„Ja zum Grundgesetz heißt Nein zum ESM“: Demonstration am 8.Juni in Berlin, Platz der Republik

Demonstration in Berlin: Ja zum Grundgesetz heißt Nein zum ESM

Unter dem Motto „Ja zum Grundgesetz heißt Nein zum ESM. Ja zu Republik und souverĂ€nen Staaten in Europa. Nein zur Finanzdiktatur.“ veranstalten Freunde des Grundgesetzes am 8. Juni eine Demonstration auf dem Platz der Republik vor dem ReichstagsgebĂ€ude.

Der Demonstrationsaufruf im Wortlaut:

„Das Grundgesetz setzt damit die souverĂ€ne Staatlichkeit Deutschlands nicht nur voraus, sondern garantiert sie auch“

Dieses Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 30. Juni 2009 zum Lissabon-Vertrag will das Parlament von Deutschland brechen. Und zwar bewusst und vorsÀtzlich. So etwas nennt man einen kalten Staatsstreich. Und diesen gedenken wir aufzuhalten.

Die Parteien CDU, CSU und FDP haben mit Zustimmung der Parteien SPD und BĂŒndnis 90/ Die GrĂŒnen, drei Gesetze in den Bundestag eingebracht, welche demnĂ€chst beraten werden sollen:

– den “Entwurf eines Gesetzes zu dem Vertrag vom 2. Februar 2012 zur Einrichtung des EuropĂ€ischen StabilitĂ€tsmechanismus”. Dieser bestĂ€tigt im Wesentlichen die bereits erfolgte Unterschrift von Kanzlerin Angela Merkel unter den ESM-Vertrag.

– den “Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Bundesschuldenwesengesetzes”. Dieser enthĂ€lt u.a. in § 4b “MehrheitsbeschlĂŒsse der GlĂ€ubiger” in Absatz 1 Satz 9 die Ă€ußerst bemerkenswerte Option der “Änderung des Gerichtsstands, sofern in den Emissionsbedingungen ein auslĂ€ndischer Gerichtsstand vereinbart wurde.”

– den “Entwurf eines Gesetzes zur finanziellen Beteiligung am EuropĂ€ischen StabilitĂ€tsmechanismus”, das ESM-Finanzierungsgesetz/ ESMFinG.

Diese drei Gesetze dienen der Installation einer bislang noch nie dagewesenen völkerrechtlichen Staatsfinanzkontrollorganisation, dem „EuropĂ€ischen StabilitĂ€tsmechanismus“ ESM. Diese geplante Organisation und ihr von der Regierung Deutschlands bereits unterzeichneter Vertrag verstoßen unleugbar gegen das Grundgesetz. Beispiele:

– das Übermaß an Bankenrettung verstĂ¶ĂŸt gegen Artikel 14 und Artikel 3 Grundgesetz. Hierbei muss die bereits durch die reinstallierte Soffin-Behörde fĂŒr Banken und Finanzkonzerne ĂŒbernommenen Staatsgarantien in Höhe von rund einer halben Billion Euro berĂŒcksichtigt werden.

– einmal an den ESM ĂŒberwiesenes Geld ist unantastbar und kann nicht wieder eingefordert werden. Alle FunktionĂ€re des ESM sind unantastbar bzw. rechtlich immun. Der ESM kann eigene Steuern erheben. All dies verstĂ¶ĂŸt gegen gleich mehrere elementare Verfassungsgrundlagen und wĂŒrde die Gewaltenteilung in Deutschland außer Kraft setzen.

– der Gouverneursrat des ESM kann alle Kompetenzen auf das ESM-Direktorium ĂŒbertragen. In dieses wiederum können alle Personen entsendet werden, auch Banker. Dies entspricht den von Bundesfinanzminister Wolfgang SchĂ€uble bereits vorgeschlagenen „FinanzrĂ€ten“ von „Experten“ ĂŒber die europĂ€ischen Demokratien. Selbst unter Zustimmung des Bundestages wĂ€re dies ein eklatanter Bruch der demokratischen Legitimationskette und verstĂ¶ĂŸt gegen Artikel 1 und 20 unserer Verfassung.

Der geplante Moloch ESM ist, entgegen der bisherigen allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung, nicht etwa Organ der „EuropĂ€ischen Union“ (EU). Er ist, wie der 1944 gegrĂŒndete „Internationale WĂ€hrungsfonds“ IWF, eine eigene völkerrechtliche Organisation und steht nicht nur vollstĂ€ndig außerhalb jedes EU-Rechts, sondern widerspricht diesem auch. Zwei Beispiele:

– laut Vertrag „leiht“ sich der ESM einzelne EU-Organe fĂŒr bestimmte TĂ€tigkeiten aus. Das verstĂ¶ĂŸt gegen Artikel 20 AEU-Vertrag („Vertrag ĂŒber die Arbeitsweise der EuropĂ€ischen Union“), da der Euro im alleinigen ZustĂ€ndigkeitsbereich der EU liegt.

– der ESM verstĂ¶ĂŸt gegen Artikel 329 AEU-Vertrag, da das EU-Parlament am gesamten Installationsprozess nicht beteiligt wurde und auch nicht wird.

Einer der verheerendsten Aspekte dieses weltweit einmaligen Staatsstreichs gegen gleich ĂŒber ein Dutzend Demokratien aber ist die im ESM-Mechanismus enthaltene Installation des ersten völkerrechtlich verbindlichen Staateninsolvenzverfahren der Geschichte.

Im Zuge dieses Verfahrens werden dem ESM gegenĂŒber bankrotten und/oder verschuldeten Staaten nicht nur „strenge“ Auflagen ermöglicht, die nach der Praxis des IWF ausgerichtet sind. Auch ermöglicht das ESM-Staateninsolvenzverfahren den im weltweiten Kartell „Institute of International Finance“ (IIF) organisierten Banken und Finanzkonzernen zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die direkte Mitherrschaft ĂŒber ganze Staaten, was heimtĂŒckisch verschleiert wurde.

Artikel 12 Absatz 3 ESM-Vertrag besagt, dass ab 2013 sĂ€mtliche Staatsanleihen der Unterzeichnerstaaten „kollektive Aktionsklauseln“ enthalten mĂŒssen, die allen „privaten GlĂ€ubigern“ im Insolvenzfalle einen Zugang zur GlĂ€ubigerversammlung sichert, die wiederum im Staateninsolvenzverfahren steckenden LĂ€ndern Auflagen machen kann, zusĂ€tzlich zum ESM. Um dies zu vernebeln, regelt die Umsetzung des Zugriffs der GeschĂ€ftsbanken auf die bankrotten Staaten jeder ESM-Unterzeichnerstaat einzeln in eigener Gesetzgebung. In Deutschland tut dies der „Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Bundesschuldenwesengesetzes”, der unter lautem Schweigen aller Parteien Ende MĂ€rz gleichzeitig zum ESM-Finanzierungsgesetz in den Bundestag eingebracht wurde.

Artikel 13 ESM-Vertrag ermöglicht dieser Staatsfinanzkontrollorganisation darĂŒber hinaus eine „rigorose SchuldentragfĂ€higkeitsanalyse“ des verschuldeten und/ oder bankrotten Staates, der um Finanzgelder ersucht. Das lĂ€uft darauf hinaus, dass nicht nur der Bundeshaushalt des betroffenen Staates, sondern auch dessen Regionen, Kommunen und Gemeinden vollstĂ€ndig pleite sein mĂŒssen, bevor der ESM dem Staat auch nur einen einzigen Cent zur VerfĂŒgung stellt.

All diese Informationen sind in der Öffentlichkeit nie diskutiert worden. Zum allergrĂ¶ĂŸten Teil sind sie ihr nicht einmal bekannt. DafĂŒr tragen 620 Abgeordnete unseres Parlaments die Verantwortung, die ihre Arbeit als Teil des wichtigsten Verfassungsorgans der Republik nicht nur verweigern, sondern zur Gefahr fĂŒr die Verfassung selbst geworden sind.

Gegen diesen kalten Staatsstreich unseres Parlaments, welches sich nach einer vom weltweiten Banken-Kartell seit September 2008 selbst inszenierten Krise im Zuge eines finanziellen Reichstagsbrandes zum zweiten Mal in der deutschen Geschichte selbst entmachten will, wendet sich unsere Demonstration.

Die LĂ€nder im „Euro“-WĂ€hrungsgebiet, Griechenland, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien, Irland, die Slowakei, Österreich, um nur einige zu nennen, sind mehr als nur „Nationalstaaten“. Es sind souverĂ€ne Demokratien, deren Schicksal uns ebenso am Herzen liegt wie das unserer eigenen. Der zynische Versuch einer bizarren Querfront von Antidemokraten, die vom Banken-Kartell, Industrie-Magnaten und transnationalen Konzernen ĂŒber sogenannte „Pro-EuropĂ€er“ in allen etablierten politischen Organisationen, Parteien, Gewerkschaften bis hin zu extremistischen Gruppierungen reicht, eine durch „maximalen Marktdruck“ selbst erzeugte Krise der europĂ€ischen Demokratien zu deren Sturz zu nutzen, trifft auf unseren Widerstand und die Ablehnung der Mehrheit der Bevölkerung. Und das nicht nur in Deutschland, sondern in allen LĂ€ndern mit „Euro“-Finanzsystem.

DarĂŒber hinaus stellt die surreale Gleichsetzung eines ganzen Kontinents mit einem auf ganzer Linie gescheiterten und destruktiven Finanzsystem („Der Euro ist Europa“) nicht nur eine Beleidigung, sondern eine direkte Bedrohung aller europĂ€ischen Staaten ohne „Euro“-Finanzsystem dar. Dazu zĂ€hlen viele Staaten, die ein faschistisches Deutschland einmal ĂŒberfallen hat.

Den nun explizit von Bankern, sowie Staats- und ParteifunktionĂ€ren aus Frankfurt und Berlin, aber auch London, Washington, Paris, Rom und anderen StĂ€dten heraus mit finanziellen statt militĂ€rischen Mitteln gefĂŒhrten Angriff auf die europĂ€ischen Demokratien werden wir abwehren. Wir tun dies in dem Bewusstsein, dass gerade auch unseren Nachbarn in Europa wohler ums Herz ist, wenn die Deutschen demokratisch und nach den Regeln des Grundgesetzes organisiert sind und nicht Teil eines autoritĂ€ren Konstruktes, welches ferngesteuert im Interesse der Banker ihre LĂ€nder erpresst.

DiesbezĂŒglich sehen wir es explizit als unsere Aufgabe an, nicht nur die Installation des ESM zu stoppen, sondern das Finanzdiktat unserer Kanzlerin ĂŒber halb Europa zu brechen und Angela Merkel mit den Mitteln aus dem Amt zu jagen, die uns das Grundgesetz zur VerfĂŒgung stellt. Danach wird nie wieder ein Kanzler eine derartige Macht besitzen, nicht ĂŒber die Berliner Republik, nicht ĂŒber alle anderen europĂ€ischen Demokratien. DafĂŒr werden wir sorgen.

Diese Republik hÀlt stand.

gez.
Freunde des Grundgesetzes

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Wer sich als Person oder Organisation beteiligen will, kann dies durch eine Nachricht an nein-zum-esm(at)radio-utopie.de.

Die bisherige UnterstĂŒtzerliste (wird aktualisiert):
Radio Utopie
AktionsbĂŒndnis Direkte Demokratie
Zivile Koalition e. V.
JennyÂŽs Blog
cosmicpoetryclub Blog
Firat Kilic
Lars Freise, Berlin

Die Rednerliste wird noch bekannt gegeben.

FĂŒr die Demonstration werden Spenden benötigt. Das Spendenkonto lautet:
Freunde des Grundgesetzes
Kto.-Nr. 190120886
BLZ 10050000