Terroristen auf dem Schachbrett

Um dem Mysterium “9/11” auf die Spur zu kommen, ist es nicht verkehrt, dem Fall von zweien der angeblichen 19 FlugzeugentfĂŒhrer, Khalid Al-Midhar und Nawaf Al-Hazmi, Beachtung zu schenken. HĂ€tte ein kleines, einzugrenzendes Element innerhalb der CIA die beiden Möchtegern-Terroristen nicht erfolgreich ĂŒber 18 Monate hinweg vor einem Zugriff des FBI geschĂŒtzt, wĂ€ren sie wohl nie an Bord des Flugzeugs gewesen, das am 11. September 2001 Kurs aufs Pentagon nahm.

Von Peter Dale Scott, Übersetzung Lars Schall

Die Übersetzung des nachfolgende Essays, der im Original unter der Überschrift “Launching the U.S. Terror War: the CIA, 9/11, Afghanistan, and Central Asia“ hier auf The Asia-Pacific Journal erschien, wurde von Peter Dale Scott ausdrĂŒcklich und persönlich fĂŒr LarsSchall.com autorisiert.

Peter Dale Scott, einer der scharfsinnigsten und provokantesten Denker unserer Zeit, ist ein ehemaliger kanadischer Diplomat und Professor fĂŒr Englisch an der University of California, Berkeley. Der Sohn des bekannten kanadischen Dichters und Verfassungsrechtlers F.R. Scott und der Malerin Marian Dale Scott, der in Montreal, Kanada am 11. Januar 1929 geboren wurde, zog im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Menge Aufmerksamkeit fĂŒr seine politisch-historischen Schriften an.

Scott studierte an der McGill University, Montreal und am University College, Oxford. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Die sozialen und politischen Ideen von T.S. Eliot”. Er unterrichtete zunĂ€chst an der Sedbergh School und an der McGill University. Danach trat er in dem kanadischen Department of External Affairs (1957-1961) und der kanadischen Botschaft in Warschau, Polen (1959-1961) bei. Ins akademische Leben zurĂŒckkehrend, lehrte Peter Dale Scott 30 Jahre lang an der University of California, ehe er 1994 emeritierte.

Seine Prosa-BĂŒcher umfassen u. a.:

The War Conspiracy (1972)

The Assassinations: Dallas and Beyond (in Zusammenarbeit, 1976)

Crime and Cover-Up: The CIA, the Mafia, and the Dallas-Watergate Connection (1977)

Einleitung zu Henrik Krugers The Great Heroin Coup: Drugs, Intelligence, & International Fascism (1980)

The Iran-Contra Connection (in Zusammenarbeit, 1987)

Cocaine Politics: Drugs, Armies, and the CIA in Central America (in Zusammenarbeit, 1991, 1998)

Deep Politics and the Death of JFK (1993, 1996)

Deep Politics Two: Essays on Oswald, Mexico, and Cuba (1995, 2007)

Drugs, Oil and War (2003)

The Road to 9/11: Wealth, Empire and the Future of America (September 2007)

The War Conspiracy: JFK, 911, and the Deep Politics of War (2008 Neuauflage und Erweiterung der Ausgabe von 1972)

American War Machine: Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan (2010)

Seine wichtigsten GedichtbĂ€nde sind die drei BĂ€nde der Trilogie “Seculum“:

Coming to Jakarta: A Poem About Terror (1989)

Listening to the Candle: A Poem on Impulse (1992)

Minding the Darkness: A Poem for the Year 2000 (2000)

ZusÀtzlich hierzu veröffentlichte er:

Crossing Borders: Selected Shorter Poems (1994)

Mosaic Orpheus (2009)

In seinen Prosa-BĂŒchern ist Scott besonders daran interessiert, die so genannte “Tiefenpolitik“ / “Deep Politics” zu untersuchen. Er definiert “Deep Politics” auf diese Weise: “All jene politischen Praktiken und Arrangements, absichtlich oder nicht, die im öffentlichen Diskurs eher verdrĂ€ngt, statt anerkannt werden.“ Damit verbunden sind “Tiefenereignisse” / “Deep Events”, die Scott als “die traumatischen und unerwarteten Episoden” definiert, “die in unserer Geschichte immer wieder vorkommen und sie grundlegend verĂ€ndern, allerdings immer zum Schlimmeren. Diese ‘Tiefenereignisse’ können niemals angemessen untersucht oder verstanden werden, weil sie eine geheimdienstliche Dimension aufweisen, die sowohl seitens der Regierung, als auch seitens der etablierten Medien zu einem gesellschaftlich auferlegten Mantel des Schweigens fĂŒhrt.”

Scotts eigene Website findet sich unter: www.peterdalescott.net.

Terroristen auf dem Schachbrett
von Peter Dale Scott

Die Planung einer Reihe von Provokationen, um eine militĂ€rische Intervention zu rechtfertigen, ist machbar und könnte mit den verfĂŒgbaren Ressourcen erreicht werden. – Report an den Generalstab der US-Armee vom Mai 1963.  (1)

Am 11. September 2001, innerhalb von Stunden nach den mörderischen 9/11-Angriffen, verpflichteten Bush, Rumsfeld und Cheney Amerika zu dem, was sie spĂ€ter als “Krieg gegen den Terror ” bezeichneten. Er sollte richtigerer Weise, wie ich glaube, “Terror-Krieg“ genannt werden; einer, in dem Terror von allen Teilnehmern, sowohl staatlichen wie auch nicht-staatlichen Akteuren, wiederholt gegen die Zivilbevölkerung gerichtet wurde. Er sollte auch als Teil eines grĂ¶ĂŸeren, ja globalen Prozesses angesehen werden, in dem Terror gegen die Zivilbevölkerung in miteinander verbundenen Kampagnen von allen GroßmĂ€chten benutzt wurde, einschließlich der von China in Xinjiang und von Russland in Tschetschenien, aber auch durch die Vereinigten Staaten (2). Der Terror-Krieg sollte im globalen Kontext vielleicht als die neueste Stufe der jahrhundertelangen Ausbreitung der transurbanen Zivilisation in Gebiete des meist lĂ€ndlichen Widerstands gesehen werden – Gebiete, in denen sich herkömmliche Formen der KriegsfĂŒhrung, entweder aus geographischen oder kulturellen GrĂŒnden, als ergebnislos erweisen.

Der Terror-Krieg wurde offiziell von George W. Bush am Abend des 11. September 2001 mit seiner ErklĂ€rung an die amerikanische Nation erklĂ€rt, dass “(w)ir keinen Unterschied zwischen den Terroristen, die diese Taten begangen haben, und denjenigen, die ihnen Unterschlupf gaben, machen (werden).” (3) Die Vorstellung aber, dass es bei Bushs Terror-Krieg um die Verfolgung von tatsĂ€chlichen Terroristen ging, verlor 2003 an GlaubwĂŒrdigkeit, als er auf Saddam Husseins Irak angewandt wurde, ein Land, das dafĂŒr bekannt war, von Terroristen angegriffen worden zu sein, aber nicht dafĂŒr, das es sie beherbergte. (4) Sie verlor noch mehr an GlaubwĂŒrdigkeit mit der Publikation des so genannten Downing Street Memo in Großbritannien 2005, in dem der Leiter des britischen Geheimdienstes MI6 nach einem Besuch in Washington im Jahre 2002 berichtete, dass “Bush Saddam Hussein durch eine militĂ€rische Aktion entfernen wollte, gerechtfertigt durch die Verbindung von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen. Doch die Geheimdiensterkenntnisse und Fakten wurden rund um die Politik festgelegt.” (5) Es folgten falsche Geschichten im Laufe der Zeit, die den Irak mit Massenvernichtungswaffen, Milzbranderregern (Anthrax) und Uranium aus dem Niger verknĂŒpften.

Dieser Essay wird zeigen, dass vor 9/11 ein kleines Element innerhalb der CIA Bin Laden-Einheit, die so genannte Alec Station Group, auch damit beschĂ€ftigt war, Geheimdienstinformationen “festzulegen“, indem es sie unterdrĂŒckte, und zwar in einer Weise, die den Terror-Krieg versehentlich oder absichtlich ermöglichte. Sie taten dies durch das ZurĂŒckhalten von Hinweisen vor dem FBI vor 9/11 ĂŒber zwei der spĂ€teren angeblichen EntfĂŒhrer an 9/11, Khalid al-Mihdhar und Nawaf al-Hazmi, wodurch sichergestellt wurde, dass das FBI die zwei MĂ€nner oder ihre Kollegen nicht ĂŒberwachen konnte.

Dieses Versagen, Informationen zu teilen, wurde vom 9/11-Kommissionsbericht anerkannt, aber als ein Unfall behandelt, der womöglich nicht aufgetreten wĂ€re, “wenn mehr Mittel aufgebracht worden wĂ€ren.” (6). Diese ErklĂ€rung ist jedoch inzwischen von dem Vorsitzenden der 9/11-Kommission, Tom Kean, widerlegt worden. Vor kurzem von zwei Filmemachern befragt, ob das Scheitern, mit al-Midhar und al-Hazmi angemessen umzugehen, nur ein einfacher Fehler gewesen sein könnte, antwortete Kean:

“Oh, es war nicht leichtsinniges Versehen. Es war zielgerichtet. Kein Zweifel. 
 Der Schluss, zu dem wir kamen, war, dass in der DNA dieser Organisationen Geheimhaltung war. Und Geheimhaltung bis hin zum Punkt, dass man nichts mit irgendwem teilt.“ (7)

In einem wichtigen Buch von 2011, Disconnecting the Dots, zeigte Kevin Fenton eindeutig auf, dass das ZurĂŒckhalten zweckmĂ€ĂŸig und ĂŒber einen Zeitraum von achtzehn Monaten bewahrt worden war. 8 Das Eingreifen und die Manipulation wurde besonders krass und kontrovers in den Tagen vor 9/11; sie fĂŒhrten einen FBI-Agenten, Steve Bongardt, dazu, am 29. August, weniger als zwei Wochen vor 9/11, zutreffend vorherzusagen, “eines Tages wird jemand sterben.” (9)

Wie wir sehen werden, bleiben die Motive fĂŒr das ZurĂŒckhalten unergrĂŒndlich. Zeitweise war ich zufrieden mit Lawrence Wrights Spekulationen, dass die CIA die zwei Saudis womöglich anwerben wollte; und dass “(d)ie CIA möglicherweise eine Operation in Übersee schĂŒtzte [womöglich in Verbindung zu Saudi-Arabien] und fĂŒrchtete, dass das FBI sie bloßstellen wĂŒrde.” (10) Der Zweck dieses Essays ist es, nahezulegen, dass die Motive fĂŒr das ZurĂŒckhalten mit dem viel grĂ¶ĂŸeren neokonservativen Ziel zu tun haben könnten, das der amerikanischen Außenpolitik in dieser Zeit auferlegt wurde: die Konsolidierung der globalen US-Hegemonie durch die Einrichtung von US-Forward-Basen rund um die Ölfelder Zentralasiens.

Kurz gesagt, sollte das ZurĂŒckhalten von Hinweisen als Teil des grĂ¶ĂŸeren ominösen Musters der Zeit angesehen werden, einschließlich der Fehlleistung der US-Regierung in Reaktion auf die 9/11-Angriffe und der mörderischen Anthrax-Briefe, die die Verabschiedung des Patriot Act sichern halfen.

Ich bin nunmehr durch Fenton ĂŒberzeugt, dass Lawrence Wrights ErklĂ€rung, dass die CIA eine verdeckte Operation schĂŒtzte, vielleicht die AnfĂ€nge des ZurĂŒckhaltens im Januar 2000 erklĂ€ren mag, mitnichten aber ihre Erneuerung in den Tagen kurz vor 9/11. Fenton analysiert eine Liste von fĂŒnfunddreißig verschiedenen AnlĂ€ssen, bei denen die beiden mutmaßlichen EntfĂŒhrer auf diese Weise von Januar 2000 bis zum 5. September 2001 geschĂŒtzt wurden, weniger als eine Woche vor den FlugzeugentfĂŒhrungen.(11) Wir werden sehen, dass die VorfĂ€lle in seiner Analyse in zwei Hauptgruppen fallen. Das Motiv, das er den frĂŒheren zuschreibt, war, ,um eine CIA-Operation zu decken, die bereits im Gange war.‘ (12) Nachdem allerdings im Sommer 2001 ,das System rot blinkte‘ und die CIA einen unmittelbar bevorstehenden Angriff erwartete, vermag Fenton keine andere ErklĂ€rung zu sehen, als dass ,der Zweck der Auskunftsverweigerung der geworden war, die Angriffe voranschreiten zu lassen.‘ (13)

Fentons zweiter Satz wĂŒrde bedeuten, dass ein mörderisches Verbrechen von den Mitgliedern der Alec Station-Gruppe begangen wurde, auch wenn das Verbrechen eher ein Totschlag (unbeabsichtigter Totschlag) war, denn ein bewusster und vorsĂ€tzlicher Mord. Man kann sich gutartige GrĂŒnde fĂŒr das ZurĂŒckhalten der Informationen vorstellen: zum Beispiel könnte die CIA das Verhalten der beiden Saudis toleriert haben, um ihre VerbĂŒndeten aufzuspĂŒren. In diesem Fall wĂŒrden wir es mit nicht mehr als einer Fehlkalkulation zu tun haben – wenn auch mit einer mörderischen Fehlkalkulation.

Der Terror-Krieg und das Projekt Global Dominion

Aber im Laufe dieses Essays werde ich auf die AktivitĂ€ten des Leiters der CIA Bin Laden-Einheit, Richard Blee, in Usbekistan und Afghanistan verweisen. Usbekistan war ein Anlass zur Sorge nicht nur fĂŒr Blee und seinen Vorgesetzten Cofer Black; es war auch ein Gebiet von großem Interesse fĂŒr Richard Cheney, dessen Kapitalgesellschaft Halliburton seit 1997 oder frĂŒher in der Entwicklung der Erdölreserven in Zentralasien aktiv war. Cheney selbst sagte in einer Rede vor Ölindustriellen im Jahr 1998: “Ich kann an keine Zeit denken, als wir eine Region so plötzlich als strategisch bedeutsam entstehen sahen wie die Kaspische.” (14)

Ich werde nahelegen, dass der Zweck und das Ergebnis des Schutzes der beiden Saudis gewesen sein könnte, die Ziele von Cheney, Rumsfeld, und der neokonservativen Gruppe des Projekts fĂŒr das neue amerikanische Jahrhundert (Project for the New American Century, PNAC) fĂŒr die Einrichtung von “forward-basierten StreitkrĂ€ften” in Zentralasien zu erfĂŒllen. (15) Wir werden sehen, dass ein Anruf zu 9/11 von CIA-Direktor Tenet an Stephen Cambone, einer PNAC-SchlĂŒsselfigur im Pentagon, offenbar einige der privilegierten Informationen ĂŒbertrug, die nie das FBI erreichten.

Diese neokonservative Agenda war teilweise darauf aus, die amerikanische und israelische Herrschaft der Region fĂŒr Sicherheitszwecke aufrecht zu halten, und (wie wir sehen werden) um die Bedingungen fĂŒr die zukĂŒnftigen einseitigen PrĂ€ventivmaßnahmen gegen unfreundliche Staaten wie den Irak zu schaffen. Insbesondere wurde sie entwickelt, um neue, sichere Basen im Nahen Osten zu etablieren, Donald Rumsfelds vorhersehbare AnkĂŒndigung im Jahre 2003 antizipierend, dass die USA “praktisch alle ihre Truppen, mit Ausnahme von einigem Ausbildungspersonal” aus Saudi-Arabien abziehen wĂŒrden.(16) Aber sie war teilweise auch zur StĂ€rkung der amerikanischen Einflusses insbesondere in den befreiten Staaten Zentralasiens mit ihren betrĂ€chtlichen unnachgewiesenen Öl- und Gasreserven gedacht.

Fentons alarmierende Schlussfolgerung zu den CIA-Aktionen im Vorfeld der 9/11-Angriffe ergibt im Kontext dieser Agenda mehr Sinn, und auch im Kontext von drei weiteren aufschlussreichen Anomalien an Bushs Terror-Krieg. Die erste ist das Paradox, dass diese angebliche Verfolgung von al-Qaida in Allianz mit jenen beiden Staaten, Saudi-Arabien und Pakistan, durchgefĂŒhrt wird, die al-Qaida am meisten in anderen Teilen der Welt aktiv unterstĂŒtzt haben. In diesem Essay werden wir sehen, dass die US- und Saudi-Geheimdienste in einer Weise miteinander kooperierten, um Saudi-Agenten in al-Qaida zu schĂŒtzen, statt sie zu neutralisieren.

Die zweite Anomalie ist, dass, obwohl die CIA womöglich darauf fokussiert war, al-Qaida zu zerbrechen, Rumsfeld und Cheney von Anfang an auf einen viel grĂ¶ĂŸeren Krieg aus waren. Im September 2001 gab es keine Geheimdiensterkenntnisse, die die 9/11-Angriffe mit dem Irak verbanden, und doch beobachtete Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, von seinem Stellvertreter Paul Wolfowitz darin unterstĂŒtzt, bereits am 12. September, ,dass es keine anstĂ€ndigen Ziele fĂŒr Bombenangriffe in Afghanistan gab, und dass wir den Irak bombardieren sollten, der, wie er sagte, bessere Ziele hĂ€tte.‘ (17) Rumsfelds Argument wurde von einem Papier des Verteidigungsministeriums, das fĂŒr die folgenden Sitzungen in Camp-David vom 15. – 16. September vorbereitet wurde, unterstĂŒtzt, das ,vorschlug, dass die unmittelbaren PrioritĂ€tsziele fĂŒr die erste Aktion ‘al-Qaida, die Taliban und der Irak sein sollten.‘ (18)

Der Irak war fĂŒr Rumsfeld und Wolfowitz mindestens seit 1998 ein Ziel gewesen, als die beiden MĂ€nner gemeinsam einen PNAC-Brief an PrĂ€sident Clinton unterzeichneten, ,die Beseitigung von Saddam Husseins Regime von der Macht‘ fordernd. (19) Aber der Irak war nicht das einzige Ziel in der Cheney-Rumsfeld-Wolfowitz-Agenda, die mindestens seit 1992 nichts weniger als globale Dominanz der USA gewesen war, oder das, was der ehemalige US-Oberst Andrew Bacevich als ,permanente amerikanische globale Hegemonie‘ bezeichnete. (20) Dies besaß fĂŒr die Neocons eine hohe PrioritĂ€t. Noch bevor Bush vom Obersten Gerichtshof im Dezember 2000 gewĂ€hlt worden war, war Cheney bei der Arbeit, SchlĂŒsselpositionen fĂŒr Mitunterzeichner des Briefes von 1998 (darunter Richard Armitage, John Bolton, Richard Perle, zusammen mit anderem PNAC-Personal wie Stephen Cambone) im Weißen Haus, Außenministerium und Verteidigungsministerium zu sichern.

Der Terror-Krieg war von Anfang an als Instrument zur Erreichung dieses Ziels entwickelt worden. Am 24. September erörterte die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice ,die Frage der staatlichen UnterstĂŒtzung des Terrorismus: ,Was ist unsere Strategie in Bezug auf LĂ€nder, die den Terrorismus unterstĂŒtzen, wie Iran, Irak, Libyen, Syrien und Sudan?’ (21) In seinen Memoiren berichtet General Wesley Clark, dass sich die Frage bis November zu einem Pentagon-FĂŒnf-Jahres-Plan entwickelt hatte:

,Als ich zurĂŒck durch das Pentagon im November 2001 ging, hatte einer der hochrangigen militĂ€rischen Stabsoffiziere Zeit fĂŒr ein SchwĂ€tzchen. Ja, wir waren immer noch auf Kurs fĂŒr den Waffengang gegen den Irak, sagte er. Aber es war mehr. Dies wĂŒrde im Rahmen einer FĂŒnf-Jahres- Plan-Kampagne diskutiert werden, sagte er, und es gab insgesamt sieben LĂ€nder, beginnend mit dem Irak, dann Syrien, Libanon, Libyen, Iran, Somalia und Sudan.‘ (22)

Zu dieser Zeit veröffentlichte der ehemalige CIA-Beamte Reuel Marc Gerecht einen Artikel in The Weekly Standard ĂŒber die Notwendigkeit fĂŒr einen Regimewechsel im Iran und in Syrien. (23) (Gerecht fĂ€hrt fort, im The Weekly Standard vor der Bedrohung der beiden Nationen zu warnen.)

In der Clinton-Ära war Gerecht wie Cheney und Rumsfeld Teil des Projekts fĂŒr das neue amerikanische Jahrhundert gewesen, einer Falken-Gruppe, die sowohl fĂŒr Aktionen gegen den Irak im Besonderen, als auch generell fĂŒr einen erweiterten Verteidigungshaushalt war, der die ,Verteidigungsausgaben erheblich erhöhen wĂŒrde‘, fĂŒr ,die Sache der amerikanischen FĂŒhrung.‘ Der PNAC-Bericht vom September 2000 – Rebuilding America’s Defenses – hatte viel ĂŒber Golf-Öl und die Bedeutung der Beibehaltung und StĂ€rkung von ,forward-basierten KrĂ€ften in der Region‘ zu sagen. (24)

Es ist wichtig, dass die Vereinigten Staaten bis Ende des Jahres 2001 infolge von 9/11 und dem Terror-Krieg bereits neue StĂŒtzpunkte in Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan gegrĂŒndet hatten und somit besser positioniert waren, das Verhalten der neulich befreiten Regierungen in der riesigen Öl- und Gas-Region östlich des Kaspischen Meeres zu beeinflußen. Im Verlauf dieses Essays werden wir sehen, dass das Abkommen von 2001, um die erste und eine der wichtigsten dieser Basen, Karshi-Khanabad oder K-2, in Usbekistan zu benutzen, aus einer frĂŒheren Pentagon-Anordnung erwuchs, die eine CIA-Vereinbarung aus dem Jahr 1999 ergĂ€nzte, die von Richard Blee von der Alec Station Group ausgehandelt wurde, einer zentralen Figur in diesem Essay. Die meisten Amerikaner wissen nicht, dass an 9/11 schon US-SpezialkrĂ€fte auf K-2 auf einer usbekischen Ausbildungsmission waren, und dass bis zum 22. September, zwei Wochen vor einem formellen US-usbekischen MilitĂ€rabkommen, ,die CIA ihre Teams bereits in die massive Karshi-Khanabad- oder K-2-Luftwaffenbasis im SĂŒden von Usbekistan flog, wo US-Armee-Ingenieure die Landebahn reparierten.‘ (25)

Eine dritte Anomalie ist, dass der Terror-Krieg zu einem dramatischen Anstieg des RĂŒckgriffs auf Terror und Folter durch Amerika selbst fĂŒhrte, auch gegen die eigenen BĂŒrger. In diesem Zusammenhang ist es von Bedeutung, dass Cheney und Rumsfeld, durch ihre Teilnahme am super-geheimen Doomsday-Projekt des Verteidigungsministeriums auch Teil der Continuity of Government-Planung (COG) zur Untergrabung der US Bill of Rights durch unerlaubte Überwachung und Festnahme von Dissidenten waren. (26) Diese PlĂ€ne, die bis zur Angst vor den Kommunisten in der McCarthy-Ära der 1950er Jahre zurĂŒckreicht, waren die Grundlagen fĂŒr die detaillierten PlĂ€ne im Pentagon und anderswo fĂŒr den Umgang mit Anti-Kriegs-Protestierern gegen die PlĂ€ne des Pentagons fĂŒr die Weltherrschaft.

Wie ich schon an anderer Stelle ausgefĂŒhrt habe, geben die USA nunmehr jedes Jahr Milliarden Dollar fĂŒr Homeland Security zu keinem kleinen Teil wegen des Glaubens aus, der von Marine Colonel Oliver North artikuliert wurde, dass der Vietnamkrieg in den Straßen von Amerika verloren worden sei, und dass mit dieser Ablehnung von US-MilitĂ€roperationen umgegangen werden mĂŒsse. (27) Cheney und Rumsfeld, als Teil des sogenannten Doomsday-Projekts fĂŒr die Planung von Continuity of Government (COG), waren auch Teil dieser BemĂŒhungen.(28) Kurzum, 9/11 erfĂŒllte Agenden, die eine kleine Gruppe von Beamten fĂŒr eine radikale neue Politik sowohl in Zentralasien und als auch innerhalb von Amerika lange in Betracht gezogen hatten.

Das mörderische Verbrechen, dass Fentons akribische Forschung nahelegt, ist eines, das gleichsam schwierig wie schmerzhaft zu betrachten ist. Amerika ist heute in einer Krise wegen der AktivitĂ€ten der Too Big to Fail-Banken, die, wie bemerkt wurde, auch Too Big to Jail-Banken sind – denn sie als Kriminelle zu bestrafen wĂŒrde Amerikas bereits bedrohte Finanzstruktur gefĂ€hrden.(29) Dieser Essay, obwohl detailliert, handelt von etwas Analogem, was vielleicht ein Crime Too Big to Punish (ein Verbrechen, zu groß, um bestraft zu werden) war.

9/11, wie in diesem Essay entwickelt werden wird, hat andere Punkte mit dem John-F.- Kennedy-Attentat gemein.

Die 9/11-Vertuschung und die Rolle der CIA, es geschehen zu lassen

Nach zehn Jahren ist es wichtig, zu ĂŒberdenken, was wir ĂŒber die Ereignisse, die in 9/11 gipfelten, wissen und was nicht, insbesondere ĂŒber die Aktionen der CIA und des FBI und die Herausgabeverweigerung von kritischen Informationen an die 9/11 Kommission.

Heute können wir getrost sagen:

1) die wichtigsten Wahrheiten sind noch immer unbekannt, zum großen Teil deswegen, weil viele der wichtigsten Dokumente entweder noch immer unveröffentlicht oder aber stark geschwĂ€rzt sind;

2) die VertuschungsbemĂŒhungen gehen weiter, wenn ĂŒberhaupt, dann aggressiver als zuvor;

3) zusĂ€tzlich zur Vertuschung (cover-up) gab es das, was der frĂŒhere Mitarbeiter der 9/11-Kommission John Farmer entweder eine “beispiellose administrative Inkompetenz oder organisierte Verlogenheit” von SchlĂŒsselfiguren in Washington nannte.(30) Zu ihnen zĂ€hlen PrĂ€sident Bush, Vize-PrĂ€sident Cheney, NORAD-General Richard Myers, und CIA-Direktor George Tenet. Zu ihnen zĂ€hlt auch PrĂ€sident Clintons Nationaler Sicherheitsberater Samuel Berger, der vor dem Abgeben der Aussage zu den National Archives ging und relevante SchlĂŒsseldokumente entfernte und vermutlich zerstörte. (31) In seinem Buch hat Farmer diese beiden Alternativen tatsĂ€chlich befĂŒrwortet.

Farmers erste Alternative, die der ,beispiellosen administrativen Inkompetenz‘, ist in der Tat die ErklĂ€rung, die vom 9/11-Kommissionsbericht angeboten wird, um mit a) auffĂ€lligen Anomalien sowohl an 9/11 selbst, und b) in den vorangegangenen 20 Monaten umzugehen, wĂ€hrend denen wichtige Informationen vor dem FBI von SchlĂŒsselpersonal in der CIA Bin Laden-Einheit (der so genannten Alec Station) einbehalten wurden. Aber dank des bahnbrechenden neuen Buchs von Kevin Fenton, Disconnecting the Dots, können wir das anomale Verhalten der CIA nicht mehr ,systemischen Problemen‘ zuschreiben, oder dem, was Tony Summers vorschnell ,bĂŒrokratische Verwirrung‘ nennt. (32)

Aufbauend auf frĂŒhere wichtige BĂŒcher von James Bamford, Lawrence Wright, Peter Lance und Philip Shenon, demonstriert Fenton ohne den Schatten eines Zweifels, dass es ein systematisches CIA-Muster gab, dem FBI wichtige Informationen vorzuenthalten, selbst wenn das FBI normalerweise zugangsberechtigt war. Noch brillanter zeigt er, dass das Muster des ZurĂŒckhaltens wĂ€hrend vier aufeinanderfolgenden Untersuchungen nach 9/11 systematisch anhielt: die des Kongresses von den Senatoren Bob Graham und Richard Shelby (teilweise noch zurĂŒckgehalten), die der 9/11-Kommission, die unter dem Vorsitz des Generalstaatsanwalts, und die des Generalinspekteurs der CIA.

Am wichtigsten, er zeigt, dass die zahlreichen Vorenthaltungen, sowohl vor als auch nach 9/11, das Werk von relativ wenigen Menschen waren. Das ZurĂŒckhalten von Informationen vor dem FBI war in erster Linie die Arbeit der so genannten ,Alec Station Group‘ – einer Gruppe innerhalb, nicht aber identisch mit der CIA Osama Bin Laden-Einheit oder ‘Alec Station‘, die weitgehend aus CIA-Personal zusammengesetzt war, wenn auch mit einigen wenigen FBI-Agenten. SchlĂŒsselfiguren in dieser Gruppe waren der CIA-Offizier Tom Wilshire (im Bericht der 9/11-Kommission als ,John‘ diskutiert) und sein unmittelbarer Vorgesetzter bei Alec Station, Richard Blee.

Die post-9/11-Vertuschung von Wilshires Verhalten war hauptsĂ€chlich das Werk von einer Person, Barbara Grewe, die zuerst fĂŒr den Generalstaatsanwalt an der Ermittlung ĂŒber das Verhalten von Wilshire arbeitete und dann auf zwei aufeinanderfolgende Positionen innerhalb der 9/11-Kommission gewechselt wurde, wo sie unter der Leitung von Direktor Philip Zelikow in der Lage war, den Fokus der Aufmerksamkeit von der investigativen Leistung der CIA auf die des FBI zu lenken.(33) Ob Grewe die Interviews von Wilshire und anderen relevanten Personen fĂŒhrte oder nicht, sie ,griff sicherlich darauf bei der Erarbeitung ihrer Abschnitte in den Berichten der Kommission und des Generalstaatsanwalts zurĂŒck.‘ (34)

Grewes Wechsel von Posten zu Posten ist ein Anzeichen fĂŒr eine beabsichtigte Vertuschung von höherer Ebene. So, wie wir sehen werden, ist es auch um Wilshires Transfer im Mai 2001 von der Alec Station der CIA hin zum FBI bestellt, wo er eine neue Phase des Eingriffs in den normalen Ablauf der Geheimdienstermittlung begann, das FBI von innen behindernd. (35)

Dieses Muster beginnt mit der Geheimdiensterkenntnis von der Überwachung eines wichtigen al-Qaida-Gipfels vom Januar 2000 in Malaysia, dem vielleicht einzigen Gipfel dieser Art vor 9/11. Das Treffen zog sofortige und hochrangige US-Aufmerksamkeit auf sich wegen der indirekten Verweise auf ein TrĂ€gerelement (ein Tastentelefon im Jemen, das von al-Qaida verwendet wurde), von dem vermutet wurde, dass es als ein Kommunikationszentrum in den BombenanschlĂ€gen auf US-Botschaften im Jahre 1998 diente. Wie Fenton feststellt: ,Die CIA erkannte, dass der Gipfel so wichtig war, dass die Informationen darĂŒber an die Leiter von CIA -und FBI [Louis Freeh und Dale Watson], den Nationale Sicherheitsberater Samuel Berger und andere Top-Beamte weitergegeben wurden.‘ (36)

Doch innerhalb der Alec Station blockierten Tom Wilshire und seine CIA-Untergebene (nur als “Michelle” bekannt) (37) die MĂŒhen eines FBI-Agenten (Doug Miller), das FBI zu benachrichtigen, dass einer der Teilnehmer (Khalid al-Mihdhar) ein US-Visum in seinem Reisepass hatte.38 Schlimmer noch, Michelle schickte dann ein Kabel an andere CIA-Stationen, das fĂ€lschlicherweise besagte, dass al-Mihdhars ,Reisedokumente, darunter ein US-Visum fĂŒr mehrfache Einreisen, kopiert und an das FBI fĂŒr die weitere Untersuchung weitergegeben worden sind.‘ (39) Alec Station versagte ebenso, die Teilnehmer der Sitzung auf eine Merkliste zu setzen, wie von CIA-Richtlinien gefordert. (40)

Dies war nur der Anfang eines systematischen, bisweilen lĂŒgnerischen Musters, bei dem die Informationen der NSA und CIA ĂŒber al-Mihdhar und seinen Reisebegleiter, Nawaf al-Hazmi, systematisch dem FBI vorenthalten, manipuliert oder so verzerrt wurden, damit eine FBI-Untersuchung der beiden Saudis und ihrer Kollegen behindert wurde. Das ist ein wichtiger Bestandteil der 9/11-Geschichte, weil das Verhalten der beiden Möchtegern-EntfĂŒhrer so unprofessionell war, dass sie ohne diesen Schutz, der von der CIA Alec Station Group zur VerfĂŒgung gestellt wurde, fast sicher erkannt und festgenommen oder abgeschoben worden wĂ€ren, lange bevor sie sich bereitmachten, an Bord von Flug 77 in Washington zu gehen. (41)

Fenton schließt mit einer Liste von fĂŒnfunddreißig verschiedenen AnlĂ€ssen ab, bei denen die beiden mutmaßlichen EntfĂŒhrer auf diese Weise von Januar 2000 bis zum 5. September 2001, weniger als eine Woche vor den EntfĂŒhrungen, geschĂŒtzt wurden. In seiner Analyse fallen die VorfĂ€lle in zwei Hauptgruppen. Das Motiv, das er den frĂŒheren zuschreibt, wie der Blockierung von Doug Millers Kabel, war, ,um eine CIA-Operation, die bereits im Gange war, zu decken.‘ (43) Doch nachdem im Sommer 2001 ,das System rot blinkte‘ und die CIA einen unmittelbar bevorstehenden Angriff erwartete, kann Fenton keine andere plausible ErklĂ€rung sehen, als dass ,der Zweck der Auskunftsverweigerung der geworden war, die Angriffe voranschreiten zu lassen.‘ (44)

Wilshire Interferenzmuster verĂ€nderte sich deutlich nach seinem Wechsel zum FBI. Als er bei der CIA war, blockierte er die Übersendung von Geheimdiensterkenntnissen ans FBI. Nun, im Gegensatz, initiierte er FBI-Bewertungen des gleichen Materials, aber in einer Weise, dass die Bewertungen zu gemĂ€chlich durchgefĂŒhrt wurden, um vor 9/11 FrĂŒchte zu tragen. Fenton vermutet, dass Wilshire eine zukĂŒnftige ÜberprĂŒfung seiner Akten erwartete und eine falsche FĂ€hrte der Dokumentation legte, um seine frĂŒhere peinliche Leistung zu neutralisieren. (45)

Ich glaube, wir mĂŒssen Fentons Faktenfindung akzeptieren: ,Es ist klar, dass diese Informationen nicht durch eine Reihe bizarrer UnfĂ€lle zurĂŒckgehalten wurden, sondern absichtlich.‘ (46) Jedoch schlage ich eine andere ErklĂ€rung dafĂŒr vor, was die ursprĂŒnglichen Absichten waren; eine, die oberflĂ€chlich viel einfacher, gutartiger und auch erklĂ€render bezĂŒglich anderer, scheinbar unzusammenhĂ€ngender Teile des 9/11-RĂ€tsels ist.

Verbindungsabkommen mit anderen Geheimdiensten

ZunĂ€chst, so glaube ich, könnten al-Mihdhar und al-Hazmi geschĂŒtzt worden sein, weil sie vom saudischen Geheimdienst GID nach Amerika geschickt wurden, was erklĂ€ren wĂŒrde, warum sie nach ihrer Ankunft offenbar indirekt von der saudischen Botschaft in Washington finanziert worden sind. Die Fakten wurden von Paul Church in Asia Times Online (11. Februar 2012) gut zusammengefasst:

,(Z)wischen 1998 und 2002 wurden bis zu US $ 73.000 in Bankchecks von [Saudi-Botschafter Prinz] Bandars Ehefrau Haifa – die die Ă€lteren Bushs einmal als ,meine Mutter und meinen Vater‘ beschrieb – an zwei kalifornische Familien geschleust, von denen bekannt ist, dass sie al-Midhar und al-Hazmi finanziert haben. 
 Prinzessin Haifa schickte regelmĂ€ĂŸige monatliche Zahlungen zwischen $ 2.000 und $ 3.500 an Majeda Dweikat, der Ehefrau von Osama Basnan, von dem von verschiedenen Forschern angenommen wird, dass er ein Spion der saudischen Regierung ist. Viele der Checks wurden weiter an Manal Bajadr ausgestellt, der Ehefrau von Omar al-Bayoumi, von dem vermutet wird, dass er selbst heimlich fĂŒr das Königreich arbeitet. Die Basnans, die al-Bayoumis und die beiden 9/11-EntfĂŒhrer teilten einmal den gleichen Wohnblock in San Diego. Es war al-Bayoumi, die die Mörder begrĂŒĂŸte, als sie zum ersten Mal in Amerika ankamen, und ihnen unter anderem mit einer Wohnung und bei Sozialversicherungskarten UnterstĂŒtzung gab. Er half den MĂ€nnern auch, sich an Flugschulen in Florida anzumelden.‘ (47)

Falls die beiden Saudis in der Tat von GID geschickt wurden, wĂŒrden sie mit ziemlicher Sicherheit in die USA unter den Bedingungen der Verbindungsvereinbarung zwischen GID und CIA hinein gelassen worden sein. (48) Prinz Turki al-Faisal, ehemals Leiter von GID, hat gesagt, dass er seine al-Qaida-Informationen mit der CIA teilte, und dass die Saudis 1997 ,ein Joint Intelligence Committee mit den Vereinigten Staaten bildeten, um Informationen ĂŒber den Terrorismus im Allgemeinen auszutauschen und zu 
 al-Qaida im Besonderen.‘ (49) Der 9/11-Kommissionsbericht fĂŒgt hinzu, dass nach einer Post-Milleniums-ÜberprĂŒfung das Anti-Terror-Zentrum (die die Alec Station beinhaltete, die Bin Laden-Einheit) beabsichtigte, mit seinem ein halbes Jahr frĂŒher entwickelten Plan fortzuschreiten, ,die FĂ€higkeiten von auslĂ€ndischen Sicherheitsdiensten aufzubauen, die Geheimdiensterkenntnisse via Verbindungsvereinbarungen bereitstellen.‘ (50)

Dies war eine Blee-SpezialitĂ€t. Steve Coll berichtet, dass Richard Blee und sein Vorgesetzter Cofer Black, begeistert von den Möglichkeiten, die Verbindungsarrangements fĂŒr die Erweiterung der Reichweite der CIA in kritischen Regionen boten, 1999 zusammen nach Taschkent geflogen waren und eine neue Verbindungsvereinbarung mit Usbekistan ausgehandelt hatten. (51) Laut Coll und der Washington Post fĂŒhrte dieses Arrangement alsbald via Taschkent zu einer CIA-Verbindung in Afghanistan mit der Nordallianz. (52) Thomas Ricks und Susan Glasser berichteten in der Washington Post, dass nach den BombenanschlĂ€gen in Dar es Salaam und Nairobi 1998 `die Vereinigten Staaten und Usbekistan still und leise gemeinsame verdeckte Operationen durchgefĂŒhrt haben, die auf die BekĂ€mpfung des in Afghanistan herrschenden Taliban-Regimes und seinen terroristischen VerbĂŒndeten gerichtet waren
, laut Offiziellen beider Nationen.‘ (53)

Dieses Engagement in Usbekistan war Teil eines grĂ¶ĂŸeren regionalen Musters. Ab 1997 hatten die USA eine Reihe von jĂ€hrlichen MilitĂ€rmanövern mit kasachischen, kirgisischen und usbekischen StreitkrĂ€ften begonnen, als Übungen fĂŒr einen möglichen Einsatz von US-KampfstreitkrĂ€ften in der Region.

CENTRAZBAT ’97, wie es genannt wurde, war eindeutig ein Test von Amerikas FĂ€higkeit, Macht im Kaspischen Becken im Falle einer Krise zu projizieren. ,Es gibt keine Nation auf dem Angesicht der Erde, zu der wir nicht hinkommen‘, sagte General Jack Sheehan 
 der ranghöchste Offizier, der der Übung beiwohnte. Und damit niemand die Art unserer Interessen in der Region anzweifelte, zitierte eine stellvertretende StaatssekretĂ€rin des Verteidigungsministeriums, die Sheehan begleitete, Catherine Kelleher, ,die PrĂ€senz enormer Energieressourcen‘ als Rechtfertigung fĂŒr die amerikanische militĂ€rische Beteiligung. Die 1997er Operation war die erste in einer jĂ€hrlichen Serie von CENTRAZBAT-Übungen, die entwickelt wurden, um die Geschwindigkeit zu testen, mit der Washington US- StreitkrĂ€fte direkt in der Region einzusetzen und Kampfoperationen zu beginnen vermag.

Mit anderen Worten, das Pentagon war vier Jahre lang in Usbekistan aktiv gewesen, bevor es zur öffentlichen Rumsfeld-Karimov-Vereinbarung vom Oktober 2001 kam.

Als ehemaliger Junior-Diplomat sprechend, lassen Sie mich anmerken, dass eine Verbindungsvereinbarung wahrscheinlich eine besondere Zugangserlaubnis fĂŒr diejenigen erforderte, die in der Vereinbarung eingeweiht waren, und auch fĂŒr die gemeinsame Nutzung der Verbindungsinformationen. (54) Dies wĂŒrde den Ausschluss der FBI-Agenten erklĂ€ren, die keine Zugangserlaubnis fĂŒr diese Informationen hatten, sowie das Verhalten anderer CIA-Agenten, die keine Zugangserlaubnis besaßen und fortfuhren, Informationen ĂŒber die beiden mutmaßlichen EntfĂŒhrer zu sammeln und zu verbreiten. Alec Station benötigte, dass sowohl die doppelte IdentitĂ€t der beiden Saudis geschĂŒtzt wurde, als auch die Sicherstellung, dass sie nicht peinlicherweise vom FBI festgenommen wurden.

Fast sicher hatte die CIA nicht nur relevante Zusammenarbeitsvereinbarungen mit dem saudischen GID und mit Usbekistan, sondern auch mit dem Inter-Services Intelligence (ISI) Pakistans sowie den Nachrichtendiensten von Ägypten und vielleicht Jemen und Marokko. Insbesondere gibt es Grund zu glauben, dass Ali Mohamed, ein Doppelagent, der vom FBI vor der Inhaftierung in Kanada geschĂŒtzt wurde, womit ihm geholfen wurde, die al-Qaida-BotschaftsbombenanschlĂ€ge von 1998 zu organisieren, die USA im Rahmen solcher Vereinbarungen als Agent eines Auslandsnachrichtendienstes, wahrscheinlich des Ă€gyptischen, betreten durfte. (55) Ali Mohamed taucht sowohl als Inhalt wie auch als Quelle in der tĂ€glichen Situationsunterrichtung des PrĂ€sidenten (President’s Daily Brief, PDB) vom 6. August 2001 auf, in dem die CIA den PrĂ€sidenten warnte , ,Bin Laden entschlossen, in den USA anzugreifen.‘ (56) Laut Mohameds FBI-Aufseher, Jack Cloonan, ,kamen all diese Informationen von Ali‘, wĂ€hrend das PDB selbst seine SchlĂŒssel-Erkenntnis dem zuschreibt, was ,ein Mitglied des Ägyptischen Islamischen Jihad (EIJ) einem [—] Dienst sagte.‘ (57) (Ali Mohamed war definitiv ein EIJ, und der Dienst war vermutlich Ă€gyptisch.)

Aber als Mohamed, wie auch al-Mihdhar und al-Hazmi, unsachgemĂ€ĂŸ in die USA zugelassen wurde, geschah das angeblich nicht durch die CIA, sondern möglicherweise durch ,eine andere Bundesbehörde.‘ (58) Das war sehr wahrscheinlich eine Pentagon-Behörde, denn von 1987 bis 1989 war Ali Mohamed dem ,US [Army] Special Operations Command [SOCOM] in Fort Bragg zugeordnet, der Heimat der Green Berets und der Delta Force, der Elite-Anti-Terror-Truppe. (59) SOCOM, das das JSOC (das Joint Special Operations Command) umfasst, hat seine eigene Geheimdienstabteilung, (60) und SOCOM ist die Kommandostelle, die das Able Danger-Programm im Jahre 1999 zuerst ausrĂŒstete, um al-Qaida-Aktivisten zu verfolgen, und es dann unerklĂ€rlicherweise vor 9/11 abstellte und seine Datenbank zerstörte. (61) DarĂŒber hinaus arbeitete SOCOM in Usbekistan mit CIA-Agenten als Ergebnis der Verbindungsvereinbarung zusammen, die durch Cofer Black und Richard Blee vom CTC ausgehandelt worden war.

Aus diesem und anderer GrĂŒnde wegen schlage ich vor, das zu neu zu konzeptualisieren, was Fenton die anomale ,Alec Station Group‘ als behördenĂŒbergreifendes Verbindungsteam (oder Teams) mit speziellen Zugriffsfreigaben bezeichnet, einschließlich des Alec Station-Personals, zusammenarbeitendes Personal des FBI, und möglicherweise SOCOM. (Eine dieser Mitarbeiterinnen war FBI-Agentin Dina Corsi, die laut Fenton wichtige Informationen vor ihrem Kollegen Steve Bongardt zurĂŒckhielt, selbst als dieser von der NSA Zugriffserlaubnis zu ihnen bekam.) (62)

Hintergrund: der Safari-Club und William Casey

Diese Arrangements können in der einen oder anderen Form mindestens bis in die 1970er Jahre zurĂŒckverfolgt werden. Damalige leitende CIA-Offiziere und ehemalige Offiziere (vor allem Richard Helms), die mit den CIA-KĂŒrzungen, die unter Jimmy Carters CIA-Direktor Stansfield Turner eingeleitet wurden, unzufrieden waren, organisierten ein alternatives Netzwerk, den so genannten Safari Club. Den Geheimdienstchefs von Frankreich, Ägypten, Saudi-Arabien, Marokko und dem Iran (unter dem Schah) unterstellt, bot der Safari Club CIA-Beamten wie Theodore Shackley und Thomas Clines, die von CIA-Direktor Turner marginalisiert oder entlassen worden waren, eine Heimat. Wie Prinz Turki spĂ€ter erklĂ€rte, bestand der Zweck des Safari Club nicht nur darin, Informationen auszutauschen, sondern auch, um verdeckte Operationen durchzufĂŒhren, die die CIA im Zuge des Watergate-Skandals und der anschließenden Reformen nicht mehr direkt durchfĂŒhren konnte. (63)

In den 1980er Jahren traf CIA-Direktor William Casey wichtige Entscheidungen bei der FĂŒhrung des verdeckten Kriegs in Afghanistan nicht durch seine eigene CIA-BĂŒrokratie, sondern auch mit den saudischen Geheimdienstchefs, erst Kamal Adham und dann Prinz Turki. Unter diesen Entscheidungen war die Schaffung einer Fremdenlegion, um die afghanischen Mudschaheddin im Krieg gegen die Sowjets zu unterstĂŒtzen – mit anderen Worten, die Schaffung jenes UnterstĂŒtzer-Netzwerks, das wir seit dem Ende des Krieges als al-Qaida kannten. (64) Casey arbeitete die Details benso mit den beiden Saudi-Geheimdienstchefs aus wie auch mit dem Chef der Bank of Credit and Commerce International (BCCI ), der saudisch-pakistanischen Bank, von der Adham und Turki beide AktionĂ€re waren.

Indem er so handelte, betrieb Casey tatsĂ€chlich eine zweite Hintergrund-CIA, dadurch al-Qaida in Pakistan mit den Saudis aufbauend, auch wenn die offizielle CIA-Hierarchie unter ihm in Langley das zu Recht als ,unklug erachtete‘. (65) In ,American War Machine‘ setzte ich den Safari Club und die BCCI als eine Nachfolge von Arrangements der ,zweiten CIA‘ oder ,alternativen CIA‘ ein, die bis zurĂŒck zur GrĂŒndung des Office of Policy Coordination (OPC) im Jahre 1948 datieren. Drum ist es wichtig, dass CIA-Direktor George Tenet, nach Caseys PrĂ€zedenzfall, ungefĂ€hr einmal im Monat mit Saudi-Botschafter Bandar zusammentraf und CIA-Offizieren, die mit Saudi-Fragen befasst waren, nicht sagte, was er besprochen hatte. (66)

Fenton selbst fĂŒhrt das Beispiel des Safari Clubs an, um die mögliche ErklĂ€rung anzubieten, dass Blee und Wilshire ein ,paralleles Netz‘ benutzten, um al-Mihdhar und al-Hazmi in den Vereinigten Staaten zu verfolgen. In seinen Worten: ,Das ZurĂŒckhalten der Informationen ĂŒber Almihdhar und Alhazmi ergibt nur Sinn, wenn die CIA die beiden MĂ€nner in den USA selbst ĂŒberwachte, entweder offiziell oder abseits der offiziellen KanĂ€le.‘ (67) Aber eine dritte Möglichkeit wĂ€re, dass die GID ihre Bewegungen ĂŒberwachte, eine Situation, die durchaus mit der Behauptung des saudischen Prinzen Bandar kompatibel ist, wonach saudische Sicherheitsbeamte ,die Bewegungen der meisten Terroristen aktiv mit PrĂ€zision verfolgt‘ hatten. (68)

Joseph und Susan Trento hörten von einem ehemaligen CIA-Offizier, der einst in Saudi-Arabien stationiert gewesen war, dass ,sowohl Hazmi als auch Mihdhar saudische Agenten waren.‘ (69) Wenn das zutrifft, waren sie klare Doppelagenten, die als Terroristen handelten (posierten), wĂ€hrend sie zugleich als Informanten handelten (posierten). In der Spionage werden Doppelagenten hochgeschĂ€tzt und sind oftmals wertvoll; aber sich auf sie zu verlassen, kann (wie das Beispiel des Ali Mohamed illustriert) auch gefĂ€hrlich sein.

Dies war insbesondere der Fall fĂŒr die CIA in Bezug auf Saudi-Arabien, dessen GID al-Qaida energisch in LĂ€ndern wie Bosnien im Austausch fĂŒr ein Versprechen unterstĂŒtzte (vom saudischen Innenminister Naif bin Abdul Aziz mit Osama bin Laden ausgehandelt), dass al-Qaida ,nicht in der Politik Saudi-Arabiens oder eines anderen arabischen Landes stören wĂŒrde.‘ (70) Der pakistanische ISI war gar noch aktiver mit al-Qaida beschĂ€ftigt, und einige Elemente des ISI standen wahrscheinlich den ideologischen Zielen von al-Qaida nĂ€her, als Pakistans nominell sĂ€kularer Regierung.

Aber in allen FĂ€llen ist der Umgang mit illegalen Informanten nicht nur gefĂ€hrlich und unberechenbar, sondern er korrumpiert auch. Um ihre Rollen zu spielen, mĂŒssen die Informanten das Gesetz brechen, und ihre Aufseher, dies wissend, mĂŒssen sie schĂŒtzen, indem sie dagegen verstoßen, sie zu melden, und oftmals verhindern sie danach ihre Festnahmen durch andere. Auf diese Weise werden Aufseher immer und immer wieder mitschuldig an den Verbrechen ihrer Informanten. (71)

Selbst unter den besten UmstĂ€nden mĂŒssen Entscheidungen darĂŒber getroffen werden, ob einer Straftat eines Informanten erlaubt wird, voranzuschreiten, oder ob sie durchkreuzt wird und man es riskiert, die NĂŒtzlichkeit der Informanten zu beenden. In solchen Momenten treffen Behörden allzu wahrscheinlich die Wahl, die nicht im öffentlichen Interesse ist.

Ein sehr wichtiges Beispiel ist das erste Bombenattentat auf das World Trade Center von 1993 – deshalb relevant, weil Khalid Scheikh Mohammed, der mutmaßliche 9/11-Drahtzieher, auch einer der Verschwörer von 1993 war. Das FBI hatte einen Informanten, Emad Salem, unter den Verschwörern von 1993, und Salem behauptete spĂ€ter, mit entsprechenden Nachweisen auf den BĂ€ndern seiner FBI-Debriefings, dass das FBI den Plot ganz bewusst nicht unterband. Hier ist Ralph Blumenthal vorsichtige NacherzĂ€hlung in der New York Times von diesem VorlĂ€ufer des Geheimnisses von 9/11:

,Strafverfolgungsbehörden-Offiziellen [das heißt, vom FBI] wurde gesagt, dass Terroristen eine Bombe bauten, die schließlich verwendet werden wĂŒrde, um das World Trade Center in die Luft zu sprengen, und sie planten, die Tat der Verschwörer zu vereiteln, indem sie heimlich den Sprengstoff mit harmlosen Pulver ersetzen wollten, sagte ein Informant nach der Explosion.

Der Informant sollte den Verschwörern beim Bau der Bombe helfen und das falsche Pulver liefern, aber der Plan wurde von einem FBI-Vorgesetzten abgeblasen, der andere Vorstellungen davon hatte, wie der Informant, Emad A. Salem, verwendet werden sollte, sagte der Informant.

Die ErklĂ€rung, die in der Niederschrift von Hunderten von Stunden an Tonbandaufnahmen gegeben wird, die Herr Salem heimlich von seinen GesprĂ€chen mit den Agenten der Strafverfolgungsbehörde machte, portraitiert die Behörden in einer weitaus besseren Position, als bisher zur Bombardierung von New York Citys höchsten TĂŒrmen bekannt war. Bei der Explosion kamen sechs Menschen ums Leben, es gab mehr als 1.000 Verletzte und einen Schaden in Höhe von einer halben Milliarde Dollar. Vier MĂ€nner stehen jetzt im Manhattan Federal Court wegen diesem Angriff vor Gericht.‘ (72)

Was den Plot von 1993 noch relevanter macht, ist, dass Salem laut vielen Quellen ein Agent des Ă€gyptischen Geheimdienstes war, der nach Amerika geschickt wurde, um die Aktionen des Ă€gyptischen ,blinden Scheichs‘ Omar Abdel Rahman auszuspionieren. (73) Dies eröffnet die Möglichkeit, dass der FBI-Vorgesetzte, der ,andere Vorstellungen‘ hatte, wie man Emad Salem verwenden sollte, ein Mitglied eines Verbindungsteam war, mit speziellem Wissen, das er nicht mit anderen FBI-Agenten teilen konnte. Vielleicht war es beispielsweise so, dass der Ă€gyptische Nachrichtendienst es ablehnte, dass Salems Tarnung auffliegen gelassen wurde. Diese Vermutung ist sowohl spekulativ wie auch problematisch, aber sie hat den Vorteil, dass sie eine relativ schlĂŒssige ErklĂ€rung fĂŒr ansonsten verwirrendes Verhalten bietet.

Diese ErklĂ€rung schließt keineswegs die Möglichkeit aus, dass einige Beamte finstere Motive dafĂŒr hatten, es zu ermöglichen, dass der Bombenangriff stattfand, und es danach vertuschten. Sheikh Omar Abdel Rahman war gerade zu dieser Zeit eine SchlĂŒsselfigur in einem sensiblen saudischen Programm, das von US-Beamten ebenfalls unterzeichnet wurde, um Mudschaheddin-Krieger in Bosnien gegen Serbien zu versorgen (einschließlich einiger, wie Ayman al-Zawahiri, die spĂ€ter des 9/11-Plots bezichtigt wurden). (74) Es ist sowohl von dem Ermittlungs- wie auch dem Strafverfolgungsverhalten her klar, dass eine Reihe von verschiedenen US-Behörden Rahmans AktivitĂ€ten nicht stören wollte. Auch nachdem Rahman selbst schließlich im Verschwörungsfall 1995 angeklagt wurde, um New Yorks SehenswĂŒrdigkeiten in die Luft zu sprengen, schĂŒtzte die US-Regierung weiterhin Ali Mohamed, eine SchlĂŒsselfigur der Verschwörung.

Schlimmer noch, der Auftritt des FBI beim Erlauben des Voranschreitens des Bombenangriffs war bloß einer aus einer Serie von miteinander verbundenen, verpfuschten Darbietungen und verpassten Chancen, die ihren Höhepunkt mit 9/11 hatten. Der erste stand im Zusammenhang mit dem Mord in New York an den jĂŒdischen Extremisten Meir Kahane. Das FBI und die New Yorker Polizei verhafteten zwei der Mörder in diesem Fall und ließen sie dann frei, so dass sie an der WTC-Bombardierung von 1993 teilnehmen konnten. Ein wichtiger Trainer der beiden MĂ€nner war Ali Mohamed, wĂ€hrend er noch in den US-Special Forces war, dessen Name systematisch vor der Offenlegung durch den ermittelnden Staatsanwalt Patrick Fitzgerald geschĂŒtzt wurde. Im Jahr 1994, als Ali Mohamed in Vancouver von der kanadischen RCMP festgenommen wurde, intervenierte das FBI, um seine Freilassung zu arrangieren. Dies befreite Mohamed, um weiter nach Kenia zu gehen, wo er der Hauptorganisator der US-Botschaftsbombardierung 1998 in Nairobi wurde. (75)

Ali Mohamed wurde 1998 von den Amerikanern schließlich festgesetzt, aber noch nicht inhaftiert. Er war offenbar noch ein freier Mann, als er seinem FBI-Aufseher Jack Cloonan bereitwillig gestand, dass er nicht nur mindestens drei der angeblichen 9/11-FlugzeugentfĂŒhrer kannte, sondern auch geholfen hatte, sie darin zu instruieren, wie man Flugzeuge entfĂŒhrt. (76) Laut Ali Soufan in einem Buch, das im September 2011 veröffentlicht wurde, wartete Ali Mohamed im Jahre 2011 noch immer auf die Verurteilung, zwölf Jahre nach seinem GestĂ€ndnis im Mai 1999. (77)

Wir haben zu schließen, dass hier etwas zutiefst Dysfunktionales vor sich geht, und schon seit vor 9/11, in der Tat unter beiden politischen Parteien. Die Bedingungen der Geheimhaltung, die durch spezielle Genehmigungen geschaffen werden, haben diese DysfunktionalitĂ€t nicht nur maskiert; sie haben geholfen, wĂŒrde ich behaupten, sie zu schaffen. Die Geschichte der Spionage zeigt, dass geheime Macht, wenn sie in den Bereichen illegaler AktivitĂ€ten stattfindet, immer wieder in Widerspruch zur öffentlichen demokratischen Macht gerĂ€t. (78) Je mehr die Gruppe der Fachplaner mit speziellen Erlaubnissen limitiert ist, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass ihre Entscheidungen konform mit den Vorgaben des internationalen und nationalen Rechts gehen, und noch weniger mit gĂ€ngiger Moral und gesundem Menschenverstand.

FĂŒgen Sie diesen Bedingungen unheilsamer Geheimhaltung die grundsĂ€tzlich ungesunde, ja korrupte Beziehung der US-Geheimdienste zu denen von Saudi-Arabien und Pakistan hinzu. Dies ist zutiefst antidemokratisch daheim und in Asien gewesen. Die US-AbhĂ€ngigkeit von Saudi-Öl hat in der Tat eine wohlstandsgenerierte Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus in der ganzen Welt subventioniert, wĂ€hrend das, was 99,9 Prozent der Amerikaner fĂŒr Öl und Gas zahlen, riesige Summen erzeugt, die die Saudis dann in den Finanzinstitutionen des Zehntels von einem Prozent an der Spitze der Wall Street recyceln.

In gleicher Weise resultierte Amerikas gespanntes VerhĂ€ltnis zu Pakistans ISI in einem dramatischen Anstieg des internationalen Heroinhandels durch die afghanischen Klienten beider Dienste. (79) Kurz, die bĂŒrokratische Funktionsstörung, ĂŒber die wir in 9/11 reden, ist ein Symptom einer grĂ¶ĂŸeren Funktionsstörung in Amerikas Beziehungen zu Saudi-Arabien, Pakistan, und durch sie zum Rest der Welt.

Verbindungsabkommen und der Schutz von Al-Mihdhar und Al-Hazmi

Selbst ohne den suggestiven PrĂ€zedenzfall des WTC-Bombenangriffs von 1993 ist es legitim zu postulieren, dass Verbindungsvereinbarungen die Verhaftung von Khalid al-Mihdhar und Nawaf al-Hazmi verhindert haben könnten. Betrachten wir zunĂ€chst Fentons Tatsachenfeststellung: ,Es ist klar, dass diese Informationen [ĂŒber die beiden MĂ€nner] nicht durch eine Reihe bizarrer UnfĂ€lle zurĂŒckgehalten wurden, sondern absichtlich.‘ (80) Diese Feststellung halte ich fĂŒr steinhart. Wir können aber nicht so ĂŒberzeugt von seiner ErklĂ€rung sein: dass ,der Zweck der Auskunftsverweigerung der geworden war, die Angriffe voranschreiten zu lassen.‘ (81)

Ich glaube, dass es tatsĂ€chlich eine Reihe von Möglichkeiten ĂŒber die Absicht gibt, rangierend von relativ harmlosen bis hin zu ruchlosen. Bevor wir diese betrachten, lassen Sie uns den Begriff ,die Angriffe voranschreiten lassen‘ (“letting the attacks go forward”) dekonstruieren. Klar, wenn die angeblichen EntfĂŒhrer nicht an den Flughafentoren gefangen genommen wĂŒrden, wĂŒrden wahrscheinlich Menschen getötet werden – aber wie viele? Man erinnere sich, dass die Joint Chiefs in den Operation Northwoods-Dokumenten, die die Planung von ,False Flag‘-Attacken vorsahen, um eine militĂ€rische Intervention der USA in Kuba zu rechtfertigen, schrieben: ,Wir könnten eine kommunistisch-kubanische Terrorkampagne entwickeln‘, in der ,(w)ir eine Schiffsladung Kubaner versenken (könnten).‘ (82) WĂŒrde der Verlust von vier Flugzeugladungen an Passagieren eine qualitativ andere Tragödie gewesen sein?

NatĂŒrlich wurde 9/11 eine viel grĂ¶ĂŸere Tragödie, als drei der Flugzeuge die beiden TĂŒrme und das Pentagon trafen. Aber es ist möglich, dass die Verbindungsaufpasser der beiden Saudis sich nicht vorstellen konnten, dass ihre Ziele zu einem solchen KunststĂŒck in der Lage waren. Man erinnere sich, dass ihre Flugstunden selbst in einer Cessna ein solches Fiasko waren, dass die Lehrstunden schnell beendet wurden. Ihr Lehrer sagte ihnen, ,dass das Fliegen einfach nichts fĂŒr sie war‘. (83)

Lassen Sie mich nahelegen, dass es drei trennbare Bestandteile der 9/11-Angriffe gibt: Die EntfĂŒhrungen, die SchlĂ€ge gegen die GebĂ€ude, und der erstaunliche Zusammenbruch der drei WTC-GebĂ€ude. Es ist zumindest möglich, dass das Alec Station-Liaison-Team, als eine Gruppe, nur die erste Stufe in Betracht zog, ohne sich jemals die beiden Stufen, die folgten, vorzustellen.

Eine minimale, mindestens unheilvolle erste ErklĂ€rung fĂŒr das ZurĂŒckhalten von Informationen ĂŒber zwei der angeblichen EntfĂŒhrer, wĂŒrde die Hypothese sein, die ich im Fall von Emad Salem vorgeschlagen hatte – der beschrĂ€nkte Zugang, geschaffen durch die spezielle Zugangserlaubnis in einer Verbindungsvereinbarung. Aber so wie im Jahre 1993, könnte die heimliche Macht, die hinter der Wand restriktiver FreirĂ€ume geschaffen wurde, möglicherweise fĂŒr verborgene Absichten ausgenutzt worden sein. Die so geschaffene gefĂ€hrliche Situation – von möglichen Möchtegern-EntfĂŒhrern, die vor der Verhaftung zu einer Zeit geschĂŒtzt werden, da der Angriff erwartet wird – könnte einige inspiriert haben, die daraus resultierenden Bedingungen der Geheimhaltung als eine Gelegenheit auszunutzen, um einen Zwischenfall zu planen, der einen Krieg rechtfertigen wĂŒrde. Dies ist eine wichtige Analogie zum falschen zweiten Golf von Tonkin-Zwischenfall im Jahre 1964, der verwendet wurde, um den Angriff auf Nord-Vietnam zu rechtfertigen; sie weist die gleiche PrĂ€senz einer starken Fraktion – im Jahre 2001 die PNAC-Clique innerhalb der Regierung – auf, die auf eine einseitige militĂ€rische Aktion aus war. (84)

Ein Hinweis auf diese finstere Absicht ist, dass sich das Muster des InformationszurĂŒckhaltens, das von Fenton en Detail wiedergegeben wird, nicht ausschließlich auf die beiden Saudis und ihre CIA-Aufpasser beschrĂ€nkt. Es gibt ein paar verkettete Informationseinbehalte von anderen Stellen – vor allem die Able Danger-Informationen, die von SOCOM zerstört wurden sowie das offenbar von der NSA ausgehende ZurĂŒckhalten einer wichtigen abgefangenen Nachricht, die offenbar ĂŒber die angeblichen EntfĂŒhrer und Moussaoui war. (85)

Wenn die NSA Informationen vor wichtigen Beamten zurĂŒckhielt, wĂŒrde das an die Rolle der NSA in der Zeit wĂ€hrend des zweiten Tonkin-Zwischenfalls im August 1964 erinnern. Damals leitete die NSA in einem entscheidenden Moment 15 StĂŒcke an SIGINT (Signal Intelligence) weiter, die – fĂ€lschlicherweise – darauf hinwiesen, dass es einen nord-vietnamesischen Angriff auf zwei US-Zerstörer gegeben hatte. Gleichzeitig hielt die NSA 107 StĂŒcke an SIGINT zurĂŒck, die – richtigerweise – darauf hinwiesen, dass kein nordvietnamesischer Angriff aufgetreten war. (86) Das Verhalten der NSA zu dieser Zeit wurde bei der CIA gespiegelt: beide Behörden waren sich eines starken Konsens‘ innerhalb der Johnson-Regierung bewusst, die sich bereits auf eine Provokation Nord-Vietnams in der Hoffnung auf die Chance zu einer militĂ€rischen Reaktion geeinigt hatte. (87)

Wir wissen aus vielen Berichten der Bush-Regierung, dass es auch bei ihr einen starken Pro-Krieg-Konsens gab, zentriert um Cheney, Rumsfeld und die so genannte PNAC-Clique, die vor Bushs Wahl energisch Lobbyarbeit fĂŒr eine militĂ€rische Aktion gegen den Irak geleistet hatte. Wir wissen auch um die sofortige Reaktion Rumsfelds auf 9/11, einen Angriff auf den Irak vorzuschlagen, und dass die Planung fĂŒr einen solchen Angriff in der Tat am 17. September eingeleitet wurde. (88) Es ist zu ĂŒberlegen, ob einige von denen, die die angeblichen EntfĂŒhrer vor der Haft schĂŒtzten, diese kriegerischen Ambitionen nicht teilten.89

Hatte Richard Blee verborgene Motive fĂŒr das Einbehalten von Informationen?

Fenton spekuliert, dass einer von denen, die einen Vorwand fĂŒr einen eskalierenden Krieg gegen al-Qaida suchten, Richard Blee gewesen sein könnte. Wir sahen, dass Blee mit Cofer Black zusammen eine Verbindungsvereinbarung zum Teilen von Geheimdiensterkenntnissen mit Usbekistan aushandelte. Bis zum Jahr 2000 war SOCOM hinzugestoßen und ,US Special Forces begannen, offener mit dem usbekischen MilitĂ€r auf Trainingsmissionen zusammenzuarbeiten.‘ (90) Im Laufe der Zeit erweiterte sich die usbekische Liaison-Vereinbarung, wie wir sahen, zu einer untergeordneten Verbindung mit der Nordallianz in Afghanistan. Blee, der mit Massoud im Oktober 1999 zusammentraf, stimmte zu, in Washington Lobbyarbeit fĂŒr eine aktivere UnterstĂŒtzung der Nordallianz zu treiben. (91)

Nach der Bombardierung der USS Cole in Aden im Jahre 2000, drĂ€ngte Blee darauf, die usbekische MilitĂ€rmission noch weiter zu einer gemeinsamen Angriffstruppe in Verbindung mit der Nordallianz von Massoud zu erweitern. Es gab erhebliche EinwĂ€nde dagegen, wĂ€hrend Clinton noch PrĂ€sident war, teilweise mit der BegrĂŒndung, dass Massoud die pakistanisch-gedeckten TalibankrĂ€fte mit russischer und iranischer UnterstĂŒtzung bekĂ€mpfte, und teilweise deswegen, weil er dafĂŒr bekannt war, seine Truppen durch den Handel mit Heroin zu unterstĂŒtzen. (92) Aber im FrĂŒhjahr 2001 wurden die PlĂ€ne von Blee und Black von einem Zusammentreffen von Mitgliedern der Bush-Regierung wiederbelebt (unterstĂŒtzt von Anti-Terror-Chef Richard Clarke), um Massoud eine großangelegte, verdeckte Hilfe zu geben. (93) Am 4. September, eine Woche vor 9/11, autorisierte das Bush-Kabinett die Ausarbeitung einer neuen PrĂ€sidenten-Richtlinie, NSPD-9, die ein verdecktes Aktionsprogramm in Verbindung mit Massoud genehmigte. (94)

In der neuen Bush-Administration war Blee keine Minderheiten-Stimme mehr, und sechs Wochen nach 9/11 sollte er der neue CIA-Chef in Kabul werden. (95) Fenton berichtet, dass Blee in dieser Funktion an Verhören von al-Qaida-HĂ€ftlingen beteiligt war, und schlĂ€gt vor, dass das Motiv möglicherweise gewesen sein könnte, durch Folter ein falsches GestĂ€ndnis (von Ibn Shaikh al-Libi) zu bekommen, das ein irakisches Engagement zu al-Qaida beinhaltete. Dieses falsche GestĂ€ndnis wurde dann Teil der ,Fabrizierung‘ (‘fixing’) von Beweismitteln und ,bildete einen wichtigen Bestandteil der peinlichen PrĂ€sentation von US-Außenminister Colin Powell vor der UN, um die Invasion des Irak zu unterstĂŒtzen.‘ (96)

Hatte SOCOM verborgene Motive fĂŒr die Schließung von Able Danger?

Was nach 9/11 folgte, ging weit ĂŒber Blees Programm fĂŒr eine paramilitĂ€rische CIA-Beteiligung an der Nordallianz hinaus. Die CIA-Komponente in Afghanistan wurde bald von den KrĂ€ften der SOCOM in den Schatten gestellt: George Tenet berichtete, dass die US-KrĂ€fte in Afghanistan bis Ende 2001 aus etwa 500 KĂ€mpfern bestanden, darunter ,110 CIA-Offiziere, 316 Special Forces-Mitglieder und zahlreiche Angreifer des Joint Special Operations Command, die Chaos hinter den feindlichen Linien schufen.‘ (97)

In der Bush-Administration wurde Stephen Cambone, der zuvor mit Rumsfeld und Cheney das Dokument von PNAC, Rebuilding America’s Defenses, unterzeichnete, zu einem der aktiven UnterstĂŒtzer der Verwendung von SOCOM-SpezialkrĂ€ften, um nicht nur in Afghanistan heimlich gegen al-Qaida zu operieren, sondern ,ĂŒberall in der Welt‘. (98)

Es ist möglich, dass alles, was Blee in der Alec Station tat, um den Weg fĂŒr 9/11 vorzubereiten, nur Teil einer grĂ¶ĂŸeren, zwischenbehördlichen Operation war, in der die Schließung von SOCOMs Able Danger-Projekt eine entsprechende Rolle spielte. Dies könnte eine handgeschriebene Notiz erklĂ€ren helfen, die um 10.00 Uhr an 9/11 von Stephen Cambone, einem von Cheneys PNAC-Beauftragten in Rumsfelds Pentagon, nach einem TelefongesprĂ€ch mit George Tenet aufgeschrieben hatte (99):

,AA 77 – 3 Indiv[iduen] seit Millennium & Cole verfolgt
Ein Kerl ist Assoz[iierter] von Cole-Bomber
2 betraten USA Anfang Juli
(2 von 3 beiseite gezogen und verhört?)‘

Der ,Kerl‘ ist hier wahrscheinlich al-Mihdhar und der ,Cole-Bomber‘ wahrscheinlich Khallad [oder Tawfiq] bin Attash, eine wichtige al-Qaida-Figur nicht nur bei der USS Cole, sondern auch verbunden mit den Botschaftsangriffen 1998. Man wĂŒrde gerne wissen, warum Tenet mit einem Falken im Pentagon Informationen austauschte, die scheinbar nie von jemandem außerhalb der CIA freigegeben wurden. Und ist es ein Zufall, dass Cambone, Ă€hnlich wie Blee, ein Programm leitete – in diesem Fall mit SOCOM-Special Operations-Personal besetzt –, das Folter benutzte, um Gefangene in Afghanistan zu verhören? (100)

So wie von Blee berichtet wurde, dass er angeblich ein besonderer SchĂŒtzling von George Tenet beim CIA war, so war Cambone fĂŒr seine heftige LoyalitĂ€t zuerst zu Dick Cheney und spĂ€ter zu Donald Rumsfeld im Pentagon berĂŒchtigt. Es ist nicht bekannt, ob er mit dem Continuity of Government-Planungsprojekt verbunden war, in dem Rumsfeld und Cheney unter anderem die Überwachungs- und Inhaftierungsmaßnahmen ohne richterliche BeschlĂŒsse vorbereiteten, die am Morgen von 9/11 implementiert wurden und bis heute weiterhin in Kraft sind. (101) Auch ist nicht bekannt, ob er in irgendeiner Weise mit Cheneys Anti-Terror-Task-Force im FrĂŒhjahr 2001 verbunden war, die beschuldigt wurde, ein Ursprung der Kriegsspiele gewesen zu sein, darunter feindlicher Flugzeug-Attacken, die die Unordnung der US-Reaktion an 9/11 verstĂ€rkten. (102)

Tiefen-Ereignisse als wiederholtes Muster des US-Engagements in Kriegen

Ich möchte mit einer kleinen historischen Perspektive auf die Dysfunktion abschließen, die wir betrachtet haben. In gewisser Weise war 9/11 beispiellos – der grĂ¶ĂŸte Massenmord, der je an einem Tag auf US-Boden begangen wurde. In einem anderen Sinne reprĂ€sentiert er ein Beispiel fĂŒr die Art von Signatur-Ereignissen, mit denen wir seit der Kennedy-Ermordung nur allzu vertraut geworden sind. Ich habe diese Ereignisse Tiefen-Ereignisse genannt – Ereignisse, die tief in illegalen, verdeckten TĂ€tigkeiten verschiedener Zweige der US-Geheimdienste und mit einem vorhersehbaren Muster der begleitenden offiziellen Vertuschungen verwurzelt sind, die gedeckt werden von einer erstaunlichen Medienfehlfunktion und unehrlichen BestsellerbĂŒchern. Einige dieser Tiefen-Ereignisse, wie die Kennedy-Ermordung, Tonkin und 9/11, sollten als strukturelle Tiefenereignisse in Betracht gezogen werden, und zwar ihres permanenten Einflusses auf die Geschichte wegen.

AuffĂ€llig ist, dass all diesen strukturellen Tiefen-Ereignissen – der Ermordung von JFK, Tonkin und 9/11 – alsbald ein amerikanisches Engagement in unĂŒberlegten Kriegen folgte. Das gilt auch umgekehrt: allen bedeutenden Kriegen Amerikas seit Korea – Laos, Vietnam, Afghanistan und (zweimal, einmal verdeckt und jetzt offen) gegen den Irak – sind strukturelle Tiefenereignisse vorausgegangen. Wie ich in ,American War Machine‘ schrieb, berichtete ein J-5-Personalbericht von 1963 an die Joint Chiefs: ,Die Planung einer Reihe von Provokationen, um eine militĂ€rische Intervention zu rechtfertigen, ist machbar und könnte mit den verfĂŒgbaren Ressourcen erreicht werden.‘ Der Golf von Tonkin, 9/11 und auch das Kennedy-Attentat selbst können als Ereignisse angesehen werden, die in der Tat entlang den Leitlinien des 1962 von den Joint Chiefs of Staff vorgeschlagenen Project Northwoods ,planend / absichtlich hervorgerufen‘ (“engineered“) wurden.

In zwei vorherigen BĂŒchern bin ich langsam, entgegen meiner eigenen anfĂ€nglichen UnglĂ€ubigkeit zur Überzeugung gelangt, mehr als ein Dutzend bedeutender Parallelen zwischen der Ermordung Kennedys und 9/11 aufzulisten. Dank Kevin Fentons brillanter Forschung kann ich eine weitere Analogie hinzulisten. Die CIA-Akten zu Lee Harvey Oswald, die mehr oder weniger zwei Jahre lang vor sich hinschlummerten, wurden plötzlich in den sechs Wochen vor der Ermordung Kennedys hyperaktiv. Fenton hat einen Ă€hnlichen Ausbruch an AktivitĂ€t in den FBI-Akten zu den beiden Saudis in den Wochen vor 9/11 demonstriert – ein Ausbruch, der von Tom Wilshire zu einer Zeit eingeleitet wurde, die verdĂ€chtig nahe an dem Zeitpunkt war, als die angeblichen EntfĂŒhrer sich auf ein endgĂŒltiges Datum fĂŒr ihren Angriff einigten. Dann gab es in beiden FĂ€llen auch seltsame Verzögerungen, die die Akten zur Zeit der Tiefen-Ereignisse offen ließen. (105)

In diesem Aufsatz haben wir zwei unterschiedliche, ja gegensĂ€tzliche Ebenen der US-Außenpolitik bei der Arbeit gesehen. Auf der oberflĂ€chlichen Ebene der öffentlichen Diplomatie sehen wir eine Verpflichtung zum Völkerrecht und zur friedlichen Beilegung von Differenzen. Auf einer tieferen Ebene, die von einer Langzeit-Saudi-Verbindung und verdeckten Vereinbarungen zur Kontrolle internationalen Öls reprĂ€sentiert wird, sehen wir die Tolerierung und tatsĂ€chlich den Schutz von Terroristen zur ErfĂŒllung von saudischen und amerikanischen Geheimdienstzielen. Wir sollten die Aktionen der ,Alec Station Group‘ in den Jahren 2000-2001 in Bezug auf die beiden angeblichen EntfĂŒhrer al-Mihdhar und al-Hazmi im Rahmen dieser Langzeit-Saudi-Verbindung betrachten, aber auch im Kontext des geheimen Konsens‘ im Jahre 2001 – wie bereits im Jahre 1964 –, dass Amerikas Öl- und SicherheitsbedĂŒrfnisse (zusammen mit denen Israels) eine neuerliche amerikanische Mobilisierung fĂŒr den Krieg erforderte.

Quellenangaben:

1 A shorter version of this paper was presented at the International Hearings on 9/11 at Toronto, September 11, 2011. It can be seen online at here.

2 But perhaps no single act of terror committed in the last decade, whether by Qaddafi in Libya or Assad in Syria, has surpassed or even come close to the U.S. devastation of the Iraqi city of Fallujah.

3 „Statement by the President in His Address to the Nation,” September 11, 2001, here. On September 20, 2001, Bush said in an address to a joint session of congress, „Our ‚war on terror‘ begins with al Qaeda, but it does not end there. It will not end until every terrorist group of global reach has been found, stopped and defeated.“

4 On this point see the National Commission on Terrorist Attacks upon the United States, The 9/11 Commission Report (New York: W.W. Norton, 2004), 66: “To date we have seen no evidence that 
 Iraq cooperated with al Qaeda in developing or carrying out any attacks against the United States.”

5 Sunday Times (London), May 1, 2005; Mark Danner, The Secret Way to War: the Downing Street Memo and the Iraq War‘s buried history (New York: New York Review Books, 2006).

6 9/11 Commission Report, 266-72 (272).

7 Rory O’Connor and Ray Nowosielski, “Who Is Rich Blee?” 911Truth.org, September 21, 2111, here; Rory O’Connor and Ray Nowosielski, “Insiders voice doubts about CIA’s 9/11 story,” Salon, October 14, 2111, here. O’Connor and Nowosielski add corroboration from former Counterterrorism Chief Richard Clarke. “Clarke said he assumed that ‘there was a high-level decision in the CIA ordering people not to share that information.’ When asked who might have issued such an order, he replied, ‘I would think it would have been made by the director,” referring to Tenet — although he added that Tenet and others would never admit to the truth today “even if you waterboarded them.’

8 Kevin Fenton, Disconnecting the Dots (Walterville, OR: TrineDay, 2011).

9 9/11 Commission Report, 259, 271; Lawrence Wright, The Looming Tower: Al-Qaeda and the Road to 9/11 (New York: Knopf, 2006), 352–54; Peter Dale Scott, American War Machine (Lanham, MD: Rowman & Littlefield, 2010), 203.

10 Lawrence Wright, “The Agent,” New Yorker, July 10 and 17, 2006, 68; cf. Wright, Looming Tower, 339-44; discussion in Peter Dale Scott, The War Conspiracy: JFK, 9/11, and the Deep Politics of War (Ipswich MA: Mary Ferrell Foundation Press, 2008), 355, 388-89.

11 Fenton, Disconnecting the Dots, 383-86.

12 Fenton, Disconnecting the Dots, 48. Cf. Lawrence Wright, “The Agent,” New Yorker, July 10 and 17, 2006, 68; quoted approvingly in Peter Dale Scott, American War Machine, 399.

13 Fenton, Disconnecting the Dots, 371, cf. 95.

14 Lutz Kleverman, “The new Great Game,” Guardian (London), October 19, 2003, here.

15 Rebuilding America‘s Defenses: Strategy, Forces and Resources For a New Century: A Report of the Project for the New American Century, September 2000, here, 17, 27.

16 “US Pulls out of Saudi Arabia,” BBC News, April 29, 2003, here.

17 Richard A. Clarke, Against All Enemies: inside America‘s war on terror (New York: Free Press, 2004), 31.

18 Bradley Graham, By His Own Rules: The Ambitions, Successes, and Ultimate Failures of Donald Rumsfeld (New York: Public Affairs, 2009), 290.

19 PNAC, Letter to President Clinton on Iraq, January 26, 1998, here.

20 Gary Dorrien, Imperial Designs: Neoconservatism and the New Pax Americana (New York: Routledge, 2004). Bacevich was speaking of a 1992 memo drafted by Wolfowitz for then Defense Secretary Cheney, calling for America to retain the power to act unilaterally. See Lewis D. Solomon, Paul D. Wolfowitz: visionary intellectual, policymaker, and strategist (New York: Praeger, 2007), 52; Andrew Bacevich, American Empire: The Realities and Consequences of U.S. Diplomacy (Cambridge MA: Harvard UP, 2002), 44.

21 Bob Woodward, Bush at War (New York: Simon & Schuster, 2002), 131. Much earlier, on the afternoon of September 11, DOD official Stephen Cambone recorded notes from his conversation with Rumsfeld : “Near term target need — Go massive Sweep it all up thing related and not” (here).

22 Wesley Clark, Winning Modern Wars (New York: PublicAffairs, 2003), 130.

23 Nicholas Lemann, “The Next World Order,” New Yorker, April 1, 2002, here.

24 Rebuilding America‘s Defenses — Strategy, Forces and Resources For a New Century: A Report of the Project for the New American Century, September 2000, here, 17, 27.

25 Ahmed Rashid, Descent into chaos: the United States and the failure of nation building in Pakistan, Afghanistan, and Central Asia (New York: Viking, 2008), 70, 69; citing Ahmed Rashid, “US Builds Alliances in Central Asia,” Far Eastern Economic Review, May 1, 2000: “The CIA and the Pentagon had been closely collaborating with the Uzbek army and secret services since 1997, providing training, equipment, and mentoring in the hope of using Uzbek Special Forces to snatch Osama bin Laden from Afghanistan, a fact I discovered on a trip to Washington in 2000.”

26 Peter Dale Scott, “The Doomsday Project and Deep Events: JFK, Watergate, Iran-Contra, and 9/11,” Asia-Pacific Journal: Japan Focus, November 21, 2011, here.

27 Scott, The Road to 9/11: wealth, empire, and the future of America (Berkeley: University of California Press, 2007), 9.

28 Estimates of annual spending on Homeland Security range up to a trillion dollars. See Stephan Salisbury, “Weaponizing the Body Politic,” TomDispatch.com, March 4, 2012, here.

29 Cf. Simon Johnson, “Too Big to Jail,” Slate, February 24, 2012, here: “The main motivation behind the administration’s indulgence of serious criminality evidently is fear of the consequences of taking tough action on individual bankers. And maybe officials are right to be afraid, given the massive size of the banks in question relative to the economy. In fact, those banks are bigger now than they were before the crisis, and, as James Kwak and I documented at length in our book 13 Bankers, they are much larger than they were 20 years ago.”

30 John Farmer, The Ground Truth: the untold story of America under attack on 9/11 (New York: Riverhead Books, 2009), 288; quoted in Anthony Summers and Robbyn Swan, The Eleventh Day: the full story of 9/11 and Osama bin Laden (New York: Ballantine, 2011), 147.

31 Summers , 383-84; cf. Farmer, Ground Truth, 41. Although a Democrat, Berger was subsequently protected by the Republican Bush Administration from having to testify to Congress about his behavior (a condition of his plea bargain).

32 Summers, Eleventh Day, 334.

33 Fenton, Disconnecting the Dots, 72-79. Grewe subsequently left government to work at the Mitre Corp., a private firm doing CIA contract work with the CIA and another private firm, Ptech. Questions about Ptech and Mitre Corp’s work on FAA-NORAD interoperability systems were raised in 9/11 testimony presented some years ago by Indira Singh; see Scott, Road to 9/11, 175.

34 Fenton, Disconnecting the Dots, 78. Kirsten Wilhelm of the National Archives told Fenton,(p. 78) that “It appears Barbara Grewe conducted the interviews with ‘John’ [Wilshire] and Jane [Corsi],” another key figure. Wilhelm could find no “memorandum for the record” (MFR) for the Wilshire interview, which Fenton understandably calls “about the most important interview the Commission conducted” (p. 79). Summers, also citing correspondence with Kirsten Wilhelm, disagrees, saying that the report of Wilshire’s interview exists, but “is redacted in its entirety” (Summers, Eleventh Day, 381, cf. 552). This is an important point to be focused on in future investigations.

35 Fenton, Disconnecting the Dots, 225.

36 Fenton, Disconnecting the Dots, 38; citing 9/11 Commission Report, 181-82.

37 Michelle has since been identified on the Internet, but so far basically by only one source.

38 Fenton, Disconnecting the Dots, 42-45; summarizing Justice Department IG Report, 239-42; cf. Wright, Looming Tower, 311-12.

39 Fenton, Disconnecting the Dots, 50; summarizing Justice Department IG Report, 242-43; cf. Wright, Looming Tower, 311.

40 Fenton, Disconnecting the Dots, 45.

41 I do not know whether in fact they boarded the plane. However I am now satisfied that al-Mihdhar and al-Hazmi acted as if they intended to hijack, as evidenced by their al Qaeda contacts in Malaysia and elsewhere, their attempts to learn to fly, etc.

42 Fenton, Disconnecting the Dots, 383-86.

43 Fenton, Disconnecting the Dots, 48. Cf. Lawrence Wright, “The Agent,” New Yorker, July 10 and 17, 2006, 68; quoted approvingly in Peter Dale Scott, American War Machine, 399.

44 Fenton, Disconnecting the Dots, 371, cf. 95.

45 Fenton, Disconnecting the Dots, 239-42, 310-22. Fenton notes that Corsi worked at FBI HQ, which coordinated “liaisons with foreign services” (Fenton, 313).

46 Fenton, Disconnecting the Dots, 310.

47 The 9/11 Commission Report discounted the importance of al-Bayoumi (217-18); but the Report of the Joint Congressional Inquiry into 9/11 (173-77), even though very heavily redacted at this point, supplied corroborating information, including a report that Basnan had once hosted a party for the “Blind Sheikh” Omar Abdurrahman, involved in the first World Trade Center bombing of 1993.

48 At first I suspected, as have others, that the two men were Saudi double agents. Another possibility is that they were sent as designated targets, to be surveilled by the Saudis and the Americans separately or together. One of my few disagreements with Fenton is when he calls al-Mihdhar “one of [the hijackers’] most experienced operatives” (Fenton, Disconnecting the Dots, 205). My own impression is that he was either an inexperienced and incompetent spy, or else someone deliberately exposing himself to detection, in order to test American responses.

49 Summers, Eleventh Day, 396.

50 9/11 Commission Report, 184.

51 Steve Coll, Ghost Wars: the secret history of the CIA, Afghanistan, and bin Laden, from the Soviet invasion to September 10, 2001 (New York: Penguin, 2004), 456-57.

52 Thomas E. Ricks and Susan B. Glasser, Washington Post, October 14, 2001, here.

53 Ricks and Susan B. Glasser, Washington Post, October 14, 2001; cf.

54 In 1957, I myself, as a junior Canadian diplomat, acquired a special access, higher-than-top-secret clearance to access intelligence from NATO, a relatively overt and straightforward liaison.

55 For the Ali Mohamed story, see Scott, Road to 9/11, especially 151-60.

56 Scott, Road to 9/11, 158; citing John Berger, “Unlocking 9/11: Paving the Road to 9/11” (here): ”Mohamed was one of the primary sources for the infamous Aug. 6, 2001, presidential daily brief (PDB) entitled ‘Bin Laden Determined to Strike in U.S.’” The PDB, often cited as an example of the CIA’s good performance, is in my opinion more probably another example of the Bin Laden Unit salting the record in preparation for post-9/11 scrutiny. The PDB, without naming Ali Mohamed, refers to him no less than three times as a threat, despite the fact that at the time he was under USG control awaiting sentence for his role in the 1998 embassy plots. The PDB, in other words, appears to have been a performance for the record, analogous to Wilshire’s performance in the same month of August at the FBI.

57 John Berger, Ali Mohamed, 20 (Cloonan); 9/11 Commission Report, 261 (PDB).

58 James Risen, New York Times, October 31, 1998; in Scott, Road to 9/11, 346-47.

59 Raleigh News and Observer, November 13, 2001; in Scott, Road to 9/11, 347. I have added the word “Army.” The HQ for USSOCOM itself is at Fort MacDill Air Force Vase in Florida.

60 Dana Priest and William M. Arkin, “‘Top Secret America’: A look at the military’s Joint Special Operations Command,” Washington Post, September 2, 2011, here.

61 Fenton, Disconnecting the Dots, 168-69; Summers, Eleventh Day, 371, 550.

62 Fenton, Disconnecting the Dots, 372.

63 Scott, American War Machine, 161; Scott, Road to 9/11, 62-63.

64 Ahmed Rashid, Taliban: Militant Islam, oil, and fundamentalism in Central Asia (New Haven CT: Yale UP, 2000), 129.

65 John Prados, Safe for Democracy, 489; discussion in Scott, American War Machine, 12-13.

66 James Risen, State of War: the secret history of the CIA and the Bush administration (New York: Free Press, 2006), 188-89.

67 Fenton, Disconnecting the Dots, 104.

68 Summers, Eleventh Day, 397.

69 Joseph J. and Susan B. Trento, in Summers, Eleventh Day, 399. Since I presented this paper at a conference in Toronto on September 11, 2011, “Bob Kerrey of Nebraska, a Democrat who served on the 
 9/11 Commission, [has] said in a sworn affidavit 
 that ‘significant questions remain unanswered’ about the role of Saudi institutions. ‘Evidence relating to the plausible involvement of possible Saudi government agents in the September 11th attacks has never been fully pursued,’ Mr. Kerrey said” (“Saudi Arabia May Be Tied to 9/11, 2 Ex-Senators Say,” New York Times, February 29, 2001, here).

70 Wright, Looming Tower, 161; in Summers, Eleventh Day, 216.

71 Such corruption is predictable and very widespread. In the notorious cases of Gregory Scarpa and Whitey Bulger, FBI agents in the New York and Boston offices were accused of giving their mob informants information that led to the murder of witnesses and other opponents. Agents in the New York office of the old Federal Bureau of Narcotics became so implicated in the trafficking of their informants that the FBN had to be shut down and reorganized.

72 Ralph Blumenthal, “Tapes Depict Proposal to Thwart Bomb Used in Trade Center Blast,” New York Times, October 28, 1993, emphasis added. The next day, the Times published a modest correction: “Transcripts of tapes made secretly by an informant, Emad A. Salem, quote him as saying he warned the Government that a bomb was being built. But the transcripts do not make clear the extent to which the Federal authorities knew that the target was the World Trade Center.

73 Scott, Road to 9/11, 145.

74 Peter Dale Scott, „Bosnia, Kosovo, and Now Libya: The Human Costs of Washington‘s On-Going Collusion with Terrorists,“ Asia-Pacific Journal: Japan Focus, July 29, 2011, here. Evan Kohlmann has described how a Zagreb office in support of the Saudi-backed jihad in Bosnia received “all orders and funding directly from the main United States office of Al-Kifah on Atlantic Avenue controlled by Shaykh Omar Abdel Rahman” (Evan Kohlmann, Al-Qaida’s Jihad in Europe, 39-41; citing Steve Coll and Steve LeVine, “Global Network Provides Money, Haven,” Washington Post, August 3, 1993).

75 Scott, Road to 9/11, 153, 347; citing “Canada freed top al Qaeda operative,” {Toronto} Globe and Mail, November 22, 2001, here.

76 Scott, Road to 9/11, 151-59.

77 Ali Soufan, The Black Banners, 94-95, 561.

78 The corruption appears to be inevitable in superpowers – states which have accumulated power in excess of what is needed for their own defense. The pattern is less discernible in less powerful states like Canada.

79 „America‘s Afghanistan: The National Security and a Heroin-Ravaged State,“ Asia-Pacific Journal: Japan Focus, #20, 2009, May 18, 2009, here. Cf. “U.S. looks into Afghan air force drug allegations,” CNN, March 8, 2012, here: “The United States is investigating allegations that some members of the Afghan air force have used their planes to transport drugs, a U.S. military spokesman said Thursday. Investigators want to know whether the drug-running allegations, first reported in the Wall Street Journal, are linked to the shooting deaths last year of eight U.S. Air Force officers at the airport in the Afghan capital, Kabul. ‘The allegations of improper use of AAF aircraft is being looked into,’ said Lt. Col. Tim Stauffer, referring to the allegations that Afghan air force equipment has been used to illegally ferry drugs and arms.”

80 Fenton, Disconnecting the Dots, 310.

81 Fenton, Disconnecting the Dots, 371, cf. 95.

82 Joint Chiefs of Staff, “Courses of Action Related to Cuba (Case II),” in Scott, American War Machine, 196.

83 Washington Post, September 30, 2001; in Summers, Eleventh Day, 293; cf. 9/11 Commission Report, 221-22.

84 See Scott, American War Machine, 199-203.

85 Fenton, Disconnecting the Dots, 360-61, 385. There was also apparent withholding of information at a high level in the US Joint Forces Command (USJFCOM): “One official who attended the DO5 [a USJFCOM intelligence unit assigned to watch terrorism against the US] briefing was Vice Adm. Martin J. Meyer, the deputy commander in chief (DCINC), USJFCOM 
.. But despite the red flags raised during the briefing, Meyer reportedly told Maj. Gen. Larry Arnold, the commander of the Continental United States NORAD Region (CONR), and other high-level CONR staffers two weeks before the 9/11 attacks that ‘their concern about Osama bin Laden as a possible threat to America was unfounded and that, to repeat, “If everyone would just turn off CNN, there wouldn‘t be a threat from Osama bin Laden”'“ (Jeffery Kaye and Jason Leopold, “EXCLUSIVE: New Documents Claim Intelligence on Bin Laden, al Qaeda Targets Withheld From Congress‘ 9/11 Probe,” Truthout, June 13, 2011, here).

86 Scott, American War Machine, 201.

87 Scott, American War Machine, 200-02.

88 Clarke, Against All Enemies, 30-33; Summers, Eleventh Day, 175-76; James Bamford, A Pretext for War, 287.

89 Mark Selden has described the pattern of “arousing nationalist passions as a result of attacks out of the blue” as one which has “undergirded the American way of war since 1898” (Mark Selden, “The American Archipelago of Bases, Military Colonization and Pacific Empire: Prelude to the Permanent Warfare State,” forthcoming, 2012, International Journal of Okinawan Studies).

90 Thomas E. Ricks and Susan B. Glasser, Washington Post, October 14, 2001, here. Significantly, the proposal for a joint attack force with Massoud’s Northern Alliance was also resisted by Massoud himself (Peter Tomsen, The Wars of Afghanistan, 597-98, 796n25). The problem of Massoud’s resistance to an American troop presence vanished when he was assassinated on September 9, 2011, two days before 9/11.

91 Coll, Ghost Wars, 467-69.

92 Coll, Ghost Wars, 513, 534-36, 553.

93 Coll, Ghost Wars, 558.

94 Coll, Ghost Wars, 573-74.

95 Fenton, Disconnecting the Dots, 108.

96 Fenton, Disconnecting the Dots, 110-14.

97 George Tenet, At the Center of the Storm: my years at the CIA (New York: HarperCollins, 2007), 255.

98 Jeremy Scahill, “Shhhhhh! JSOC is Hiring Interrogators and Covert Operatives for ‚Special Access Programs,’” Nation, August 25, 2010, here.

99 Fenton, Disconnecting the Dots, 127-30; Summers, Eleventh Day, 387-88.

100 Jason Vest, “Implausible Denial II,” Nation, May 31, 2004, here.

101 Peter Dale Scott, „Is the State of Emergency Superseding our Constitution? Continuity of Government Planning, War and American Society,“ November 28, 2010, here.

102 Scott, Road to 9/11, 216-18.

103 Joint Chiefs of Staff, “Courses of Action Related to Cuba (Case II),” Report of the J-5 to the Joint Chiefs of Staff, May 1, 1963, NARA #202-10002-10018, 21, here; discussion in Scott, American War Machine, 193, 196.

104 Scott, American War Machine, 195-205; Northwoods document, Joint Chiefs of Staff Central Files 1962-63, p. 178, NARA Record # 202-10002-10104.

105 Fenton, Disconnecting the Dots, 283-355; Scott, War Conspiracy, 341-96.

106 Jason Ditz, “Report: CIA Drones Killed Over 2,000, Mostly Civilians in Pakistan Since 2006,” AntiWar.com, January 2, 2011, here. Cf. Karen DeYoung, “Secrecy defines Obama’s drone war,” Washington Post, December 19, 2011, here (“hundreds of strikes over three years — resulting in an estimated 1,350 to 2,250 deaths in Pak).

107 Michael Klare, Blood and Oil (New York: Metropolitan Books/ Henry Holt, 2004), 135-36; citing R. Jeffrey Smith, “U.S. Leads Peacekeeping Drill in Kazakhstan,”Washington Post, September 15, 1997. CF. Kenley Butler, “U.S. Military Cooperation with the Central Asian States,” September 17, 2001, here.

– See more at: http://japanfocus.org/-Peter_Dale-Scott/3723#sthash.Jm95vUHm.dpuf

Dieser Artikel erschien bereits auf LarsSchall.com. Die Veröffentlichung erfolgte mit ausdrĂŒcklicher Genehmigung von Lars Schall.