Die verborgene Regierungsgruppe, die JFK, Watergate, Iran-Contra und 9/11 miteinander verlinkt

Teil I – Terroristen auf dem Schachbrett
Teil II – Der gefĂ€lschte Krieg gegen den Terror: Wie die USA einige ihrer Feinde schĂŒtzten
Teil III – Das wahre Große Schachbrett und die Profiteure des Kriegs
Teil IV – Das Doomsday-Projekt und Tiefenereignisse: JFK, Watergate, Iran-Contra und 9/11
Teil V – 9/11 in historischer Perspektive: Falsche Annahmen
Teil VI – Der Tiefenstaat und 9/11
Teil VII – JFK und 9/11 – Gewonnene Einsichten aus dem Studium beider VorgĂ€nge
Teil VIII Der Staat, der tiefe Staat und die Wall Street-Oberwelt
Teil XI – Der US-Geheimdienstapparat und das Schicksal des privaten internationalen Bankensystems der Vorkriegszeit

Von Peter Dale Scott, Übersetzung Lars Schall

Peter Dale Scott, der ehrwĂŒrdige Pionier des Studiums der US-Tiefenpolitik, befasst sich in diesem Exklusiv-Beitrag mit einem Faktor, der Dallas ‘63, Watergate, Iran-Contra und 9/11 miteinander verknĂŒpft: die Planung fĂŒr die KontinuitĂ€t der RegierungsfortfĂŒhrung (Continuity of Government, COG), welche im Inneren des Pentagon umgangssprachlich als das “Doomsday-Projekt” bekannt war.

Was folgt, basiert auf einem vor kurzem von Peter Dale Scott gegebenen Vortrag mit dem Titel “The JFK Assassination and Other Deep Events” und erschien unter der Überschrift “The Hidden Government Group Linking JFK, Watergate, Iran-Contra and 9/11“ auf WhoWhatWhy, der Website von Russ Baker. Das Thema des nachfolgenden Beitrags wird in Scotts nĂ€chstem Buch, “The American Deep State: Wall Street, Big Oil, and the Attack on U.S. Democracy“, weiter behandelt, das im November bei Rowman & Littlefield erscheint.

Peter Dale Scott, einer der scharfsinnigsten und provokantesten Denker unserer Zeit, ist ein ehemaliger kanadischer Diplomat und Professor fĂŒr Englisch an der University of California, Berkeley. Der Sohn des bekannten kanadischen Dichters und Verfassungsrechtlers F.R. Scott und der Malerin Marian Dale Scott, der in Montreal, Kanada am 11. Januar 1929 geboren wurde, zog im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Menge Aufmerksamkeit fĂŒr seine politisch-historischen Schriften an.

Scott studierte an der McGill University, Montreal und am University College, Oxford. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Die sozialen und politischen Ideen von T.S. Eliot”. Er unterrichtete zunĂ€chst an der Sedbergh School und an der McGill University. Danach trat er dem kanadischen Department of External Affairs (1957-1961) und der kanadischen Botschaft in Warschau, Polen (1959-1961) bei. Ins akademische Leben zurĂŒckkehrend, lehrte Peter Dale Scott 30 Jahre lang an der University of California, ehe er 1994 emeritierte.

Seine Prosa-BĂŒcher umfassen u. a.:

The War Conspiracy (1972)
Crime and Cover-Up: The CIA, the Mafia, and the Dallas-Watergate Connection (1977)
Einleitung zu Henrik Krugers The Great Heroin Coup: Drugs, Intelligence, & International Fascism (1980)
The Iran-Contra Connection (in Zusammenarbeit, 1987)
Cocaine Politics: Drugs, Armies, and the CIA in Central America (in Zusammenarbeit, 1991, 1998)
Deep Politics and the Death of JFK (1993, 1996)
Oswald, Mexico, and Deep Politics (1994, 2013)
Drugs, Oil and War (2003)
The Road to 9/11: Wealth, Empire and the Future of America (2007)
The War Conspiracy: JFK, 911, and the Deep Politics of War (2008 Neuauflage und Erweiterung der Ausgabe von 1972)
American War Machine: Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan (2010)

Seine wichtigsten GedichtbĂ€nde sind die drei BĂ€nde der Trilogie “Seculum”:

Coming to Jakarta: A Poem About Terror (1989)
Listening to the Candle: A Poem on Impulse (1992)
Minding the Darkness: A Poem for the Year 2000 (2000)

ZusÀtzlich hierzu veröffentlichte er:

Crossing Borders: Selected Shorter Poems (1994)
Mosaic Orpheus (2009)
Tilting Point (2011)

In seinen Prosa-BĂŒchern ist Scott besonders daran interessiert, die so genannte “Tiefenpolitik“ / “Deep Politics” zu untersuchen. Er definiert “Deep Politics” auf diese Weise:

“All jene politischen Praktiken und Arrangements, absichtlich oder nicht, die im öffentlichen Diskurs eher verdrĂ€ngt, statt anerkannt werden.“ Damit verbunden sind “Tiefenereignisse” / “Deep Events”, die Scott als “die traumatischen und unerwarteten Episoden” definiert, “die in unserer Geschichte immer wieder vorkommen und sie grundlegend verĂ€ndern, allerdings immer zum Schlimmeren. Diese ‘Tiefenereignisse’ können niemals angemessen untersucht oder verstanden werden, weil sie eine geheimdienstliche Dimension aufweisen, die sowohl seitens der Regierung, als auch seitens der etablierten Medien zu einem gesellschaftlich auferlegten Mantel des Schweigens fĂŒhrt.”

Scotts eigene Website findet sich unter: www.peterdalescott.net.

Die verborgene Regierungsgruppe, die JFK, Watergate, Iran-Contra und 9/11 miteinander verlinkt
von Peter Dale Scott

Seit einiger Zeit nun habe ich die amerikanische Geschichte im Lichte dessen analysiert, was ich strukturelle Tiefenereignisse nannte: Ereignisse, wie die JFK-Ermordung, der Watergate-Einbruch, Iran-Contra oder 9/11, die immer wieder GesetzesbrĂŒche oder Gewalt beinhalten, von Beginn an mysteriös sind, in laufenden verdeckten VorgĂ€ngen eingebettet sind, politische Folgen haben, die die verdeckte Regierung vergrĂ¶ĂŸern, und anschließend durch systematische VerfĂ€lschungen in den Mainstream-Medien und interne Regierungsunterlagen vertuscht werden.

Je mehr ich diese Tiefenereignisse studiere, desto mehr sehe ich suggestive Ähnlichkeiten zwischen ihnen, die Möglichkeit erhöhend, dass sie keine externen Eingriffe auf die amerikanische Geschichte ohne Bezug zueinander sind, sondern Teile eines endemischen Prozesses, die zu einem gewissen Grad eine gemeinsame Quelle teilen.

Ein Faktor beispielsweise, der Dallas, Watergate, Iran-Contra und 9/11 miteinander verknĂŒpft, besteht in der Beteiligung an allen vier Tiefenereignissen von Leuten, die an Amerikas Notfallplanung auf höchster Ebene beteiligt waren, welche seit den 1950er Jahren als die Planung fĂŒr die KontinuitĂ€t der RegierungsfortfĂŒhrung (Continuity of Government, COG) oder im Inneren des Pentagon umgangssprachlich als das “Doomsday-Projekt” bekannt war. Einige dieser Akteure mögen an der Spitze gestanden haben, als Aufseher des geheimen COG-Systems. Andere – darunter auch einige, ĂŒber die ich heute sprechen werde – befanden sich in seinem geheimen Kommunikationsnetz weiter unten.

Ich sehe diese Planungsgruppe als eine unter vielen in dem, was ich den amerikanischen Tiefenstaat nenne, zusammen mit Behörden wie der CIA und NSA, den privaten Gruppen wie Booz Allen Hamilton, an die mehr als die HĂ€lfte der US-Geheimdienste-Budgets ausgelagert worden ist, und schließlich die mĂ€chtigen Banken und Konzerne, deren Ansichten von der CIA und NSA gut vertreten werden. Doch selbst wenn sie nur eine Gruppe unter vielen ist, ist die COG-Planungsgruppe dennoch aufgrund ihrer Kontrolle und ihres Zugangs zu einem Kommunikationskanal, der nicht unter der Kontrolle der Regierung steht und tief in die US-Sozialstruktur reichen kann, auch eine spezielle. Ich diskutiere diese Fragen ausfĂŒhrlich in meinem nĂ€chsten Buch, The American Deep State, das im November herauskommt.

Die COG-Planung wurde von Truman und Eisenhower ursprĂŒnglich als Planung fĂŒr eine Reaktion auf einen lĂ€hmenden Atomangriff autorisiert, der die Regierung enthauptet hĂ€tte. In Folge dessen zog die Planungsgruppe extreme Maßnahmen in Betracht, einschließlich derjenigen, die Alfonso Chardy 1987 als “Aussetzung der Verfassung” bezeichnete. Und doch wurde das Aktivum eines geheimen Kommunikationsnetzwerks, das fĂŒr den Katastrophenfall der Enthauptung entwickelt worden war, wĂ€hrend Iran-Contra verwendet, um fĂŒr WaffenverkĂ€ufe an den Iran ein offizielles Embargo zu umgehen, das bis 1979 zurĂŒckdatierte. Meine Frage heute ist, ob das Netzwerk im November 1963 in Ă€hnlicher Weise missbraucht worden sein könnte.

Der Iran-Contra-Missbrauch ist gut dokumentiert worden. Oliver North beaufsichtigte den Verkauf von Waffen an den Iran, indem er seine Ressourcen als zustĂ€ndiger Offizieller des Nationalen Sicherheitsrates fĂŒr die COG-Planung unter dem Deckmantel eines “National Program Office” nutzte, das vom damaligen VizeprĂ€sidenten George H.W. Bush beaufsichtigt wurde. North und seine Vorgesetzten konnten das COG-Notfallnetzwerk nutzen, das damals als Flashboard bekannt war, da die WaffenverkĂ€ufe an den Iran vor anderen Teilen der Washingtoner BĂŒrokratie sowie vor der Öffentlichkeit verborgen werden mussten. Wenn North also Notfallanweisungen fĂŒr Waffenlieferungen an die US-Botschaft in Lissabon schicken musste, Anweisungen, die unmittelbar gegen das Embargo verstießen, das solche VerkĂ€ufe verbot, verwendete er das Flashboard-Netzwerk, um eine Alarmierung des Botschafters und anderer ahnungsloser Mitarbeiter zu vermeiden.

Das dokumentierte Beispiel Iran-Contra ermöglicht es mir zu erklĂ€ren, was ich ĂŒber die Benutzer des COG-Netzwerks sage, und auch, was ich nicht sage. Um damit anzufangen, sage ich nicht, dass ein einzelnes “Secret Team” das COG-Netzwerk seit Jahrzehnten benutzt hat, um die US-Regierung von außen zu manipulieren. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Norths Handlungen in Iran-Contra irgendeinem anderen seiner Vorgesetzten als CIA-Chef William Casey und wahrscheinlich George Bush bekannt gewesen sind. Der Punkt ist, dass eine sehr kleine Gruppe Zugang zu einem geheimen High-Level-Netzwerk außerhalb der Regierungsaufsicht hatte, um ein Programm entgegen der Regierungspolitik umzusetzen. Sie erlagen der Versuchung, dieses sichere Netzwerk, das fĂŒr andere Zwecke entwickelt worden war, zu verwenden. Ich habe an anderer Stelle vorgebracht, dass dieses sichere Netzwerk an 9/11 erneut benutzt wurde, um SchlĂŒsselbefehle zu implementieren, fĂŒr die die 9/11-Kommission keine Dokumente finden konnte. Ob es auch fĂŒr illegale Zwecke verwendet wurde, ist nicht bekannt.

Es ist sicher, dass das COG-Notfall-Netzwerk-Programm Norths Niedergang ĂŒberlebte und weiterhin heimlich ĂŒber Jahrzehnte hinweg entwickelt wurde, zum Preis von Milliarden, und von einem Team beaufsichtigt, dem Dick Cheney und Donald Rumsfeld angehörten. Es ist relevant, dass die PrĂ€senz der beiden MĂ€nner in dem Komitee drei Regierungen ĂŒberdauerte – die von Reagan, Bush I und Clinton –, selbst als zu einem Zeitpunkt unter Clinton keiner von ihnen eine Position innerhalb der US-Regierung innehatte. Eine solche KontinuitĂ€t war fĂŒr eine Gruppe, die so geheim war, dass nur wenige Aufzeichnungen ĂŒber ihre AktivitĂ€ten existieren, essentiell. Und an 9/11 wurden die COG-PlĂ€ne zum ersten Mal offiziell von VizeprĂ€sident Cheney und Verteidigungsminister Rumsfeld, den beiden MĂ€nnern, die sie seit so vielen Jahren geplant hatten, implementiert.

Ob sie ĂŒber Iran-Contra wussten oder nicht, Cheney und Rumsfeld waren zu Zeiten von Iran-Contra im COG-Planungskomitee. Es gibt keine derlei offensichtliche Verbindung zwischen der COG-Planung und Watergate, dennoch aber ist die Beteiligung von COG-Personal an Watergate auffĂ€llig. James McCord, einer der Watergate-Einbrecher, war ein Mitglied einer kleinen Air Force Reserve-Einheit in Washington, die dem Office of Emergency Preparedness (OEP) angeschlossen war, welches der Aufgabe nachging, „Listen von Radikalen und NotfallplĂ€ne fĂŒr die Zensur der Nachrichtenmedien und der US-Post in Kriegszeiten aufzustellen”. Seine Einheit war Teil des Wartime Information Security Program (WISP), das Verantwortung trug fĂŒr die Aktivierung von “NotfallplĂ€nen fĂŒr die VerhĂ€ngung der Zensur ĂŒber Presse, Post und alle Telekommunikationsnetzwerke (einschließlich Regierungskommunikation) [und] die Sicherungsverwahrung von zivilen ‘Sicherheitsrisiken‘, die in MilitĂ€r-‘Lager‘ gesperrt wĂŒrden.” DarĂŒber hinaus hatte John Dean, vielleicht die zentrale Watergate-Figur, geheime COG-AktivitĂ€ten ĂŒberwacht, als er als Stellvertretender Generalstaatsanwalt gedient hatte.

Im Fall der Ermordung von JFK möchte ich mich auf zwei MĂ€nner konzentrieren, die als Teil des Kommunikationsnetzes des Office of Emergency Planning (OEP) fungierten, jener Behörde, die im Jahre 1968 in Office of Emergency Preparedness (mit dem McCord zusammenhing) umbenannt wurde, und die 1982 noch einmal in National Program Office (fĂŒr das Oliver North der zustĂ€ndige Offizielle war) umbenannt wurde.

Diese zwei MĂ€nner (es gibt auch andere) sind Winston Lawson, der Secret Service-Agent, der im FĂŒhrungsfahrzeug der Autokolonne fĂŒr die Secret Service-Radio-KanĂ€le verantwortlich war, die in der Autokolonne operierten; und Jack Crichton, der Reserveoffizier der Army Intelligence, der zusammen mit dem stellvertretenden Polizeichef von Dallas, George Lumpkin, den Russisch-Dolmetscher fĂŒr das erste (und verfĂ€lschte) FBI-Interview von Marina Oswald auswĂ€hlte.

Lawson hat die kritische Aufmerksamkeit der JFK-Forscher sowohl aufgrund zweifelhafter Handlungen auf sich gezogen, die er vor und wĂ€hrend der Ermordung unternahm, als auch falscher Aussagen wegen, die er nach ihr machte (einige von ihnen unter Eid). Zum Beispiel berichtete Lawson nach dem Attentat, dass die MotorrĂ€der an “der rechten und linken Flanken des PrĂ€sidentenauto” eingesetzt wurden (17 WH 605). Am Morgen des 22. November wurden die Befehle jedoch geĂ€ndert (3 WH 244), so dass die MotorrĂ€der entgegen dessen, was Lawson gegenĂŒber der Warren-Kommission ausgesagt hatte, “nur hinter dem PrĂ€sidentenauto” fuhren (4 WH 338; cf . WH 21 768-70). Captain Lawrence von der Dallas Police sagte aus, dass die vorgeschlagenen Seiteneskorte auf Lawsons eigene Anweisung hin nach hinten verschoben wurde (7 WH 580-81, cf. 18 WH 809, 21 WH 571). Dies scheint den PrĂ€sidenten anfĂ€lliger fĂŒr ein mögliches Kreuzfeuer gemacht zu haben.

Am 22. November in der FrĂŒhe installierte Lawson bei Love Field in dem Auto, das das FĂŒhrungsfahrzeug werden wĂŒrde, das Basisradio, dessen Frequenzen von allen Agenten des Secret Service auf der Autokolonne verwendet wurden. Dieser Funkkanal, der von der White House Communications Agency (WHCA) betrieben wurde, wurde fĂŒr einige der wichtigsten Entscheidungen vor und nach dem Attentat verwendet, doch seine Aufzeichnungen sind der Warren-Kommission oder jeder spĂ€teren Untersuchung im Gegensatz zu denen der KanĂ€le Eins und Zwei des Dallas Police Department (DPD) nie zur VerfĂŒgung gestellt worden. Das Band wurde nicht zurĂŒckgehalten, weil es irrelevant war; im Gegenteil, es enthielt sehr wichtige Informationen.

TatsĂ€chlich berichtet die WHCA bis heute auf ihrer Website, dass die Behörde “ein wichtiger Akteur bei der Dokumentation der Ermordung von PrĂ€sident Kennedy” war. Es ist jedoch nicht klar, fĂŒr wen diese Dokumentation durchgefĂŒhrt wurde oder warum sie nicht der Warren-Kommission, dem House Select Committee on Assassinations oder dem Assassination Records Review Board (ARRB) zur VerfĂŒgung gestellt wurde. Dies hĂ€tte geschehen mĂŒssen.

ZunĂ€chst einmal enthĂ€lt das WHCA-Band, wie Vincent Palamara schrieb, den “SchlĂŒssel” zum ungelösten RĂ€tsel, wer die Autokolonne nach den SchĂŒssen zum Parkland-Krankenhaus umgeleitet hatte. Die Bedeutung dieses scheinbar einfachen Befehls, zu dem es viele widersprĂŒchliche Zeugenaussagen gibt, erhöht sich, wenn wir auf dem Dallas Police-Radiotranskript wiederholt den Befehl lesen, “den gesamten Verkehr zu sperren fĂŒr den Krankenwagen, der nach Parkland fĂ€hrt Code 3″ (17 WH 395) – der besagte Krankenwagen hatte nichts mit dem PrĂ€sidenten zu tun (dessen Erschießung auf dem DPD-Radio noch nicht bekanntgemacht worden war). In der Tat war der Krankenwagen etwa zehn Minuten vor dem Attentat entsandt worden, um jemanden vor dem Texas School Book Depository (TSBD) abzuholen, von dem zu Unrecht vermutet worden war, dass er einen epileptischen Anfall erlitten habe.

Lawson berichtete spĂ€ter dem Secret Service, dass er auf seinem Radio gehört habe, “dass wir zum nĂ€chstgelegenen Krankenhaus gehen sollten”. Er schrieb auch, dass er “Chief Curry bar, das Krankenhaus zu kontaktieren”, und dann: “Unser FĂŒhrungsfahrzeug unterstĂŒtzte die MotorrĂ€der beim Begleiten des PrĂ€sidentenfahrzeug zum Parkland Hospital” (17 WH 632, cf. 21 WH 580). Mit anderen Worten, nachdem er etwas auf dem WHCA-Radio gehört hatte, trug Lawson dazu bei, dass die PrĂ€sidentenlimousine die Strecke folgen wĂŒrde, die von den MotorrĂ€dern bereits fĂŒr den Epileptiker vorbereitet worden war. (In seiner sehr detaillierten Aussage gegenĂŒber der Warren-Kommission sagte Lawson nichts darĂŒber, dass die Route bereits freigemacht worden war. Im Gegenteil, er sagte aus, dass “wir einige Autos anhalten und unsere HĂ€nde aus dem Fenster halten und die Sirenen anschalten mussten, um durchzukommen” (4 WH 354).

Der WHCA-Funkkanal, der von Lawson und anderen verwendet wurde, kommunizierte fast direkt mit der WHCA-Basis am Mount Weather in Virginia, der Basisanlage des COG Netzwerks. Von dort aus wurden Secret Service-Kommunikationen ans Weiße Haus via Batterien von KommunikationsgerĂ€ten weitergeleitet, die Mount Weather sowohl mit dem Weißen Haus und “Raven Rock” – dem Untergrund-Pentagon 60 Meilen nördlich von Washington – verbanden, als auch mit fast allen rund um den Globus stationierten US-MilitĂ€reinheiten.

Jack Crichton, der Leiter der 488. Army Intelligence-Reserve-Einheit von Dallas, war ebenfalls Teil dieses Mount Weather-COG-Netzwerks. Dies war er in seiner Eigenschaft als Chef des Nachrichtendienstes fĂŒr die Dallas Civil Defense, die von einem unterirdischen Emergency Operating Center aus arbeitete. Wie Russ Baker berichtet: “Weil es fĂŒr “KontinuitĂ€t der RegierungsfortfĂŒhrung”-Operationen wĂ€hrend eines Angriffs bestimmt war, war [das Center] voll mit KommunikationsgerĂ€ten ausgestattet.” Im Nachhinein wird sich an das Zivilverteidigungsprogramm (Civil Defense Program) auf spöttische Weise erinnert, dafĂŒr, dass es Schulkindern riet, bei einem Atomschlag ihre Köpfe unter ihre Schreibtische zu stecken. Aber 1963 war der Zivilschutz eine der dringendsten Aufgaben fĂŒr das Office of Emergency Planning, weshalb Crichton, genau so wie Secret Service-Agent Lawson, in direktem Kontakt zum OEP-Notfallkommunikationsnetz am Berg Weather gewesen sein könnte.

Jack Crichton ist von Interesse, weil er zusammen mit DPD Deputy Chief George Lumpkin von der 488. Army Intelligence-Reserve-Einheit fĂŒr die Wahl eines Russisch-Dolmetschers fĂŒr Marina Oswald aus der rechten russischen Gemeinde verantwortlich war. Dieser Mann war Ilya Mamantov, der fĂŒr Marina Oswald bei ihrem ersten DPD-Interview am 22. November ĂŒbersetzte. Was sie angeblich in diesem Interview auf Russisch sagte, wurde spĂ€ter verwendet, um das zu stĂ€rken, was ich die “Phase Eins”-Geschichte genannt habe, die immer noch von einigen CIA-Quellen promotet wird, wonach Russland und / oder Kuba hinter dem Attentat steckten.
Wie vom FBI zusammengefasst, lautete Mamantovs Darstellung von Marinas russischsprachiger Aussage wie folgt:

MARINA OSWALD wies darauf hin, dass LEE HARVEY OSWALD ein Gewehr besaß, das er vor etwa zwei Jahren in Russland benutzt hatte. Sie beobachtete in einer Decke in der Garage von [Ruth Paines Wohnsitz], was sie als das gleiche Gewehr vermutete
. MARINA OSWALD erklĂ€rte, dass ihr am 22. November ein Gewehr im Dallas Police Department gezeigt worden war
. Sie erklĂ€rte, dass es eine dunkle Farbe hatte wie das, das sie gesehen hatte, aber sie erinnerte sich nicht an das Aussehen.

Diese speziellen Details – dass Marina sagte, sie habe ein Gewehr gesehen, das dunkel und ohne Zielrohr gewesen sei – wurden in einer eidesstattlichen ErklĂ€rung bestĂ€tigt (von Marina und Mamantov unterzeichnet, 24 WH 219), die vom DPD-Beamten B.L. Senkel entgegengenommen wurde (24 WH 249). Sie wurden am nĂ€chsten Abend von Ruth Paine erneut bestĂ€tigt, die das Mamantov-Interview als Zeugin erlebte (3 WH 82). Sie wurden in der nĂ€chsten Nacht in einem Interview von Marina mit dem Secret Service erneut bestĂ€tigt, das von Mamantovs engen Freund Peter Gregory ĂŒbersetzt wurde. Aber eine Secret Service-Abschrift des Interviews zeigt, dass die Quelle dieser Details Gregory war, nicht Marina:

(Q) Diese Waffe, war es ein Gewehr oder eine Pistole, oder was fĂŒr eine Waffe war es? Kann sie das beantworten?

(A) Es war eine Waffe.

Herr Gregory fragte: Können Sie sie beschreiben?

HINWEIS: Person sagte: Ich kann sie nicht beschreiben, weil ein Gewehr fĂŒr mich wie alle Gewehre aussehen.

Gregory-Übersetzung: Sie sagte, sie kann es nicht beschreiben. Es war eine Art von dunklem Gewehr wie jedes andere gewöhnliche Gewehr..

Person in Russisch: Es war ein Buckel (oder Hebung), aber ich habe nie durch das Fernrohr gesehen
.

Gregory Übersetzung: Sie sagt, es war eine Erhebung an dem Gewehr, aber es gab keinen Fernrohr – kein Teleskop.

Wir haben nicht nur zu schließen, dass Gregory Marinas Aussage verfĂ€lschte (“ein Gewehr fĂŒr mich wie alle Gewehre”); sondern dass das wahrscheinlich auch sein Freund Mamantov getan hatte, der spĂ€ter gegenĂŒber der Warren-Kommission nicht weniger als sieben Mal aussagte, dass Marina das Wort “dunkel” verwendet hatte, um die Waffe zu beschreiben. Es gab andere in Dallas, die behaupteten, dass Oswalds Waffe tatsĂ€chlich ohne Zielrohr gewesen war, bis Oswald ein Zielrohr durch den in Dallas ansĂ€ssigen BĂŒchsenmacher Dial Ryder installieren ließ. Der Warren-Bericht wies diese bekrĂ€ftigte Behauptung auf elaborierte Weise zurĂŒck und stellte fest, dass “die Echtheit des Reparatur-Etiketts”, das benutzt wurde, um sie zu unterstĂŒtzen, “großen Zweifeln unterliegt” (WR 317).

Wir können hier sehen, was die Warren-Kommission nicht zu sehen wĂŒnschte – Anzeichen einer Verschwörung zur Falschdarstellung von Marinas Zeugenaussage und möglicherweise zur Verbindung von Oswalds Gewehr mit dunklen Gewehr ohne Fernrohr, das er in der Sowjetunion gehabt hatte. Unsere Bedenken, dass Mamantov sie falsch dargestellt hat, fĂŒhren uns zu Bedenken darĂŒber, weshalb zwei Offiziere der 488. Army Intelligence-Reserve-Einheit (Jack Crichton und der stellvertretender Chef des DPD, George Lumpkin) Mamantov als ihren Dolmetscher wĂ€hlten. Unsere Bedenken werden erhöht, wenn wir sehen, dass B.L. Senkel, der DPD-Beamte, der Marinas eidesstattliche ErklĂ€rung entgegennahm, der Partner von F.P. Turner war, der das zweifelhafte Gewehr-Reparatur-Etikett einsammelte (24 WH 328), und dass beide MĂ€nner die meiste Zeit des 22. Novembers mit DPD-Deputy Chief Lumpkin verbrachten. Zum Beispiel waren sie mit Lumpkin im Pilotauto der Wagenkolonne, als Lumpkin mit Winston Lawson im FĂŒhrungsauto hinter ihnen kommunizierte.

Ich schließe, wenn wir auf das Verhalten der beiden MĂ€nner schauen, von denen wir wissen, dass sie Teil des COG-Notfall-Kommunikationsnetzwerks in Dallas gewesen sind, dass wir Muster eines unheilvollen Verhaltens sehen, an dem auch andere beteiligt waren, oder das, was wir konspiratives Verhalten nennen können. Diese verketteten BemĂŒhungen, um Oswald in einer Phase-Eins-VerschwörungserzĂ€hlung miteinzubeziehen, fĂŒhren mich dazu, eine Hypothese vorzuschlagen, fĂŒr die ich weder Beweise noch eine alternative ErklĂ€rung habe: nĂ€mlich, dass jemand auf dem WHCA-Netzwerk die Quelle fĂŒr die wichtige ungeklĂ€rte Beschreibung eines VerdĂ€chtigen auf den Dallas Police-BĂ€ndern gewesen sein könnte, die genau die falsche GrĂ¶ĂŸe und das falsche Gewicht (5 feet 10 inches, 165 pounds) hatte, das fĂŒr Oswald in seinen FBI- und CIA-Akten aufgezeichnet worden war.

Beachten Sie, dass es keine anderen bekannten Quellen gibt, die diese spezielle GrĂ¶ĂŸe und dieses spezielle Gewicht Oswald zuschreiben. Zum Beispiel, als er in Dallas festgenommen und am gleichen Tag unter Anklage gestellt wurde, wurde Oswald mit einer GrĂ¶ĂŸe von 5 feet 9 œ inches und einem Gewicht von 131 pounds beschrieben. Der erste Hinweis auf Oswald mit 5 feet 10 inches und 165 pounds war jener, den Oswalds Mutter Marguerite dem FBI-Agenten Fain im Mai 1960 dargebracht hatte, als Oswald selbst in Russland war.

Der DPD-Beamte, der zur Beschreibung auf dem Polizeikanal beitrug, war Inspektor Herbert Sawyer, der sie angeblich von jemandem außerhalb des Texas School Book Depository (TSBD) hörte, den er nicht identifizieren oder beschreiben konnte. Der Warren-Bericht sagte kategorisch, dass seine Quelle Howard Brennan war (WR 5), und dass Brennan am Abend des 22. Novembers “Oswald als die Person in der Aufstellung identifizierte, die die grĂ¶ĂŸte Ähnlichkeit mit dem Mann im Fenster aufwies, aber er sagte, dass er nicht in der Lage war, eine eindeutige Identifikation zu machen” (WR 145). Es gibt jedoch viele GrĂŒnde, daran zu zweifeln, beginnend mit Konflikten in Brennans eigener Aussage (wie Anthony Summers in Conspiracy auf den Seiten 109-10 berichtet). Und Ian Griggs hat ein starkes PlĂ€doyer dafĂŒr dargebracht, dass Brennan an diesem Abend Oswald nie in einer GegenĂŒberstellung gesehen hat. (Es gibt Polizeiakten, die Oswald in drei GegenĂŒberstellungen fĂŒhren, und ĂŒbereinstimmende Zeugenberichte von ihnen; aber es gibt ĂŒberhaupt keinerlei Beweise, dass Brennan an irgendeiner von den dreien teilnahm.)

Es gibt einen weiteren starken Grund, daran zu zweifeln, dass die Quelle Brennan war. Brennan bezeugte spĂ€ter gegenĂŒber der Warren-Kommission, dass er seinen VerdĂ€chtigen in einem Fenster des Texas School Book Depository sah, “aufrecht stehend und sich gegen die linke Fensterbank lehnend”. GedrĂ€ngt zu beschreiben, wie viel er vom VerdĂ€chtigen gesehen habe, antwortete Brennan: “Ich konnte wahrscheinlich seinen ganzen Körper sehen, von seinen HĂŒften an. Aber zu der Zeit, als er die Waffe feuerte, möglicherweise von seinem GĂŒrtel aufwĂ€rts” (3 WH 144).

Die SchwerfĂ€lligkeit von Brennans Sprache weist auf das fundamentale Problem an der Beschreibung hin. Es ist schwer, sich irgendjemanden vorzustellen, der eine vollstĂ€ndige GrĂ¶ĂŸen- und GewichtsschĂ€tzung von jemandem abgibt, den er nur teilweise in einem Fenster gesehen hat. Es gibt also Grund zu der Annahme, dass die Beschreibung aus einer anderen Quelle gestammt haben muss. Und wenn wir sehen, dass die gleiche Beschreibung in Oswalds FBI- und CIA-Akten gefunden werden kann – und nirgendwo anders –, gibt es GrĂŒnde zu vermuten, dass die Quelle von geheimen Akten der Regierung stammte.

Wir haben gesehen, dass es in Dallas eine Interaktion zwischen den WHCA- und DPD-RadiokanĂ€len gab, und zwar dank des WHCA-Mobilfunks, den Lawson im FĂŒhrungsauto der PrĂ€sidentenkolonne installiert hatte. Dieser Funk wiederum stand ĂŒber den Polizeifunk in Kontakt mit dem Pilotwagen davor, der den Deputy Chief des Dallas Police Department (DPD) Lumpkin von der 488. Army Intelligence-Reserveeinheit mit sich fĂŒhrte. Zur gleichen Zeit, wie oben erwĂ€hnt, stand er in Kontakt mit dem COG-Nervenzentrum am Mount Weather, Virginia. Und Mount Weather hatte die erforderlichen Geheimkommunikationsmöglichkeiten, um Informationen aus klassifizierten Akten zu erhalten, ohne dass andere Teile der Regierung alarmiert wurden.

Erlauben Sie an diesem Punkt eine lehrreiche Abschweifung. Es ist inzwischen gut belegt, dass Kennedy sich im Jahr 1963 ausreichend um “die Bedrohung durch einen rechtsextremen Verrat” sorgte, dass er Hollywood-Regisseur John Frankenheimer dringend davon ĂŒberzeugte, “[den Roman] Seven Days in May in einen Film zu verwandeln”. In diesem Buch, um Wikipedia zu zitieren, beabsichtigt ein charismatischer Vorgesetzter, Luftwaffengeneral James Mattoon Scott, einen Staatsstreich zu inszenieren. 
 Dem Plan zufolge soll eine Armee-Kampfeinheit, die als ECOMCON (Emergency COMmunications CONtrol) bekannt ist, die Kontrolle ĂŒber die Telefon-, Radio- und TV-Netze des Landes ĂŒbernehmen, wĂ€hrend die Verschwörung das MilitĂ€r und ihre VerbĂŒndeten im Kongress und in den Medien vom “Mount Thunder” aus lenken (einer Basis der RegierungsfortfĂŒhrungskontinuitĂ€t, die auf Mount Weather basiert).

Es ist auch kein Geheimnis, dass Kennedy im Jahre 1963 große Unzufriedenheit unter den Rechtsextremen geweckt hatte, vor allem wegen der Anzeichen fĂŒr seine zunehmende AnnĂ€herung an die Sowjetunion. Die Handlung des Buches und des Films spiegeln die Sorge der Liberalen zu der Zeit ĂŒber GenerĂ€le wie etwa General Edwin Walker, der 1961 zurĂŒckgetreten war, nachdem Kennedy seine politischen AktivitĂ€ten in der Armee kritisiert hatte. (Walker hatte seinen Truppen Literatur der John Birch Society gegeben, zusammen mit den Namen von rechtsextremen Kandidaten, fĂŒr die sie stimmen sollten.) Wir können jedoch davon ausgehen, dass Kennedy keine handfesten Beweise fĂŒr eine Mount Weather-Verschwörung hatte: wenn er sie gehabt hĂ€tte, wĂ€re es unwahrscheinlich gewesen, dass seine Reaktion lediglich die gewesen wĂ€re, einen fiktiven Film zu fördern.

Es ist wichtig, in dieser Phase darauf hinzuweisen, dass sich die COG-“Regierung im Wartestand” zu keiner Zeit unter militĂ€rischer Kontrolle befand, obwohl COG-Elemente wie Mount Weather als Teil des Pentagon angesehen wurden. Im Gegenteil, PrĂ€sident Eisenhower hatte dafĂŒr gesorgt, dass es im Großen und Ganzen an der Spitze angesiedelt wurde, so dass zu ihren Planern einige der Top-UnternehmensfĂŒhrer der Nation gehörten, wie Frank Stanton von CBS. Nach allen Berichten ĂŒber die COG-FĂŒhrung in den Jahrzehnten nach Reagans Amtsantritt im Jahre 1981 zĂ€hlten zur sogenannten “Schattenregierung” weiterhin CEOs von Privatunternehmen, wie Donald Rumsfeld und Dick Cheney, sowie drei ehemalige CIA-Direktoren: Richard Helms, James Schlesinger und George Bush.

Alfonso Chardy schrieb im Jahr 1987, dass die “virtuelle Parallelregierung”, die North ermĂ€chtigt hatte, Iran-Contra durchzufĂŒhren, auch “einen geheime Notfallplan“ entwickelt hatte, “der fĂŒr die Aussetzung der Verfassung eintritt, die Kontrolle ĂŒber die Vereinigten Staaten an FEMA ĂŒbergebend”. Anschließend wurde North in den Iran-Contra-Anhörungen zu diesem Vorwurf befragt, jedoch verhinderte der Ausschussvorsitzende, der demokratische Senator Inouye, die Beantwortung in einer öffentlichen Sitzung.

SpĂ€ter, als es die mĂ€chtige COG-Planungsgruppe untersuchte, nannte CNN es “eine versteckte Regierung [in den USA], von der Sie nichts wissen.” James Mann betonte ihre falkenartige KontinuitĂ€t, die von Änderungen der PrĂ€sidentschaft im Weißen Haus unbeeindruckt ist:

“Cheney und Rumsfeld waren im gewissen Sinne ein Teil des permanenten, wenn auch versteckten nationalen Sicherheitsapparats der Vereinigten Staaten, Bewohner einer Welt, in der PrĂ€sidenten kommen und gehen, aber Amerika immer weiterkĂ€mpft.“

Noch einen Schritt weiter ging Andrew Cockburn, der eine Pentagon-Quelle zitierte, um eine Behauptung zu unterstĂŒtzen, wonach eine COG-Planungsgruppe unter Clinton nun zum ersten Mal “fast ausschließlich mit republikanischen Falken” besetzt war. In den Worten seiner Quelle: “Man könnte sagen, das war eine geheime Regierung im Wartestand. Die Clinton-Regierung war außerordentlich unaufmerksam, [sie hatte] keine Ahnung, was los war. ”

Die Beschreibung des Pentagon-Beamten von den COG-Planern als “geheime Regierung im Wartestand” unter Clinton (die immer noch Cheney und Rumsfeld enthielt), ist sehr nah dran an der Standarddefinition einer Kabale: eine Gruppe von Personen, die heimlich vereint sind, um einen Wechsel oder Sturz der Regierung herbeizufĂŒhren.

Eine sehr Ă€hnliche Situation gab es unter Jimmy Carter, als einige von denen, die spĂ€ter in Iran-Contra mitmischten (vor allem George H.W. Bush und Theodore Shackley), mit den Chefs von Auslandsnachrichtendiensten (dem sogenannten Safari Club) zusammenarbeiteten, “um mit [dem ehemaligen DCI Richard] Helms [damals US-Botschafter im Iran] und seinen vertrauenswĂŒrdigsten Agenten außerhalb der Aufsicht des Kongresses und sogar der Agency zu arbeiten zu beginnen.” Diese Gruppe begann durch die UnterstĂŒtzung von Guerillaeinheiten in Afrika (insbesondere der UNITA von Jonas Savimbi in Angola), von der sie wussten, dass sie von der CIA unter William Colby oder Stansfield Turner nicht unterstĂŒtzt worden wĂ€ren.

Einige dieser Figuren, vor allem Alexandre de Marenches von der französisch Spionagebehörde SDECE, waren jedoch mit Casey, Bush, Shackley und anderen an einem Plot aus dem Jahre 1980 beteiligt – der sogenannten republikanischen “October Surprise” –, um die Wiederwahl von Jimmy Carter zu verhindern. Das Wesentliche dieser Handlung bestand darin, Carters BemĂŒhungen um die Freilassung der Geiseln in der US-Botschaft in Teheran zu durchkreuzen, indem sie einen republikanische Deal mit den Iranern verhandelten, der mehr nach ihrem Geschmack war. (Die Geiseln wurden in der Tat Stunden nach Reagans Amtsantritt im Jahr 1981 zurĂŒckgegeben.)

Dieser republikanische Geisel-Plot von 1980 verdient es, als fĂŒnftes strukturelles Tiefenereignis in der jĂŒngeren US-Geschichte aufgezĂ€hlt zu werden. Zweifelsohne wurden die illegalen Kontakte, die durch die October Surprise-Gruppe 1980 zum Iran etabliert wurden, zur, wie Alfonso Chardy schrieb, “Genesis” der Iran-Contra-WaffengeschĂ€fte, die von den COG- / Mount Weather-Planern zwischen 1984 bis 1986 betreut wurden.

In einem wichtigen Interview mit dem Journalisten Robert Parry behauptete der altgediente CIA-Beamte Miles Copeland, dass eine “CIA innerhalb der CIA” den 1980-Plot inspiriert hatte, nachdem sie 1980 zu dem Schluss gekommen war, dass Jimmy Carter (in Copelands Worten) “zum Wohl des Landes aus dem PrĂ€sidentenamt entfernt werden musste”. Copeland machte gegenĂŒber Parry klar, dass er die Ansicht, dass Carter “eine ernste Bedrohung fĂŒr die Nation darstellte”, teilte, und der ehemalige Mossad-Agent Ari Ben-Menashe sagte Parry, dass Copeland tatsĂ€chlich “der konzeptionelle Vater” des Waffen-fĂŒr-Geiseln-GeschĂ€fts von 1980 war und “[die] republikanische Zusammenarbeit mit Israel vermittelt“ hatte. Und Copeland half auch zusammen mit seinem Mandanten Adnan Khashoggi, den er beriet, und mit Shackley beim Start des WaffengeschĂ€fts mit dem Iran 1984-85.

Aber ebenso wie Knebel in Seven Days womöglich die militĂ€rische Komponente in der COG-Mount Weather-FĂŒhrung ĂŒberschĂ€tzt hat, so mag Copeland zu sehr der CIA-Komponente hinter der October Surprise-Gruppe nachgehangen haben. In The Road to 9/11 legte ich nahe, dass sich dieses CIA-Netzwerk mit dem “Project Alpha” ĂŒberschnitt, das zu der Zeit fĂŒr David Rockefeller und die Chase Manhattan Bank an Iran-Problemen arbeitete und von der Establishment-Figur John J. McCloy geleitet wurde.

Ich werde schließe, indem ich abermals James Manns Diktum zitiere, dass die Mount Weather-COG-FĂŒhrung einen “permanent, wenn auch versteckten, nationalen Sicherheitsapparat der Vereinigten Staaten“ darstellt, “eine Welt, in der PrĂ€sidenten kommen und gehen, aber Amerika immer weiterkĂ€mpft.“ Und ich möchte dieses Publikum bitten zu untersuchen, ob Elemente dieser dauerhaften FĂŒhrung mit ihrer stĂ€ndig wechselnden Mischung aus CIA-Veteranen und zivilen FĂŒhrungspersonen nicht nur “eine geheime Regierung im Wartestand” unter Clinton in den 1990er Jahren und nicht nur unter Carter im Jahre 1980, sondern auch unter Kennedy im November 1963 bildeten.

QUELLEN

[1] Peter Dale Scott, The American Deep State: Wall Street, Big Oil, and the Attack on U.S. Democracy (Lanham, MD: Rowman & Littlefield, 2014 [forthcoming]). 1.
[2] For a partial list of anomalies between the JFK assassination and 9/11, see Peter Dale Scott, The War Conspiracy: JFK, 9/11, and the Deep Politics of War (New York: Skyhorse, 2013), 341-96.
[3] Tim Shorrock, Spies for Hire (New York: Simon & Schuster, 2008), 6.
[4] Alfonso Chardy, “Reagan Aides and the Secret Government”, Miami Herald, July 5, 1987, : “Some of President Reagan’s top advisers have operated a virtual parallel government outside the traditional Cabinet departments and agencies almost from the day Reagan took office, congressional investigators and administration officials have concluded.”
[5] Iran-Contra Committee Counsel Arthur Liman, questioning Oliver North, “had North repeat his testimony that the diversion was Casey’s idea” (Arthur Liman, Lawyer: a life of counsel and controversy [New York: Public Affairs, 1998], 341).
[6] James Bamford, A Pretext for War: 9/11, Iraq, and the abuse of America’s intelligence agencies (New York: Doubleday, 2004), 72.
[7] Peter Dale Scott, The Road to 9/11: Wealth, Empire, and the Future of America (Berkeley: University of California Press, 2007), 213-14, 219-29.
[8] Bamford, A Pretext for War, 71-81.
[9] Bob Woodward and Carl Bernstein, All the President’s Men (New York: Simon and Schuster, 1974), 23.
[10] Jim Hougan, Secret Agenda (New York: Random House, 1984), 16. For more on WISP, see David Wise, The Politics of Lying: Government Deception, Secrecy, and Power (New York: Random House, 1973), 134-37.
[11] John Dean, Worse Than Watergate: The Secret Presidency of George W. Bush (New York: Little Brown, 2004), 120. In addition Howard Baker, in 1973 the ranking Republican member of the Senate Committee that investigated Watergate, was later part of the COG secret leadership (CNN Special Assignment, November 17, 1991).
[12] James Mann, Rise of the Vulcans: The History of Bush’s War Cabinet (New York: Viking, 2004), 142.
[13] Warren Commission Hearings, Vol. 9, p.106 (or 9 WH 106) ; Scott, Deep Politics, 275-76; Russ Baker, Family of Secrets: The Bush Dynasty, the Powerful Forces That Put It in the White House, and What Their Influence Means for America (New York: Bloomsbury Press, 2009), 119-22.
[14] “White House Communications Agency,” Signal Corps Regimental History
[15] In the 1990s the WHCA supplied statements to the ARRB concerning communications between Dallas and Washington on November 22 (NARA #172-10001-10002 to NARA #172-10000-10008). The Assassination Records Review Board also attempted to obtain from the WHCA the unedited original tapes of conversations from Air Force One on the return trip from Dallas, November 22, 1963. (Edited and condensed versions of these tapes had been available since the 1970s from the Lyndon Baines Johnson Library in Austin, Texas.) The attempt was unsuccessful: “The Review Board’s repeated written and oral inquiries of the White House Communications Agency did not bear fruit. The WHCA could not produce any records that illuminated the provenance of the edited tapes.” See Assassinations Records Review Board: Final Report, chapter 6, Part 1, 116.
[16] 17 WH 394-95, 23 WH 841; 17 WH 368, 395; Scott, Deep Politics and the Death of JFK, 273-74, 278. The alleged epileptic walked away from the ambulance after it arrived at Highland (Warren Commission Document 1245, 6-10).
[17] Statement of Special Agent Winston E. Lawson [to Secret Service],” 17 WH 632; Scott, Deep Politics and the Death of JFK, 278.
[18] Richard Pollock, “The Mysterious Mountain,” The Progressive, March, 1976; cf. “Mount Weather’s ‘Government-in-Waiting’”.
[19] Russ Baker, Family of Secrets, 121.
[20] Dee Garrison , Bracing for Armageddon: Why Civil Defense Never Worked
(New York: Oxford University Press, 2006), 46.
[21] Warren Commission Exhibit 1778, 23 WH 383-84.
[22] Commission Document 344 – SS Howard Tape Copy of 01 Dec 1963, p. 23.
[23] Lee Harvey Oswald fingerprint card, 17 WH 308. The heaviest Oswald actually weighed was 150 pounds, when he left the Marines in 1959 (19 WH 584, 595).
[24] FBI report by Special Agent Fain, dated May 12, 1960, 17 WH 706. In the same report Marguerite named Oswald’s father as “Edward Lee Oswald.” His actual name was Robert Edward Lee Oswald (WR 669-70).
[25] Testimony of Inspector Herbert Sawyer, 6 WH 321-22: “I remember that he was a white man and that he wasn’t young and he wasn’t old.” Cf. Dallas Police Channel Two Tape at 12:25 PM (23 WH 916).
[26] Ian Griggs, “Did Howard Leslie Brennan Really Attend an Identification Lineup?”
[27] Statement of Secret Service Winston Lawson, 17 WH 630: “I checked with Chief Curry as to location of Lead Car [at Love Field] and had WHCA portable radio put in and checked.”
[28] “The lead car was in radio contact with the pilot car by police radio, and with the Presidential limousine by Secret Service portable radios” (Pamela McElwain-Brown, “The Presidential Lincoln Continental SS-100-X,” Dealey Plaza Echo, Volume 3, Issue 2, 23. Cf. Scott, Deep Politics and the Death of JFK, 272-75 (Lumpkin).
[29] David Talbot, Brothers: the hidden history of the Kennedy years (New York: Free Press, 2007), 148.
[30] http://en.wikipedia.org/wiki/Seven_Days_in_May.
[31] Jonathan M. Schoenwald, A time for choosing: the rise of modern American conservatism (New York: Oxford University Press, 2001), .
[32] Hope Yen, “Eisenhower Letters Reveal Doomsday Plan: Citizens Tapped to Take Over in Case of Attack,” AP, Deseret News, March 21, 2004.
[33] CNN Special Assignment, November 17, 1991.
[34] Alfonso Chardy, “Reagan Aides and the Secret Government”, Miami Herald, July 5, 1987 : “Some of President Reagan’s top advisers have operated a virtual parallel government outside the traditional Cabinet departments and agencies almost from the day Reagan took office, congressional investigators and administration officials have concluded.”
[35] Iran-Contra Committee Counsel Arthur Liman, questioning Oliver North, “had North repeat his testimony that the diversion was Casey’s idea” (Arthur Liman, Lawyer: a life of counsel and controversy [New York: Public Affairs, 1998], 341). Cf. The “October Surprise” allegations and the circumstances surrounding the release of the American hostages held in Iran: report of the Special Counsel to Senator Terry Sanford and Senator James M. Jeffords of the Committee on Foreign Relations, United States Senate, Volume 4, p. 33 (October Surprise Group).
[36] CNN Special Assignment, November 17, 1991.
[37] James Mann, Rise of the Vulcans, 145.
[38] Andrew Cockburn, Rumsfeld: His Rise, Fall, and Catastrophic Legacy (New York: Scribner, 2007), 88.
[39] Joseph J. Trento, Prelude to terror: the rogue CIA and the legacy of America’s private intelligence network (New York: Carroll & Graf, 2005), 61.
[40] Piero Gleijeses, Visions of Freedom: Havana, Washington, Pretoria and the struggle for Southern Africa, 1976-1991 (Chapel Hill: The University of North Carolina Press, [2013]), 66-68; Elaine Windrich, “The Laboratory of Hate: The Role of Clandestine Radio in the Angolan War,” International Journal of Cultural Studies 3(2), 2000.
[41] Alfonso Chardy, “Reagan Aides and the Secret Government”, Miami Herald, July 5, 1987 : “The group, led by campaign foreign policy adviser Richard Allen, was founded out of concern Carter might pull off an “October surprise” such as a last-minute deal for the release of the hostages before the Nov. 4 election. One of the group’s first acts was a meeting with a man claiming to represent Iran who offered to release the hostages to Reagan.
Allen — Reagan’s first national security adviser— and another campaign aide, Laurence Silberman, told The Herald in April of the meeting. they said McFarlane, then a Senate Armed Services Committee aide, arranged and attended it. McFarlane later became Reagan’s national security adviser and played a key role in the Iran-contra affair. Allen and Silberman said they rejected the offer to release the hostages to Reagan.” [The Iranian was Houshang Lavi, and after Lavi’s death Robert Parry confirmed from Lavi’s diary that the meeting did take place].
[42] Alfonso Chardy, “Reagan Aides and the Secret Government” Miami Herald, July 5, 1987.
[43] “America’s False History Allows the Powerful to Commit Crimes Without Consequence”, Mark Karlin Interview of Robert Parry, January 15, 2013, Truthout Interview.
[44] Robert Parry, Trick or Treason, 175.
[45] Peter Dale Scott, The Road to 9/11: Wealth, Empire, and the Future of America
(Berkeley: University of California Press, 2007), 81-83, 88. A key figure was CIA veteran and Copeland friend Archibald Roosevelt, in 1980 a Carter foe and also employee of the Chase Manhattan Bank.
[46] Mann, Rise of the Vulcans, 145.

Dieser Artikel erschien bereits auf www.larsschall.com. Die Veröffentlichung erfolgte mit ausdrĂŒcklicher Genehmigung von Lars Schall.