Sie weinen, aber sie nehmen: „Polnische Teilung“ der Ukraine in vollem Gang
Die Ukraine wird zwischen dem Westblock bzw „EuropĂ€ischer Union“ und Russland bzw „Eurasischer Union“ aufgerieben.
Eine subjektive Zusammenfassung.
Friedrich II., Monarch ĂŒber PreuĂen und im Zuge des spĂ€ter von seinen Nachfolgern so segensreich zusammeneroberte Deutsche Reich heute wohlwollend „der GroĂe“ genannt, sagte einmal ĂŒber seine Konkurrentin im Kaiserreich Ăsterreich Ungarn, Maria Theresia: „Sie weint, aber sie nimmt.“ Thema war das seinerzeit von zwei Kaiserreichen – dem ĂŒber Ăsterreich und dem ĂŒber Russland – sowie eben jenem aufstrebenden Königreich PreuĂen unter dem bereits damals ĂŒblichen endlosen Gezynel und Geheuchel gĂŒtlich geteilte Opferland Polen.
Hier nun eine sicherlich unvollstĂ€ndige Auflistung von Hinweisen darauf, dass es vor, bei und nach dem mit nackter Gewalt und letztlich einem Massenmord durch die Putschisten am Maidan Platz am Morgen des 19. Februar erzwungenen Umsturz in der Ukraine auf „beiden Seiten“ agierenden KrĂ€ften nie um eine politische und verfassungsmĂ€Ăig geordnete VerĂ€nderung der Ukraine, sondern um deren Zerstörung, Spaltung und Aufteilung ging.
Wir definieren „beide Seiten“:
a) den Westblock, seine „EuropĂ€ische Union“, seinen „Internationalen WĂ€hrungsfonds“ und allen voran die Berliner Nomenklatura, Regierung und alle etablierten Parteien, deren ĂŒber Jahre in der Ukraine aufgebaute und finanzierte Opposition und rechtsextremen FuĂtruppen, wie „Klitschkos rechte Hand“, die „Allukrainische Vereinigung Swoboda“, die „Allukrainische Vereinigung Vaterland“ von Julia Timoschenko, dem jetzigen „PrĂ€sidenten“ Alexander Turtschinow und dem jetzigen „Premierminister“ Arseni Jazenjuk, einem Mitglied der Trilateralen Kommission, die im Oktober 2013 im polnischen Krakau den Umsturz vorbereitet hatte, etc, etc.
b) die ukrainische Regierung des gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Janukowitsch bwz den heute in den Regionen Donezk und Lugansk die Volksabstimmung ĂŒber eine Sezession abhaltenden KrĂ€fte, sowie im Hintergrund die Regierung der Russischen Föderation, die zwar nicht mit den ukrainischen Separatisten gleichzusetzen ist, aber wir hier mal generös dazu ordnen, sowie ebenso deren fĂŒr 2015 anvisierte „Eurasische Union“.
Neben einigen hier bereits umschriebenen Akteuren in der Ukraine gibt es noch eine ganze Reihe weiterer, die allesamt ihre eigenen Interessen verfolgen und nach „beiden Seiten“ taktieren , allen voran die Anfang MĂ€rz vom Putsch-Regime als „Gouverneure“ im Osten der Ukraine eingesetzten Oligarchen; z.B. der in der Schweiz residierende Igor Kolomoisky in der Region Dnipropetrowsk, oder Sergei Taruta in der Region Donezk. Taruta, der in der GeiselaffĂ€re der O.S.Z.E.-GĂ€ste aus Deutschland eine Rolle spielte, liefert sich in Donezk derzeit ein erbittertes Ringen um die Vorherrschaft mit dem leer ausgegangenen Oligarchen Rinat Achmetow, der heute nun die GrĂŒndung eigener Milizen ĂŒber sein Konsortium Metinvest offiziell machte. Wie ich bereits mehrfach betonte, sehe ich Achmetow als den Hintermann der separatistischen bzw regimegegnerischen Milizen in Donezk und im Osten der Ukraine, die schlieĂlich auch von was leben mĂŒssen. Sind ja keine Musiker.
Die Menschen sowohl im Osten, wie auch im Westen der Ukraine werden in der bereits seit Jahren explizit von der Berliner Nomenklatura systematisch betriebenen Spaltung und damit Zerstörung des (nach Russland) gröĂten FlĂ€chenstaates Osteuropas lediglich benutzt. Der Ăffentlichkeit, gerade der in einem der reichsten und einflussreichsten LĂ€nder auf dem Planeten, nĂ€mlich Deutschland – wird eine Konfrontation vorgegaukelt, die so nicht existiert. Dienen soll diese inszenierte Dialektik zweier sich bekriegender Seiten ausschlieĂlich den imperialen Zwecken der seit bald dreizehn Jahren weltweit wie ein KrebsgeschwĂŒr wuchernden Kriegsgewinnlern, feudalen Finanzmogulen, Spionage-Apparaten, Kontrollbehörden, etc. Deren Interesse bedient ein Zerfall, eine Zerstörung der Ukraine, als Dynamo fĂŒr ein Fortsetzen des bald dreizehnjĂ€hrigen Krieges „on terror“, mit dem nun nichtfiktiven, sehr realen Feind Russland, China, bzw umgekehrt dem „Westen“.
Denken wir nur ein paar Monate zurĂŒck: Deutsche Soldaten gefangen genommen von „Pro-Russen“ in der Ukraine? Gefahr eines „Weltkrieges“? Zerfall der Ukraine?
Nehmen wir an, ich hÀtte letzten September, so um den 11., eine entsprechende Prognose abgegeben. Wie, meinen Sie, wÀre ich genannt worden?
Nun ist dies aber plötzlich RealitĂ€t. Viele Menschen sind gestorben. Der blutgierigen, menschenhassenden etablierten Presse in Deutschland lĂ€uft wieder einmal der Sabber von den Leffzen wie zu Kaisers Zeiten. Einer, so der Bluthund, muss der TĂ€ter sein. Der Serbe. Halt, das ist ja schon, ach das war doch, nee, nee – der Taliban. Hmmm. Auch schon so lange her. Saddam! Neiiin, im Irak sind doch blĂŒhende Landschaften ausgebrochen, seit 11 Jahren schon, seit der gĂŒtigen, christlichen, aaaabendlĂ€ndischen Invasion. Der Islamist. Neee, Bin Laden ist doch schon lange tot. Irgendwie aus der Mode. Der Russe. Jetzt haben wirÂŽs.
Wie konnte es soweit kommen? Ganz einfach: Weil die Deutschen es zugelassen haben. Auch Sie, mein GutbĂŒrger.
Sollte sich nĂ€mlich in dieser Republik herumsprechen, welch dreckiges Spiel da in der Ukraine gespielt wird, wĂŒrde a) der BĂŒrgerkrieg sofort in sich zusammenbrechen, b) das Sterben aufhören, c) die aus dem Nichts gegen den Willen der Ukrainer, auch denen im Osten und SĂŒden, plötzlich aufgepoppten Separatisten sich wieder dorthin zurĂŒckziehen von wo sie urplötzlich gut ausgerĂŒstet und finanziert mobilisiert wurden und sich d) die Herrschaften aus den Regierungen und Oligarchien ebenso plötzlich wie zĂ€hneknirschend an einen Tisch setzen und genau den Ăbergang der Ukraine zur Verfassung von 2004 ermöglichen, der am Morgen des 18. Februar bereits auf der Tagesordnung des Parlaments der Ukraine gestanden hatte.
SELTSAM ZIELGERICHTETE UNGLĂCKE UND EREIGNISSE
Eine kleine Erinnerung an Ă€uĂerst seltsame Vorkommnisse, die wie so oft spĂ€ter in Stahl gegossene RealitĂ€t verursachten. So wird Geschichte gemacht.
Montag, 17. Februar.
Der ParlamentsprĂ€sident der Rada, Volodymyr Rybak, gibt bekannt, dass die fĂŒr Donnerstag den 20. Februar geplante geordnete VerfassungsĂ€nderung gefĂ€hrdet ist, da keine einzige der im Vorfeld von den Fraktionen, auch und gerade denen der Opposition besprochenen Initiativen tatsĂ€chlich eingereicht wurde.
Am gleichen Tag ist die ukrainische „Opposition“, darunter Vitali Klitschko und Arseni Jazenjuk, zu Gast in Berlin. Was mag man sich bloĂ bei der Bundesregierung, koste es was es wolle, fĂŒr kluge Tipps abgeholt haben.
Dienstag, 18. Februar:
Das Sekretariat von Rada-PrĂ€sident Volodymyr Rybak erklĂ€rt, dass fĂŒr eine RĂŒckkehr zur Verfassung von 2004 die notwendigen 150 Unterschriften von Abgeordneten fehlen. Ergo setze er die VerfassungsĂ€nderung heute nicht auf die Tagesordnung.
Hier stellt sich die Frage: Wer wollte, was danach geschah? Wer wollte, dass die Situation weltweit nun ist wie sie ist?
Denn nun bricht an diesem Dienstag Morgen, dem 18. Februar 2014, in Kiew die Hölle los. Aufruhr im Parlament. Die ehrenwerten Oppositionellen, gerade aus dem Berliner Regierungs- und Parlamentsviertel zurĂŒckgekehrt, stĂŒrmen vor das Podium und machen einen Fortgang der Parlamentssitzung unmöglich.
Vom Maidan-Platz, auf dem der Monate zuvor gestartete Umsturz gedroht hatte einzuschlafen und fĂŒr dessen ehrenwerte „Aktivisten“ erst gestern die ukrainische Regierung sogar eine Amnestie erlassen hat, setzt sich nun eine Demonstration Richtung Parlament in Gang.
Was passiert dort? Als sich auch dort die Situation zu entspannen droht, weil ParlamentsprĂ€sident Rybak die VerfassungsĂ€nderung endlich doch auf die Tagesordnung setzt, stĂŒrmt ein kleiner Trupp des erst im November 2013 gegrĂŒndeten „Rechten Sektors“ auf die zu diesem Zeitpunkt weitaus ĂŒberlegene Polizei und RegierungskrĂ€fte los. Gleichzeitig schieĂen auf DĂ€chern positionierte ScharfschĂŒtzen in die Menge, entsprechend der einen Tag spĂ€ter von Putschisten und „Rechter Sektor“ auf dem Maidan angewandten Taktik.
Kann das Stellung beziehen von ScharfschĂŒtzen auf DĂ€chern in der NĂ€he des ParlamentsgebĂ€udes ohne Mitwissen oder Wegsehen der Regierungsbehörden, der Polizei, des Geheimdienstes S.B.U. vonstatten gegangen sein?
Irgendjemand schieĂt mit „Granaten“. In der bellizistisch-paneuropĂ€ischen „taz“ heiĂt es spĂ€ter, die „Berkut“ habe „die ersten Granaten“ geschossen.
Die „ersten“? Ja wer schoss denn auĂerdem mit Granaten?
Wie kann es sein, dass an jenem Morgen die Parteizentrale der Partei der Regionen gestĂŒrmt und von Putschisten in dessen Innere eine Rauchgranate gezĂŒndet wird, so dass dort die Menschen aus dem Fenster springen?
Was nun folgt? Sehen Sie selbst.
Ukraine protests: Fighting in Kiev 18.02.2014 from Ukraine Video Reportage on Vimeo.
Mittwoch, 19. Februar:
SchlieĂlich stĂŒrmen die Einheiten der Regierung den Maidan Platz. Sie dringen im Laufe des Tages bis zur HĂ€lfte des Platzes durch. Dann hĂ€lt die Polizei an.
Sie hÀlt an.
Irgendjemand in der StaatsfĂŒhrung von Viktor Janukowitsch, vielleicht er selbst, hat eine Waffenruhe mit den Putschisten auf dem Maidan beschlossen, genau zu dem Zeitpunkt als es Spitz auf Knopf steht und sich Geschichte und Schicksal von Millionen Menschen entscheiden.
Eine Waffenruhe.
SpĂ€ter werden auch der „Opposition“ nahestehende Seiten schreiben, dass die Regierung die Gelegenheit hatte den Maidan einzunehmen und das Unterlassen dieser RĂ€umung als deutliches Zeichen von Intrigen innerhalb der Regierung werten. Mein Kommentar an jenem Tage ist hier zu finden, oder im Tagesarchiv der Nachrichtenagentur Radio Utopie vom 20. Februar 2014.
Zu diesem Zeitpunkt lĂ€sst sich die Ukraine bereits seit 20 Jahren von einer sechsköpfigen Gruppe aus âExpertenâ im Auftrage der Regierung von Deutschland beraten.
Diese âExpertengruppeâ unter Vorsitz von Ricardo Giucci, Managing Director der Berlin Economics GmbH und u.a. auch Berater der Regierungen von Deutschland und Russland, drĂ€ngte nur Wochen vor dem Putsch die Regierung von Janukowitsch dazu einer „Kooperation“ mit dem „Internationalen WĂ€hrungsfonds“ zuzustimmen, genau dem „Internationalen WĂ€hrungsfonds“, der nun der Junta droht zugesagtes Geld wieder zu entziehen wenn sie „effektiv die Kontrolle ĂŒber den Osten verliert“.
Bereits in 2011 berichtete die ukrainische Partei der Regionen, dass der Mogul George Soros (liegt natĂŒrlich alles an der ungarischen Abstammung) ein „libysches Szenario“ fĂŒr die Ukraine vorsah.
Gab es seitdem fĂŒr die ehrenwerten Herren und Damen „von Vancouver bis Wladiwostok“ keine Gelegenheit dieses zu verhindern? War man irgendwie zu beschĂ€ftigt?
Ist es nicht gerade im Nachhinein bemerkenswert, wie selbst angesichts solcher Bilder der Kreml und PrĂ€sident Wladimir Putin noch am 19. Februar Distanz zu den Ereignissen in der Krim, Verzeihung, im Rest der fetten Beute wahrte? WĂ€hrend demgegenĂŒber in Paris die AuĂenminister Frank-Walter Steinmeier und Laurent Fabius Kriegsrat abhielten und einen Tag spĂ€ter am Donnerstag dem 20.02. in Kiew eintrafen, rechtzeitig zum Beginn des Massakers auf dem Maidan und zum erneuten Angriff des „Rechten Sektors“ auf die Polizei-Einheiten? (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8.)
Noch am 2. Dezember 2013 hatte PrĂ€sident Putin die Ereignisse in Kiew mit einem Progrom verglichen. Und nun, wo es darauf ankam – Distanz. Effektiv PassivitĂ€t. Auch AuĂenminister Sergej Lawrow war irgendwo, irgendwie beschĂ€ftigt, bei seiner MajestĂ€t von Kuwait, gleich zu einem Drei-Tages-Besuch, und danach im Irak, wĂ€hrend im strategisch unersetzlich wichtigen russischen Nachbarland Ukraine der blutige Umsturz tobte, dem flux der BĂŒrgerkrieg folgte, in dem nun die Teilung des Landes droht.
Alles Zufall, wie man in der Politik bekanntlich zu sagen pflegt; jedenfalls den Deppen und SchildtrÀgern im Pöbel, mit dem (vom fachidiotischen Standpunkt aus betrachtet völlig ausreichenden) Sozialen IQ einer Topfpflanze.
Am Dienstag, dem 18. Februar, war Oligarch Rinat Achmetow – der heute so besorgt um die vom aufkommenden BĂŒrgerkrieg des zerfetzten Staates bedrohten Ukrainer im Osten des Landes ist – zusammen mit zwei anderen Oligarchen, Vadim Novinsky und Viktor Pinchuk, dem von ihm bislang gestĂŒtzten PrĂ€sidenten Janukowitsch in den RĂŒcken gefallen. Nur zur Erinnerung: das war der Tag, an dem in der Rada so seltsam die geplante VerfassungsĂ€nderung platzte, mit allen bekannten Folgen. Und allen – naja, vielleicht auĂer der Bevölkerung von Deutschland – war klar, dass die Macht von Janukowitsch auf der StĂŒtze durch die Oligarchen basierte.
Doch selbst nach dem Umsturz, ja sogar noch Anfang April hatte man in Kiew, trotz der Ernennung von Oligarchen als „Gouverneure“ in den ostukrainischen Regionen, lediglich eine in der Bevölkerung der Ukraine insgesamt marginalisierte, wenig respektierte, in sich völlig zerstrittene und geradezu hilflose Junta, der groĂe Teile des Polizei- und MilitĂ€rapparates bereits entglitten waren.
Im gesamten Osten der Ukraine gab es Proteste, Besetzungen, Versammlungen, ja. Aber von BĂŒrgerkrieg – keine Spur. Vielmehr drohte die Junta in Kiew zusammenzubrechen.
Doch auch dieses „Problem“ fand nun eine Lösung. Auftritt der bewaffneten Separatisten.
VOM UMSTURZ IN DEN BĂRGERKRIEG IN DIE TEILUNG
Mit der Besetzung der Polizeistation von Slawjansk am 12. April durch eine kleine Gruppe von „pro-russischen“ Bewaffneten, Ă€nderte sich die Situation schlagartig zu Ungunsten der Demokraten und Föderalisten im Osten und SĂŒden der Ukraine, die zuvor durch Massendemonstrationen und unbewaffnete Besetzungen von AmtsgebĂ€uden mehr und mehr Einfluss gewonnen hatten. Zu ihrem Schaden wurde nun wieder der vom Westblock gestĂŒtzten Junta in Kiew Ball zugespielt.
Im Gegensatz zu den Putschisten â die wĂ€hrend ihres Umsturzes taktisch geschickt auf offene Bewaffnung verzichtet hatten â trampelten die ominösen âkleinen grĂŒnen MĂ€nnchenâ, von denen bis heute keiner öffentlich erklĂ€rt hat woher deren Kommandos und Geldmittel kommen, mit Anlauf ins Eskalations-FettnĂ€pfchen, wĂŒrgten die Dynamik der âeigenenâ zivilen Protest- und Widerstandsbewegung im Osten der Ukraine ab und hoben die Auseinandersetzung auf ein militĂ€risches Niveau.
Erst diese am 12. April in Slawjansk und nachfolgend in weiteren Gebieten aufgetauchten bewaffneten „pro-russischen“ Milizen gaben der Junta in Kiew das Alibi die StreitkrĂ€fte einzusetzen, die sich nun – trotz unleugbarer Distanz zu diesem nie gewĂ€hlten wilden Haufen von Nationalisten und Faschisten an der Macht – in einem LoyalitĂ€tskonflikt sahen: Sollten sie auf ihre Landsleute schieĂen? Sollten sie dem Zerfall ihres Landes tatenlos zusehen?
Die ganze Zeit ĂŒber schwieg der Kreml zu dieser Katastrophe. Wieder spielte die Regierung der Russischen Föderation KarnickelbĂ€r. Sie wusste von nichts, tat völlig harmlos und hielt die Pratzen hoch. Huch. Die Krim. Ja, die war Russland irgendwie so reingerutscht. Aber damit hatte man ja nun nichts zu tun. Und weil man das nicht hatte, deswegen brauchte man das auch nicht zu sagen.
Aber damit nicht genug. Denn noch war die Ukraine nicht tot.
Am 21. April hatte die gegen das Regime in Kiew rebellierende ostukrainische Region Lugansk verkĂŒndete, sie werde am 11. Mai ein Referendum abhalten â aber eben nicht ĂŒber eine Sezession von der Ukraine, sondern eine âautonome Republik mit erweiterten Vollmachten im Staatsverband der Ukraineâ.
Also so konnte der BĂŒrgerkrieg doch nicht weitergehen! Was fiel diesen LĂŒmmeln in Lugansk denn ein!
Auftritt Hochstapler Denis Puschilin.
Diese Witzfigur, von der die Menschen in Donezk vor seiner MachtĂŒbernahme durch separatistische Bewaffnete und der holterdipolter ausgerufenen âRepublik Donezkâ noch nie etwas gehört hatten, erdreistet sich nun am 24. April flux zu vermelden, man werde am 11. Mai ebenfalls ein Referendum in Donezk abhalten â aber nicht etwa ĂŒber einen Autonomie-Status „im Staatsverband der Ukraine“, die die Föderalisten in Lugansk, nein, nein – sondern ĂŒber eine âUnabhĂ€ngigkeitâ von Donezk.
Und nicht nur das: Puschilin erdreistet sich auch noch von den Föderalisten in Lugansk zu verlangen seine Wortwahl fĂŒr die Volksabstimmung zu ĂŒbernehmen, also ein separatistisches Referendum ansetzen.
Aus Moskau zu dem Debakel natĂŒrlich wieder kein Wort.
So war der Stand am 24. April. (Ukraine Situation: Föderalisten in Lugansk, Separatisten in Donezk â Moskau verharrt politisch passiv)
Und am 28. April zieht dann eine Demonstration durch Lugansk und verkĂŒndet die unabhĂ€ngige âVolksrepublik Luganskâ und dass die Frage im Referendum am 11. Mai nun lauten solle: âUnterstĂŒtzen Sie den Akt der VerkĂŒndung der staatlichen SouverĂ€nitĂ€t der Volksrepublik Lugansk?â.
So kaperte man denn auch das föderalistisch gesonnene Lugansk. Und der KarnickelbĂ€r und sein kleiner eifriger Hamster Achmetow hoben die Pratzen. Huch. Ja. Nee. Wer? Wiiiir? Neeeee….
Dass Wladimir Putin nun am 7. Mai nach dem Treffen mit O.S.Z.E.-PrĂ€sident Didier Burkhalter im Kreml die „ReprĂ€sentanten der SĂŒdostukraine und UnterstĂŒtzer einer Föderalisierung“ aufforderte die heute am 11. Mai stattgefundenen Referenden zu verschieben.. sorry, das war ein Witz.
WAS NUN?
Ganz ohne Zweifel wird heute in den Regionen Donezk und Lugansk eine wie auch immer zustande gekommene Mehrheit fĂŒr eine Sezession der Regionen von der Ukraine zustande kommen. Die dazu flankierend aufgefĂŒhrte Posse, mitsamt TĂ€terĂ€ und dem Geschwenke schöner neuer Ordnungsfahnen, kann vernachlĂ€ssigt werden.
Keiner – ich auch nicht – kann von den Menschen in Donezk und Lugansk verlangen dass sie einseitig die Waffen niederlegen. Jetzt, wo der BĂŒrgerkrieg bereits ausgebrochen ist, kĂ€me das einem Selbstmord gleich.
Gegen ein Referendum ist nichts einzuwenden. Die Frage ist doch – ein Referendum worĂŒber?
Was hat denn die Junta in Kiew in der Hand auĂer die Argumente, die ihr die nun separatistischen Regionen Donezk und Lugansk selbst in diese geben? Was wĂ€re denn die Junta zu Kiew, wenn die aufstĂ€ndischen Regionen einfach gesagt hĂ€tten, so, wir behalten die Waffen und wir wollen das und das, aber treten nicht offiziell aus der Ukraine aus?
Nichts wĂ€re sie dann. Aber so verschwindet nicht diese faschistische Junta, sondern der Vielvölkerstaat Ukraine, genauso wie in den 90ern Yugoslawien. Und ĂŒberall hebt der Krieg wieder an und dieses unertrĂ€gliche Abstammungs-, Ethnie- und Religions-GesĂŒlze, diese Pest und Cholera des Imperialismus.
Bei seiner Ansprache vor der russischen Föderationsversammlung sagte PrĂ€sident Putin am 12. Dezember 2013 folgende, gerade hinsichtlich der angestrebten Eurasischen Union und ihrer zukĂŒnftigen Politik bedeutsamen Worte:
„Wir waren immer stolz auf unsere Nation. Aber wir streben nicht danach irgendeine Art von Supermacht mit dem Anspruch auf globale oder regionale Hegemonie zu sein; wir drĂ€ngen uns nicht den Interessen von irgendjemandem auf, verhĂ€ngen nicht unsere Schirmherrschaft ĂŒber irgendjemanden oder versuchen andere zu lehren wie sie ihr Leben leben sollen. Aber wir werden danach streben AnfĂŒhrer zu sein, das internationale Recht (Völkerrecht) zu verteidigen, strebend nach Respekt, nationaler SouverĂ€nitĂ€t, UnabhĂ€ngigkeit und IdentitĂ€t fĂŒr die Völker.“
An was sollte man nun die Politik der Russischen Föderation messen, wenn nicht an den Worten ihres PrÀsidenten?
Im „Westen“, diesem nicht (nur) von staatlichen, sondern vielmehr in dessen Windschatten gewachsenen inoffiziellen und informellen Machtstrukturen beherrschten Einflussbereich der Vereinigten Staaten von Amerika, zĂ€hlen den „Entscheidern“, FunktionstrĂ€gern und Kadern Worte nichts mehr, erst recht nicht die eigenen. Es wird schneller gelogen als geatmet wird, bis zum Erbrechen. Den Bevölkerungen im Westblock sollen unter allerlei surrealem Gequatsche und Geheuchel der Selbstmord ihrer Demokratien eingeredet werden, nur zu ihrer „Sicherheit“, versteht sich, oder gar der ihrer WĂ€hrung in der sie ausgeplĂŒndert werden. Franz Kafka wĂŒrde platzen vor Freude ĂŒber die VerrĂŒckten, die sich – explizit auf dem Kontinent Europa und ganz besonders mittendrin – wieder einmal breit und zur entsprechenden Mehrheit gemacht haben.
Die Welt sucht eine Alternative zu diesem abgetakelten, abgeschmackten, kaputten imperialen Wrack von „Westen“. Russland muss sich daran gewöhnen an diesem Anspruch – einer Alternative, einer besseren Alternative, keinem imperialen, moralisch ebenso verkommenen Duplikat – gemessen zu werden.
Das Schicksal der Ukraine, dem SchwÀcheren im Spiel der MÀchte, wird dabei Gradmesser sein.
