„Man muss die Refinanzierung des Finanzsystems sicherstellen“: AuszĂŒge und Analyse zum Ackermann-Interview

Am Sonntag Abend interviewte der Leiter des Hauptstadtstudios des ersten deutschen Staatssenders, Ulrich Deppendorf, in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ den Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Bank AG und leitenden Direktor des internationalen Banken-Kartells „Institute of International Finance“ IIF, Josef Ackermann. Ackermann Ă€ußert sich zu den BeschlĂŒssen des G20-Gipfels, der AffĂ€re um die deutschen Goldreserven, dem Zusammenbruch von MF Global, der Staatskrise in Griechenland, dem Euro-System und dem fundamentalen VerhĂ€ltnis von Kapital und Staat, explizit im WĂ€hrungsgebiet „Euro“.

Dazu ein paar AuszĂŒge (es gilt das gesprochene Wort), Kommentare, Analysen und EinschĂ€tzungen.

0.52 min
Ackermann zum vermeintlichen „Schuldenschnitt“ von 50 Prozent fĂŒr Griechenland:

„Also erst einmal ist das schon ein erster wichtiger großer Schritt“

8.20 min
Ulrich Deppendorf und Josef Ackermann sprechen ĂŒber das letzten Montag so unerwartet zusammengebrochene Derivate-Konsortium MF Global („unvorstellbar, eigentlich“) ohne den Finanzkonzern beim Namen zu nennen. Dabei kommt Ackermann hinsichtlich des „Schuldenschnitts“ fĂŒr den griechischen Staat zu einer ganz anderen EinschĂ€tzung als zu Beginn des Interviews:

„Was haben die (MF Global) gemacht? Die haben im Vertrauen, daß europĂ€ische Staatsanleihen sicher ist, haben die europĂ€ische Staatsanleihen gekauft. Das war bisher jetzt eigentlich auch etwas, was zementiert war, Ă€h, fĂŒr, fĂŒr Jahrzehnte. Daß wir jetzt von diesem Prinzip weggegangen sind, wird uns noch viel, viel Sorgen bereiten in der Zukunft. Denn plötzlich muss man davon ausgehen, daß nicht nur Griechenland, sondern vielleicht auch einmal andere Staatsanleihen, Ă€h, irgendwie nach einer Lastenteilung rufen und das ist eine ganz gefĂ€hrliche Entwicklung.“

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Ackermann zur Frage „Wachstum“ und Griechenland:

„..jetzt muss aber auch Wachstum kommen. Ich glaube, wir mĂŒssen noch viel mehr den Fokus auf Wachstum legen.“

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Ackermann zur Frage „Wachstum“ und Griechenland:

„Wieso haben so viele Millionen von Anlegern in der ganzen Welt griechische Anleihen gekauft und zwar bis zu 350 Milliarden? Ich glaube, da gibt es drei oder vier Punkte. Das erste ist: Griechenland, wie alle anderen LĂ€nder haben profitiert von einem tiefen Zinssatzniveau, sie haben profitiert von einer tiefen Inflationsrate und dann gab es ein großes Wachstums-, Ă€h, Illusion vielleicht. Also Griechenland ist stark gewachsen. Man hat das GefĂŒhl gehabt, innerhalb dieser Eurozone wĂŒrden diese LĂ€nder aufblĂŒhen. Und das war ein Fehler.“

7.27 min
Ackermann zu den harten Bedingungen der Banken mit Sitz in europĂ€ischen Staaten im Zuge der „Stabilisierung Europas“, sowie mittelbar zur Frage von „Wachstum“ und Griechenland.

„Aber wir leiten natĂŒrlich auch viele Schritt ein, die uns im globalen Wettbewerb in eine etwas schwierige Situation bringen. Wenn ich jetzt denke, die amerikanische Banken, die asiatischen Banken arbeiten noch mit wesentlich niedrigeren Kapitalquoten, mindestens was das (unverstĂ€ndlich) Minimum betrifft, als die EuropĂ€er jetzt mit neun Prozent, wir haben Bankenabgaben, das die meisten nicht haben, wir sprechen ĂŒber eine Finanztransaktionssteuer, also irgendwann muss man langsam, glaub ich, sagen: genug ist genug. Die Banken können nicht mehr leisten, wenn man auch von den Banken erwartet, daß sie das dringend notwendige Wachstum finanzieren und das ist am Schluss die wichtigste Aufgabe der Banken.

2.21 min
Ackermann wird dazu von Deppendorf gefragt, ob denn jetzt die Spekulation gegen den Staat Italien aufhören, oder ob er, Ackermann, jetzt warten wĂŒrde, bis Italiens MinisterprĂ€sident Silvio Berlusconi „nicht mehr da ist“.

2.50 min
Ackermann endet mit seiner Antwort wie folgt:

„Also, das ist fĂŒr mich eine politische FĂŒhrungsfrage in Italien.“

Anmerkung: Zur Zeit erpresst die unabhĂ€ngige Frankfurter EZB, deren tragende SĂ€ule die Bundesbank ist, als ausfĂŒhrender Diktator des Euro-Kapitalismus einen politischen Systemwechsel in Italien.

9.40 min
Ackermann dringt auf strikte Beibehaltung der UnabhĂ€ngigkeit der Frankfurter EZB Zentralbank von den Staaten und die strikte Beibehaltung der finanziellen AbhĂ€ngigkeit der Staaten von der Zentralbank. Er Ă€ußert sich zu den Unterschieden zwischen dem „Federal Reserve System“ des Dollar-Systems und dem Euro-System unter der EZB und dringt auf eine Beibehaltung des Euro-Systems, was sich aber, damit es gleich bleibe, verĂ€ndern mĂŒsse.

„Wir mĂŒssen alles tun, daß die Zentralbanken ihre originĂ€re Aufgabe wahrnehmen, aber dafĂŒr brauchen wir in Europa eben gewisse VerĂ€nderungen. Wir brauchen wahrscheinlich eine neue Idee fĂŒr Europa, die auch die jungen Menschen begeistert, damit alle wieder mitziehen. Und wie brauchen eine StĂ€rkung der institutionellen Rahmenbedingungen, sonst werden wir dieses Europa der Zukunft nicht schaffen.“

Analyse: der Leiter des internationalen Banken-Kartells fordert hier im deutschen Staatsfernsehen einen neuen EU-Vertrag, um die finanzielle Kontrolle der Banken ĂŒber die TrĂ€ger des Euro-Kapitalismus, die rund 330 Millionen Nutzer der WĂ€hrung und ihre Staaten, weiter zu gewĂ€hrleisten.

2.56 min
Der Leiter des Hauptstadtstudios des ersten deutschen Staatssenders und der Vorsitzende des internationalen Banken-Kartells IIF kommen auf die Frage der Goldreserven zu sprechen, welche auf dem G20-Gipfel gleich mehrere FinanzverlierermĂ€chte auf den GeldmĂ€rkten „zur Beruhigung“ verteilen wollten. Beide erwĂ€hnen dabei nicht das Wort „Goldreserven“.

Ulrich Deppendorf: „Eine Linie, oder eine Disskussionsgrundlage auf dem Cannes-Gipfel war ja auch, an die WĂ€hrungsreserven der Notenbanken dranzugehen, also auch an die WĂ€hrungsreserven der deutschen Bundesbank. Bundesbank-PrĂ€sident Weidmann hat sich vehement dagegen gestrĂ€ubt. Hat er da recht, oder sehen Sie da eine Möglichkeit, an der man irgendwann gar  nicht mehr vorbeigehen kann?

Josef Ackermann: „Darf ich vielleicht grundsĂ€tzlich. Es gibt vier Punkte, die man lösen muss. Erstens: die SchuldentragfĂ€higkeit Griechenlands muss man verbessern. Zweitens: man muss einen Rettungsschirm aufbauen, der wesentlich grĂ¶ĂŸer ist, als den, den man bis heute kennt. Drittens: man muss die schwachen Banken rekapitalisieren. Und viertens: man muss die Refinanzierung des Finanzsystems sicherstellen. Man hat vieles jetzt in die richtigen Wege geleitet. Was noch fehlt, ist die Aufstockung des Rettungsschirms.“

Kommentar: Auf dem G20-Gipfel ernannten Kanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Wolfgang SchĂ€uble und Bundesbank-PrĂ€sident Jens Weidmann zusammen mit ihren Amtskollegen aus 18 weiteren Industrie- und HandelsmĂ€chten die Deutsche Bank AG als eine von 29 Systembanken des Weltkapitalismus, deren Insolvenz durch alle G20-Staaten um jeden Preis zu verhindern sei. Merkel, SchĂ€uble und Weidmann unterschrieben folgende ErklĂ€rung (“Volle Resourcen” des Euro-Gebietes: G20 ernennen 29 Systembanken des Weltkapitalismus):

“Wir begrĂŒĂŸen den umfassenden Plan des Euro-Gebietes und mahnen rasche Ausarbeitung und Umsetzung an, eingeschlossen LĂ€nder-Reformen. Wir begrĂŒĂŸen die Entschlossenheit des Euro-Gebietes, seine vollen Ressourcen und gesamte institutionelle KapazitĂ€t zu bringen, um die Wiederherstellung von Vertrauen und finanzieller StabilitĂ€t zu tragen und das angemessene Funktionieren von Geld- und FinanzmĂ€rkten sicherzustellen.”

Mittlerweile hat die Bundesbank bestĂ€tigt, daß auf dem G20-Gipfel es den „Plan“ gab, die in deutschem Staatsbesitz befindlichen Goldreserven fĂŒr Einheiten der angedachten WeltwĂ€hrung des „Internationalen WĂ€hrungsfonds“, die „Sonderziehungsrechte“ umzutauschen und dann als Garantie fĂŒr eine neue „Zweckgesellschaft“ der Zweckgesellschaft EFSF einzusetzen.

Von der Kanzlerin behauptete anschließend MdB Michael Fuchs, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand, Mitglied im PrĂ€sidium des „Arbeitgeberverbandes“ BDA, GrĂŒndungsprĂ€sident der Bundesvereinigung Deutscher HandelsverbĂ€nde, Lobbyist der vier großen Energiekonzerne ĂŒber Deutschland, sowie hochrangiges Mitglied der Trilateralen Kommission“, Merkel habe „wie eine Löwin“ um die deutschen Goldreserven gekĂ€mpft. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, welche zu dieser AffĂ€re als erste veröffentlichte, hieß es vorsichtig, Kanzlerin Merkel habe sich „uneindeutig“ verhalten.

EinschĂ€tzung: Angela Merkel ist heimtĂŒckisch, skrupellos und vollkommen emotionsfrei. Was sie nicht kann, ist regieren. Deswegen ist sie immer noch an der Macht. Sie schĂ€tzt die MachtverhĂ€ltnisse ab und geht dann den Weg, der ihr nĂŒtzt. Sie traute sich schlicht nicht, wie eigentlich geplant, Deutschland mit „vollen Ressourcen“ in diese geplante „Neue Weltordnung“, oops, „Neue Weltfinanzordnung“ einzubauen – nicht weil sie dafĂŒr kein Mandat hat, das schert sie einen Dreck, sondern weil ihr die nötigen Machtmittel fehlten, weil das Bundesverfassungsgericht, Dank der SPD-Abgeordneten Swen Schulz und MdB Peter Danckert, das von allen etablierten Parteien fĂŒr ein „nachtrĂ€gliches“ Mandat der Regierung geschaffene neunköpfige Geheimgremium in letzter Sekunde außer Kraft gesetzt hat und jeder der Schurken im Bundestag vor einem offenen Hochverrat davon lĂ€uft, weil sie alle nicht den Mumm haben sich dem Volk zu stellen. (28.Oktober, Bundesverfassungsgericht setzt EFSF-Sonderparlament im Bundestag außer Kraft)

Was Josef Ackermann hier nun im ARD-„Bericht aus Berlin“ am 2.56 min im Fahrtwind des geschwungenen Zaunpfahls von Ulrich Deppendorf sagt, ist erstens: natĂŒrlich wollen wir alles haben, auch die Goldreserven der Deutschen. Zweitens: die „Refinanzierung des Finanzsystems“, also der endlose Tribut an die Banken von Staaten und Menschen bis zum Tod, ist bereits von den Regierungen zugesagt. „Was noch fehlt“, sei das Aufpumpen des EFSF.

Wie das zu geschehen habe, erklÀrt Ackermann im ARD-Interview ab 3.52 min.

„Wir haben eine Versicherungslösung propagiert, die kann man umsetzen. Das wĂŒrde den Rettungsschirm wesentlich erhöhen und damit fĂŒr die nĂ€chsten drei Jahre sowohl die italienischen, wie die spanischen Anleihen absorbieren können – was doch viel mehr Vertrauen geben wĂŒrde.“

Analyse: Ackermann fordert hier die Garantie des deutschen Steuerzahlers fĂŒr sĂ€mtliche Zins- und Zinseszinsforderungen des internationalen Banken-Kartells gegen Italien und Spanien, also deren Staatsschulden.

5.09 min
Zum bereits angeschnittenen interessanten Thema „Refinanzierung des Finanzsystems“ erklĂ€rt Josef Ackermann den zeitlebens immer mittig-willigen Habeetwassen in Deutschland den Unterschied zwischen Geld und Geld, namentlich „Refinanzierung und „Kapital“. Zusammengefasst könnte dieser wie folgt lauten:
„Kapital“: Das Geld, was der Staat und seine BĂŒrger nicht mehr haben.
„Refinanzierung“: Das Geld, was der Staat iund seine BĂŒrger bald nicht mehr haben.

„Aber Kapital ist nur eine Seite. Viel wichtiger ist auch die Refinanzierung. Die Refinanzierung ist fĂŒr viele Banken heute sehr, sehr schwierig geworden.

Deppendorf: Und dann rufen Sie dann doch wieder nach dem Steuerzahler

Ackermann: Das hoff ich nicht.“

Abschließende Bemerkung: Man stelle sich jetzt mal einen ZuhĂ€lter vor, der zu seiner Angestellten sagt: „Wir mĂŒssen da durch“. Vielleicht kommt dann der eine oder andere darauf, was die Begriffe „ich“, „Du“, „er, „sie“ und „wir“ fĂŒr eine Bedeutung haben.

Wir sind nicht der DGB, wir sind nicht Attac, wir sind nicht die SPD, die GrĂŒnen oder Die Linke, weil wir keine VerrĂ€ter sind. Wir stellen auch den Euro-Kapitalismus in Frage und sind keine korrupten Heuchler, die von Idioten getragen werden, die zu dumm zum Lesen sind.

Wir werden nicht aufhören den Kapitalismus und seine ganzen Tentakel aus den Köpfen der Menschen zu ziehen und wir stehen zu unserer Verfassung, dem Grundgesetz.

Wir halten Stand. Weil wir wissen, was wir tun und glauben, daß das auch gut so ist. Und ich sage das fĂŒr uns, weil das meine Aufgabe ist, weil niemand anderes mehr da ist, der diesen Job macht.