Unbewusst Reserve

Die Beendigung des Kalten Krieges und die Suche nach einer neuen Existenzberechtigung fĂŒr Armee und NATO-Bindung Anfang der 1990er-Jahre haben aber genau diese militĂ€rische ZurĂŒckhaltung in Frage gestellt. Mit den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ von 1992 erhielt das Bild einer Bundeswehr als „territoriale Verteidigungsarmee“ deutliche Risse: Interessen, deutsche Interessen, konnten als Rechtfertigung militĂ€rischer EinsĂ€tze herangezogen werden. Die weltweiten EinsĂ€tze deutscher Truppen eskalieren seither zu immer grĂ¶ĂŸeren, immer weniger nachzuvollziehenden AlltĂ€glichkeit.

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Die Militarisierung der FlÀche: Das Beispiel Emden

Der Rat der Stadt Emden beschloss 2014 den Beitritt zum Verein fĂŒr die Förderung des Kriegsschiffes, 80 Jahre nach der Einweihung des SMS Emden Ehrenmals. Der Verein heißt offiziell „Freundeskreis Marineschiff Emden e.V.“

2020 wird eine Korvette auf den Namen Emden getauft werden.

Emden ist Standort der RĂŒstungsindustrie. Wie bereits erwĂ€hnt, sind hier TKMS und die MWB Fahrzeugtechnik zu nennen. Über Emdens Hafen werden KriegsgĂŒter und Soldaten im Falle von Manövern und Kriegen verschifft.

Der OberbĂŒrgermeister ist „mayor for peace“.

In mehreren StĂ€dten werden Korvetten auf deren Namen getauft. Wie nehmen dies die dortigen BĂŒrger auf?

Die Militarisierung Japans und das magische Jahr 2020

Japan ist seit dem Zweiten Weltkrieg bekannt fĂŒr seinen Pazifismus. Pazifistisch eingestellt ist ein Großteil der Bevölkerung und kriegsablehnende Elemente weist die japanische Verfassung seit Ende des Zweiten Weltkrieges auf. So lautet die weitverbreitete Annahme – Betonung auf Annahme. TatsĂ€chlich nehmen militĂ€rische Handlungen und Reden seit geraumer Zeit zu. Dass sich die militĂ€rische Rhetorik verschĂ€rft, ist nicht neu, neu hingegen ist, dass Premierminister Shinzo Abe das Jahr 2020 zu einem magischen Jahr fĂŒr die Militarisierung Japans gemacht hat.

Renazifizierung

Das Verbrechen gegen den Frieden wurde gleich nach dem Zweiten Weltkrieg anders gesehen als heute. Inmitten von zerstörten StĂ€dten und Orten, mit frischen Erinnerungen an Tod und Vernichtung war das Bestreben stark, es nie mehr so weit kommen zu lassen. „Nie wieder“ hieß es quer durch alle politischen Gruppierungen. Und da noch in frischer Erinnerung war, dass ungehemmtes Gewinnstreben und rĂŒcksichtslose Ausbeutung ursĂ€chlich mit dem Krieg zu tun hatten, lesen sich die Parteiprogramme der damaligen Zeit wie die reinsten linken Manifeste.