Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft und das US-Militär, eben noch durch den Kriegsverlauf mehr oder weniger blamiert und durch das Abkommen zum 1.5 Billionen teuren Zuschauer degradiert, kann endlich wieder den Iran bombardieren.
Für den einigermaßen wachen Beobachter erscheint es, als ob Mossad, CIA, MI6 und BND in Teheran an der Macht wären und sich einen ihren üblichen grausamen Scherze erlauben.
Und so geht es in den nächsten Tagen weiter. Neben dem neutralen Partner Oman beschießt der Iran auch noch Katar, obwohl dessen Unterhändler eben noch in Teheran halfen das Abkommen mit den USA zustande zu bringen.
Jede einzelne Handlung, die die staatlichen Organe des Iran seit dem 7. Juli vollzogen haben, unter lächerlichem Gewäsch und absurden Ausreden, wirkt wie der vorprogrammierte Versuch der Trump-Regierung, der Netanjahu-Regierung und Kriegsgewinnlern mit allen Mitteln in die Hände zu spielen, um diesen die Fortsetzung des Angriffskrieges auf das eigene Land zu ermöglichen.
Und nicht nur das: als ob der imperialistische, wahnwitzige Anspruch auf Dominanz über die Welt von der Staatsführung der Vereinigten Staaten nun auf die des Iran übergesprungen wäre, wird von einer Kontrolle über die Straße von Hormuz gefaselt, was in der derzeitigen energietechnologischen Situation quasi einer Ausbeitung der Welt gleichkäme. Dabei unterscheidet das internationale Recht ausdrücklich zwischen Straßen bzw natürlich entstandenen Meerengen einerseits und Kanälen andererseits, wie dem Panamakanal und dem Suezkanal, wo Gebühren erhoben werden dürfen. Ganz zu schweigen, daß dies alles nicht das Recht des Oman berührt Passagen durch das eigene Territorium zu gestatten.
Es zeigt sich wieder und wieder, dass die Menschheit insgesamt nicht in der Lage ist, mit den Umtrieben einer gleichermaßen winzigen wie mörderischen Minderheit von Imperialisten und Totmachern Schritt zu halten und auf diese etwas Licht fallen zu lassen.
Dabei ist genau dies die effektivste Methode diese in Rauch aufzulösen.
Es bleibt abzuwarten, ob in Teheran ein anderes Licht aufgeht als das der Bombenblitze.
