Fauler Tornado-Kompromiss

Autor: JĂŒrgen Wagner

Milliardenteure Anschaffung von Eurofighter und F-18

Seit mehr als zwei Jahren tobt in Deutschland der Streit um die Nachfolge der alternden Tornado-Flotte, die bis 2025 ĂŒber die BĂŒhne sein soll. Involviert sind dabei eine ganze Reihe interessierter Akteure vom MilitĂ€r ĂŒber die Industrie und die Gewerkschaften bis hin zur Politik. Zur Auswahl standen dabei lange drei Modelle: die F-35 von Lockheed Martin; die F-18 von Boeing; und dann noch die EU-Hausmarke Eurofighter von Airbus.

Da jede Option fĂŒr eine grundlegende Richtungsentscheidung steht, wurde die Entscheidung immer wieder verschoben, endgĂŒltig wird sie wohl auch erst von der nĂ€chsten Bundesregierung gefĂ€llt werden. Nachdem die F-35 schon lĂ€nger aus dem Rennen war, wurde Ende MĂ€rz 2020 aber berichtet, nun sei eine Vorentscheidung gefallen, die man auch als faulen – und vor allem auch teuren – Kompromiss bezeichnen könnte: demzufolge soll eine Mischflotte aus bis zu 90 Eurofighter und 45 F-18 angeschafft werden. Damit wird versucht, eine ganze Reihe von Fliegen mit einer riesigen Milliardenklappe zu schlagen.

So kam die unmittelbar kampfstĂ€rkste, kostengĂŒnstigste und deshalb von vielen MilitĂ€rs bevorzugte F-35 deshalb nicht zum Zug, weil damit die Realisierungschancen des geplanten deutsch-französischen Kampfflugzeugs („Future Combat Air System“, FCAS), ein Kernprojekt bei der Herausbildung einer von den USA unabhĂ€ngigeren MilitĂ€rmacht EUropa, deutlich gesunken wĂ€ren. Ein US-Produkt muss es aber aus Sicht der Politik schon allein deshalb sein, weil weiter krampfhaft an der Nuklearen Teilhabe der NATO festgehalten wird. Die dafĂŒr erforderlichen TrĂ€gerfĂ€higkeiten werden bislang ĂŒber die Tornados bereitgestellt. Deshalb fĂŒhrt aus diesem Blickwinkel an der F-18 kaum ein Weg vorbei, da die USA in gewohnter America First-Manier recht unverblĂŒmt signalisiert hatten, sie wĂ€ren nur fĂŒr die F-18 in der Lage das erforderliche Zertifikat rechtzeitig bis 2025 auszustellen. Dies rief allerdings dann wiederum Industrie, Politik und Gewerkschaften auf den Plan, die aus Sorge um Profite und ArbeitsplĂ€tze die Eurofighter-Variante stĂ€rkten.

Herauskommen wird aus diesem ĂŒblen Interessenskompott augenscheinlich nun wohl also eine Art Kampfflieger-Gemischtwarenladen, der voraussichtlich Unsummen verschlingen wird.

Kostenfresser Tornado

Aktuell verfĂŒgt die Bundeswehr ĂŒber 234 Kampfflugzeuge, davon sind 141 Eurofighter und 93 Tornados, die nicht nur fĂŒr konventionelle, sondern auch fĂŒr atomare EinsĂ€tze im Rahmen der Nuklearen Teilhabe der NATO gedacht sind. Dabei geht es um 150 bis 200 in fĂŒnf europĂ€ischen LĂ€ndern lagernde US-Atomwaffen, die – nach alleiniger vorheriger Entscheidung der USA, wohlgemerkt – von Kampfflugzeugen und Piloten der jeweiligen LĂ€nder ins Ziel gebracht wĂŒrden. Auch Deutschland ist daran beteiligt: „Der Tornado ist der einzige deutsche Kampfjet, der US-amerikanische Atombomben ins Ziel tragen kann. [
] In der NATO-Übung ‚Steadfast Noon‘ trainiert die Bundeswehr einmal jĂ€hrlich den Abwurf der US-Atombomben, von denen geschĂ€tzt 15 bis 20 StĂŒck auf einem LuftwaffenstĂŒtzpunkt im kleinen Ort BĂŒchel im SĂŒdwesten Deutschlands lagern. Trainiert wird zwar mit Bombenattrappen, aber mit deutschen Kampfflugzeugen und ihren deutschen Besatzungen. Offiziell bestĂ€tigt hat die Bundesregierung die Existenz der Atombomben in BĂŒchel allerdings nie – sie stuft das Thema als Staatsgeheimnis ein.“

Allerdings haben die Tornados seit ihrem Produktionsbeginn Anfang der 1970er schon einige Jahre auf dem Buckel. Dies entwickelte sich im Laufe der Zeit fĂŒr die Bundeswehr insofern zu einem Problem, weil die Tornado-Wartungskosten durch die Decke schossen. So meldete die Deutsche Welle im Januar 2020: „Aus einem vertraulichen Dokument des Verteidigungsministeriums geht hervor, dass sich die Wartungskosten fĂŒr das Jahr 2019 voraussichtlich auf mehr als 600 Millionen Euro belaufen. [
] Ein Grund fĂŒr die lange Wartungsdauer ist, dass Ersatzteile fĂŒr die betagten Maschinen fehlen. Manche mĂŒssen eigens angefertigt werden. Oder aber die Airbus-Mitarbeiter greifen zu einem Trick: Aus den neu ankommenden Flugzeugen werden Teile ausgebaut und in diejenigen Tornados eingebaut, die das Werk bald wieder ĂŒber die angeschlossene Start- und Landebahn verlassen – die Teile rotieren also.“

Daran dĂŒrfte sich auch in diesem Jahr wenig Ă€ndern, denn von der halben Milliarde Euro, die der Haushaltsausschuss Anfang MĂ€rz 2020 fĂŒr neue Bundeswehr-Projekte freigegeben hat, entfiel gleich einmal annĂ€hernd die HĂ€lfte auf die Tornado-Bestandserhaltung. In einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums heißt es dazu: „Im Waffensystem Tornado soll fĂŒr rund 240 Millionen Euro das Head-Up-Display digitalisiert werden. Der fĂŒr die Ansteuerung der Anzeigeeinheit neu zu entwickelnde Computer kann zukĂŒnftig auch als Ersatz fĂŒr den Hauptrechner des Flugzeuges dienen. Die Entwicklung der Systeme ist notwendig, um Auswirkungen von Obsoleszenzen zu vermeiden. Die veraltete Technik wird ausgetauscht um die FĂ€higkeiten des Tornados bis zu seiner Ablösung bruchfrei zu gewĂ€hrleisten.“

Unter denen, die Kampfflugzeuge prinzipiell fĂŒr eine prima Sache halten, ist man sich vor diesem Hintergrund einig, dass die Tornado-Flotte besser heute als morgen ausgetauscht gehört, am besten, wie gesagt, bis zum Jahr 2025.

F-35 vs. FCAS

Aktuell werden Kampfflugzeuge grob vereinfacht in fĂŒnf Generationen unterteilt, wobei die Kampfkraft mit jeder neuen Altersgruppe zugenommen hat. Von den fĂŒr die Tornado-Nachfolge zur Auswahl stehenden Kandidaten handelt es sich bei F-18 und Eurofighter um Abkömmlinge der vierten Generation. Dagegen gehört das Kampfflugzeug von Lockheed Martin zum aktuellsten, was derzeit auf dem Markt zu haben ist und ist zudem bereits fĂŒr die Nukleare Teilhabe zertifiziert: „Die F-35A ist ebenfalls ein amerikanisches Kampfflugzeug, allerdings der 5. Generation. Sie ist das modernste Kampfflugzeug, als TrĂ€gersystem fĂŒr taktische Nuklearwaffen ausgelegt und nach amerikanischen Angaben zertifiziert. Unter Experten ist wohl unbestritten, dass es die militĂ€rischen und technischen Anforderungen derzeit am besten erfĂŒllt.“

Vor allem aus Sicht der Luftwaffe stellte die F-35 deshalb die Ideallösung dar. So schaltete sich bereits Ende 2017 der damalige Luftwaffenchef Karl MĂŒllner in die Debatte um die Tornado-Nachfolge ein, wobei er keinen Hehl aus seinen PrĂ€ferenzen machte: „Die Luftwaffe erwĂ€gt, die FĂ€higkeiten der F-35 als Richtschnur fĂŒr den Auswahlprozess des Tornado-Nachfolgers zu verwenden [
]. Ich denke, ich habe mich klar ausgedrĂŒckt, welches Flugzeug der Favorit der Luftwaffe wĂ€re.“ Offensichtlich ging MĂŒllners Positionierung einigen einflussreichen Personen mĂ€chtig gegen den Strich, unter anderem der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die ihn wenige Monate spĂ€ter, mutmaßlich aufgrund seiner F-35-PrĂ€ferenz, in den Vorruhestand versetzte.

Der wohl wichtigste Grund fĂŒr die weitverbreitete Skepsis gegenĂŒber der F-35 besteht darin, dass ihre Anschaffung die Realisierungschancen des geplanten deutsch-französischen Kampfflugzeugs der sechsten Generation (FCAS) erheblich senken wĂŒrde. Dabei handelt es sich um ein Mammutprojekt, dessen Gesamtvolumen zwischen 100 Mrd. und 500 Mrd. Euro beziffert wird – theoretisch. Denn bislang wurden lediglich im Sommer letzten Jahres 65 Mio. Euro und Ende Februar 2020 weitere 150 Mio. Euro fĂŒr erste Konzeptstudien freigegeben. Das ist weit entfernt von den geschĂ€tzten 8 Mrd. Euro, die das Projekt allein fĂŒr den Bau eines Prototypen in den nĂ€chsten Jahren benötigen wird – ganz zu schweigen von den Baukosten fĂŒr die ab 2040 geplante etwaige Auslieferung.

Der weitere Fortgang hĂ€ngt deshalb entscheidend von der Wirtschaftlichkeit und damit von den Aussichten ab, wie hoch die Bestellungen sein dĂŒrften. Eine Entscheidung fĂŒr die F-35 als Tornado-Nachfolge wĂŒrde aber einen guten Teil des deutschen Bedarfs bereits decken und damit eine existentielle Bedrohung des FCAS-Vorhabens darstellen. Daran ließ auch der damalige Airbus-Chef Dirk Hoke keine Zweifel aufkommen, als er bereits im FrĂŒhjahr 2018 warnte: „Sobald Deutschland F-35-Nation wird, ist die Zusammenarbeit bei allen Kampfflugzeugthemen mit Frankreich gestorben. [
] Europa muss seine SouverĂ€nitĂ€t klarer definieren und eindeutig dazu stehen, dass wir in der Verteidigung und Raumfahrt eine UnabhĂ€ngigkeit bewahren mĂŒssen.“

Auch beim französischen FCAS-Partner zeigte sich ob der möglichen F-35-AnschaffungsplĂ€ne alles andere als erfreut: „Daher reagierte die französische Regierung verĂ€rgert, als sie von den deutschen Überlegungen hörte, parallel zur Entwicklung von FCAS Kampfflugzeuge in den USA einzukaufen. Etwa den Tarnkappenbomber F-35 des US-RĂŒstungsgiganten Lockheed Martin zu kaufen, das derzeit modernste Kampfflugzeug der Welt. Der Kauf der teuren F-35, so die BefĂŒrchtung in Paris, könnte das FCAS-Projekt ausbremsen und Gelder davon abziehen. Dem Vernehmen nach drohte die französische Regierung sogar mit dem Rauswurf Deutschlands aus dem gemeinsamen RĂŒstungsvorhaben, falls die Bundesregierung die F-35 kaufe. Der von vielen Luftwaffen-GenerĂ€len favorisierte Tarnkappenbomber flog daraufhin aus dem Rennen.“

Dass die F-35 schlussendlich also im Januar 2019 aus dem Rennen gekegelt wurde, war einer Kombination aus industrie- und machtpolitischen Interessen geschuldet, schließlich gilt das FCAS auch als Kernprojekt beim Aufbau einer – von den USA unabhĂ€ngigeren – MilitĂ€rmacht EUropa. Damit verblieben also zwei Optionen als „BrĂŒckenlösungen“ bis das FCAS voraussichtlich ab dem Jahr 2040 am Start sein soll.

F-18 und Nukleare Teilhabe

Wurde im Jahr 2010 noch ein Antrag von allen damals im Bundestag sitzenden Fraktionen unterzeichnet, der einen Abzug der US-Atomwaffen und damit faktisch die Beendigung der Nuklearen Teilhabe gefordert hatte, hat sich der Wind inzwischen gedreht. Aktuell spielen solche Überlegungen in der politischen Debatte kaum eine Rolle mehr – allenfalls geht es noch um eine ErgĂ€nzung der Nuklearen Teilhabe um eine europĂ€isierte französische Nuklearkomponente.

So erklĂ€rte SPD-Verteidigungspolitiker Fritz Felgentreu schon im Oktober 2019: „Nukleare Abschreckung bleibt auf absehbare Zeit ein wesentlicher Bestandteil der europĂ€ischen Sicherheitsarchitektur. Die nukleare Teilhabe sichert Deutschland einen grĂ¶ĂŸeren Einfluss auf die Nuklearstrategie der Nato.“ Auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach sich zuletzt noch einmal im Februar 2020 deutlich fĂŒr den Erhalt der Nuklearen Teilhabe aus.

Insofern wird der Bereitstellung entsprechender TrĂ€gersysteme in Form der Tornados oder eines Nachfolgers hohe Bedeutung zugemessen. DafĂŒr mĂŒssen sie allerdings, wie bereits angedeutet, von den USA erst fĂŒr diese Aufgabe zertifiziert werden. Washington signalisierte in diesem Zusammenhang mehr als deutlich, dass dies fĂŒr die europĂ€ische Konkurrenz deutlich lĂ€nger dauern werde. In der Welt hieß es dazu im Herbst 2019: „Bei der Entscheidung ĂŒber einen Nachfolger des Kampfflugzeugs Tornado in der Luftwaffe gibt es laut US-Regierung einen deutlichen Zeitvorteil fĂŒr das US-Modell F-18. Die Zertifizierung des Konkurrenzmodells Eurofighter fĂŒr die sogenannte nukleare Teilhabe der Bundeswehr an US-Atombomben werde drei bis fĂŒnf Jahre lĂ€nger dauern als beim US-Flugzeug, schreibt die Regierung in Washington in einem Bericht an das deutsche Verteidigungsministerium.“

Interessant ist in diesem Zusammenhang die EinschĂ€tzung der EuropĂ€ischen Sicherheit und Technik, dem wohl wichtigsten deutschen Publikationsorgan an der Schnittstelle von MilitĂ€r, Politik und Industrie, die im Januar 2020 hinter den US-Verlautbarungen eine Art Verkaufsstrategie in Sachen F-18 vermutete: „Dass der Eurofighter alle Rollen des Tornados ĂŒbernehmen können soll, bedeutet auch, dass es grundsĂ€tzlich keine unĂŒberwindlichen Hindernisse fĂŒr seine Zertifizierung geben kann – was jedoch nicht heißt, dass sie nicht doch schwieriger und damit langwieriger und teurer werden könnte als die der F-18. Manche argwöhnen, dass ein deutliches Delta im Zeitbedarf und den Kosten bewusst geschaffen werden könnte, um ein gewichtiges Argument fĂŒr die Auswahl der F-18 zu gewinnen.“

Eurofighter: Söder und IG Metall an einem Strang

Wenn also weder eine Beendigung des FCAS-Projektes noch der Nuklearen Teilhabe infrage kommt, hĂ€tte eigentlich die Entscheidung zugunsten der F-18 ausfallen mĂŒssen. Und tatsĂ€chlich wurde noch im Oktober 2019 in der Welt berichtet, die Bundeswehr neige dazu, dem US-Produkt auf Kosten des Eurofighter den Zuschlag zu erteilen.

In ungeahnter Einigkeit zogen daraufhin CSU-Chef Markus Söder und die IG Metall an einem Strang. Der bayerische MinisterprĂ€sident, in dessen Land (Manching) der Eurofighter Endmontiert wird, zog Ende Februar 2020 in Sachen Eurofighter-Werbung nahezu alle Register: „Ich bin skeptisch, fĂŒr die Nachfolge des Tornado-Jets Ă€ltere amerikanische Flugzeuge kaufen zu wollen. Wir sollten eine eigene Airbus-Entwicklung vorantreiben. Franz Josef Strauß hĂ€tte eine europĂ€ische Flugidee bevorzugt.“

Und auch die IG Metall wollte sich hier augenscheinlich nicht lumpen lassen. Kam aus Reihen der Airbus-BetriebsrĂ€te gemĂ€ĂŸ der selbstverstandenen Jobbeschreibung schon lĂ€nger scharfer Gegenwind gegenĂŒber jedweder „US-Lösung“, ging das Ganze dann Ende MĂ€rz 2020 noch einmal eine Etage höher. In einem Brandbrief, der augenscheinlich nicht nur im Namen diverser BetriebsrĂ€te, sondern auch der gesamten IG Metall an die Adresse der Bundesregierung gerichtet wurde, hieß es:

„Die IG Metall und wir Arbeitnehmervertreter sorgen uns sehr um die Zukunft unserer Standorte. Die Entscheidung, ob die alten Tornados mit dem europĂ€ischen Eurofighter oder wenn auch nur teilweise den amerikanischen Jets F-18 ersetzt werden, wirkt sich direkt auf unsere ArbeitsplĂ€tze aus. Eine Entscheidung gegen den Eurofighter gefĂ€hrdet die Zukunft unserer Belegschaften. Nicht zuletzt da viele neue FĂ€higkeiten des Eurofighters, wie zum Beispiel die elektronische KampffĂŒhrung (ECR) und LuftgestĂŒtztes Wirken im Elektromagnetischen Spektrum (LuWES) fĂŒr das spĂ€tere Großprojekt Future Combat Air System (FCAS) benötigt werden. FCAS verfĂŒgt ĂŒber das Potential, das wichtigste verteidigungs- und industriepolitische Projekt in Europa in den kommenden Jahrzehnten zu werden. Damit ist es ein zentrales Projekt der deutschen Industrie und ihren BeschĂ€ftigten. [
] Wir erwarten, dass die Bundesregierung diese Aspekte bei der Entscheidung ĂŒber die Tornado-Nachfolge angemessen einbezieht. Die europĂ€ische Verteidigungsindustrie, ihre TechnologiefĂ€higkeiten und die damit verbundenen ArbeitsplĂ€tze in Deutschland dĂŒrfen nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Der Kauf der F-18 wĂŒrde nicht nur deutsches Steuergeld in Milliardenhöhe in die USA fließen lassen, sondern gleichzeitig die Zukunft der militĂ€rischen Luft- und Raumfahrt in Deutschland gefĂ€hrden. Eine Split-Lösung kann nicht die bevorzugte Wahl sein. Eine Entscheidung gegen deutsche und europĂ€ische Unternehmen wĂ€re unseren BeschĂ€ftigten und den deutschen Steuerzahlern nicht zu erklĂ€ren.“

Teurer Kompromiss

Wenn nicht der einzig richtige Standpunkt wĂ€re, gar keine Kampfflugzeuge anzuschaffen, könnte einem die Bundesregierung angesichts der gegenlĂ€ufigen Interessen fast leidtun, die es in Sachen Tornado-Nachfolge zu befriedigen gilt. Kosten und Kampfkraft waren augenscheinlich fĂŒr die nun gefĂ€llte Vorentscheidung keine ausschlaggebenden Kriterien, wohl aber die Nukleare Teilhabe, die dazu gefĂŒhrt hat, dass F-18 angeschafft werden sollen. Industriepolitische ErwĂ€gungen, vor allem aber auch die machtpolitischen Ambitionen, die hinter dem FCAS-Projekt stecken, fĂŒhrten aber gleichzeitig dazu, dass auch der Eurofighter und damit vor allem Airbus „bedacht“ werden sollen.

So war dann schlussendlich am 26. MĂ€rz 2020 bei der DPA zu lesen, „interne Planungen des Verteidigungsministeriums“, die bereits „auf politischer Ebene sowie mit Industrievertretern besprochen wurden“, hĂ€tten zu einer Vorentscheidung gefĂŒhrt: „Die ĂŒberalterte Tornado-Flotte der Bundeswehr soll vom Jahr 2025 an durch bis zu 90 weitere Eurofighter-Jets sowie 45 F-18-Kampflugzeuge des US-Herstellers Boeing abgelöst werden.“ Dabei seien 30 der F-18 in der Version „Super Hornet“ fĂŒr die Nukleare Teilhabe vorgesehen, 15 weitere F-18 „Growler“ fĂŒr den „elektronischen Luftkampf – das Stören, Niederhalten und BekĂ€mpfen gegnerischer Luftabwehrstellungen“. Die Eurofighter seien fĂŒr „den Einsatz konventioneller Bomben und als Jagdflugzeug“ gedacht.

Damit scheint die Tendenz klar in Richtung der denkbar teuersten Variante zu gehen, die außer den Interessen aus Teilen des MilitĂ€rs nach möglichst raschen Bereitstellung kampfkrĂ€ftiger Flugzeuge der fĂŒnften Generation mit einer finanzpolitischen Gießkanne alle anderen Interessen zu befriedigen sucht.
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Veröffentlicht am 26. MÀrz 2020 auf Informationsstelle Militarisierung (IMI)