Der US-Geheimdienstapparat und das Schicksal des privaten internationalen Bankensystems der Vorkriegszeit
Teil I â Terroristen auf dem Schachbrett
Teil II â Der gefĂ€lschte Krieg gegen den Terror: Wie die USA einige ihrer Feinde schĂŒtzten
Teil III â Das wahre GroĂe Schachbrett und die Profiteure des Kriegs
Teil IV â Das Doomsday-Projekt und Tiefenereignisse: JFK, Watergate, Iran-Contra und 9/11
Teil V â 9/11 in historischer Perspektive: Falsche Annahmen
Teil VI – Der Tiefenstaat und 9/11
Teil VII – JFK und 9/11 â Gewonnene Einsichten aus dem Studium beider VorgĂ€nge
Teil VIII Der Staat, der tiefe Staat und die Wall Street-Oberwelt
Von Peter Dale Scott, Ăbersetzung Lars Schall
Peter Dale Scott blickt in diesem Essay auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA zurĂŒck, um ihre Folgen fĂŒr das internationale Bankensystem und die groĂen Ălkonzerne zu erkunden â und insbesondere die dabei zu beachtende SchlĂŒsselrolle der machtvollen Dulles-BrĂŒder. Ferner geht es um das Werden des Marshall-Plans und den Anfang der McCarthy-Ăra.
Die Ăbersetzung des nachfolgenden Essays, der im englischen Original unter der Ăberschrift âThe Dulles Brothers, Harry Dexter White, Alger Hiss, and the Fate of the Private Pre-War International Banking Systemâ hier auf The Asia-Pacific Journal erschien, wurde von Peter Dale Scott ausdrĂŒcklich und persönlich fĂŒr LarsSchall.com autorisiert.
Als ErgĂ€nzung möchten wir von Peter Dale Scott zur LektĂŒre empfehlen: âDer Staat, der tiefe Staat und die Wall Street-Oberweltâ, zu finden hier.
Peter Dale Scott, einer der scharfsinnigsten und provokantesten Denker unserer Zeit, ist ein ehemaliger kanadischer Diplomat und Professor fĂŒr Englisch an der University of California, Berkeley. Der Sohn des bekannten kanadischen Dichters und Verfassungsrechtlers F.R. Scott und der Malerin Marian Dale Scott, der in Montreal, Kanada am 11. Januar 1929 geboren wurde, zog im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Menge Aufmerksamkeit fĂŒr seine politisch-historischen Schriften an.
Scott studierte an der McGill University, Montreal und am University College, Oxford. Seine Dissertation schrieb er zum Thema âDie sozialen und politischen Ideen von T.S. Eliotâ. Er unterrichtete zunĂ€chst an der Sedbergh School und an der McGill University. Danach trat er dem kanadischen Department of External Affairs (1957-1961) und der kanadischen Botschaft in Warschau, Polen (1959-1961) bei. Ins akademische Leben zurĂŒckkehrend, lehrte Peter Dale Scott 30 Jahre lang an der University of California, ehe er 1994 emeritierte.
Seine Prosa-BĂŒcher umfassen u. a.:
The War Conspiracy (1972)
Crime and Cover-Up: The CIA, the Mafia, and the Dallas-Watergate Connection (1977)
Einleitung zu Henrik Krugers The Great Heroin Coup: Drugs, Intelligence, & International Fascism (1980)
The Iran-Contra Connection (in Zusammenarbeit, 1987)
Cocaine Politics: Drugs, Armies, and the CIA in Central America (in Zusammenarbeit, 1991, 1998)
Deep Politics and the Death of JFK (1993, 1996)
Oswald, Mexico, and Deep Politics (1994, 2013)
Drugs, Oil and War (2003)
The Road to 9/11: Wealth, Empire and the Future of America (2007)
The War Conspiracy: JFK, 911, and the Deep Politics of War (2008 Neuauflage und Erweiterung der Ausgabe von 1972)
American War Machine: Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan (2010)
Seine wichtigsten GedichtbĂ€nde sind die drei BĂ€nde der Trilogie âSeculumâ:
Coming to Jakarta: A Poem About Terror (1989)
Listening to the Candle: A Poem on Impulse (1992)
Minding the Darkness: A Poem for the Year 2000 (2000)
ZusÀtzlich hierzu veröffentlichte er:
Crossing Borders: Selected Shorter Poems (1994)
Mosaic Orpheus (2009)
Tilting Point (2011)
In seinen Prosa-BĂŒchern ist Scott besonders daran interessiert, die so genannte âTiefenpolitikâ / âDeep Politicsâ zu untersuchen. Er definiert âDeep Politicsâ auf diese Weise: âAll jene politischen Praktiken und Arrangements, absichtlich oder nicht, die im öffentlichen Diskurs eher verdrĂ€ngt, statt anerkannt werden.â Damit verbunden sind âTiefenereignisseâ / âDeep Eventsâ, die Scott als âdie traumatischen und unerwarteten Episodenâ definiert, âdie in unserer Geschichte immer wieder vorkommen und sie grundlegend verĂ€ndern, allerdings immer zum Schlimmeren. Diese âTiefenereignisseâ können niemals angemessen untersucht oder verstanden werden, weil sie eine geheimdienstliche Dimension aufweisen, die sowohl seitens der Regierung, als auch seitens der etablierten Medien zu einem gesellschaftlich auferlegten Mantel des Schweigens fĂŒhrt.â
Scotts eigene Website findet sich unter: www.peterdalescott.net.
Der US-Geheimdienstapparat und das Schicksal des privaten internationalen Bankensystems der Vorkriegszeit
Die Wahl von Dwight D. Eisenhower im Jahre 1952 hatte dauerhafte Folgen fĂŒr die US- AuĂenpolitik. Die groĂen US-Ălkonzerne, die vor der Wahl vor Strafanzeigen fĂŒr ihre Kartellabsprachen standen, wurden stattdessen befreit, um ihre AktivitĂ€ten fortzusetzen, bis âIn einigen der weit entfernten LĂ€ndern, in denen es GeschĂ€fte machte âŠ. Exxons Herrschaft ĂŒber die lokale Politik und Sicherheit gröĂer war als die der Botschaft der Vereinigten Staaten.â (1) Parallel dazu fand 1953 eine radikale Eskalation der verdeckten Operationen der CIA statt. Wichtige Plots zum StĂŒrzen der Regierungen des Iran und von Guatemala, die beide von Truman und seinem AuĂenminister Dean Acheson abgelehnt worden waren, gingen jetzt voran, Amerikas Beziehungen zur Dritten Welt neudefinierend.(2)
Der SchlĂŒssel zu dieser wichtigen VerĂ€nderung war nicht Eisenhower, sondern waren die Dulles-BrĂŒder, die frĂŒher beide Partner in der Kanzlei Sullivan und Cromwell waren, die seit Jahren das Ălkartell vertreten hatte:
âSolange sein Bruder John Foster Dulles AuĂenminister war, gab es fĂŒr [CIA-Direktor] Allen Dulles keine Notwendigkeit, sich unter politische âKontrolleâ zu begeben. ⊠Ein abenteuerlicher Direktor ⊠dessen Bruder das zweithöchste Amt in der Regierung innehielt ⊠war in der Lage, fast nach Belieben zu handeln, da er von jedweden unangenehmen Konsequenzen abgeschirmt war.â (3)
Die Wahlkampagne der Republikaner 1952, fĂŒr die John Foster Dulles teilweise verantwortlich war, griff erfolgreich Trumans vermeintliche SchwĂ€che im Umgang mit dem angeblichen Hochverrat zweier seiner Beamten, Finanzminister Harry Dexter White und AuĂenminister Alger Hiss, an. In der Tat wurden weder White noch Hiss des Hochverrats fĂŒr schuldig befunden; noch wurde jemals erwiesen, dass sie ihn begangen hatten. Aber beider MĂ€nner Karriere war von den sensationellen Anschuldigungen, die 1948 von einem Kongressneuling, Richard Nixon, im Komitee zu unamerikanischen AktivitĂ€ten (House Un-American Activities Committee, HUAC) gegen sie erhoben wurden, ruiniert worden.
Eine Ăbersicht zu diesem Essay
Es ist seit langem bekannt, dass Nixon in seiner Verfolgung von White und Hiss von FBI-Agenten Informationen gefĂŒttert bekam, die mit Zustimmung von J. Edgar Hoover handelten. Dieser Essay wird argumentieren, dass Nixon auch UnterstĂŒtzung von den Dulles-BrĂŒdern erhielt, vor allem bei einem SchlĂŒssel-Treffen zwischen den drei MĂ€nnern am 11. August 1948, fĂŒnf Tage vor Whites frĂŒhen und umstrittenen Tod.
Auf dem Spiel stand bei dem Treffen die republikanische Kampagne von 1948, die erste Kampagne, letztlich erfolglos, in der âdie GOP die Demokraten die Partei des Verrats nannte.â (4) Aber auch tiefere Fragen standen auf dem Spiel. Wie wir sehen werden, hatte Harry Dexter White, von Finanzminister Henry Morgenthau gedeckt, seine eigenen Kandidaten fĂŒr verrĂ€terisches Verhalten: vor allem Allen Dullesâ Freund und ehemaligen OSS-Agenten Thomas McKittrick, der amerikanische PrĂ€sident der Bank fĂŒr Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, Schweiz wĂ€hrend der Kriegszeit. (5)
Die BIZ hatte Nazi-Raubgold gehandhabt, als sich andere Banken geweigert hatten, dies zu tun, und am Ende des Krieges traf McKittrick âĂbereinkĂŒnfte mit Nazi-Industriellen, um ihnen ihre Profite zu garantieren, nachdem der Krieg vorbei war.â (6) Im Gegensatz dazu forderte der Morgenthau-White-Plan fĂŒr das Nachkriegsdeutschland, dass das Land deindustrialisiert und die Macht der deutschen Kartelle gebrochen werden mĂŒsse. Das Vorkriegsbankensystem, das amerikanische Banker mit denen verband, die Hitler unterstĂŒtzt hatten, sollte auch abgerissen werden: das Treffen der Alliierten in Bretton Woods im Juli 1944, das weitgehend von White organisiert worden war, hatte eine Resolution zur Auflösung der BIZ âzum frĂŒhestmöglichen Zeitpunktâ verabschiedet.
Eine Version des Morgenthau-White-Plans wurde von Truman im Mai 1945 als JCS (Joint Chiefs of Staff-Politik) 1067 genehmigt, die die US-Besatzungstruppen in Deutschland anwies: ââŠunternehmen Sie keine Schritte in Richtung einer wirtschaftlichen Sanierung Deutschlands.â (7)
Aber beide, McKittrick und Allen Dulles, hatten eine ganz gegensĂ€tzliche Vision fĂŒr Deutschland â dass seine Wirtschaft in der Tat saniert werden und schlieĂlich den Unterbau fĂŒr ein stĂ€rker geeintes Westeuropa ausmachen sollte.
So âbegannen Dulles und andere eine Kampagne gegen ⊠JCS 1067 zu startenâ, und fĂŒr ihren Ersatz durch das, was spĂ€ter als Marshall-Plan bekannt sein wĂŒrde. (8)
Auf einer Ebene war dies ein Konflikt zwischen mĂ€chtigen Individuen: White in Washington (mit Morgenthau bald im Ruhestand) versus den Banker McKittrick und den Anwalt Allen Dulles, die beide nach dem Zweiten Weltkrieg an die Wall Street zurĂŒckkehrten. Aber es war auch ein institutioneller Konflikt zwischen Washington und der Wall Street, denn jedes Zentrum stand zunĂ€chst vereint hinter widersprĂŒchlichen Visionen fĂŒr die Zukunft Deutschlands, wie auch fĂŒr die Zukunft des internationalen Vorkriegsbankensystems, das Deutschland und Amerika vereinte â in dessen Herzen die BIZ lag. Eine andere Möglichkeit, dies auszudrĂŒcken, ist, zu sagen, dass es einen Wettbewerb zwischen den gegensĂ€tzlichen Visionen des Staates (Washington) und des tiefen Staats (Wall Street) gab.
In diesem Wettbewerb, wie in vielen anderen in dieser Zeit, verlor Washington, und die Wall Street gewann. (9)
âDie Dulles-BrĂŒder und ihre VerbĂŒndeten, die vorbrachten, dass Deutschland so schnell wie möglich als ein Bollwerk gegen die Sowjetunion wiederaufgebaut werden mĂŒsste, triumphierten ĂŒber Morgenthau und White. Die BIZ gab das Nazi-Raubgold zurĂŒck, und die Forderungen nach ihrer Auflösung schwanden dahin.â (10)
Es gibt verschiedene GrĂŒnde fĂŒr den Sieg der Wall Street. Herausragend waren unter diesen der Tod von Roosevelt und seine Ersetzung durch Truman mit seinem konservativen AuĂenminister James Byrnes. Noch wichtiger waren vielleicht das brutale Verhalten Stalins in Osteuropa und die EnthĂŒllung (dank des Ăberlaufens eines sowjetischen Code-Angestellten in Ottawa 1946), dass Moskau ein robustes Netzwerk an Spionen im Westen besaĂ. Diese und anderen Faktoren fĂŒhrten Washington dazu, dem Austausch von JCS 1067 durch den Marshall-Plan (der vielleicht besser Dulles-Plan genannt hĂ€tte werden sollen) zuzustimmen.
Aber es gab tiefere Aspekte des Konflikts. Die Dulles-BrĂŒder waren entschlossen, nicht nur einen Plan fĂŒr Deutschland zu zerstören, der ihnen missfiel, sondern den New Deal der Demokraten, mit dem die Partei erst unter Roosevelt und dann unter Truman die traditionellen Freiheiten der Wall Street beschrĂ€nkt hatten, und die nun drohten, das Ălkartell zu zerbrechen. Hier hatten die Republikaner ihre Augen insbesondere auf Harry Dexter White gerichtet.
Der Grund, der damals dafĂŒr gegeben wurde, und an den noch immer von einigen intelligenten Leuten geglaubt wird, war, dass White ein Spion gewesen sei. (11) Aber wie wir sehen werden, gibt es auch diejenigen, die glauben, dass die Beweislage dafĂŒr sehr fraglich ist. Wir werden der Anregung von Anthony Summers und anderen folgen, dass Allen Dulles und die CIA bereits im Juli 1948 die Quelle der Aufregung ĂŒber den angeblichen Verrat von zunĂ€chst White und dann (nach Whites Tod im August 1948) von einer weit weniger prominenten Ersatzfigur, Alger Hiss, waren. (12)
Summers legt nahe, dass Allen Dulles, wenngleich noch immer ein Wall Street-Anwalt, womöglich Zugang zu einer geheimen Waffe hatte, die einem bloĂen stellvertretenen Finanzminister wie White nicht zur VerfĂŒgung stand â die VENONA-Dokumente entschlĂŒsselter Sowjet-Kommunikation.
VENONA, Harry Dexter White und Alger Hiss
Viele Linke haben auf die Nachkriegsverfolgung von Alger Hiss und den Rosenbergs als âSchauprozesseâ Bezug genommen, behauptend, dass der zugrunde liegende Zweck nicht die Feststellung von Schuld oder Unschuld gewesen sei, sondern die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Veröffentlichung einer bereits festgelegten Schuld, als eine Warnung vor Dissens. Aber der Spionage-Schrecken der 1940er Jahre war zumindest teilweise echt, weitgehend auf Hinweise aus den neu ĂŒbersetzten VENONA-Dokumenten basierend, die aus Sowjet-Transmissionen stammten. Es ist sicher, dass abgefangene VENONA-Informationen halfen, Spione wie Judith Coplon zu identifizieren und zu ĂŒberfĂŒhren, auch wenn diese abgefangenen Informationen aus GrĂŒnden der Sicherheit nicht in ihren Gerichtsverfahren eingefĂŒhrt wurden. (13)
VENONA-Beweismaterial wurde auch verwendet, um Vermutungen ĂŒber zwei weitere VerdĂ€chtige aufkommen zu lassen, den fĂŒhrenden Beamten des Finanzministeriums Harry Dexter White und Alger Hiss. Allerdings sind die VENONA-Beweise gegen diese beiden MĂ€nner noch immer heftig umstritten. Und die Kampagne gegen die beiden MĂ€nner wurde nicht nur von Sicherheitsbedenken allein angetrieben. Zumindest teilweise war sie auch ein Nebenprodukt einer tieferen Auseinandersetzung ĂŒber die Zukunft Amerikas â zwischen der Wall Street (durch die Dulles-BrĂŒder reprĂ€sentiert) und den Resten des New Deal (von White, einem Hauptarchitekten des Internationalen WĂ€hrungsfonds und der Weltbank, reprĂ€sentiert).
Die Dulles-BrĂŒder hatten als RechtsanwĂ€lte bei Sullivan und Cromwell eine SchlĂŒsselrolle bei der westlichen Zwischenkriegsfinanzierung und der Refinanzierung der deutschen Schulden gespielt. Eine PrimĂ€rbank in diesen Transaktionen war die britische Handelsbank J. Henry Schröder und ihre amerikanische Tochtergesellschaft der J. Henry Schroder Banking Corporation gewesen, wo Allen Dulles als Direktor und sein Bruder als Anwalt gedient hatten. Ein Netz von internationalen Bankenverbindungen wurde zwischen den Kriegen geschaffen; und viel von diesem Netz
âwar mit der BIZ [Bank fĂŒr Internationalen Zahlungsausgleich] ĂŒber die Dulles-BrĂŒder und ihre Freunde an der Wall Street und in London und Deutschland verbunden.â (14)
Roosevelts New Deal-UnterstĂŒtzer wie Finanzminister Henry Morgenthau und sein Stellvertreter White beabsichtigten, dieses komplexe Netzwerk mit deutschen Banken und Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg zu demontieren: insbesondere
âverabscheuten (sie) die BIZ, die sie richtigerweise als Kanal fĂŒr die Verewigung der wirtschaftlichen Nazi-Interessen in den Vereinigten Staaten ansahen.â (15)
Ihr Hauptziel war der BIZ-PrĂ€sident wĂ€hrend des Krieges, Thomas McKittrick (ehemals von der Bostoner Bankfirma Lee, Higginson) â nach der Meinung von Adam Lebor zu Recht, der schreibt , dass âviele der Dinge, die McKittrick tat, wie Gold- und Devisentransaktionen mit der Reichsbank nach Pearl Harbor, hochverrĂ€terisch waren.â Lebor fĂŒgt hinzu, dass McKittrick, ein persönlicher Freund von Allen Dulles, nach New York kam und einen Anwalt anheuerte, âum das Finanzministerium zu ĂŒberzeugen, BIZ-Gelder freizugeben. Seine Wahl stand nie in Zweifel: John Foster Dulles.â (16)
Im Juli 1944 in Bretton Woods fĂŒhrten Morgenthau und White die amerikanische Delegation auf der Konferenz an, die erfolgreich den Internationalen WĂ€hrungsfonds grĂŒndete, wo White letztlich der GeschĂ€ftsfĂŒhrer und US-Vertreter wurde. Mit dem IWF im Mittelpunkt des neuen internationalen Systems, wollten die beiden MĂ€nner auch
âdie BIZ abgeschafft haben. Am 10. Juli 1944 schienen sie ihren Wunsch erfĂŒllt zu bekommen. Wilhelm Keilhau von der norwegischen Delegation brachte einen Antrag ein, um die BIZ zu liquidieren. ⊠Keine Delegation sprach öffentlich zur Verteidigung der BIZ. Doch hinter den Kulissen gingen ihre Verteidiger â Teile des State Departments, der Wall Street, der Bank of England ⊠in Aktion. ⊠SchlieĂlich wurde einer neuen norwegisch-niederlĂ€ndischen Resolution, die die Liquidation der Bank zum âfrĂŒhestmöglichen Zeitpunktâ verlangte, zugestimmt.â (17)
Die Morgenthau-White-Opposition gegen die BIZ stand im Einklang mit ihrer UnterstĂŒtzung des Morgenthau-Plans, von Roosevelt und Churchill in Quebec unterstĂŒtzt, der die partielle Deindustrialisierung in Deutschland forderte. Obwohl dieser extreme Vorschlag alsbald abgeĂ€ndert wurde, genehmigte Truman im Mai 1945 die JCS (Joint Chiefs of Staff-Politik) 1067, die die US- Besatzungstruppen in Deutschland anwies, ââŠunternehmen Sie keine Schritte in Richtung einer wirtschaftlichen Sanierung Deutschlands oder zum Erhalt oder StĂ€rkung der deutschen Wirtschaft.â (18)
Aber sowohl McKittrick als auch Allen Dulles hatten eine ganz gegensĂ€tzliche Vision fĂŒr Deutschland â dass seine Wirtschaft in der Tat wieder hergestellt, gestĂ€rkt und schlieĂlich zum Unterbau fĂŒr ein stĂ€rker geeintes Westeuropa gemacht werden sollte. Wir wissen aus einer OSS-Kommunikation an Allen Dulles, dass McKittrick noch vor dem Ende des Krieges als PrĂ€sident der BIZ
âbereits eine Abmachung [mit deutschen Industriellen!] getroffen hatte, âdie industrielle Substanz des Reiches zu bewahren.ââ (19)
Also âbegannen Dulles und andere eine Kampagne gegen ⊠JCS 1067 zu startenâ, und fĂŒr ihren Ersatz durch das, was spĂ€ter als Marshall-Plan bekannt sein sollte. (20) Bis Mitte 1947 waren die Reste von Morgenthaus Deindustrialisierungsprogramm
âvon General Lucius Clay, dem amerikanische Kommandeur der Besatzungstruppen, sosehr verwĂ€ssert worden, dass sie bedeutungslos waren. ⊠Washingtons JSC-Richtlinie 1779, verabschiedet im Sommer 1947, institutionalisierte diese Ănderung in der Politik. Die deutsche Industrie wĂŒrde wieder aufgebaut werden; ihre Stahlwerke und Schmieden sollten einmal mehr das Kraftwerk Europas sein.â (21)
Wer war des Hochverrats schuldig? McKittrick oder White?
Die PlĂ€ne von White und anderen New Deal-UnterstĂŒtzern fĂŒr das Nachkriegs-Deutschland und die BIZ war damit 1948 entscheidend besiegt. Erst in der Clinton-Ăra, mehr als ein halbes Jahrhundert spĂ€ter, wurde einiges ĂŒber das amerikanische Misstrauen gegenĂŒber der BIZ und McKittrick bekannt. Mindestens
âwurde McKittrick von alliierten Behörden verdĂ€chtigt, den AchsenlĂ€ndern beim Beschaffen von Geldern zu helfen, die die US-Regierung zu blockieren versucht hatte. Er behauptete, dass die BIZ neutral war und dass kein Raubgold von der BIZ gehalten wurde. Das US Office of Strategic Services, der VorlĂ€ufer der CIA, hatte Beweise dafĂŒr gefunden, dass McKittrick mit den Nazis zusammengearbeitet hatte. Ein Bericht, der an PrĂ€sident Bill Clinton gegeben wurde, machte geltend, dass die AchsenmĂ€chte die BIZ praktisch ĂŒbernommen hatten.â (22)
John Loftus und Marcus Aarons gehen viel weiter, indem sie Allen Dulles und McKittrick vorwerfen, sich zusammen verschworen zu haben, um geplĂŒndertes Nazi-Gold in der Nachkriegszeit gen Argentinien zu bewegen. (23) Eine vorsichtigere Darstellung wird von James Calvin Baker gegeben, der die BIZ wĂ€hrend McKittricks Kriegsamtszeit verwickelt sieht, aber nicht Dulles:
âNach dem Krieg wurde McKittrick auf eine hohe Position bei der Chase Manhattan [sic, d.h. Chase National] Bank ernannt. ⊠Und fast 50 Jahre lang wurden die GeschĂ€fte, die die BIZ und die Schweizer Banken und das Raubgut der Nazis verbanden, in klassifizierten Dokumenten versteckt. ⊠Das US-Finanzministerium [unter White] verfolgte das Nazi-Gold, wie es sich bei der BIZ hinein und heraus bewegte. Ăber mehrere dieser Transaktionen wurde herausgefunden, dass sie zwischen der BIZ und Schweizer Grossbanken stattgefunden hatten. Von diesen Schweizer Banken aus wurden Gelder von den Nazis benutzt, um Kriegsmaterial zu kaufen oder um sie auf Konten in Spanien, Argentinien und im Nahen Osten zu ĂŒberweisen.â (24)
Aber die Wall Street stand zusammen, um McKittrick zu schĂŒtzen; erst wurden ihm Positionen bei der Chase National Bank offeriert, und dann, auf Einladung von Averell Harriman, die Leitung dessen, was der Marschall-Plan wurde. Harriman ernannte auch einen Beirat, zusammengesetzt mit Owen Young, einem Hauptautor der deutschen Vorkriegsschulden-Arrangements, âund natĂŒrlich Allen Dulles, der den Marshall-Plan als TodesstoĂmittel gegenĂŒber der Ausbreitung des Kommunismus in West-Europa ansah.â (25)
Eines der Dinge, die McKittrick und die BIZ retteten, war der Spionage-Schrecken der 1940er Jahre, der zu Recht oder zu Unrecht White verwickelte. Zweifellos wurden echte Spione entdeckt, einige von ihnen dank entzifferter VENONA-Abfanginformationen, aber andere waren die Opfer von Hysterie.
War White eines dieser Opfer? White starb, bevor er angeklagt werden konnte, und die gegen ihn erhobenen VorwĂŒrfe sind in Amerika noch immer umstritten. (26) Zweifelsohne teilte White Informationen mit Beamten der Sowjetunion, die damals ein VerbĂŒndeter war; aber das Gewicht der Beweise ist, dass er weder ein Mitglied der Kommunistischen Partei war noch mit Sicherheit unter sowjetischer Kontrolle stand. Chambers selbst sagte ĂŒber White: âSeine Motive haben mich immer verblĂŒfft.â (27)
Sicher ist, dass VENONA-Transkripte verwendet wurden, um US-Beamte zu ĂŒberzeugen, dass White ein sowjetischer Spion sei â seine Karriere beendend. Es ist auch klar, dass Hysterie eine Rolle gespielt hat. John Loftus und Mark Aarons behaupten, dass die Dulles-BrĂŒder diese Hysterie zu schĂŒren halfen, und dass Richard Nixon âAllen Dullesâ Sprachrohr im Kongress wurde.â (28) Anthony Summers erhebt darĂŒber hinaus den Vorwurf, dass Nixon bereits von Juli 1948 an Geheimnisse von der CIA zugefĂŒhrt wurden, ehe Allen Dulles der Organisation beitrat, die zu erschaffen er behilflich gewesen war. (29)
Nixon, Voorhis und die BIZ
Loftus und Aarons datieren diese geheime Zusammenarbeit zwischen Allen Dulles und Nixon bis 1945 zurĂŒck.
âLaut mehrerer unserer Quellen unter den âalten Spionenâ begann Richard Nixons politische Karriere 1945, als er der Marineoffizier war, der vorĂŒbergehend abgestellt war, um ⊠beschlagnahmte Nazi-Dokumente auszuwerten. Allen Dulles erzĂ€hlte ihm angeblich, ĂŒber das, was er gesehen hatte, zu schweigen, und im Gegenzug arrangierte er die Finanzierung der ersten Kongress-Wahlkampagne des jungen Mannes gegen [den amtierende Kongressabgeordneten] Jerry Voorhis.â (30)
Obwohl Loftus und Aarons dies nicht erwĂ€hnen, war Voorhis der wichtigste VerbĂŒndete und Sprecher im Kongress von Morgenthaus und Whites VorwĂŒrfen gegen die Bank fĂŒr Internationalen Zahlungsausgleich, der 1943 eine Untersuchung der BIZ gefordert hatte. (31) Dulles hatte daher zweifelsohne ein anderes Motiv, Voorhis besiegt sehen zu wollen.
Voorhis selbst schrieb 1947 in einem unveröffentlichten Buchmanuskript, dass er eine Vielzahl an Dokumentationen gehabt habe, âdie gezeigt hĂ€tten, wie die [1946er] Nixon-Kampagne ein Geschöpf der groĂen Ostfinanz-Interessen warâ, darunter âdie groĂen Ălgesellschaften.â Und ein Vertreter von Standard Oil, ein Unternehmen (von Sullivan und Cromwell vertreten), dessen zwielichtige RegierungsgeschĂ€fte Voorhis entblöĂt hatte, war bei dem Treffen anwesend, das Nixon als Kandidat auswĂ€hlte. (32)
Nixon und die Dulles-BrĂŒder, 11. August 1948 â und Harry Dexter White
Die meisten Darstellungen von Nixons Karriere weisen auf ein wichtiges Treffen zwischen Nixon und John Foster Dulles in dessen republikanischer Parteizentrale im Roosevelt Hotel am 11. August 1948 hin, ein Zusammentreffen, an dem auch Allen Dulles und Douglas Dillon von Dillon Read teilnahmen,
âeines der Bankunternehmen, die Hitler finanziert [hatten].â (33)
Die herkömmliche Darstellung ist, dass Nixon an die Dulles-BrĂŒder mit den Verfahren aus dem Ausschuss fĂŒr unamerikanische Angelegenheiten des Kongresses (HUAC), an denen er saĂ, herangetreten war. (34) Praktisch alle Darstellungen besagen, dass ihre Diskussion Alger Hiss betraf.
Es ist jedoch wahrscheinlich, dass nicht Hiss die dringendste Frage darstellte, als Nixon sich mit den Dulles-BrĂŒdern am 11. August 1948 traf, sondern der Mann, der damals in erster Linie das Ziel der HUAC-Untersuchung war â Harry Dexter White.
White war 1948 der Schwerpunkt der HUAC-Aufmerksamkeit gewesen, sowohl bei Elizabeth Bentleys Aussage am 31. Juli, wie auch bei der von Whittaker Chambers am 3. August. Die Befragung von White und Lauchlin Currie, den beiden Hauptzielen Bentleys (zusammen mit William Donovans Kanzleipartner Duncan Lee), stand fĂŒr den 13. August an (zwei Tage nach dem Dulles-Nixon-Treffen), zusammen mit der von Alger Hissâ Bruder Donald. Alle drei MĂ€nner wĂŒrden Bentleys Darlegung in ihrer Gesamtheit abstreiten, darunter Bentleys Vorwurf (von Chambers bestĂ€tigt), dass White âKommunisten in Regierungsposten platziert (hatte), um die Politikausrichtung zu beeinflussen.â (35)
Chambers wĂŒrde natĂŒrlich durch Hissâ zweimalige Verurteilung wegen Meineids bestĂ€tigt werden. Die hauptsĂ€chliche Bedeutung von Hiss beim Dulles-Nixon-Treffen am 11. August 1948 bestand aber als eine Herausforderung der GlaubwĂŒrdigkeit von Chambers, einem Zeugen gegen das weit wichtigere Ziel White. (36) Einer der beiden MĂ€nner, entweder Hiss oder Chambers, war offenbar des Meineids schuldig. Und Trumans Justizministerium befand sich im Vorbereitungsprozess einer Anklage wegen Meineids gegen Chambers, einem Kronzeugen gegen White. (37)
Die Dinge sollten sich fĂŒnf Tage spĂ€ter Ă€ndern. Am 16. August, drei Tage nach seiner stressigen HUAC-Aussage, starb White, nachdem er zwei schnelle Herzinfarkte erlitt. Von da an war dann Hiss das HUAC-Hauptziel (und der SchlĂŒssel zu den PrĂ€sidentschaftsambitionen von Thomas Dewey im gleichen Jahr).
Ich erwÀhne das alles aufgrund des Vorschlags vieler Autoren, dass im Washington der Nachkriegszeit entweder White diskreditiert werden musste, oder eine Reihe jener, die an der Wall Street-Berlin-Finanzachse beteiligt waren, darunter nicht nur Thomas McKittrick, sondern möglicherweise auch Prescott Bush (und vielleicht sogar Bushs Anwalt Allen Dulles), riskierte es, angeklagt zu werden. Wie Glen Yeadon und John Hawkins schreiben:
âWhite ⊠war wohl einer der wichtigsten Nachkriegszeit-Ăkonomen der Regierung. Doch aufgrund seiner liberalen Wirtschaftspolitik sowie seiner unnachgiebigen Verfolgung der FinanzgeschĂ€fte der groĂen Konzerne mit den Nazis musste er entfernt werden.â (38)
Der Tod entfernte White am 16. August 1948, fĂŒnf Tage nach dem Dulles-Nixon-Treffen am 11. August. WĂ€hrend jedoch die meisten Darstellungen aussagen, dass White an einem Herzanfall starb (z. B. Schwarz, Richard M. Nixon, 118), berichtete der gut informierte Journalist Willard Edwards im Jahre 1949, dass die Ursache von Whites Tod, nachdem er in ein Krankenhaus mit einem Herzinfarkt eingewiesen wurde, tatsĂ€chlich eine Ăberdosis Digitalis war. (39)
Summers wirft vor, dass Nixon im August 1948, als die HUAC-Untersuchung von Alger Hiss
âangesichts von Hissâ Dementis taumelte, die BestĂ€tigung erhielt, dass Hiss Chambers tatsĂ€chlich gekannt hatte. Sie kam laut CIA-Quellen von Allen Dulles. Dulles, der Jahre vorher eine Begegnung mit Hiss gehabt hatte, stand zu dieser Zeit in engem Kontakt mit seinem ehemaligen Chef Donovan, und wahrscheinlich war er eingeweiht in das, was immer der OSS auch ĂŒber Hiss erfahren hatte.“ (40)
Und Summers fragt, ob eine Geheimwaffe, die von den Dulles-BrĂŒdern und Nixon gegen White und Hiss benutzt wurde, eine tendenziöse Interpretation von Material war, das ĂŒber White und Hiss in den damals geheimen VENONA-Niederschriften des entschlĂŒsselten sowjetischen Kabel-Verkehrs bestand:
âEine faszinierende Frage, noch immer ungeklĂ€rt, ist, ob sich Nixons geheime Quellen â J. Edgar Hoover, Allen Dulles, oder andere OSS / CIA -Kontakte â 1948 der entzifferten VENONA-Botschaften â und insbesondere des ALES-Kabels [vom 30. MĂ€rz 1945] â bewusst waren, die auf Hissâ Schuld zu deuten schienen.â (41)
Er argumentiert suggestiv, dass âAllen Dulles gut möglich [von den VENONA-Beweisen] erfahren haben könnteâ; und âwenn er, wie berichtet, Nixon ĂŒber den Fall unterrichtete â dann liegt darin womöglich die ErklĂ€rung fĂŒr das Vertrauen Nixons in seiner Verfolgung von Hiss.â (42) Diese Theorie wĂŒrde auch erklĂ€ren, warum Nixon, von Hoover gedeckt, sich auf VorwĂŒrfe verlieĂ, die nun Ă€uĂerst fragwĂŒrdig aussehen â von denen der dubioseste (und doch der ĂŒberzeugendste zu der Zeit) die so genannten Pumpkin-Papiere waren.
Die Grand Jury, die einberufen war, um Chambers anzuklagen, wurde im Dezember 1948 von Nixon in einer auĂergewöhnlichen Leistung eines Kongressabgeordneten ĂŒberzeugt, stattdessen Hiss anzuklagen. Nixon tat dies durch eine umstrittene Tat, indem er der Grand Jury Kopien von Filmen aus den âPumpkin-Papierenâ gab.
âNixon war von einem anderen Kongressabgeordneten gewarnt worden, dass der Film dem Kongress gehörte und der Grand Jury nicht gegeben werden sollte. Aber Nixon, wie er spĂ€ter in seinem Buch âSix Crisesâ schrieb, sah den Film als entscheidenden Beweis fĂŒr Hissâ Schuld an, und er war ĂŒberzeugt, dass das Justizministerium die Untersuchung nicht ernst nahm, und befĂŒrchtete, dass die Grand Jury versuchen könnte, Chambers statt Hiss wegen Meineids anzuklagen.â (43)
Es ist klar, dass die VENONA-Beweise im Falle der Rosenbergs eine SchlĂŒsselrolle bei ihrer Identifikzierung und Strafverfolgung spielten. (44) Aus GrĂŒnden der nationalen Sicherheit konnte wĂ€hrend ihres Prozesses nicht enthĂŒllt werden, dass der Code der Sowjets gebrochen worden war; Ersatzbeweise, einige davon nicht ĂŒberzeugend, wurden verwendet, um eine Verurteilung zu erreichen. Das Ergebnis war, dass das US-Justizsystem einer Gabelung des Wissens unterworfen worden war, und zwar zwischen öffentlichen Beweisen, die in öffentlichen Gerichten vorgestellt wurden, und einer tieferen Geschichte, die nur denjenigen bekannt war, die zu den Geheimnissen des Tiefenstaats zugangsberechtigt waren.
Etwas wie diese Gabelung scheint auch in den noch immer strittigen FĂ€llen zuerst gegen Harry Dexter White und dann Alger Hiss aufgetreten zu sein.
Nixon, Hiss und die Pumpkin-Papiere
Was klar ist, ist, dass das gerichtliche Verfahren im Fall Hiss auĂer Kraft gesetzt und durch Nixons Wahljahr-Verfolgung von Hiss in den Medien vorherbestimmt wurde. In einer im Wesentlichen positiven Biographie ĂŒber Nixon rĂ€umt Conrad Black ein, dass âNixon Hiss angriff, wie er nur konnte, indem er einen Presse-Angriff durchgefĂŒhrt hatte, nachdem er unter Eid geschworen hatte, ĂŒber das Vorangehen der HUAC-Exekutiv-Sitzungen Vertraulichkeit zu wahren.â (45) Im GesprĂ€ch mit seinen Mitarbeitern im WeiĂen Haus am 1. Juli 1971, eine Ă€hnliche Strategie gegen das Durchsickern der Pentagon-Papiere erwĂ€gend, erinnerte Nixon selbst daran:
âWir gewannen den Fall Hiss in den Zeitungen. Wir taten es. Ich musste ĂŒberall Sachen durchsickern lassen. ⊠Er wurde in den Zeitungen gewonnen. Wir mĂŒssen jetzt ein neues Programm entwickeln, ein Programm zum Durchsickern von Informationen. Wir werden diese Leute in den Zeitungen zerstören.“ (46)
Und 1948 schlieĂlich nahmen die Zeitungen, so wie es Mainstream-Historiker wie Stephen Ambrose weiterhin taten, die âPumpkin-Papiereâ ernst â fĂŒnf Mikrofilm-Rollen, (47) die von Whittaker Chambers in einen KĂŒrbis im Freien gesteckt worden waren, wo sie von den Ermittlern am nĂ€chsten Tage wieder hervorgeholt wurden. Zwei dieser Rollen enthielten klassifizierte State Department-Kabel ĂŒber die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und ĂŒber chinesisch-japanische Angelegenheiten. (48)
Drei weitere wurden jahrzehntelang zurĂŒckgehalten; laut Nixon âmeinte das State Department noch immer ⊠dass die Veröffentlichung ⊠schĂ€dlich fĂŒr die nationale Sicherheit wĂ€re.â Als Reaktion auf eine FOIA-Klage wurde Alger Hiss 1975 erlaubt, die drei vorenthaltenen Mikrofilmrollen zu untersuchen. Zwei stammten vom US Navy Department und enthielten Anweisungen, wie Feuerlöscher, Rettungsinseln und Brust-Fallschirme zu verwenden seien; die dritte Rolle war leer. (49)
Es scheint, dass die ânationale Sicherheitâ geltend gemacht wurde, nicht um den Film zu schĂŒtzen, sondern die Reputation der Leute wie Nixon, die aus ihm Kapital schlugen. (50)
Die KĂŒrbis-Papiere liefen anders gesagt auf weit weniger hinaus als das auf das, was die Presse und die Ăffentlichkeit glaubten. Die KĂŒrbis-Papiere waren zu der Zeit aber ein Mediencoup, dank einer aufwendigen Kriegslist, die entworfen worden war, um die Papiere in den HĂ€nden des HUAC zu lassen und aus den HĂ€nden von Trumans feindlichem Justizministerium zu halten. Die Kriegslist, mit Zustimmung von Hoover entworfen, war die Arbeit von Nixon, HUACs Hauptermittler Robert Stripling und einem fast vergessenen Mastermind des Pumpkin-Papers-Szenarios: dem in Washington tĂ€tig gewesenen Journalisten Bert Andrews von der New York Herald Tribune. (51)
Am 1. Dezember 1948 brachte UP eine Agenturmeldung, die besagte:
âDie Untersuchung des Justizministeriums [von Hiss und Chambers] ist im Begriff, aus Mangel an Beweisen zu sterben. ⊠Sofern nicht bald etwas Neues auftaucht, sagten Offizielle, ergĂ€be es wenig Sinn, sich an eine Grand Jury zu wenden ⊠um zu sehen, ob es GrĂŒnde fĂŒr eine Anklage wegen Meineids gegen einen der MĂ€nner gibt.â (52)
In der gleichen Nacht, schreibt Stephen Ambrose, fuhren Stripling und Nixon zu Chambers Farm in Westminster und hörten von Chambers, dass er âeine weitere Bombeâ hatte.
âSie behalten diese zweite Bombe, sagte Nixon. Geben Sie sie an niemanden weiter, auĂer an den Ausschuss. Warum er fĂŒr Chambers an Ort und Stelle keine Vorladung unter Strafandrohung bezĂŒglich der restlichen Dokumente [die KĂŒrbis-Papiere] erlieĂ, ist ein weiteres der vielen Geheimnisse in dem Fall. Jedenfalls machte er dies nicht â er und Stripling fuhren mit leeren HĂ€nden zurĂŒck. ⊠ZurĂŒck in Washington, rief Nixon Bert Andrews an, [der ihm sagte:] âTreiben Sie Bob Stripling auf. Sagen Sie ihm, er soll fĂŒr Chambers eine Vorladung erstellen, um alles und jedes zu produzieren, was sich noch in seinem Besitz befindet.â (53)
Eine Pro-Nixon-Biographie fasst die Folgen zusammen:
„Am nĂ€chsten Abend stellte in einer Nacht-und-Nebel-Szene, die die nationale Phantasie befeuerte, ein Agent des Ausschusses dem Ex-Kommunisten eine Vorladung zu; Chambers fĂŒhrte ihn in der Dunkelheit zu einem KĂŒrbis in seinem Garten, und aus dem KĂŒrbis zog er fĂŒnf Mikrofilmrollen heraus, die Photokopien von vertraulichen und geheimen Dokumenten enthielten, die aus dem State Department gestohlen worden waren. Eine New Yorker Grand Jury, die am Rande einer Anklage von Whittaker Chambers wegen Meineids stand, ging ins Gegenteil ĂŒber, als Nixon nach New York stĂŒrzte und aussagte, dass es Hiss gewesen sein muss, der gelogen habe, indem er gesagt hatte, dass er keine offiziellen Dokumente an Chambers gegeben habe.â (54)
Diese Darstellung erwĂ€hnt nicht, dass, wie eine konservative Website jetzt einrĂ€umt, der KĂŒrbis einer war, den Chambers âin der Nacht zuvor ausgehöhlt hatteâ â also in der Nacht vor Nixons Besuch. (55)
Was die nationale Phantasie ebenfalls befeuerte, waren die dramatischen Bilder von Nixon, der auf eine Seereise gegangen war, âin theatralischer Manierâ wieder zurĂŒckkam, âvon seinem Schiff in ein Wasserflugzeug der KĂŒstenwache wechselte, und dann nach Florida flog, um einer Schar von Reportern zu begegnen.â (56) Das ist die Antwort auf das Geheimnis von Ambrose, warum weder die Vorladung am 1. Dezember von Nixon zugestellt wurde, noch die Mikrofilmrollen einfach mitgenommen worden waren.
âDie Chambers-Hiss-Kontroverse ⊠war wieder auf den Titelseiten der Zeitungen. Reporter und Fotografen ⊠schwĂ€rmten gen Westminster aus. Selbst seriöse Tageszeitungen brachten Bilder mit Pfeilen, die auf das KĂŒrbisbeet wiesen. Und es gab den Mikrofilm. Der Inhalt blieb geheim und unter 24 Stunden-Bewachung. ⊠Jedoch lieĂ [Stripling] Bert Andrews einige der Dokumente lesen.â (57)
Bei alledem war Nixon von Andrews darauf vorbereitet worden, âwie die Hiss-Chambers-Konfrontation zu handhaben war.â (58) David Halberstam fĂŒgt hinzu:
âZu dieser Zeit war Andrews nicht nur ein Reporter, der eine Geschichte berichtete, er war freundschaftlicher Berater, Pressesprecher und Reporter fĂŒr Nixon. ⊠Er hatte Nixon zur Ruhe gebracht und ihn beraten, und er beriet ihn weiterhin zu anderen Entwicklungen in diesem Fall durch seine Quellen im WeiĂen Haus. ⊠Andrews erwies sich als wertvoller Kontakt und Freund. Er half nicht nur beim Informieren des jĂŒngeren, rohen Nixon bezogen auf Strategie, er half auch, ihn bei anderen Reportern zu legitimieren.â (59)
Die Presse-Reaktion auf die KĂŒrbis-Papiere zu der Zeit war eher gemischt, und viele liberale Journalisten waren noch immer geneigt, den sprachgewandten Hiss dem jungen Emporkömmling Nixon vorzuziehen. Aber diese UnterstĂŒtzung schwand nach Hissâ Verurteilung im Jahre 1950, möglicherweise beeinflusst durch Russlands erfolgreichen Test einer Atombombe. Die öffentliche Kritik an dem âKĂŒrbis-Papierâ-Drama â oder der âKĂŒrbis-Papiereâ-Farce â war eng auf Hissâ schwindende UnterstĂŒtzer beschrĂ€nkt, vor allem nach der Verurteilung der Rosenbergs wĂ€hrend des Korea-Krieges, als die Wahl, die jedermann vorgestellt wurde, nunmehr die war, entweder die Seite der Regierung zu ĂŒbernehmen oder die des kommunistischen Feindes.
1968 war der Kolumnist Drew Pearson ein AuĂenseiter mit seinem unpopulĂ€ren Tadel der US-Presse dafĂŒr, dass sie âdie Tatsache unter den Teppich gekehrt (hatte), dass die KĂŒrbis-Papiere dort als unechter, aber sensationeller Plot untergeschoben worden waren, sodass [Nixon] sie entdecken und Schlagzeilen machen konnte.â (60) Ich glaube aber, Pearsons gesalzener Vorwurf war gerechtfertigt gewesen.
Die Presse-Berichterstattung ĂŒber die âKĂŒrbis-Papiereâ im Jahre 1948 war intensiv, weil die Ăffentlichkeit wegen legitimer Anliegen aufgerĂŒttelt war, die viel weiter als das Schicksal von Alger Hiss gingen. Ein gröĂeres Problem â wie sehr sich die USA zur UnterstĂŒtzung von Chiang Kai-shek verpflichten sollten â weckte einen engeren Teil der amerikanischen Ăffentlichkeit als andere: Wie konnten Roosevelt und Churchill 1945 in Jalta die Ăbergabe des katholischen Osteuropa in die HĂ€nde von Stalin ratifizieren.
Hiss hatte Roosevelt und seinen AuĂenminister Edward Stettinius nach Jalta begleitet. Nur wenige wĂŒrden dem âfĂ€lschlicherweise behauptetenâ Vorwurf von Senator McCarthy zustimmen, âdass Hiss integral an der Ausarbeitung der Vereinbarungen von Jalta beteiligt war.â (61) Zu der Zeit war die Möglichkeit des Hochverrats von White und Hiss jedoch eine ungelöste Frage, die vom republikanischen Wahlkampfleiter Herbert Brownell in seiner erfolglosen Kampagne von 1948 zur Wahl von Gouverneur Thomas Dewey und in seiner erfolgreichen Kampagne von 1952 zur Wahl von Eisenhower krĂ€ftig ausgeschlachtet wurde. Sie trug somit dazu bei, dass John Foster Dulles AuĂenminister und Allen Dulles Direktor der Central Intelligence Agency wurde.
Die beiden BrĂŒder illustrierten prompt ihren Bruch mit Trumans AuĂenpolitik, indem sie genehmigten, was Truman abgelehnt hatte: den Einsatz von CIA-Ressourcen, um die Anglo-Iranian Oil Company (heute BP) vor der Verstaatlichung durch den Iran zu retten. Die Tore waren fĂŒr vier Jahrzehnte geöffnet worden, in denen die Ressourcen des amerikanischen tiefen Staats verwendet werden wĂŒrden, um US-Unternehmensinteressen im Ausland durch das ZertrĂŒmmern von lokalen Regierungen, die demokratisch gewĂ€hlt worden waren, zu verteidigen â von Guatemala 1954 bis hin zu Panama 1989. (62)
Die VorwĂŒrfe gegen White und Hiss nĂ€hrten auf Jahre die phobische Hysterie, an die wir uns als die McCarthy-Ăra erinnern. Und leider tun sie das bis zur Gegenwart weiterhin. (63)
Auf der institutionellen Ebene waren die Ergebnisse des Washington-Wall-Street-Konflikts, zumindest anfangs, weniger deprimierend. Deutschland wurde als die stĂ€rkste Wirtschaft Westeuropas wiederaufgebaut; der Nationalsozialismus jedoch wurde nicht ernsthaft wiederbelebt. Die Ăra des privaten Bankeneinflusses, wie von der BIZ symbolisiert, wurde ebenfalls restauriert, aber in einem neuen Rahmen, der auch die öffentlichen Institutionen des Internationalen WĂ€hrungsfonds und der Weltbank aufnahm.
Ein Vierteljahrhundert lang, bis es unter Nixon 1971 endete, funktionierte das Bretton Woods-System weitestgehend, und die BIZ funktionierte als Teil der Infrastruktur. Amerika florierte; und es gab Anzeichen fĂŒr eine gesunde Reduktion der Einkommensunterschiede, nicht nur in Amerika, sondern auch in der Dritten Welt. Die Forschungen des Ăkonomen Thomas Piketty ĂŒber die reduzierte Einkommensungleichheit der damaligen Zeit diskutierend, hat Richard Brinkman geschrieben:
âDie Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von 1950 bis 1973 wird Goldene Zeitalter genannt ⊠eine AnnĂ€herung an das Beste, das man in der Praxis von einer kapitalistischen Wirtschaft erhalten kann.â (64)
Dank des Vietnam-Kriegs und anderer Faktoren verlieĂ Amerika den Goldstandard im Jahre 1971. Seitdem wurde der Dollar durch ein System hoher Erdölpreise, die hoch profitabel fĂŒr das Ăl-Kartell sind, aufrechtgehalten, fĂŒr die zunehmend verarmte LĂ€nder der Dritten Welt gezwungen sind, in Dollar zu zahlen.
Das ist eine andere Geschichte, zu komplex, um hier erzĂ€hlt zu werden. Aber ein wichtiger Faktor fĂŒr den spĂ€teren Zusammenbruch des Bretton Woods-Systems war der Erfolg der GebrĂŒder Dulles bei der Befreiung der Wall Street und der Ălkonzerne von den Fesseln des Gesetzes.
Quellenangaben:
1 Steve Coll, Private Empire: ExxonMobil and American Power (New York: Penguin Press, 2012), 19-20. The name Exxon was used from 1973.
2 Bryce Wood, The Dismantling of the Good Neighbor Policy (Austin: University of Texas Press, 1985), 159: âIn writing to Truman on 3 May 1961 about the Bay of Pigs fiasco, Acheson said: Why we ever engaged in this asinine Cuban adventure, I cannot imagine. Before I left [the department] it was mentioned to me and I told my informants how you and I had turned down similar suggestions for Iran and Guatemala and why I thought this Cuban idea had been put aside, as it should have beenâ [citing Dean Acheson, Among friends: personal letters of Dean Acheson, ed, David S. McLellan and David C. Acheson (New York: Dodd, Mead, 1980), 159].
3 Tom Wicker, New York Times, April 29, 2966.
4 Paul S. Boyer et al., The Enduring Vision: a history of the American people, Volume II (Lexington, MA: D.C. Heath and Co., 1995), 812.
5 Some in Washington wished to indict other Wall Street figures for wartime collaboration with Nazi Germany. Among those investigated were Herbert Walker and his son-in-law Prescott Bush (father of George H.W. Bush), for their role in representing the American interests of Fritz Thyssen, the German mogul who financed Hitler. According to John Loftus, Allen Dulles may also have been involved: âIf the investigators realized that the US intelligence chief in postwar Germany, Allen Dulles, was also the Rotterdam bankâs lawyer, they might have asked some very interesting questions. They did not know that Thyssen was Dullesâ client as well. Nor did they ever realize that it was Allen Dullesâs other client, Baron Kurt Von Schroeder who was the Nazi trustee for the Thyssen companies which now claimed to be owned by the Dutch. The Rotterdam Bank was at the heart of Dullesâ cloaking scheme, and he guarded its secrets jealouslyâ (John Loftus, âHow the Bush Family Made Its Fortune from the Nazis,â Tetrahedron.org, September 27, 2000; cf. John Loftus and Mark Aarons, The Secret War Against the Jews New York: St. Martinâs Press, 1994], 358-60).
6 Adam LeBor, âMeet the American Banker Who Helped Hitler Loot Jewish GoldâWhile Spying for the OSS,â Tablet: A New Read on Jewish Life, August 30, 2013,
7 Frank W. Thackeray, ed., Events that Changed Germany (Westport, CT: Greenwood Press, 2004), 170. For text of JCS 1067, see here.
8 James Srodes, Allen Dulles: master of spies (Washington: Regnery, 2009), 373.) For a relatively dispassionate account of Allen Dullesâs wartime opposition to Rooseveltâs intentions to de-industrialize Germany, see e.g. Stuart Eizenstat, co-
ordinator, âU.S. and Allied Efforts To Recover and Restore Gold and Other Assets Stolen or Hidden by Germany During World War,â 37:
âDulles looked forward to a postwar settlement that envisioned the United States working closely with European business and banking circles to reshape Western and Central Europe according to American interests.â See also Stuart Eizenstat, Imperfect Justice: Looted Assets, Slave Labor, and the Unfinished Business of World War II (Jackson, TN: PublicAffairs, 2009).
9 Two other relevant examples: Truman in 1945 terminated General Donovanâs plans to convert OSS into a peacetime CIA; but two years later he was persuaded to accept a plan, drafted largely by Allen Dulles, for just such a CIA. In 1948 Defense Secretary James Forrestal preferred that funds for the anti-Communist parties in the 1948 Italian election should be raised privately, and the hat was passed at the elite Brook Club in New York. But Allen Dulles, still just a lawyer, persuaded the CIA to take over the funding program.
10 Adam LeBor, „Meet the American Banker Who Helped Hitler Loot Jewish GoldâWhile Spying for the OSS,“ Tablet: A New Read on Jewish Life, August 30, 2013.
11 Eric Rauchway, âHow the Soviets saved capitalism,â TLS: The Times Literary Supplement, April 5, 2013.
12 Anthony Summers with Robbyn Swan, The Arrogance of Power: The Secret World of Richard Nixon (New York: Viking, 2000), 63.
13 âOn February 8, 1951, about a month before the scheduled start of the trial, the Joint Congressional Committee on Atomic Energy met in secret session in Washington to discuss the Rosenberg prosecution⊠The main purpose of the meeting was to determine what classified information could be made public at the trialâ (Curt Gentry, J. Edgar Hoover: the man and the secrets [New York: Norton, 1991], 421)
14 Adam Lebor, Tower of Basel: the shadowy history of the secret bank that runs the world (New York: Public Affairs, 2013), 17. Cf. p. 37: âThe Standard Oil-IG Farben agreement set the pattern for a series of powerful cartels. John Foster Dulles carried out much of the pioneering legal work for these.â
15 Lebor, Tower of Basel, 95. White was the principal author of the so-called Morgenthau Plan to deindustrialize Germany. At the same time, White âtried without success [against Morgenthau] to soften the plan by allowing Germany to rebuild the industries in the Ruhr under international supervisionâ (James M. Boughton, âThe Case against Harry Dexter White: Still Not Provenâ [IMF Working Paper WP/00/149, 2000], 12.) This fact challenges one of the common claims against White: that he wished to weaken Germany in order to please the USSR.
16 Lebor, Tower of Basel, 96.
17 Lebor, Tower of Basel, 121-22, 124. Cf. Benn Steil, The Battle of Bretton Woods: John Maynard Keynes, Harry Dexter White, and the making of a new world order (Princeton: Princeton University Press, 2013); James Calvin Baker, Bank for International Settlements: Evolution and Evaluation (Westport, CT: Greenwood Press, 2002), 7: âDuring World War II, some attempts were made to abolish the BIS, so the Federal Reserve delayed joining the Board. After the war, the International Monetary Fund (IMF) and the World Bank were established at the Bretton Woods, New Hampshire, conference to form agencies to facilitate the finance and development operations of the United Nations. U.S. officials believed the BIS operations might be co-opted by these new agencies. However, the United States position on this matter was mellowed by the belief that the BIS might be able to perform beneficial operations with the IMF especially and, perhaps, with the World Bank.â
18 Frank W. Thackeray, ed., Events that Changed Germany (Westport, CT: Greenwood Press, 2004), 170. For text of JCS 1067, see here.
19 Lebor, Tower of Basel, 120.
20 James Srodes, Allen Dulles: master of spies (Washington: Regnery, 2009), 373.) For a relatively dispassionate account of Allen Dullesâs wartime opposition to Rooseveltâs intentions to de-industrialize Germany, see e.g. Stuart Eizenstat, co-ordinator, âU.S. and Allied Efforts To Recover and Restore Gold and Other Assets Stolen or Hidden by Germany During World War,â 37:
âDulles looked forward to a postwar settlement that envisioned the United States working closely with European business and banking circles to reshape Western and Central Europe according to American interests.â See also Stuart Eizenstat, Imperfect Justice: Looted Assets, Slave Labor, and the Unfinished Business of World War II (Jackson, TN: PublicAffairs, 2009).
21 Lebor, Tower of Basel, 138.
22 James Calvin Baker, The Bank for International Settlements: Evolution and Evaluation (Westport, CT: 2002), 203. Cf. John Singleton, Central Banking in the Twentieth Century (Cambridge: Cambridge University Press, 2011), 149: âIn 1948 the BIS agreed to return 3,740 kg of looted gold to the original owners. After this concession, the US assets of the BIS, which had been frozen during the war, were unblocked.â
23 Loftus and Aarons, The Secret War Against the Jews, 109-13. Citing testimony from a former naval intelligence officer, Daniel Harkins, they claim that some of the funds were cycled through the post-war âWorld Commerce Corporation, with Allen Dulles, naturally, as their lawyerâ (110). Cf. Mark Aarons and John Loftus, Unholy Trinity: The Vatican, The Nazis, and The Swiss Banks (New York: St. Martinâs/ Griffin, 1998), 278-79. I discuss their claims in American War Machine, 54-56.
24 Baker, Bank for International Settlements, 203.
25 Lebor, Tower of Basel, 140.
26 For the case against White, see e.g. John Earl Haynes and Harvey Klehr, Venona: Decoding Soviet Espionage in America (New Haven: Yale University Press, 1999), 125-26, 139. For rebuttal, see e.g. James M. Boughton, âThe Case against Harry Dexter White: Still Not Proven,â IMF Working Paper WP/00/149, 2000, 1:âEvaluation of that [VENONA and other new] evidence in the context of Whiteâs career and worldview casts doubt on the case against him and provides the basis for a more benign explanation.â
27 Whittaker Chambers, Witness (New York: Random House, 1952], 431; discussion in David Chambers (Whittaker Chambersâ grandson), âThe Baffling Harry White,â History News Network, May 21, 2012.
28 John Loftus and Mark Aarons, The Secret War Against the Jews, 222; citing âConfidential interviews, former agents, U.S. CIC; former officers, U.S. MIS; former officers and agents, SSU, CIG, and OPCâ (557n17).
29 Anthony Summers with Robbyn Swan, The Arrogance of Power: The Secret World of Richard Nixon (New York: Viking, 2000), 63.
30 Loftus and Aarons, The Secret War Against the Jews, 221.
31 On March 26, 1943, Congressman Jerry Voorhis introduced a resolution in the House of Representatives calling for an investigation of the Bank for International Settlements, including âthe reasons why an American retains the position as president of this Bankâ (John Spritzler The people as enemy: the leadersâ hidden agenda in World War Two [Montreal: Black Rose Books, 2003], 97; cf. Lebor, Tower of Basel, 97).
32 Summers, The Arrogance of Power, 46-47. With limited evidence, Russell Baker also suspects that Prescott Bush, another prominent member of the BIS German-American financial complex, may have flown to California and participated in the Nixon campaign (Family of secrets: the Bush dynasty, the powerful forces that put it in the White House, and what their influence means for America, New York: Bloomsbury Press, 2009], 162-164).
33 Loftus and Aarons, The Secret War Against the Jews, 156. Dillon Read had handled 29 percent of the Wall Street financing of German reparations (Antony C. Sutton, Wall Street and the rise of Hitler [Seal Beach, CA: ‘76 Press, 1976], 29).
34 Conrad Black, Richard M. Nixon: A Life in Full (New York: PublicAffairs, 2007), 113.
35 Lewis Hartshorn, Alger Hiss, Whittaker Chambers and the Case That Ignited McCarthyism, 42. Today almost no one believes this. The accepted charges against White are that he shared information, and possibly passed documents, that reached the Soviet Union.
36 The sensational charges against Hiss, such as that he was the architect of betrayal at Yalta, would come later.
37 G. Edward White, Alger Hissâs Looking-glass Wars: The Covert Life of a Soviet Spy (Oxford: Oxford University Press, 2004), 62.
38 Glen Yeadon and John Hawkins, The Nazi Hydra in America (Joshua Tree, CA: Progressive Press, 2008), 195; cf. 193-94, 273-74, 368-70, etc.
39 Willard Edwards, âHiss spy paper linked to late treasury aid,â Chicago Daily Tribune, November 29, 1949, 1-2. The doctor who signed Whiteâs death certificate (and who was not present when White died) later denied that digitalis was a factor. More recently the right-wing author John Koster has charged (with no evidence other than a contemporary movie which White might have seen) that White overdosed on digitalis in order to commit suicide (John P. Koster, Operation Snow: how a Soviet mole in FDRâs White House triggered Pearl Harbor Washington: Regnery Publishing, 2012], 204-05).
40 Summers, The Arrogance of Power, 63; citing Peter Grose, Gentleman spy: the life of Allen Dulles (Boston: Houghton Mifflin, 1994), 297n (run-in).
41 Summers, The Arrogance of Power,“ 78. An anti-Hiss author has implied the opposite, suggesting from an annotation in the file that the identification of ALES as Hiss was made much later, in 1969 (White, Alger Hissâs looking-glass wars, 225). But a partially declassified FBI memo from 1950, viewable on line here, makes it clear that by then the FBI was already investigating the possibility that Hiss was ALES, who had reportedly flown to Moscow after the Yalta conference (âThe Alger Hiss Story: Venona and the Russian Filesâ).
42 Summers, Arrogance of Power, 78.
43 Benjamin Weiser, âNixon Lobbied Grand Jury to Indict Hiss in Espionage Case, Transcripts Reveal,â New York Times, October 12, 1999: âJudge Peter K. Leisure of Federal District Court in Manhattan, who ordered the release after reviewing detailed summaries of the transcripts, had ruled that an exception to traditional grand jury secrecy should be made for the archive.
ââThe court finds the public has a significant interest in disclosure of Nixonâs testimony,â Judge Leisure wrote. âGrand jury testimony by a Congressional official allegedly attempting to influence a grand juryâs charging decisions is of inherent and substantial historical importance.ââ
44 Herbert Romerstein and Eric Breindel, The Venona Secrets: Exposing Soviet Espionage and Americaâs Traitors (Washington: Regnery, 2000), 233-34.
45 Conrad Black, Richard M. Nixon: A Life in Full (New York: PublicAffairs, 2007), 122.
46 âPresident Nixon Remembers the Alger Hiss Case: Selected References from the Nixon Tapes,â Stanley I. Kutler (ed.), Abuse of Power: The New Nixon Tapes (New York: Free Press, 1997), 7.
47 In addition, the materials produced by Chambers âincluded a long letter in Harry Whiteâs own handwritingâ (Haynes and Klehr, Venona: decoding Soviet espionage in America, 139).
48 Black, Richard M. Nixon, 131. My on-line investigations have failed to find a more detailed description of these cables. Blackâs account should however be enough to establish that, if the microfilms did in fact come from Hiss, then Hiss was not, as many believe, the âALESâ of VENONA cable traffic, whose work was described as âobtaining military information onlyâ (see facsimile reproduced in Summers, Arrogance of Power, 493).
49 Gentry, J. Edgar Hoover, 362n; quoting from Richard Nixon, The Memoirs of Richard Nixon (New York: Grosset and Dunlap, 1978), 69. The five rolls are now deposited in the National Archives (Record Group 60.3.5), Black was in error when he claimed that the withheld rolls contained âNavy Department secret filesâ (Black, Richard M. Nixon, 130); the Navy files were publicly available.
50 This impression is corroborated by the odd fact that the records of the long-defunct HUAC committee âwere sealed, in 1976 [under Ford], for an additional fifty yearsâ (Summers, Arrogance of Power, 77).
51 At the time Andrews âvowed that he could make Nixon presidentâ (Tim Weiner, Enemies: a history of the FBI [New York: Random House, 2012], 476n).
52 We now know that on December 3 the Justice Department notified the FBI that an indictment of Chambers [for perjury] was contemplated (Athan Theoharis, Chasing spies: how the FBI failed in counterintelligence but promoted the politics of McCarthyism in the Cold War years [Chicago : Ivan R. Dee, 2002], 115; citing Allen Weinstein, Perjury: the Hiss-Chambers case New York : Random House, 1997], 271). Not surprising, since by this time Chambers was a self-admitted perjurer!
53 Stephen E. Ambrose, Nixon: The Education of a Politician 1913-1962, 128 (emphasis in original); Robert O. Blanchard, ed., Congress and the news media (New York, Hastings House, 1974), 305.
54 Gary Allen, Nixon: The Man Behind the Mask (Boston, Western Islands, 1971].
55 âAlger Hiss,â emphasis added. The brevity of the storage in the pumpkin (not known at the time) is also conceded by John Earl Haynes and Harvey Klehr: âThe film had actually been in the pumpkin only since that morningâŠ. Chambers explained later that he had briefly hidden the film in the pumpkin because he had feared that agents from Hissâs defense team would steal itâ (John Earl Haynes and Harvey Klehr, Early Cold War spies: the espionage trials that shaped American politics [Cambridge: Cambridge University Press, 2006], 108).
56 Summers, The Arrogance of Power, 69. The day before leaving, Nixon reportedly told the House doorkeeper, William Miller, ââIâm going to get on a steamship, and you will be reading about it/ I am going out to sea, and they are going to send for me. You will understand when I get back.â⊠Coast Guard logs also reportedly suggest that arrangements for Nixonâs return had been made even before his ship left harbor in New York, which would confirm suspicion that the trip was a charade to ensure maximum publicity.â (loc. cit., 70; citing William Miller, Fishbait: The Memoirs of the Congressional Doorkeeper Englewood Cliffs, NJ: Prentice Hall, 1977], 41-).
57 Sam Tanenhaus, Whittaker Chambers: A Biography (New York: Random House, 1997), 305.
58 Donald A. Ritchie, Reporting from Washington: The History of the Washington Press Corps (New York: Oxford University Press, 2005), 75. Ritchie, like many other authors, writes that Nixon (and Stripling) went out to the pumpkin field accompanied by Bert Andrews (Donald A. Ritchie, Reporting from Washington: The History of the Washington Press Corps New York: Oxford University Press, 2005], 75). Ritchie and the rest are probably relying on the badly edited posthumous memoir of Andrews, ed. Peter Andrews, A tragedy of history; a journalistâs confidential role in the Hiss-Chambers case (Washington: Robert. B. Luce, 1962]. Cf. U.S. State Department, History of the Bureau of Diplomatic Security of the United States, 56: âOn December 2, 1948, Andrews joined Nixon on a trip to Chambersâ farm near Westminster, Maryland.â But on December 2, Nixon was already beginning his preplanned sea voyage.
59 David Halberstam, The Powers That Be (New York: Knopf, 1979), 260.
60 Drew Pearson, Toledo Blade, August 4, 1968. Pearson added, âThanks in part to Bert Andrews of the New York Herald Tribune, Mr. Nixonâs mentor, the headlines helped catapult Mr. Nixon into the Senate.â
61 Sheldon Anderson, Condemned to repeat it: âlessons of historyâ and the making of U.S. Cold War containment policy (Lanham, MD: Lexington Books, 2008), 95.
One who still blames the Yalta handover on Hiss (and on Harry Hopkins, another alleged Soviet agent) is Christina Shelton, in Alger Hiss: Why He Chose Treason (New York: Simon & Schuster, Threshold Editions, 2012), 121-22.
62 The J. Henry Schröder & Co. Bank and J. Henry Schroder Banking Corporation (Schrobanco, the firm of which Allen Dulles had been an officer) had a financial stake in all three of Allen Dullesâ major CIA covert operations. Schröder had financed the creation of Anglo-Persian (later Anglo-Iranian) oil: thus Frank Cyril Tiarks was a partner both in J. Henry Schröder & Co., and also in the Anglo-Iranian Oil Company (1917-1948). (He was also a member of the Ribbentrop-inspired Anglo-German Fellowship and of the British Union of Fascists.) Schrobanco had a stake in the International Railways of Central America, a firm developed in conjunction with what became United Fruit in order to ship out United Fruitâs bananas in Guatemala. Both Schröders and Schrobanco were heavily invested in Cuban sugar; and M.E. Rionda, president of Cuba Cane Corporation, was a member of Schrobancoâs board.
63 The surrender at Yalta of Eastern Europe to Soviet domination is still blamed on Hiss (and on Harry Hopkins, another alleged Soviet agent) by retired DIA intelligence analyst Christina Shelton, in Alger Hiss: Why He Chose Treason (New York: Simon & Schuster, Threshold Editions, 2012), 121-22. Cf. Ann Coulter, Treason: liberal treachery from the cold war to the war on terrorism (New York: Crown Forum, 2003).
64 Richard Brinkman, Corporate Pharaohs: A Vicious Circle of Globalization (Xlibris Corp, 2013.), 234.
Ăbersetzung Lars Schall
Dieser Artikel erschien bereits auf LarsSchall.com. Die Veröffentlichung erfolgte mit ausdrĂŒcklicher Genehmigung von Lars Schall.
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14.05.2012 PROJEKT PANEUROPA (I): Das âAmerikanische Komitee fĂŒr ein Vereinigtes Europaâ
William Joseph Donovan, ehemaliger Geheimdienstchef des Office of Strategic Services (OSS), fungierte im Status einer Zivilperson als GeschĂ€ftsfĂŒhrer. Stellvertretender GeschĂ€ftsfĂŒhrer der ACUE wurde der fĂŒnf Jahre spĂ€ter ins Amt berufene CIA-Direktor Allen Welsh Dulles, dessen Bruder John Foster Dulles zeitgleich ab 1953 den Posten des Aussenminister der Vereinigten Staaten von Amerika begleitete. Der Onkel der beiden BrĂŒder, Robert Lansing, war als US-Aussenminister nach dem Ersten Weltkrieg an der Gestaltung des Versailler Vertrages beteiligt und wurde von John Foster Dulles beraten.
