BND an der Kette: „Sie verlassen den demokratischen Sektor“
Pressemitteilung der BĂŒrgerrechtsorganisation Digitalcourage e.V. Foto: Anne Roth.
BĂŒrger legen BND an die Kette – Menschenkette und Kundgebung vor der neuen BND-Zentrale in Berlin.
Berlin, den 5. September. Heute haben viele Menschen den BND vor seiner neuen Zentrale an der Berliner ChausseestraĂe symbolisch an die Kette gelegt. Die Menschenkette zog mit riesigen Kettengliedern vor das BND-GelĂ€nde und schloss die Kette mit einem VorhĂ€ngeschloss. Wenige Tage vor der Wiederaufnahme des NSA-Untersuchungsausschusses forderten die Demonstranten eine sofortige AufklĂ€rung des BND-Skandals, den Stopp der anlasslosen MassenĂŒberwachung und eine wirksame Kontrolle des Geheimdienstes. Zur Kundgebung und Menschenkette hatte ein BĂŒndnis von Amnesty International, Digitalcourage, Humanistische Union, Internationale Liga fĂŒr Menschenrechte, Reporter ohne Grenzen, Whistleblower-Netzwerk und #wastungegen Ăberwachung aufgerufen.
Werner Koep-Kerstin, Bundesvorsitzender der Humanistischen Union: âWir legen den BND an die Kette, weil er den Boden von Demokratie und Rechtstaatlichkeit verlassen hat. Wer millionenfach und ohne Anlass Menschen ausspioniert und ihre privaten Kommunikationsdaten an amerikanische Geheimdienste weitergibt, ist eine Gefahr fĂŒr unser Land. Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung bisher nicht zur AufklĂ€rung dieser illegalen Ăberwachung beigetragen hat. Mit unserer Aktion fordern wir Merkel und Co. zu AufklĂ€rung, Transparenz und Kontrolle auf.â
Matthias Spielkamp, Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen: âDer BND ist ganz offensichtlich unkontrollierbar geworden. Sein PrĂ€sident vertritt offensiv Rechtsauffassungen, die dem Grundgesetz widersprechen und zum Beispiel dazu fĂŒhren, dass die Kommunikation von Journalisten unerlaubt ĂŒberwacht damit der Quellenschutz ausgehöhlt wird. Das ist fĂŒr eine Demokratie inakzeptabel. Vor allem kann es nicht einem Geheimdienst ĂŒberlassen bleiben, Recht und Gesetz fĂŒr sich auszulegen. Doch die Regierung ist offenbar nicht willens oder in der Lage, den BND in seine Schranken zu weisen. Daher haben Reporter ohne Grenzen Klage erhoben und sind zuversichtlich, dass die Gerichte dem BND – und damit auch dem Kanzleramt – die Grenzen aufzeigen werden.â
Prof. Dr. Fanny-Michaela Reisin, PrĂ€sidentin der Internationalen Liga fĂŒr Menschenrechte: „‚BND an die KETTE‘ ist am Vorabend der Wiederaufnahme der Arbeit des NSA-Untersuchungsausschusses unsere Mahnung an die Adresse der Regierung, die parlamentarische Kontrolle des BND im Interesse der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie unseres Landes nicht lĂ€nger zu behindern. Die rĂŒckhaltlose AufklĂ€rung aller Skandale in diesem Geheimdienst muss unterstĂŒtzt und die anlasslose MassenĂŒberwachung gĂ€nzlich eingestellt werden!“
Lena Rohrbach, Expertin fĂŒr Menschenrechte im digitalen Zeitalter bei Amnesty International: „Die willkĂŒrliche Ăberwachung von E-Mails, Telefonaten, SMS und Chats ist eine millionenfache Verletzung des Menschenrechts auf PrivatsphĂ€re. Ăberwachung darf nur stattfinden, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt und die ĂberwachungsmaĂnahme gezielt, notwendig, verhĂ€ltnismĂ€Ăig und richterlich angeordnet ist. Die globale MassenĂŒberwachung durch westliche Geheimdienste erfĂŒllt keines dieser Kriterien.“
padeluun, Digitalcourage e.V.: „Die Forderung unserer Organisation geht weit ĂŒber die Forderung dieses BĂŒndnisses hinaus: Wir fordern eine Abschaffungskommisssion aller bundesdeutschen Geheimdienste, Sichtung und RĂŒckabwicklung aller internationalen Abkommen zur Weitergabe von Daten und den Aufbau einer starken transparent arbeitenden Abwehr. Wir fordern weiterhin, die notwendige Informationsbeschaffung der Regierung in die HĂ€nde von wissenschaftlichen Diensten zu legen.“
Informationen und Fotos: www.bnd-an-die-kette.de
Hinweis: In diesem Artikel wurde die AbkĂŒrzung „BND“ nicht als solche durch Punkte gekennzeichnet.


