Stellt unsere Kriegsverbrecher vor das Gericht in Den Haag

Der Chilcot-Bericht diese Woche ĂŒber die Rolle Britanniens beim Einmarsch in den Irak 2003 war so höflich und reserviert wie eine ordentliche englische Teeparty. Keine direkten Beschuldigungen, keine Rede von Kriegsverbrechen durch den damaligen Premierminister Tony Blair oder dessen Leitstern, PrĂ€sident George W. Bush. Aber immerhin ziemlich belastend.

Derartige Regierungsberichte und Kommissionen sind eher dazu bestimmt, die Wahrheit zu vernebeln statt zu enthĂŒllen und hĂ€ssliche Fakten unter Bergen von Papier zu begraben, wie im reizenden Programm „Yes, Prime Minister“ lustig bemerkt wurde.

Und unter Bergen von LĂŒgen. Die grĂ¶ĂŸte LĂŒge auf beiden Seiten des Atlantiks war, dass die Invasion und Zerstörung des Irak das Ergebnis von „fehlerhaften Geheimdiensterkenntnissen“ war. Die Lager von Bush und Blair und die Medien der Vereinigten Staaten von Amerika und des Vereinigten Königreichs trieben diese absurde Linie voran.

Nachdem ich seit 1976 ĂŒber den Irak berichtet hatte, war ich einer der ersten, der versicherte, dass Bagdad keine sogenannten Massenvernichtungswaffen besaß, sowie keine Möglichkeiten, diese zu befördern, falls es doch welche hatte. DafĂŒr wurde ich hinausgeworfen und kam auf die Schwarze Liste des fĂŒhrenden TV-Netzwerks und fĂŒhrender Zeitungen in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Ich hatte keine Sympathie fĂŒr den brutalen Saddam Hussein, dessen Geheimpolizei drohte, mich als Spion aufzuhĂ€ngen. Ich konnte mich jedoch nicht der intensiven Kriegspropaganda anschließen, die aus Washington und London kam, serviert von den untertĂ€nigen verlogenen amerikanischen und britischen Medien.

Bei dem geplanten Einmarsch in den Irak ging es nicht um Atomwaffen oder Demokratie, wie Bush behauptete. Zwei mĂ€chtige Gruppierungen in Washington schlugen die Kriegstrommeln: fanatische proisraelische Neokonservative, die sich danach sehnten, einen Feind Israels zerstört zu sehen, und eine Clique von konservativen ÖlmĂ€nnern und Imperialisten rund um VizeprĂ€sident Dick Cheney, die sich die riesigen Erdölreserven des Irak zu einer Zeit unter den Nagel reißen wollten, in der sie glaubten, dass das Erdöl zu Ende ging. Sie organisierten den Krieg gegen den Irak, eine eklatante und illegale Aggression wie Hitlers Einmarsch 1939 in Polen.

Britanniens kriecherischer Tony Blair zog mit den Kriegstreibern mit in der Hoffnung, dass das Vereinigte Königreich die Brösel der Invasion aufpicken und seine ehemalige wirtschaftliche und politische Macht in der arabischen Welt wieder festigen könnte. Blair war lange ein Favorit der britischen Neokonservativen gewesen. Der eloquente Blair wurde als Frontmann fĂŒr den Krieg dem schwerfĂ€llig stockend sprechenden George Bush vorgezogen. Der wirkliche Kriegsherr war jedoch Dick Cheney.

Es gab keine „fehlerhaften Geheimdiensterkenntnisse.“ Es gab Geheimdienste, die unter Druck gesetzt wurden, eine falsche Geschichte zu erfinden, um ihren politischen Herren zu Diensten zu sein. Und einen Haufen falsche Berichte, zusammengebraut von unseren Alliierten im Mittleren Osten wie Israel und Kuwait.

Sogar nach dem milden Chilcot-Bericht liegt Blairs Reputation in Scherben, wie es sich gehört. Wie so ein intelligenter, beredter Mann zugelassen haben kann, von dem tölpelhaften Aufschneider Bush an der Nase herumgefĂŒhrt zu werden, ist schwer zu ergrĂŒnden. Europas FĂŒhrer und Kanada weigerten sich, bei der anglo-amerikanischen Aggression mitzumachen. Frankreich, welches Bush vor der Katastrophe warnte, die er auslösen wĂŒrde, wurde von US-Republikanern verleumdet und als „kĂ€sefressende Handtuchwerferaffen“ verunglimpft.

In der Sache selbst waren die Regierungen Bush und Blair die wirklichen Affen. Saddam Hussein, ein ehemaliger Alliierter der Vereinigten Staaten von Amerika, wurde abgesetzt und gelyncht. Der Irak, das höchstentwickelte arabische Land, wurde nahezu völlig zerstört. Bis zu einer Million Iraker werden wahrscheinlich getötet worden sein, obwohl der Chilcot-Bericht nur von lĂ€cherlichen 150.000 spricht. Wie Saddam vorhergesagt hatte, stieß die Bush-Blair-Invasion die Tore der Hölle auf, und heraus kamen al-Qaida und dann ISIS.

Die Medien der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs, angeblich das Bollwerk der Demokratie, kippten um und wurden zu einem Organ der Kriegspropaganda der Regierung. Blair unterzog die illustre BBC einer SĂ€uberung, weil sie seine Kriegstreiberei nicht voll unterstĂŒtzte. Die BBC hat sich nie davon erholt.

Interessanterweise waren die Berichte dieser Woche ĂŒber die Chilcot-Untersuchung tief in der New York Times vom Donnerstag begraben. Die New York Times war ein entscheidender Mitmacher bei diesem Krieg. Das waren auch das Wall Street Journal, Fox News und die großen TV-Netzwerke. Ohne ihre schĂ€ndliche Duldung wĂ€re es wahrscheinlich nicht zum Krieg gegen den Irak gekommen.

Bush und Blair haben fast 4.500 getötete amerikanische Soldaten auf dem Gewissen, die VerwĂŒstung des Irak, unseren Krieg um eine Billion Dollar, das sich immer weiter ausbreitende Chaos im Mittleren Osten, sowie die Gewalt, die wir zu Unrecht dem „Terrorismus“ und dem sogenannten „radikalen Islam“ in die Schuhe schieben.

Die MĂ€nner und Frauen, die fĂŒr diese grĂ¶ĂŸte Katastrophe unseres Zeitalters verantwortlich sind, sollten zur Rechenschaft gezogen werden. So lange Bush und Blair herumstolzieren und Vortragshonorare kassieren, haben wir kein Recht, andere LĂ€nder, auch nicht Russland und China zu belehren, wie man eine Demokratie oder einen Rechtsstaat betreibt. Bush und Blair sollten wegen Kriegsverbrechen vor das Gericht in Den Haag gestellt werden.

Orginalartikel SEND OUR WAR CRIMINALS TO THE HAGUE COURT erschienen am 9. Juli 2016

Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2016_07_09_stellt.htm