Aktiv gegen Stuttgart 21Aktiv gegen Stuttgart 21

« | Home | »

DER WELTFINANZKRIEG: Die Vier Zonen der Ökonomie

Von Daniel Neun | 11.Juni 2010

Während sich um Nordkorea, Iran, Griechenland, Spanien und weiteren Feldern auf dem Monopoly-Feld Erde künstlich geschaffene militärische oder finanzielle Krisen abspielten, ging am 25.Mai in Peking das Treffen der Staatsführung Chinas mit einer hochrangigen Delegation aus den USA zuende. Dieser Delegation der USA hatten neben dem Chef der Zentralbank Ben Bernanke, Aussenministerin Hillary Clinton, Finanzminister Timothy Geithner, Handelsminister Gary Locke, noch 200 weitere hochrangige Beamte und Militärs angehört, darunter der Leiter des Pazifikkommandos (Pacom), Admiral Robert Willard.

Die US-Delegation scheiterte in dem Versuch, Chinas Regime zur Aufwertung seiner Währung Yuan, sowie zur Entkopplung des Yuan-Wechselkurses vom Dollar zu zwingen (1, 2). Das bedeutet im Falle der Beibehaltung dieses Status Quo der Währungsverhältnisse, dass sich der wirtschaftliche, politische und soziale Verfall innerhalb der Währungszonen Dollar, Euro, Yen, britischem Pfund, etc, weiter fortsetzen und beschleunigen wird.

Man kann die Welt grob in 4 ökonomische Zonen aufteilen. Gegenseitige Wechselwirkungen, sowie Aufbau und Funktion ihrer jeweiligen Währungszone(n) ergeben sich aus dem weltweiten Geldsystem.

Zentrum. Es kontrolliert das weltweite Geldsystem und dessen Leitwährung. Für seine Leitwährung bekommt es Waren und Produkte aus der Handelszone und Tributzahlungen aus der Tributzone, welche seine Währung und Papiere stützen. In der Absatzzone verkauft es günstig seine eigenen Produkte, meist gegen die eigene Währung. Diese Kategorie steht, relativ leicht erkennbar, für die USA.

Tributzone. Sie versorgt das Zentrum mit Tributzahlungen, entweder indem sie ständig grosse Mengen der Leitwährung des Zentrums durch Geldmittel mit der eigenen Währung aufkauft, die Schulden des Zentrums übernimmt, dessen “Anleihen” (also Schuldscheine / Versprechungen) aufkauft, usw, usw. Unter diese Kategorie fallen die europäischen Staaten (natürlich Deutschland vorneweg), Kanada, Australien, sowie Japan, Südkorea, etc, etc.

Handelszone. Sie versorgt das Zentrum und die Tributzone mit eigenen Waren, Produkten oder Rohstoffen gegen die Papiere/Leitwährung des Zentrums. Dadurch wird die Leitwährung des Zentrums entscheidend gestützt. Klassische Beispiele für Handelszonen sind China, Indien und die Öl-Monarchien des arabischen Raumes.

Absatzzone / Peripherie (“Entwicklungsländer”). Ihre Produkte und Waren gelangen überwiegend nicht in das Zentrum oder die Tributzonen, ihre Währung ist oft direkt an die Währung des Zentrums gekoppelt, in seltenen Fällen auch an die der Tributzone. Im Gegensatz zur Handelszone dient die Absatzzone selbst als Markt für Produkte des Zentrums und der Tributzone, die wiederum in deren Währungen bezahlt werden müssen, welche  oft vorher durch Zentrum und Tributzone als “Entwicklungshilfe” selbst zur Verfügung gestellt wird.

Es ergibt sich dadurch ein dreifacher Effekt: Währungen und Wirtschaftskreislauf des Zentrums und der Tributzone werden durch die Absatzzone / Peripherie gestärkt, deren “Schulden” wiederum ebenso systematisch wie unaufhaltsam steigen. Gleichzeitig kann man als “Rückzahlung” dieser Schulden äusserst günstig Rohstoffe, landwirtschaftliche Güter / Nahrungsmittel, Arbeitskräfte und Dienstleistungen beziehen, sowie die Absatzzone wirtschaftlich (und damit politisch/militärisch) faktisch unterwerfen.

Gegenseitige Interessen: Die Handelszone hat ein Interesse daran, ihre eigenen Währungen niedrig zu halten, damit die eigenen Produkte/Rohstoffe im Zentrum (den USA) bzw in den Tributzonen (wie Europa) im Vergleich zu den dort geltenden Währungen billig bleiben. So erhält die Handelszone dann für ihre Produkte/Rohstoffe den Preis in einer “starken Währung”, die nicht nur innerhalb der eigenen Zone, sondern weltweit viel wert ist. Im Gegenzug erhalten Zentrum und Tributzonen ihre “starke” Währungen, die deswegen so stark ist weil die Handelszone dorthin ihre Produkte/Rohstoffe exportiert und deren Währung als Tauschmittel akzeptiert.

Ein gegenseitiger Deal also, ein Tauschgeschäft, wie jedes Geschäft seit Anbeginn der Menschheit. Der Verlierer in diesem Spiel ist natürlich die Absatzzone. Doch ist ihre Existenz, sowohl für das Zentrum, als für Tributzone und Handelszone, von elementarer Wichtigkeit. Denn gäbe es keine kontrollier- und grenzenlos abschöpfbare Absatzzone mehr, würde das fragile Kartenhaus von Geldsystem und wechselseitigen Interessen zwischen Zentrum, Tributzone und Handelszone zusammenbrechen.

Ohne Absatzzone kein ausreichender Markt mehr für die Produkte des Zentrums und der Tributzone. Auch würden sowohl Leitwährung, als auch die Währungen der Tributzonen (wie Euro, britisches Pfund oder Schweizer Franken) dramatisch an Wert verlieren, gäbe es nicht die Absatzzone / Peripherie der “Entwicklungsländer”, in welcher Zentrum und Tributzonen mit den eigenen Geldmitteln ihrer eigenen Währung ihre eigenen Produkte “verkaufen” könnten.

Dies sollte verdeutlichen, warum Zentrum, Tributzone und Handelszone ein objektives Interesse an der Existenz von Absatzzonen haben; also Gebieten absoluter oder relativer Armut, bzw. schwache, instabile oder unruhigen Staaten in denen Willkür und Zerfall vorherrschen, sowie Diktaturen, die Finanz- und Wirtschaftskartellen von Zentrum und Tributzone freien Lauf lassen. Die konsequenteste Absatzzone / Peripherie ist natürlich ein Kriegsgebiet.

Möglichkeiten der Leitwährung. Allein schon die Existenz einer Leitwährung im weltweiten Geldsystem, bietet für das Zentrum jederzeit die Möglichkeit, alle anderen Zonen der Welt faktisch auszuplündern. Man lässt einfach den Kurs der eigenen Leitwährung steigen, nimmt dann für “teures” Geld der eigenen Währung Kredite in anderer Währung auf, investiert diese in real existierene Werte, Produkte, Güter oder andere Währungen, lässt dann die eigene Währung abstürzen und zahlt die aufgenommenen Kredite dann mit eigenen “billigem” Geld wieder zurück. So hat das Zentrum dann objektiv einen “Gewinn” gemacht, ohne irgendetwas dafür tun zu müssen. Ein ähnliches Prinzip der Geldvermehrung aus Währungsschwankungen wenden Banken weltweit jeden Tag an.

Im Vorfeld der zwei Treffen des Tagungsverbundes der zwanzig weltweit “wichtigsten Industrie- und Schwellenländer” (G-20) am 26-27-Juni in Toronto und am 11.-12-November November in Seoul nähert sich so ein über Generationen entstandener Interessenskonflikt und ökonomischer Gegensatz einem Gipfel, dessen Überschreiten zugleich einen Wendepunkt in den bis dahin herrschenden Machtverhältnissen auf dem Planeten Erde darstellt. Die bisherige Machtbalance bricht zusammen.

Dieser Wendepunkt, Bruchpunkt oder Schmelzpunkt, je nach Definition, ist durch die jeweilige herrschende Nomenklatura des Zentrums, der Tributzonen und der Handelszonen, mit ihren jeweiligen militärischen Einflussgebieten und Machtbereichen, seit über einem Jahrzehnt erwartet worden. Kriege wurden geführt, um diesen Wendepunkt zu verhindern; militärische, politische, finanzielle, wirtschaftliche und kulturelle Krisenszenarien wurden in den Schaltzentralen der Macht entwickelt, ebenso Krisenstrategien, Pläne und Gegenpläne, in einem Weltfinanzkrieg der herrschenden Nomenklaturen in den führenden Ökonomie- und Währungszonen.

Nichts davon diente einem anderen Nutzen als der Aufrechterhaltung des gemeinsamen Geldsystems. Dessen Organe aber, die weltweit vernetzten Banken und Zentralbanken, sie sind nicht “systemrelevant”, sondern das System selbst.

Teil II – DER WELTFINANZKRIEG (II): Zuordnung der Vier Zonen der Ökonomie zu den kulturellen Räumen

Quellen:
(1) http://online.wsj.com/article/SB10001424052748703341904575266291812173592.html
(2) http://www.jungewelt.de/2010/05-27/029.php

Diesen Artikel empfehlen und weiterverbreiten:
  • Twitter
  • Google Bookmarks
  • Google Buzz
  • del.icio.us
  • Digg
  • Yigg
  • MisterWong.DE
  • LinkArena
  • Blogosphere
  • Add to favorites
  • LinkedIn
  • FriendFeed
  • MySpace
  • RSS
  • PDF
  • Print

Topics: Hintergrund und Analyse, Kapital | 5 Kommentare »

* * */

5 Kommentare to “DER WELTFINANZKRIEG: Die Vier Zonen der Ökonomie”

  1. politik-web meint:
    11.Juni 2010 at 11:35

    Ich weiß nicht, wo und wie ich anfangen soll. Wie kann man den Politikern und ihrer Lobby Schranken setzen? Wie kann man den Politikern klarmachen, dass ihre Aufgabe nicht die Interessen der Partei, sondern das Wohl des Staates ist?
    http://parlament.politik-web.de/thread/?thread__mid=748895829

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. roush 2.0 meint:
    11.Juni 2010 at 11:57

    Bravo, sehr guter Artikel! Bin schon auf den 2. Teil gespannt, so wie den Untergang dieser 4 Zonen!

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. JustineNel meint:
    11.Juni 2010 at 15:27

    ……………………………………
    Zu neuen Märkten
    ……………………………………

    Interessante Analyse der Globalisierung. Es ist vielleicht sinnvoll daran zu erinnern, dass China 30 Jahre nach der s.g. “Kulturellen Revolution”, die nach Aussen als ein permanentes Chaos wahrgenommen wurde, eine wichtige wenn nicht die wichtigste Weltmacht geworden ist.

    Die Entwicklung stellt das s.g. “Wirtschaftswunder” in Europa nach dem WK II längst im Schatten. Neben den Billionen an Investitionsgelder, die aus den Länder der Zone “Zentrum” und “Tribut” nach China und Indien seit 30 Jahren transferiert werden, die den sozialen Systemen geplündert wurden, entscheidend ist der Transfer der Technologie, die den Investitionsgelder schlicht nachgeschmiessen wird, so wie z.B. “Transrapid”, das spart die Entwicklungskosten und zusammen mit der Zerstörung des Schulsysteme in den Zonen “Zentrum” und “Tribut” versetzt die Zonen in noch grössere Abhängigkeit von der Globalisierung und ihrer Lenker.

    Die “Finanz-Weltgemeinschaft”, die gleiche, die wir schon seit dem Anfang des XX-ten Jahrhunderts kennen

    > http://dassystem.blogspot.com/2008/12/checkliste-fr-die-vorbereitung-eines.html

    hat natürlich die Schaltzentralen in China längst im Griff, unabhängig davon ob die offiziellen Propaganda sie als “kommunistisch” bezeichnet und/oder die gleiche Propaganda die Shows auf dem Platz des Himmlischen Friedens bzw. in Tibet so emotionell für die Demokratiegläubige vorführt.

    zur Propaganda > http://www.finblog.de/2010/06/08/focus-online-hat-mich-abgelehnt/

    Die Nomaden der Investoren, auch aus China, suchen bereits die Märkte, wo die Arbeit noch billige als in China ist, und sie haben gefunden

    > http://www.handelsblatt.com/fussball-verband-fifa-weltmeister-im-geldverdienen;2598892

    der neue Arbeitsmarkt wird feierlich geöffnet.

    Und wir zerbrechen uns den Kopf mit den Fragen nach der Weltregierung und der Weltverschwörung, wozu ?

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. ebm_bln meint:
    12.Juni 2010 at 03:45

    <>

    Heute 12. Juni 2010 – Demo: Berlin und Stuttgart

    “WIR zahlen NICHT für eure Krise!”

    …mit der Aktion

    >>>>> MONEYBASTARDS <<<<

    …ganz nach unserem Geschmack, aus dem
    offenen "Bürger-Bündnis", mit den Gruppen

    Change-Watch, Global-Change, InfoNetzwerk-Berlin
    die Violetten, Volksinitiative – und jeder Menge
    freie Unterstützer, Freunde & Bekannte…

    Artikel, Foto´s, Videos demnächst online…

    greetz, Ein-Besorgter-Mensch Blog

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 1 Daumen runter 1

  5. Ästhetik und Ethik meint:
    15.Juni 2010 at 13:20

    @politik-web:

    ich denke, man kann Schranken setzen, indem man aufzeigt, wo die Grenzen des Wissens derer sind, die politische Handlungen umsetzen wollen; man müsste vielleicht zeigen, was sie (1)wissen müssten, dann was sie (2)wissen und dann, was sie (3)wissen können ["weil Gott es will" ist keine Evidenz, weil die Existenz Gottes dazu bewisen werden müsste usw...] und dann, (4) was sie gar nicht wissen können; und bei all diesen Wissen schließlich muss (5) die Evidenz dargestellt sein und (6) die Legitimität der Evidenz beweisbar sein. Welches all dieser Wissen nicht die nötige Evidenz besitzt, um eine legitime politische Handlung werden zu können ["Das wissen Sie nicht, das müssten Sie wissen, das können Sie nicht wissen, das sollten Sie wissen, das kann niemand wissen..."] im Hinblick auf die Tatsache, dass jede dieser Handlungen ein (massiver) Eingriff sowohl ins Öffentliche als auch ins Private ist (der Unterschied ist dann nur noch ein fiktionaler), schränkt danach die Legitimität der Handlung ein – und solche Eingriffe müssen legitime Evidenzen besitzen -; sind die Evidenzen illegitm, gibt es den Art 20 GG, der selbstevident ist und der das (ethisch-diskursive) Privileg besitzt vor jedem inevidenten (folglich illegitimen, folglich unethischen) Handlungsprivileg der politische (berufsmäßig) Handelnden. Ignoranz gegen nachweisliche Inevidenz ist kein Recht von Politikern und “Zuwiderhandlung wird bestraft”. Die Frage ist. Wie?
    Nun, die Bestrafung kann man nicht durch das (virtuelle) Internet vornehmen, die Legitimität eines Aufbegehrens aber (folglich dessen Evidenz, mithin dessen Notwendigeit) kann man mit dem Internet (verstanden als Archiv) selbst aufzeigen (zb. durch Nachrichten-Seiten wie diese hier, verstanden als Instrument-und-Grundlage).

    Es gibt aber eine Falle, auf die man achten muss, ein “Wie?”, dem man nicht stattgeben darf (als Kritiker etc.): wenn die Frage kommt: “Was würden Sie [als Kritiker etc.] tun?”. Diese Frage ist nicht zu beantworten, denn dazu müssten wir einsteils die Akten durchsehen dürfen, deren Einsicht uns verwehrt wird; andernteils hatten wir keine Zeit zur Vorbereitung einer Bearbeitung ihrer plötzlich in den Raum geworfenen Idee (“Notwendigkeitsgestus”).

    Man muss die Evidenzen der Erkenntnisse in Frage stellen oder auflösen, welche als Grundlage für ein politisches Handeln postuliert wurden (zb. die Inevidenz der Erkenntnis um Defizit-Falken als Postulat für Sozialabbau…)
    Das muss dann zu den Menschen getragen werden (oh ja, auch zu den Dummen… :- )). Aber eben: Wie? Zeitung lesen ist aus der Mode gekommen, irgendwie…

    Nachrichtenverkündung per Flashmob-artiger Aktionen könnte etwas bewirken, aber hier gäbe es wohl einigen Organisationsaufwand. Das ist das Dilemma am Internet: wir können über gewaltige Distanzen miteinander reden und diskutieren und denken, aber wir sitzen nun alle alleine vor unseren Bildschirmen…man müsste das Wissen der Virtualität des Internets irgendwie effizienter in die Öffentlichkeit tragen, aber Techniken dazu gilt es wohl erstmal zu erfinden (zb. Nachrichten-Flashmobs…?) Die Evidenz der verkündeten Nachrichten widerum findet sich selbst im Internet, d.h. mithin gibt es hier nichts nachzuweisen seitens der Nachrichten-Verkünder, insofern das ja vorher bereits geschehen ist und zudem (im Unterschied zur Akteneinsicht etc.) für jeden zugänglich und für niemanden beschränkt, d.h. im Sinne dessen, was man Aufklärung nennt und was der ganze Sinn von Nachrichten ist; jemand, der gegen diese Form von Aufklärung vorgehen wollte, macht sich selbst fragwürdig (also (a forteriori) auch sein In-Frage-Stellung selbst), was seitens der infrage-gestellten Nachrichten-Verkünder erlaubt, dagegen aufbegehren zu dürfen, d.h. im Grunde sogar ein evtl. postuliertes Verbot socher Aktionen zu übergehen (insofern das Verbot inevident ist), zb. weil es Einschränkung der Kontrolle der politischen Gewalten wäre und die Einschränkung dieser Kontrolle seitens der Bevölkerung grundsätzlich nicht akzeptabel ist, da man dann die ganze Sache des Rechtes und des Verfassungsstaates sein lassen kann (auf das Verassungsrecht aber beziehen sich Politiker eben immer und insofern ist dieses gegen sie anwendbar).

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 1 Daumen runter 1