E.U.-Ministerrat: Waffenlieferung an separatistisches Kurdistan, Grenzkontrolle zu israelischer Kolonie Gaza angeboten
Die von Rosa Luxemburg vor ĂŒber hundert Jahren beschriebene „imperialistische MiĂgeburt“ des „PaneuropĂ€ertums“ zeigt in der „EuropĂ€ischen Union“ ihre hĂ€ssliche Fratze.
Am 12. Juni erklĂ€rte ich in einer bis heute fortgesetzten Tweet-Reihe die Irak-Kurdistan-Situation und den „ökonomischen Hintergrund: das Anlaufen der Ăl-Exporte aus Kurdistan in die europĂ€ischen Staaten, auf eigene Rechnung, ohne Bagdad“ mit dem PrĂ€sidenten der Regionalregierung Kurdistans Masoud Barzani als Strippenzieher.
Am 2. August umschrieb Radio Utopie das strategische Ziel des Gaza-Krieges: die Entsendung einer internationalen Besatzungsstreitmacht, welche die israelische Kolonie Gaza anstelle der eigentlichen Besatzungsmacht unterdrĂŒcken soll, unter dem von den Regierungen in Washington und Berlin gedeckten Propaganda-Terminus âEntmilitarisierungâ bzw âDemilitarisierungâ (âdemilitarization of Gazaâ).
Am gestrigen 15. August beschloss nun der Rat der AuĂenminister des Staatenbundes „EuropĂ€ischen Union“ Waffenlieferung an das separatistische Kurdistan, nachdem dessen Barzani-Regierung am gleichen Tag genau das gefordert hatte, und bot in einem weiteren Beschluss dem Regime von Israel die Ăbernahme der Grenzkontrolle zur aufstĂ€ndischen israelischen Kolonie Gaza an.
Das Angebot zur KontrollĂŒbernahme der Grenzen von Gaza sowohl zu Israel, als auch zu Ăgypten, beinhaltet die „Reaktivierung“ und „Ausweitung in Umfang und Mandat“ der Polizei-Missionen der E.U. in Israel und seiner Kolonie PalĂ€stina, Westjordanland und dem Gazastreifen, E.U.B.A.M. Rafah und E.U.P.O.L. C.O.P.P.S.
Bereits am 3. August hatte AuĂenminister Steinmeier ĂŒber die Springer AG die „Reaktivierung“ der Polizeimission E.U.B.A.M. Rafah ins Spiel gebracht, um die „Herrschaft der Hamas“ im Gazastreifen zu „brechen“.
Beide Polizei-Missionen, die „European Union Border Assistance Mission Rafah“ und die „EU Police Mission in the Palestinian Territories“ sind seit Jahren aktiv und benötigen keinerlei „Aktivierung“. Da die PolizeikrĂ€fte aus den Mitgliedstaaten der „EuropĂ€ischen Union“ allerdings auch nach dem Wahlsieg der Hamas in PalĂ€stina Anfang 2006 mit der Fatah vom heutigen „PrĂ€sidenten“ PalĂ€stinas Mahmoud Abbas zusammenarbeiteten, akzeptierte die Hamas nach ihrer gewaltsamen MachtĂŒbernahme in Gaza Mitte 2007 die E.U.-KrĂ€fte nicht in ihrem militĂ€rischen Einflussbereich, also im Gazastreifen.
Der haarstrĂ€ubende und verantwortungslose Beschluss der E.U.-Aussenminister, dessen ganze Dimension u.a. die Reaktion der entsprechenden Kriegstreiber in der etablierten Presse in Deutschland und Israel verdeutlicht, umfasst auch die Verhinderung des Transports von „unerlaubten Waffen und Munition“ nach Gaza – also auch die Kontrolle der grenzĂŒberschreitenden Tunnel, die einzige Lebensader der seit 2007 durch die völkerrechtswidrige Blockade Israels gepeinigten Kolonie und allen seriösen Berichten zufolge zum allergröĂten Teil zum Schmuggel lukrativer bzw lebensnotwendiger GĂŒter benutzt, gehört zu dem Angebot, was die AuĂenminister der E.U.-Staaten da gestern dem Jerusalemer Regime gemacht haben.
Konkret: die „EuropĂ€ische Union“ bietet dem Kolonialregime von Israel an, ihm den „Tunnelkampf“ gegen die Hamas abnehmen, wofĂŒr das deutsche Heereskommando demnĂ€chst (oder bereits) Soldaten in Israel trainieren lĂ€sst. Letzteres teilte Heeresinspekteur Generalleutnant Bruno Kasdorf dem Vorsitzenden vom Verteidigungsausschuss des Bundestages in einem (zeitnah an die Presse weitergereichten) Schreiben mit, da sich der Bundestag derzeit, wie an sieben Monaten im Jahr, im Urlaub befindet.
Dazu passt, was der E.U.-Rat der AuĂenminister in seinem Beschluss gestrigen Beschluss auĂerdem noch vieldeutig formulierte:
„Alle terroristischen Gruppen mĂŒssen die Waffen niederlegen“ („must disarm“).
Wie von uns am 2. August prognostiziert, verlangte am 7. August der faschistische AuĂenminister Israels, Avigdor Lieberman, deutsche „Inspektoren“ in der aufstĂ€ndischen israelischen Kolonie Gaza. In gewohnter HeimtĂŒcke und maximalem Zynismus verlangte Lieberman, nicht etwa sein Regime der Kriegsverbrecher und Massenmörder, sondern die Berliner Republik mĂŒsse die âhumanitĂ€re Katastrophe in Gaza abwendenâ, sonst werde sein Regime âwieder einmarschierenâ.
Zur Irak-Sitution gehört, dass die Hollande-Regierung der FĂŒnften Republik von Frankreich bereits am 7. August faktisch eine Intervention im Irak gefordert hat und dazu eine Sitzung des U.N.O. Sicherheitsrates einberaumte, sowie die vom archaischen Kirchenstaat Saudi-Arabien bereits vor einigen Wochen an der Grenze zum Irak zusammengezogenen Truppen, angeblich zum Schutze vor potentiell aus dem Irak einfallenden Terroristen des „Islamischen Staates“, die die islamischen HeiligtĂŒmer in Mekka und Medina zerstören könnten.
Letzter Stand was Kurdistan angeht ist der Tweet Reihe zu entnehmen: Kanzlerin Merkel hat gestern mit Barzani telefoniert, zur Stunde berĂ€t sich Barzani mit dem nach Erbil / Arbil geeilten Steinmeier. Vorgestern beantragte dazu die Urlaubsfraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen sowohl bemerkens- wie ausnahmsweise eine Sitzung sowohl vom AuswĂ€rtigen Ausschuss, als auch vom Verteidigungsausschuss, wĂ€hrend von der Spatzenhirnfraktion nur Dr. Gregor Gysi UnterstĂŒtzungsgebete fĂŒr die Kriegslobby vernehmbar blieb.
Wer es immer noch nicht wahrhaben will, hier ein Auszug aus Gysis Interview in „Deutschlandfunk“ vom 14. August:
„Frage: Herr Gysi, was heiĂt denn das jetzt in der aktuellen Situation ganz konkret? Fordern Sie UN-Blauhelme fĂŒr den Nordirak?
Gysi: Also der Sicherheitsrat mĂŒsste jetzt tagen und er mĂŒsste BeschlĂŒsse fassen, und wenn er BeschlĂŒsse gefasst hat auf der Grundlage der Charta der Vereinten Nationen, dann können wir in unserer Partei, die anderen in ihren Parteien und ich logischerweise auch mit Ihnen ĂŒber die BeschlĂŒsse diskutieren. Ich will die nicht vorwegnehmen, …
Frage: Aber Sie mĂŒssen ja eine Vorstellung haben, was helfen kann. Blauhelme – wĂ€re das eine Lösung?
Gysi: WeiĂ ich nicht. Blauhelme, da mĂŒsste ja ein Waffenstillstand vereinbart werden.“
Der FĂŒhrer der sogenannten „Linksfraktion“ legt an den Tag, dass er Interventionstruppen der Bundeswehr im irakischen Kurdistan, einem Kriegsgebiet zustimmen wĂŒrde.
Ich wiederhole mich: die unorganisierte Linke ist ein Haufen. Die organisierte Linke ist ein Haufen (zensiert).
Da gerade und explizit die marxistische Linke mittlerweile jede ökonomische Analyse, ja selbst das Erkennen einfachster ZusammenhÀnge nicht nur meidet wie das MilitÀr die Ungehorsamkeit der Demokratie, sondern aktiv sabotiert und mit geradezu esoterischen Denkverboten belegt, seien diese hier nochmal erlÀutert:
Barzani und seine Regierung exportieren seit Jahren Ă€uĂerst lukrativ Ăl und Gas. Barzani kann alle gewĂŒnschten Waffen jederzeit auf dem „freien Markt“ kaufen.
Barzanis Forderung nach Geld und Waffen lĂ€uft schlicht auf die Forderung nach einem Ankauf von Waffen bei der Industrie durch die Merkel-Steinmeier-Regierung hinaus, auf Staatskosten natĂŒrlich, im Gegenzug fĂŒr Lieferungen von Gas und Ăl in die europĂ€ischen Staaten, naĂŒrlich ebenfalls ĂŒber kommerzielle Konsortien und zu derem Gewinn.
Russland. Ukraine. Gas. Sanktionen. Alternative. Kurdistan. Bagdad. Ăl. Gas. Waffen. Geld. Zank. Krieg. Zusammenhang verstanden?
In dieser „EuropĂ€ischen Union“ wissen 34 Prozent der BĂŒrger nicht, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Sie haben die „Linke“ bekommen, die sie verdienen.
Vor ĂŒber hundert Jahren, drei Jahre vor Ausbruch des 1. Weltkrieges, schrieb die im Zarenreich Russland geborene Polin Rozalia Luksenburg und spĂ€tere deutsche Sozialdemokratin Rosa Luxemburg:
„Nicht die europĂ€ische SolidaritĂ€t, sondern die internationale SolidaritĂ€t, die sĂ€mtliche Weltteile, Rassen und Völker umfaĂt, ist der Grundpfeiler des Sozialismus im Marxschen Sinne. Jede TeilsolidaritĂ€t aber ist nicht eine Stufe zur Verwirklichung der echten InternationalitĂ€t, sondern ihr Gegensatz, ihr Feind, eine Zweideutigkeit, unter der der PferdefuĂ des nationalen Antagonismus hervorguckt.
Ebenso wie wir stets den Pangermanismus, den Panslawismus, den Panamerikanismus als reaktionĂ€re Ideen bekĂ€mpfen, ebenso haben wir mit der Idee des PaneuropĂ€ertums nicht das geringste zu schaffen.“
„Und jedes Mal, wo bĂŒrgerliche Politiker die Idee des EuropĂ€ertums, des Zusammenschlusses europĂ€ischer Staaten auf den Schild erhoben, da war es mit einer offenen oder stillschweigenden Spitze gegen die âgelbe Gefahrâ, gegen den âschwarzen Weltteilâ, gegen die âminderwertigen Rassenâ, kurz, es war stets eine imperialistische MiĂgeburt.“
Genau diese imperialistische MiĂgeburt, der sich eine ganze Generation angeblicher Sozialisten und Sozialdemokraten blind zu FĂŒĂen geworfen hat, zeigt nun im bald dreizehnjĂ€hrigem weltweiten Terrorkrieg ihre hĂ€ssliche Fratze.
