Neuer Anlauf gegen die Kriegsvollmacht vom 14. September 2001 im U.S.-Kongress

Congresswoman Barbara Lee
Barbara Lee: Allein fĂŒr alle. Nun ja – nicht ganz.

Der plötzlich ausgerufene „Totale Krieg“ in und um Nigeria, der aus den Schatten gesprungene Krieg in der Ukraine, die so bizarr salonfĂ€hig gewordene Gefahr eines Weltkriegs zwischen Westblock und Russland und andere rational scheinbar unerklĂ€rliche Konflikte und SpannungsfĂ€lle haben einen in Deutschland bis dato immer noch nicht verstandenen Hintergrund: Den drei Tage nach den Attentaten des 11. September durch den Kongress erteilten „Blankoscheck fĂŒr perpetuierten Krieg“.

Dieser dauert bis heute an, ohne erklĂ€rt worden zu sein. Es hĂ€tte ihn natĂŒrlich auch der Eine oder die Andere von allein verstehen können.

Die am 14. September 2001 durch beide Kammern des Parlaments der Vereinigten Staaten dem PrĂ€sidenten erteilte faktische ErmĂ€chtigung zum FĂŒhren eines weltweiten und endlosen Krieges, die „Authorization for Use of Military Force“, umfasst in ihrem Wirkungstext gerade einmal 60 Worte. Dass diese Kriegsvollmacht nun im zweitschlechtesten Parlament der Welt (nach dem Bundestag) auf Capitol Hill wieder zur Diskussion steht, ist ausschließlich einer einzigen Frau zu verdanken: der Abgeordneten des ReprĂ€sentantenhauses Barbara Lee. Sie stimmte am 14.09.2001 als Einzige in Haus und Senat gegen die „Authorization for Use of Military Force“ (A.U.M.F.)

Im Januar 2013 brachte Barbara Lee erneut einen Antrag (H.R.198 — Repeal of the Authorization for Use of Military Force) zur Aufhebung der A.U.M.F. zusammen mit anderen Abgeordneten in das ReprĂ€sentantenhaus ein. Am 23. Mai 2013 sagte PrĂ€sident Barack Obama bei einer bis heute in Deutschland weder verstandenen, noch wahrgenommenen Rede an der National Defense University in Fort McNai zu,

das A.U.M.F. Mandat zu prÀzisieren und letzten Endes aufzuheben.

Barbara Lee wiederum, die von PrĂ€sident Obama im September 2013 schließlich zur Vertreterin der Vereinigten Staaten von Amerika in der Allgemeinen Versammlung der Vereinten Nationen ernannt wurde, machte im ReprĂ€sentantenhaus immer wieder unermĂŒdlich Druck gegen den am 14. September 2001 auf Capitol Hill unter dem Eindruck von Tausenden Toten in New York und Washington erteilten „Blankoscheck fĂŒr perpetuierten Krieg“. Und nicht obwohl, sondern weil nun im gesamten Kongress die Kriegsvollmacht A.U.M.F. wackelte, ließ das ReprĂ€sentantenhaus den Gesetzentwurf H.R.198 bis heute im AuswĂ€rtigen Ausschuss verschimmeln und lehnte im Juli 2013 eine andere Resolution vom Abgeordneten Adam Schiff zur indirekten Aufhebung der A.U.M.F. ĂŒber das MilitĂ€rbudget mit 236 zu 185 Stimmen ab.

Doch auch gegen Barbara Lee wÀre Sysyphos ein Kulissenschieber gewesen (was ist eigentlich die Mehrzahl von Sysyphos?).

Am 8. Mai 2014 nun brachte Barbara Lee, zusammen mit weiteren Abgeordneten der Kongresskammer Abgeordnetenhaus, den „Authorization Review and Determination Act“ (WARD Act, H.R. 4608), ein. Dieser beinhaltet einerseits die Aufhebung der Kriegsvollmacht A.U.M.F, sowie andererseits eine effektive Kontrolle des Kongresses ĂŒber alle laufenden und zukĂŒnftigen Operationen des MilitĂ€rs, um, so Lee, „den Blankoscheck der Exekutive fĂŒr MilitĂ€roperationen zu beenden“. Abgeordnete Lee weiter:

„Als das einzige Mitglied des Kongresses, das am 14. September 2001 gegen die A.U.M.F. stimmte, bin ich zutiefst besorgt ĂŒber diesen ĂŒbermĂ€ĂŸig weitreichenden Blankoscheck fĂŒr endlosen Krieg. Ich wusste damals, wie ich es heute weiß, dass er jedem PrĂ€sidenten nahezu unbegrenzte AutoritĂ€t verleiht unbegrenzten Krieg zu fĂŒhren, jederzeit, ĂŒberall, aus irgendeinem Grund, in Ewigkeit.

Ungeachtet wie man die A.U.M.F. wahrnimmt, bleibt die Tatsache, dass sie ein ĂŒbermĂ€ĂŸig weitreichender Freiraum ist und der verfassungsmĂ€ĂŸigen Rolle vom Kongress in FĂŒhren und Aufsicht eines Krieges zuwiederlĂ€uft.“

Um alle MissverstĂ€ndnisse zu beseitigen: auch nach Aufhebung der am 14. September 2001 erteilten Kriegsvollmacht A.U.M.F. könnte das MilitĂ€r, könnte die C.I.A., könnten Söldner der Vereinigten Staaten von Amerika irgendwo einfallen, alles in die Luft jagen und sich jede Menge „kills“ auf die Helme malen. Nur brĂ€uchten diese ehrenwerten Helden des Abendlandes, samt dem PrĂ€sidenten, wieder vorher die Zustimmung des Kongresses.

Genau das will u.a. das MilitĂ€r – welches jedes Jahr ĂŒber eine Billion Dollar u.s.-amerikanischer Steuergelder unter seinen weltweit eingekauften Milizen, kollaborierenden Konsortien im industriellen Komplex, sowie dem explodierten Spionage-Apparat mit dem MilitĂ€rgeheimdienst N.S.A. aufteilen kann – um diesen Preis vermeiden.

Das militĂ€rische ErmĂ€chtigungsgesetz A.U.M.F. ist bis heute, neben der klassischen Kriegslobby, auch rechtliches Alibi der weltweit wie ein KrebsgeschwĂŒr wuchernden Lobby von totaler Spionage, explizit gegen die Bevölkerungen in den kriegfĂŒhrenden LĂ€ndern. Mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen strampelnd wehren sich ĂŒberall auf der Welt im Windschatten des planetar gefĂŒhrten Krieges u.a. durch geraubte Daten von Milliarden Menschen ĂŒber das bespitzelte Internet fettgefressene und aufgedunsene Apparate im Polizei-, Spionage- und MilitĂ€rsektor vor der ganz normalen parlamentarischen Demokratie, die nicht mehr faktischem Kriegszustand und dessen „Interpreten“ von Verfassung und Recht ausgesetzt ist. Dagegen ist den LĂŒgnern in Kriegslobby und Repression wie immer jedes Mittel Recht.

Nach immer neuen Budgets und Einnahmequellen hechelnd und in bald 13 Jahren Krieg nach Millionen von Toten in den Schlachtfeldern, Kerkern und Folterkellern der eroberten Gebiete Afrikas und Asien von Zynismus zerfressen, bemĂŒhen sich die Kriegsgewinnler um immer neue, ihre Existenz sichernde Kriege und SpannungsfĂ€lle – und damit neue Freiheiten fĂŒr Ausbeutung und Repression, die stets Seit an Seit gehen (mĂŒssen).

Der heute in Paris nach einem vom PrĂ€sidenten von Frankreich einberufenen Gipfel ausgerufene „Totale Krieg“ in Nigeria – absehbar bis in die anderen ehemaligen Kolonien Frankreichs in Zentralafrika hinein – gegen eine Terrororganisation „Boko Haram“ von deren EntfĂŒhrung Hunderter Kinder das nigerianische MilitĂ€r laut „Amnesty International“ bereits vorab informiert war und mutmaßlich dabei kollaborierte, ist in diesem Zusammenhang zu sehen. In Nigeria, dessen Spione vom S.S.S. im Zuge eines „geheimen Sicherheitspaktes“ seit 2008 vom israelischen Mossad ausgebildet werden, kommt es nach der alten Taktik „Teile und Herrsche“ regelmĂ€ĂŸig zu perfiden Attentaten und Massenmorden unter Falscher Flagge, die die muslimischen und christlichen Bevölkerungsteile und Gruppen gegeneinander aufhetzen sollen.

FĂŒr Nigeria und die Staaten in der „westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft“ E.C.O.W.A.S.-Staaten ist auf geostrategischer Ebene bereits nach Vorbild der „EuropĂ€ischen Union“  und dem „Euro“-Kapitalismus ein internationales Finanzsystem geplant, welches die Staaten der Reihe nach „privatisieren“ (also entstaatlichen) und anschließend als TrĂŒmmerteile zu einem Block verschmelzen lassen soll. Das Finanzsystem „Eco“ wurde bereits als „Imperative“ ausgerufen, obwohl es erst 2020 installiert werden soll, irgendwie, und das imperiale Vorbild in Europa bereits in sich zusammenfĂ€llt.

Auch der von GroßmĂ€chten und ihren Kriegsgewinnlern beförderte Krieg in der Ukraine und deren in vollem Gang befindlichen „polnischen Teilung“ ergibt solange keinen Sinn, bis man eben diese Kriegsprofiteure und entsprechend geostragisch kalkulierenden und operierenden KrĂ€fte als Faktor berĂŒcksichtigt, in der Ukraine vor allem die Oligarchen und deren international verstrickte Konsortien, wie z.B. die Privatbank von Igor Kolomoisky und Metinvest von Rinat Achmetow.

Auch das U.S.-MilitĂ€r, dass 2011 zwar in Libyen einfiel, aber sich anschließend außerstande sah die ErstĂŒrmung der eigenen U.S.-Botschaft in Benghazi und die Ermordung des U.S.-Botschafters zu verhindern, versucht derzeit ĂŒber den Abgeordneten Duncan Hunter in maximalem Zynismus die Kriegsvollmacht A.U.M.F. nicht etwa aufheben, sondern auch noch erweitern zu lassen. Ein fĂŒr die gesamte Nomenklatura im Westblock typischer Schritt von Offensivverteidigung in Notlage.

Diese Notlage der Kriegslobby wird demnÀchst noch sehr viel schlimmer werden. Allen anderen kann und wird es dagegen sehr bald sehr viel besser gehen.

Mark my words.