Alle wissen, wie der Krieg gegen die Ukraine beendet werden kann
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Heute findet die dritte Verhandlungsrunde zwischen den Regierungsstellen der Russischen Föderation und der Ukraine statt. Dazu ein paar Klarstellungen, weder kurz, noch schmerzlos.
Ich spare mir zu Anfang die ErklĂ€rungen und setze diese unter die konkreten kurzfristigen und langfristigen MaĂnahmen und Bedingungen, mit denen zunĂ€chst der Angriffskrieg der russischen Regierung unter Kommando PrĂ€sident Putins gegen die Ukraine und dann langfristig der Krieg in der Ukraine insgesamt beendet werden kann.
Die MaĂnahmen bzw Bedingungen fĂŒr und in der Ukraine.
– NeutralitĂ€t, also weder Mitgliedschaft im Nordatlantikpakt N.A.T.O., noch in der EuropĂ€ischen Union. Modell Ă€hnlich wie Yugoslawien und Finnland nach dem Zweiten Weltkrieg.
– bestimmt nicht demilitarisiert, sondern bis an die ZĂ€hne bewaffnet, allerdings ohne AtomzĂ€hne jedweder Art, weder Entwicklung noch Stationierung
– nach Wahl der ukrainischen Regierungen bzw Parlamentsmehrheiten jeweils Handelspakte und Waffenlieferungen mit bzw durch E.U. und N.A.T.O., Ă€hnlich wie mit der Schweiz oder Schweden.
langfristig:
– die VerfassungsĂ€nderung, die 2014 im letzten Moment abgewĂŒrgt wurde und den von N.A.T.O. und E.U. gestĂŒtzten Putsch ĂŒberhaupt erst auslöste und möglich machte: Föderalisierung der Ukraine und, als ein Angebot, maximale Autonomie fĂŒr die heute abgespaltenen und faktisch vom russischen Staat besetzten Gebiete im Donbass. Ebenso ein Angebot in Form einer besonderen staatlichen Konföderation mit den separatistischen Regionen, inklusive Betretungsverbot von staatlichen ukrainischen bewaffneten KrĂ€ften (MilitĂ€r, Geheimdienste, Polizei, etc) fĂŒr die nĂ€chsten, sagen wir, 20 Jahre und Stationierung neutraler U.N.O.-Truppen aus hastunichgesehn (SĂŒdamerika oder so). Ebenso ein Angebot an die Russische Föderation, nach dem Modell Guantanamo in Kuba, fĂŒr 99 Jahre exterritoriale MilitĂ€r- und MarinestĂŒtzpunkte Russlands auf der Krim zuzulassen und ein Ă€hnliches Autonomie-Modell wie fĂŒr den Donbass vorzuschlagen, bei offizieller staatlicher Hoheit der Ukraine ĂŒber die Krim.
Kommentar bzw ErklÀrung:
Das heiĂt alles nicht, dass das auch sofort oder ĂŒberhaupt passiert. Das heiĂt, es ist möglich, dass das alles passiert. Und in dem Augenblick, wo das die Ăffentlichkeit begreift, in der Ukraine, in Russland, in den E.U.- bzw N.A.T.O.-Staaten, werden sich die Leute Augen reiben und sich fragen, warum da ĂŒberhaupt Krieg gefĂŒhrt wird. Und das wiederum wird die StaatsfĂŒhrungen und Machthaber beeinflussen.
Gesetzt den Fall, man wĂŒrde sich auf den ersten Teil, die MaĂnahmen und Bedingungen einigen, könnte einerseits Putin dies als seinen Erfolg verkaufen – man hat die N.A.T.O.-Mitgliedschaft der Ukraine verhindert – und andererseits Selenski in Kiev eine historische Dankes- und Jubelparade abhalten und dazu jede Menge FreundInnen einladen. Das Sterben wĂ€re vorbei. Man darf Selenski diesbezĂŒglich nicht ĂŒbel nehmen, jetzt die E.U.-, die N.A.T.O.-Mitgliedschaft und einen Weltkrieg alias „Flugverbotszone“ zu fordern. Die Allerwenigsten können sich vorstellen in seiner Lage zu sein.
Was eine (weitere) verantwortliche, eine rationale, eine solidarische MaĂnahme aus dem WeiĂen Haus wĂ€re, Ă€hnlich wie die ZurĂŒckhaltung was die Provokationen aus dem Kreml angeht: von sich aus auf eine N.A.T.O.-Mitgliedschaft der Ukraine zu verzichten. Neben der Lieferung von Defensivwaffen gĂ€be es nichts Besseres, was „der Westen“ derzeit fĂŒr die Ukraine tun kann. Man könnte vielleicht auch verkĂŒnden, man habe sich in den letzten 30 Jahren mit der N.A.T..O. genug gedehnt. Und zwanzig Jahre lang genug ruhmreichen Terrorkrieg gefĂŒhrt. Ein paar Millionen Tote wĂŒrden nun reichen.
Das Ende des Afghanistan-Krieges, allein beendet durch den Befehl eines einzigen Mannes, Joe Biden, war diesbezĂŒglich ein guter Anfang. Zur Erinnerung; die „Authorization for Use of Military Force“ aus 2001, das entscheidende KriegsermĂ€chtigungsgesetz was in Deutschland bis heute fast keiner kennt, ist vom Kongress immer noch nicht aufgehoben, obwohl dies bereits 2013 von Barack Obama angekĂŒndigt wurde. (23. Mai 2013, âDieser Krieg, wie alle Kriege, muss endenâ)
Eines noch zu Putin: die Strategie des Kreml, sowohl von Putin, als auch seiner guten FreundInnen von Beratern, lief von Anfang an darauf hinaus, den Putsch von 2014 nicht nur zuzulassen, sondern diesen auch noch dazu zu benutzen um die Krim zu schlucken, die Ukraine insgesamt zu destabilisieren und letztlich verschwinden zu lassen.
Wer wie Putin und seine „politischen Technologen“ 100 Jahre zurĂŒckdenkt, bis zum „Friedensvertrag“ von Brest-Litowsk zwischen dem Kaiserreich Deutschland kurz vor der Revolution und dem neuen bolschewistischen Regime in Russland, welches ein halbes Jahr nach der im MĂ€rz 2017 erfolgten russischen Revolution die Macht ĂŒbernommen und die verfassungsgebende Versammlung auseinander gejagt hatte, macht ein Fass auf, was er nie wieder zu bekommt. Gerade in Polen und den baltischen Staaten, die erst nach 1918 bzw nach Ende des Ersten Weltkriegs und des russischen BĂŒrgerkriegs ĂŒberhaupt unabhĂ€ngig wurden, mĂŒssen dieser Tage alle Alarmlampen angegangen sein.
Soll nun das Spiel der GroĂmĂ€chte, gerade mit den osteuropĂ€ischen LĂ€ndern und Völkern, endlich vorbei sein? Eine unabhĂ€ngige, neutrale Ukraine wĂ€re diesbezĂŒglich ein historischer Anfang.
Fragt sich nur, ob das auch den GroĂmĂ€chten und ihren Staatschefs in deren PlĂ€ne, Programme und Wahrnehmungen passt.
(….)
Anm.d.Red.: Ăberschrift am 14.04.2023 geĂ€ndert. Im Westen und im Osten nichts Neues.
