„Westunion“ im Berliner Niemandsland: Gespräche über T.T.i.P. „Freihandelsabkommen“ im Auswärtigen Amt

Das "Transatlantische Freihandelsabkommen" ist im Kontext mit dem 2008 bekannt gemachten Konzept einer "Westunion" aus "Europa" und den U.S.A. und der ebenfalls 2008 installierten Mittelmeerunion zu sehen.

Im Zuge der heute beginnenden "Verhandlungen" in Berlin über das "Transatlantische Freihandelsabkommen" T.T.i.P. hält am heutigen Montag der Klassenkamerad von Barack Obama in Harvard, Michael Froman, im Außenministerium der Republik eine kleine Rede. Froman - geradezu eine imperialistische Blaupause, seit vielen Jahren auf allen entsprechenden Ebenen tätig, den G-8 und G-20 Bünden aus Regierungen und Zentralbanken, der "Europäischen Union", usw, sowie gleichzeitig einflussreicher Funktionär sowohl im "Nationalen Sicherheitsrat" und als auch im "Nationalen Wirtschaftsrat" der Vereinigten Staaten von mindestens Amerika - warb vor den "Verhandlungen" über das T.T.i.P. über die Staatsmedien in Deutschland für eine zügige Unterschrift. Dabei ist - wie immer, seit den faktisch erlassen Denkverboten seit Kriegsbeginn in 2001 - der Bevölkerung überhaupt nicht klar was da demnächst unterzeichnet werden soll: das Ende der Welt wie wir sie kennen.

Hinter den "Freihandelsabkommen", die die Regierung der Vereinigten Staaten vor einiger Zeit hastig begann von ihren de facto Kolonien im eigenen Einflussbereich einzufordern - und deren Unterzeichnung die Regierung von Deutschland auf der Ebene der von ihr kontrollierten "Europäischen Union" u.a. mit Japan fordert - verbirgt sich nichts anderes als die Zementierung und Absegnung der bereits seit Jahrzehnten "im Zuge der Globalisierung" weltweit verschwiegen angewandten Rechtsnormen des seit dem Römischen Imperiums entwickelten staatenlosen und und gesetzlosen "Lex Mercatoria", Normen der Handelskammern, Absprachen und Schiedsgerichten zwischen Konzernen und Konsortien und auf oberster Ebene das von den Banken selbst entwickelte Interbanken-System, mit seinen Normen Libor, Euribor, usw.

Die Staaten wie wir sie kennen, die erst gegen Ende des Ersten Imperialismus und vor dem Ersten Weltkrieg überhaupt entstanden sind, sollen dem "Lex Mercatoria" bzw den entsprechenden "Freihandelsabkommen" untergeordnet werden und dann, fast wie nach umgedreht marxistischer Blaupause, im Zuge eines allgemeinen Kapitalismus sich endgültig selbst auflösen.

Wem es aufgefallen ist: dieser Prozess ist bereits in vollem Gange. Und das seit Jahren.

Verfassungen, Rechtsstaat, Demokratie, alle damit verbundenen Normen sind seit Jahren von oben einem permanenten Angriffskrieg ausgesetzt, auf allen Ebenen; zur "Sicherheit" vor allgegenwärtigen mutmaßlichen "Terroristen" und vermeintlich religiösen Attentätern, allgemein gefährlichen Leuten hi und da, wird die gesamte Bevölkerung ausspioniert, ohne eine einzige Reaktion der in regulärer Gewaltenteilung zuständigen Gerichte, wie der Witzfigur von Generalbundesanwalt Harald Range, um nur ein klägliches Beispiel zu nennen. Zur "Sicherheit" eines brutalen kapitalistischen Finanzsystems auf dem Kontinent Europa und seiner Ausplünderung der geschwächten Demokratien werden Parlamente entmachtet und Verfassungsänderungen in europäischen Staaten erzwungen, von explizit deutschem Boden aus. Die von oben gedeckelten und durch sukzessive eingesickerte Contras und Zersetzer kontrollierten etablierten (Partei-)Organisationen und Parteien, explizit im linken, sozialen und sozialistischen Spektrum Deutschlands, tun nichts dagegen und verteidigen vielmehr noch diesen ganzen imperialistisch-kapitalistischen Zerstörungsprozess, zugunsten einer paneuropäischen Ideologie, die speziell auf die europäischen Demokratien angesetzt wurde nachdem diese sich noch vor zehn Jahren für die U.S.A. und ihre Eroberungen in Asien als unangenehm renitent erwiesen.

Verbunden mit der von oben organisierten schleichenden Entstaatlichung der Staaten (siehe Artikelreihe zur Griechenland-Krise) ist der - in Deutschland gescheiterte - Versuch der strukturellen Diffamierung, Stigmatisierung und Zersetzung aller demokratischen, sozialen und intellektuellen Kräfte und Individuen, auch der konservativen und liberalen, vorneweg aber der tatsächlich sozialdemokratischen und sozialistischen, nach Definition der zu Zeiten des Ersten Imperialismus bis 1919 lebenden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, beide über Jahrzehnte in der damaligen "Sozialdemokratischen Partei Deutschlands".

Auch in diesem Artikel sei es noch einmal erwähnt: Rosa Luxemburg schrieb bereits 1911 über das Konzept der “Vereinigten Staaten von Europa” und bezeichnete dies geradezu hellseherisch als "imperialistische Mißgeburt”

Der Vorsitzende der heute als klassische Verräterpartei fungierenden S.P.D., Sigmar Gabriel spricht heute übrigens ebenfalls mit U.S.-Regierungsvertretern, wohl auch im Auswärtigen Amt von Frank-Walter Steinmeier, das leider vergaß den heutigen Termin auf seiner Webseite zu erwähnen.

Anschließend reist Gabriel dann Froman nach Paris hinterher, wo Froman (und höchstwahrscheinlich auch Wirtschaftsminister Gabriel) am Dienstag (06.05.) an einem "Mini-Minister-Treffen" der Welthandelsorganisation W.T.O. und an einem Treffen der Wirtschaftsminister des G-7 Bundes teilnehmen. Am Mittwoch (07.05.) folgt dann das reguläre Treffen der G-7 Wirtschaftsminister.

Der Terminus "Westunion" oder "Abendlandunion" (im Original  “Pour une Union occidentale entre l’Europe et les États-Unis”, "Für eine Abendlandunion von Europa und den Vereinigten Staaten") stammt vom französischen Oberschichtler Edouard Balladur, der diesen Anfang 2008 öffentlich machte. Kurz danach wurde unter Federführung des Präsidenten von Frankreich, Nicolas Sarkozy, und der Kanzlerin von Deutschland, Angela Merkel, in 2008 blitzkriegartig die Mittelmeerunion installiert. Dieses bis heute in Deutschland nicht begriffene trikontinentale Konstrukt, was u.a. wahrhaft vorbildheilige Superdemokratien Vorderasiens über die dort so beliebte Hintertür an unseren Hals befördert, ist im Zusammenhang mit den Revolutionen, Umstürzen, Invasionen im Gebiet der Mittelmeerunion - also Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien, usw - zu sehen. Von gewissen "Friedensverhandlungen" und ähnlichen Witzen mal ganz abgesehen.

Balladurs Entwurf benannte übrigens bereits damals in bewusster Konfrontation Russland und China als anzuvisierende Gegner, unter gleichzeitigem Bezug zu "radikalem Islam". Dazu ein Artikel der "New York Times" vom 7. Januar 2008. In diesem heisst es:

"Das Projekt beinhaltet die skizzenhaften Umrisse einer transatlantischen Wirtschaftszone."

Wir schrieben dazu das erste Mal am 14. Januar 2008, als sich der damalige U.S.-Präsident George Bush und Sarkozy zu Kriegsrat in Saudi-Arabien aufhielten. Etwas ausführlicher hier in Von der Mittelmeerunion zur Abendlandunion, vom 4. März 2008. Zur imperialistischen Hüpferei von Europäischer Union zu Mittelmeerunion zu Westunion mehr in Wie die EU sukzessive von Neokonservativen gekapert und ruiniert wurde, 2. Oktober 2009. Über die Auswirkungen des "Transatlantischen Freihandelsabkommens" zwei Artikel der des Nachdenkens generell sonst ziemlich unverdächtigen "Süddeutschen" (1, 2).

Es sei daraufhin gewiesen, dass sich bis heute alle etablierten politischen Funktionäre weigern zu erklären, welches System mit dem im Herbst 2008 eingeführten Systemwechsel zu staatlich finanzierten "systemrelevanten" Banken eigentlich gemeint ist. Auch dass am 4. November 2011 die Regierungen und Zentralbanker des G-20 Bundes - also auch Kanzlerin Merkel, Finanzminister Schäuble und Bundesbank-Präsident Weidmann - 29 internationale Banken für weltweit "systemrelevant" ("systemically important") a.k.a. sakrosankt erklärten und obendrein die "vollen Ressourcen" des "Euro-Gebietes" für deren Alimentierung einforderten, dürften im Abbaugebiet Deutschland immer noch die Wenigsten begriffen haben.

Wie und warum der schleichende Versuch die europäischen Demokratien über das Euro-System zu entstaatlichen scheiterte und die internationale Nomenklatura jetzt auf die höchste Ebene (die der internationalen Verträge zwischen den immer noch handlungsfähigen und nicht zu umgehenden Staaten und Demokratien im Westblock) ausweichen muss, in der Artikelreihe Weltfinanzkrieg. Entscheidend hierbei ist die, meiner bescheidenen Analyse zufolge, bereits vor Jahren auf internationaler Ebene verabredete Absenkung eines anvisierten verschmolzenen Blocks im Einflussbereich des Euro-Finanzsystems ("Europa") auf den Status einer Handelszone, im Wechsel mit dem dann zur Tributzone aufsteigenden China.

Mein Status ist bekanntlich der eines Niemand. Willkommen in Berlin.