Der Fall Sibel Edmonds

Wer noch nie von Sibel Edmonds gehört hat, sollte bezĂŒglich 9/11 und dem „Krieg gegen den Terror“ wohl eher kleinere Töne spucken. Immerhin sagt Daniel Ellsberg, der Mann, der die Pentagon-Papiere öffentlich machte, dass die Geschichte um Edmonds “bei weitem explosiver ist als die Pentagon-Papiere“.

Von Lars Schall.

ZusĂ€tzlich zum nachfolgenden Artikel, der ein Auszug aus dem im Entstehen begriffenen Buch “Terror, Geld, Öl und Drogen“ ist, empfehlen wir eine Besprechung des Buches von Sibel Edmonds, “Classified Woman“, die hier gefunden werden kann.

Der Fall Sibel Edmonds

Gesetzt, 9/11 wĂ€re ein sogenannter „Inside-Job“ gewesen, so hört man oftmals die Frage: „Wenn nun aber so viele Leute beteiligt gewesen sein mĂŒssen, dann muss doch mal etwas davon durchsickern, oder nicht?“

Zugestanden, das mag man zunĂ€chst einmal so vermuten. Gleichwohl weiß Mike Ruppert von Geheimprojekten zu berichten, die so lange geheim blieben, wie sie geheim bleiben mussten, und an denen eine stattliche Anzahl Tausender von Menschen beteiligt waren. Eine Formel, die bei solchen „verdeckten Operationen“ zu tragen kommt, ist die, dass jeder nur so viel weiß, wie er gerade einmal unbedingt wissen muss. Den Personenkreis derer mit „vollstĂ€ndigem Vorwissen ĂŒber die Anschlage vom 11. September“, beziffert Ruppert,

„wĂŒrde wahrscheinlich nicht ĂŒber zwei Dutzend hinausgehen, die allesamt durch drakonische Geheimhaltungsverpflichtungen zum Schweigen verurteilt sind. Die Verhaltensweisen einiger, die ich im Zusammenhang mit dem 11. September nennen werde, lassen sie allerdings sicherlich zum Kreis der VerdĂ€chtigen zugehörig erscheinen, die eingehend öffentlich und unter Androhung von Konsequenzen im Falle von Unehrlichkeiten zu befragen wĂ€ren.” (1)

Der Personenkreis mit eingeschrĂ€nktem Vorwissen hat freilich auch einen großen Anreiz zum Schweigen, so man bedenkt, dass diese Leute, wenn sie denn „auspackten“, schlechterdings eine Anklage im Zusammenhang mit Hochverrat in Tateinheit mit Massenmord zu fĂŒrchten hĂ€tten.

Des Weiteren macht Ruppert sein Jurymitglied mit abschreckenden Beispielen vertraut, die zeigen, wie es so genannten „Whistleblowern“ ergehen kann, die ĂŒber 9/11 unbequeme Tatsachen zutage fördern könnten; Beispiele, ĂŒber die der US-Historiker Dr. George White Junior feststellte, dass sie ein ZuhĂ€lter-Verhalten von Seiten der Bush-Regierung offenbarten:

„Sie hatten nichts anderes als ZuhĂ€lterprĂŒgel fĂŒr Sibel Edmonds, Coleen Rowley, Bunnatine Greenhouse und andere Whistleblower ĂŒbrig. Edmonds und Rowley waren Mitarbeiter des FBI – zu unterschiedlichen Zeitpunkten an unterschiedlichen Orten arbeitend –, die (unter anderem) auf die mutwillige Ignoranz der Bushies und das rechtswidrige Handeln ihrer Quislinge hinwiesen und zeigten, dass der 11. September mithilfe konventioneller polizeilicher Methoden mit hoher Wahrscheinlichkeit hĂ€tte verhindert werden können.“ (2)

Der Fall von Sibel Edmonds ist besonders hervorzuheben.

Edmonds arbeitete als Sprachspezialistin kurz nach den 9/11-AnschlĂ€gen fĂŒr das FBI in Washington DC und besaß Zugang zu streng geheimen Unterlagen im Zusammenhang mit der TĂŒrkei, dem Iran und zentralasiatischen Republiken. Ihre Aufgabe war es, Überwachungs-TonbĂ€nder und –Transkripte, die mit den TerroranschlĂ€gen am 11. September 2001 im Zusammenhang standen (und den Zeitraum 1996 bis Anfang 2002 umfassten), zu ĂŒbersetzen. Als sie UnregelmĂ€ĂŸigkeiten, Spionage, Korruption und AmtsmissbrĂ€uche meldete, wurde sie kurzerhand vom FBI entlassen. Im Mai 2003 kontaktierte sie die 9/11-Kommission und bat um ein Treffen, um ihren Ermittlern direkt Informationen zu den TerroranschlĂ€gen zu geben. Die Ermittler der Kommission lehnten ihr Ersuchen ab. Aufgrund einer Intervention eines 9/11-Familienmitglieds war es ihr schließlich möglich, der Kommission eine Aussage zu ĂŒbermitteln. Die Aussage wurde vollstĂ€ndig von der Kommission zensiert. Ihr Vorwurf der Spionage gegen ihre FBI-Kollegen wurde vom Amt des Generalinspektors des Justizministeriums untersucht; allerdings sind keine Details veröffentlicht worden. Im Gegenteil: Edmonds wurde, was ihren Fall betraf, mit einem Maulkorberlass (“Gag Order“) belegt, und die Dokumente, um die es ging, wurden vom damaligen Justizminister der U.S.A., John Ashcroft, am 18. Oktober 2002 zusĂ€tzlich mit einer rĂŒckwirkenden Sperre versehen, aus – wie es hieß – „GrĂŒnden der nationalen Sicherheit”.

“Obwohl keine endgĂŒltigen Schlussfolgerungen ĂŒber die SpionagevorwĂŒrfe erreicht wurden, schloss das Justizministerium, dass viele von Edmonds ‘Anschuldigungen ‚unterstĂŒtzt wurden, dass das FBI sie nicht ernst genug genommen hatte, und dass ihre VorwĂŒrfe in der Tat der wichtigste Faktor in der FBI-Entscheidung war, ihren Dienst zu beenden.‘“ (3)

Im August 2004 schrieb Edmonds einen offenen Brief an einen der beiden Vorsitzenden der 9/11-Kommission, Thomas Kean, der auf Asia Times Online erschien. Es folgen ein paar AuszĂŒge daraus, die ich ĂŒbersetzt habe:

„Nach den TerroranschlĂ€gen vom 11. September wurde uns, den Übersetzern der grĂ¶ĂŸten und wichtigsten Übersetzungseinheit beim FBI, gesagt, die Übersetzung von kritischen Informationen im Zusammenhang mit terroristischen AktivitĂ€ten zu verlangsamen, ja, sogar anzuhalten, sodass das FBI dem Kongress der Vereinigten Staaten einen ,umfangreichen Auftragsbestand von nicht ĂŒbersetzten Dokumenten‘ prĂ€sentieren und seinen Antrag auf Budget- und Personalaufstockung begrĂŒnden konnte. WĂ€hrend FBI-Agenten von verschiedenen Außenstellen verzweifelt nach Hinweisen und VerdĂ€chtigen suchten und völlig vom FBI-Hauptquartier und seinen Spracheinheiten abhingen, um mit den benötigten ĂŒbersetzten Informationen versorgt zu werden, wurde Hunderten von Übersetzern durch ihre Verwaltungsvorgesetzten mitgeteilt, nicht zu ĂŒbersetzen und die Arbeit liegen zu lassen. Diese Angelegenheit ist vom Justizausschuss des Senats bestĂ€tigt worden. Über diesen bestĂ€tigten Report wurde berichtet, dass er durch den Bericht des Inspector General des US-Justizministeriums gerechtfertigt wurde. Ich versorgte Ihre Ermittler mit einer detaillierten und spezifischen Darstellung dieser Frage und mit Namen anderer Zeugen, die bereit waren, dies zu bestĂ€tigen.

Heute, fast drei Jahre nach [dem 11. September], und mehr als zwei Jahre, seitdem diese Informationen bestĂ€tigt und unserer Regierung verfĂŒgbar gemacht wurden, bleiben die ZustĂ€ndigen fĂŒr die Sprachabteilungen des FBI in ihren Positionen und sind verantwortlich fĂŒr die Informationen an den Frontlinien der Anti-Terror- und Spionageabwehr-BemĂŒhungen des FBI. Ihr Bericht hat jeden Bezug zu diesem schwerwiegenden Problem weggelassen, hat auf jede Verantwortbarmachung verzichtet, und Ihre Empfehlungen sind vor einer Adressierung dieses Problems zurĂŒckgewichen, das, wenn es ausgespart wird, noch schwerwiegendere Folgen haben wird. Dieses Problem ist systemisch. Warum haben Sie in Ihren Bericht entschieden, dieses Problem trotz der Beweise und Briefings, die Sie erhielten, auszuklammern? Wie kann eine Erhöhung des Budgets dieses Fehlverhalten auf mittlerer Managementebene der bĂŒrokratischen Verwaltung adressieren und beheben? Wie kann das HinzufĂŒgen einer neuen bĂŒrokratischen Schicht des ,Geheimdienst-Zaren‘, der in seinem Kokon weitab von den Aktionslinien steht, dieses Problem adressieren und beheben?

Melek Can Dickerson, eine tĂŒrkische Übersetzerin, wurde vom FBI nach dem 11. September angeheuert und in die verantwortliche Position fĂŒr die Übersetzung sensibelster Informationen zu Terroristen und Kriminellen gebracht, die das FBI untersuchte. Melek Can Dickerson wurde der Zugang zu Top Secret-Informationen gewĂ€hrt, der erst nach einer grĂŒndlichen Hintergrund-Untersuchung erteilt werden kann. Melek Can Dickerson hatte fĂŒr halb-legale Organisationen gearbeitet, die Ziele der Untersuchung des FBI waren. Melek Can Dickerson unterhielt lose Beziehungen zu zwei Personen, die Ziele der Untersuchung des FBI waren. Monatelang blockierte Melek Can Dickerson alle wichtigen Informationen zu diesen halb-legalen Organisationen und Einzelpersonen, mit denen sie und ihr Ehemann in Verbindung standen. Sie stufte Hunderte, wenn nicht Tausende von Dokumenten, die im Zusammenhang mit diesen Zielen standen, als ,nicht relevant‘ ein. Melek Can Dickerson versuchte, andere von der Umsetzung dieser Dokumente abzuhalten, die fĂŒr die FBI-Ermittlungen und unseren Kampf gegen den Terrorismus wichtig waren. Melek Can Dickerson nahm mit der UnterstĂŒtzung ihres direkten Vorgesetzten Mike Feghali Hunderte von Seiten von Top-Secret-Dokumenten des FBI mit und gab sie an unbekannte EmpfĂ€nger weiter. Melek Can Dickerson fĂ€lschte mit der UnterstĂŒtzung ihres direkten Vorgesetzten Unterschriften auf streng geheimen Dokumenten, die mit bestimmten [11. September-bezogenen] HĂ€ftlingen im Zusammenhang standen. Nachdem all diese VorfĂ€llen bestĂ€tigt und dem FBI-Management berichtet wurden, wurde Melek Can Dickerson erlaubt, in ihrer Position zu bleiben, um die Übersetzung sensibler Geheimdiensterkenntnisse, die das FBI erhielt, fortzusetzen und ihren Zugang zu Top Secret-Informationen zu behalten. Offenbar entschied das mittlere FBI-Management, dass es fĂŒr das Bureau nicht gut aussehen wĂŒrde, wenn diese SicherheitslĂŒcke und dieser Spionagefall untersucht und öffentlich gemacht werden wĂŒrde, vor allem, nachdem man durch den FBI-Spionagefall von Robert Hanssen gegangen war. Dieser Fall (Melek Can Dickerson) wurde vom Justizausschuss des Senats bestĂ€tigt. Der Dickerson-Vorfall erfuhr eine große Berichterstattung durch die Presse. Laut [FBI-] Direktor [Robert] Mueller kritisierte der General Inspector das FBI fĂŒr das VersĂ€umnis, diesen Spionagefallbericht ĂŒber Melek Can Dickerson nicht angemessen verfolgt zu haben. Ich stellte Ihren Ermittlern eine detaillierte und spezifische Darstellung dieses Problems zur VerfĂŒgung, die Namen von Zeugen, die bereit waren, dies zu untermauern, und ergĂ€nzende Unterlagen.

Heute, mehr als zwei Jahre, seit der Dickerson-Vorfall dem FBI gemeldet wurde, und mehr als zwei Jahre, seit diese Informationen vom US-Kongress bestĂ€tigt und von der Presse berichtet wurden, bleiben diese Administratoren, die zustĂ€ndig fĂŒr die Personalsicherheit und Sprachabteilungen des FBI sind, in ihren Positionen und verantworten die QualitĂ€t der Übersetzung und die Sicherheit der Übersetzungsabteilungen. Melek Can Dickerson und mehrere FBI-Untersuchungsziele verließen 2002 die USA auf hastige Weise, und der Fall wird noch immer nicht strafrechtlich untersucht. Nicht nur, dass der Supervisor, der diese kriminellen Verhaltensweisen erleichterte, in seiner Aufsichtsposition bleibt, er wurde als Supervisor der arabischen Spracheinheiten des FBI fĂŒr die Anti-Terror- und Spionageabwehr-Untersuchungen befördert. Ihr Bericht hat diese bedeutenden Ereignisse weggelassen, hat auf jede Verantwortungsbarmachung verzichtet, und Ihre Empfehlungen wichen vor der Adressierung dieser schweren Verletzung der Informationssicherheit und dieses sehr wahrscheinlichen Falls von Spionage zurĂŒck. Dieses Problem muss untersucht und strafrechtlich verfolgt werden. Die Übersetzung unserer Geheimdiensterkenntnisse wird Menschen mit LoyalitĂ€ten zu unseren Feinden ĂŒbertragen. 


Vor ĂŒber drei Jahren stellte ein langfristiger FBI-Informant im April 2001 zwei FBI-Agenten und einem Übersetzer spezifische Informationen ĂŒber einen geplanten Terroranschlag von Osama bin Laden zur VerfĂŒgung. Dieser Informant war frĂŒher ein hochrangiger Geheimdienstbeamter im Iran gewesen, der verantwortlich fĂŒr Spionageerkenntnisse aus Afghanistan war. Durch seine Kontakte in Afghanistan erhielt er Informationen, dass: 1.) Osama bin Laden einen großen Terroranschlag in den Vereinigten Staaten auf vier bis fĂŒnf große StĂ€dte plante, 2.) der Angriff Flugzeuge beinhalten wĂŒrde, 3.) sich einige der Personen, die zustĂ€ndig fĂŒr die DurchfĂŒhrung dieses Angriffs waren, bereits in den USA befanden, 4.) der Angriff bald in ein paar Monaten durchgefĂŒhrt werden wĂŒrde. Die Agenten, die diese Informationen erhielten, berichteten sie an ihren Vorgesetzten Thomas Frields beim Field Office des FBI in Washington, indem sie ,302‘-SchriftstĂŒcke einreichten, und der Übersetzer ĂŒbersetzte und dokumentierte diese Informationen. Vom verantwortlichen Special Agent wurde keinerlei Handlung vorgenommen, und nach [dem 11. September] wurde den Agenten und dem Übersetzer gesagt, zu diesem Thema ,Stille zu bewahren‘. Der Übersetzer, der wĂ€hrend der Sitzung mit dem FBI-Informanten anwesend war, Behrooz Sarshar, berichtete diesen Vorfall schriftlich an Direktor Mueller und spĂ€ter an den General Inspector des US-Justizministeriums. Die Presse berichtete diesen Vorfall, und in der Tat erklĂ€rte der Bericht der Chicago Tribune vom 21. Juli 2004, dass FBI- Beamte bestĂ€tigt hatten, dass man diese Informationen im April 2001 erhalten hatte. Ferner zitierte die Chicago Tribune einen Berater von Direktor Mueller, dass er (Mueller) ĂŒberrascht gewesen sei, dass die Kommission diese besondere Frage wĂ€hrend der Anhörung mit ihm nie aufgeworfen hatte. Herr Sarshar berichtete Ihren Ermittlern dieses Problem am 12. Februar 2004 und versorgte sie mit bestimmten Zeitdaten, Orten und Zeugennamen sowie mit den Kontaktinformationen fĂŒr diesen bestimmten iranischen Informanten und die beiden Spezialagenten, die die Informationen erhalten hatten. Ich stellte Ihren Ermittlern eine detaillierte und spezifische Darstellung dieses Problems zur VerfĂŒgung, die Namen der anderen Zeugen und Dokumente, die ich gesehen hatte. Herr Sarshar versorgte auch den General Inspector des US-Justizministeriums mit spezifischen Informationen zu diesem Thema.

Fast drei Jahre nach dem 11. September streiten immer noch viele Beamte ab, spezifische Informationen ĂŒber die PlĂ€ne der Terroristen, die Vereinigten Staaten anzugreifen, zu haben. Das Phoenix-Memo, das Monate vor den [11. September-] Attacken einging, warnte das FBI-Hauptquartier speziell bezĂŒglich der Pilotenausbildung und ihrer möglichen Verbindung zu terroristischen AktivitĂ€ten gegen die Vereinigten Staaten. Vier Monate vor den TerroranschlĂ€gen versorgte der iranische Informant das FBI mit spezifischen Informationen ĂŒber die ,Verwendung von Flugzeugen‘, ,großen US-StĂ€dten als Zielen‘, und darĂŒber, dass ,Osama bin Laden den Auftrag erteilt‘ habe. Coleen Rowley berichtete ebenfalls, dass bestimmte Informationen dem FBI-Hauptquartier gegeben worden waren. All diese Informationen gingen an denselben Ort: das FBI-Hauptquartier in Washington, DC, und an das FBI-Field Office in Washington DC. Ihr Bericht behauptet jedoch, dass einer der Hauptfaktoren fĂŒr das Versagen unserer Geheimdienste darin bestanden habe, dass es keinen zentralen Ort gĂ€be, wo alle geheimen Informationen gesammelt werden. Warum haben Sie in Ihrem Bericht entschieden, die Informationen ĂŒber den iranischen Informanten und Behrooz Sarshar aus ihrer Zeitleiste der verpassten Chancen heraus zu lassen? Warum wurde dieser bedeutende Vorfall nicht erwĂ€hnt, trotz der öffentlichen BestĂ€tigung vom FBI, Zeugenaussagen gegenĂŒber Ihren Ermittlern, und direkt empfangenen Briefings? 


Ich schreibe diesen Brief im Lichte meiner direkten Erfahrung innerhalb der Übersetzungseinheit des FBI wĂ€hrend der entscheidenden Zeiten nach den [11. September-] TerroranschlĂ€gen, im Lichte meines Wissen aus erster Hand von bestimmten Problemen und FĂ€llen innerhalb der Sprachabteilungen des Bureau, und im Lichte dessen, was bereits als Tatsachen etabliert worden ist. Wie Ihnen voll und ganz bewusst ist, grĂŒnden die Fakten, Ereignisse und Probleme, die in diesem Brief zitiert werden, keineswegs auf einer persönlichen Meinung oder auf nicht ĂŒberprĂŒften Behauptungen. Wie Ihnen voll und ganz bewusst ist, wurden diese Probleme und VorfĂ€lle vom republikanischen Senator Charles Grassley und vom demokratischen Senator Patrick Leahy bestĂ€tigt. Wie Sie wissen, wurde laut Beamten mit direkter Kenntnis des Berichts des General Inspectors des US-Justizministeriums ĂŒber meine VorwĂŒrfe, .keine meiner Behauptungen widerlegt.‘ Wie Ihnen voll und ganz bewusst ist, haben selbst FBI-Beamten wĂ€hrend ihres klassifizierten Treffens mit den Mitarbeitern des Rechtsausschusses des Senats vor zwei Jahren
,alle meine VorwĂŒrfe bestĂ€tigt und keinen bestritten‘. Allerdings beinhalten weder die Anhörungen Ihrer Kommission, noch Ihr 567-Seiten-Bericht, noch Ihre Empfehlungen diese ernsthaften Probleme, wichtigen ZwischenfĂ€lle und systemischen Probleme. Ihr Bericht der FBI-Übersetzungsprobleme besteht aus einer kurzen mikroskopischen Fußnote (Fußnote 25). Doch Ihre Kommission drĂ€ngt unsere Regierung aggressiv zu einer hastigen Umsetzung Ihrer Maßnahmen und Empfehlungen auf der Grundlage Ihres unvollstĂ€ndigen und mangelhaften Berichts.

Um ein Problem zu heilen, muss man eine genaue Diagnose haben. Um ein Problem richtig zu diagnostizieren, muss man alle sichtbaren Symptome bedenken und berĂŒcksichtigen. Die Untersuchungen, Anhörungen und der Bericht Ihrer Kommission haben sich dafĂŒr entschieden, viele sichtbare Symptome nicht zu berĂŒcksichtigen. Ich betone ,sichtbar‘, weil diese Symptome seit langer Zeit von Experten aus Geheimdienstkreisen erkannt wurden und in der Presse darĂŒber geschrieben worden ist. Ich betone ,sichtbar‘, weil die wenigen spezifischen Symptome, die ich Ihnen mit diesem Schreiben zur VerfĂŒgung stellte, bestĂ€tigt und öffentlich anerkannt werden. WĂ€hrend ihrer vielen Anhörungen entschied Ihre Kommission, nicht die Fragen zu stellen, die notwendig sind, um die wahren Symptome unseres gescheiterten Geheimdienstsystems zu enthĂŒllen. Ihre Kommission ist diesen schwerwiegenden Symptomen bewusst aus dem Weg gegangen und entschied, sie nicht im 567-Seiten-Bericht aufzunehmen. Nun, ohne eine vollstĂ€ndige Liste unsere Fehler vor [dem 11. September], ohne eine umfassende PrĂŒfung der wahren Symptome, die in unserem Geheimdienstsystem existieren, ohne jegliche Zuschreibung einer Rechenschaftspflicht, und von daher ohne eine solide und zuverlĂ€ssige Diagnose, versucht Ihre Kommission, die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen abzulenken, und eine Heilung durch ĂŒbereilte und kostspielige Maßnahmen zu verschreiben. Es ist wie bei dem Versuch, eine teure Porzellankappe ĂŒber einen zerstörten Zahn mit einer faulen Wurzel zu setzen, ohne zuerst die Wurzel zu behandeln und den infizierten Zahn zu reinigen.“ (4)

In einer weiteren Stellungnahme aus dem Jahre 2004 sagte Edmonds, dass dem FBI detaillierte Informationen uber geplante terroristische Anschlage mit Flugzeugen vorlagen. Auch spielten Drogengeld-Allianzen eine gewichtige Rolle. Soviel immerhin lies Edmonds in einem Interview durchblicken:

„Es gibt eine Menge AktivitĂ€ten in den USA. Eine Menge an Geld
und diese AktivitĂ€ten beinhalten GeldwĂ€sche, Drogen, ein UnterstĂŒtzungsnetzwerk fĂŒr Terrorismus
Leute in hohen Positionen
 [Leute] in der politischen Arena.” (5)

Basierend auf ihren Kenntnissen sagte Edmonds im Juli 2009 in einer von Mike Malloy prÀsentierten Radio-Show ferner:

„Ich habe Informationen zu Dingen, ĂŒber die uns unsere Regierung belogen hat. Zum Beispiel die Behauptung, seit dem Untergang der Sowjetunion hĂ€tten wir sĂ€mtliche unserer engen Beziehungen zu bin Laden und den Taliban eingestellt – diese Dinge konnen sehr einfach auf der Grundlage der Informationen, die in meinem Fall der Geheimhaltung unterliegen, als Lugen nachgewiesen werden, denn wir unterhielten enge Beziehungen zu diesen Leuten, und das betrifft Zentralasien, bis hin zum 11. September.”

In ihrem 2012 erschienen Buch Classified Woman konkretisierte Edmonds die VorwĂŒrfe, insofern sie geltend machte, dass ihren Erkenntnissen nach Osama bin Laden und al-Qaidas Nummer 2, Ayman al-Zawahiri, noch drei Monate nach 9/11 mit der US-Regierung / NATO in der Koordination von Destabilisierungsmaßnahmen in der Kaukasusregion zusammengearbeitet hĂ€tten. Hierbei ging es auch um illegale Waffenschmuggel- und DrogenhandeltĂ€tigkeiten. Edmonds machte geltend, dass sich Ayman al-Zawahiri regelmĂ€ĂŸig mit US-MilitĂ€r- und Geheimdienstpersonal zwischen 1997 und 2001 in der US-Botschaft in Baku getroffen habe, namentlich in einer Operation, die als ,Gladio B’ bekannt sei. DarĂŒber hinaus habe das State Department auf den Kongress eingewirkt, riesige Summen fĂŒr Front-Unternehmen und -NGOs freizumachen (hauptsĂ€chlich mit Verbindungen in die TĂŒrkei – ĂŒber das American-Turkish Council, ATC), um Gelder an die Terroristenzellen in der Kaukasusregion zu kanalisieren. Edmonds legt dar, dass al-Qaida, laut abgehörter ATC-GesprĂ€che, zu 95 Prozent durch Gelder finanziert werde, die aus dem Drogenhandel stammten. Die TĂŒrkei ist fĂŒr das Opium, das aus Afghanistan kommt, ein wichtiges Aufbereitungsland, um von dort ĂŒber Albanien oder Kosovo als Heroin nach Europa gebracht zu werden. (6)

Der englische Politologe Nafeez Mosaddeq Ahmed berichtete im Mai 2013:

„Andere Geheimdienstexperten sind sich einig, dass Edmonds auf eine kriminelle Verschwörung im Herzen des amerikanischen Justizsystems gestoßen war. In ihren Memoiren erzĂ€hlt sie, dass FBI Special Agent Gilbert Graham, der auch im Field Office in Washington an Gegenspionage-Operationen arbeitete, ihr bei einem Kaffee gesagt habe, wie er ,Hintergrunddurchleuchtungen von Bundesrichtern (durchfĂŒhrte)‘, und zwar ,Anfang der neunziger Jahre fĂŒr das Bureau. 
 Wenn wir mit Scheiße ankamen – Leichen im Keller –, hielt das Justizministerium diese zurĂŒck, um sie in der Zukunft gegen sie zu verwenden, damit sie in bestimmten FĂ€llen das tun wĂŒrden, was sie von ihnen getan haben wollten – FĂ€llen, wie Ihrem.“ (7)

GegenĂŒber der Sunday Times habe Edmonds im Jahre 2008 außerdem enthĂŒllt, dass ein hochrangiger Beamter des US-Außenministeriums „auf der Gehaltsliste von tĂŒrkischen Agenten in Washington (war)“, der gegen Geld nukleare und militĂ€rische Geheimnisse weitergab. Darauf sei sie durch GesprĂ€chsmitschnitte gestoßen, die vom FBI aufgezeichnet worden waren; GesprĂ€che, die ihre Kollegin Melek Can Dickerson als ,nicht relevant‘ gekennzeichnet habe. (8)

In dem besagten ExposĂ© der Sunday Times – das letztlich nie erschien – beschrieb Edmonds laut Nafeez Mosaddeq Ahmed

„eine Parallelorganisation in Israel, die mit den TĂŒrken bei illegalen WaffenverkĂ€ufen und Technologietransfers zusammenarbeitete. Israel und die TĂŒrkei betrieben eine Reihe von Scheinfirmen in den USA mit aktiven ,MaulwĂŒrfen in sensiblen militĂ€rischen und nuklearen Einrichtungen‘, unterstĂŒtzt von US-Beamten, um die Geheimnisse an den Meistbietenden zu verkaufen. Einer der KĂ€ufer war der pakistanische Geheimdienst Inter Services Intelligence (ISI) – der die tĂŒrkischen VerbĂŒndeten oftmals verwendete, so die Times, ,da sie weniger wahrscheinlich Verdacht erregen wĂŒrden.‘

Die pakistanische Operation wurde, berichtete die Zeitung, ,von General Mahmoud Ahmad angefĂŒhrt, dem damaligen ISI-Chef‘ von 1999 bis 2001, als die Behörde beim Training, Versorgen und Koordinieren der afghanischen Taliban half und ihren arabischen VerbĂŒndeten Unterschlupf gab, die in der Koalition namens al-Qaida zusammengebracht worden waren. Ahmad wurde, wie die Times bemerkte, ,[vom FBI] beschuldigt, die Zahlung von $ 100.000 an Mohammed Atta, einem der 9/11-EntfĂŒhrer, unmittelbar vor den Angriffen genehmigt zu haben.‘

Indischen Geheimdienstbeamten zufolge hatten diese dem FBI bei der ,Verfolgung und Feststellung‘ des Finanzwegs zwischen dem General und dem Chef-EntfĂŒhrer geholfen. Diese Entdeckung war, behaupten sie, der wahre Grund fĂŒr den plötzlichen RĂŒcktritt des Generals im Oktober 2001 gewesen. Die pakistanische Tageszeitung The News berichtete am 10. September, dass der ISI-Chef mehrere ,geheimnisvolle Treffen im Pentagon und National Security Council‘ in jener Woche abhielt, darunter auch mit CIA-Direktor George Tenet.“ (9)

GegenĂŒber Nafeez Mosaddeq Ahmed erklĂ€rte Sibel Edmonds des Weiteren, „dass Korruption auf höchster Ebene“ die laufenden Ermittlungen der US-Geheimdienste bezĂŒglich der Planung der 9/11-Angriffe beeintrĂ€chtigt habe – und als die 9/11-TerroranschlĂ€ge aufgetreten waren, half die Korruption dabei, dass der Kongress darĂŒber schwieg. ParteiĂŒbergreifend hĂ€tten ReprĂ€sentanten in beiden Kammern des Kongresses „Schmiergelder von auslĂ€ndischen Agenten“ erhalten, und dies sei in FBI-Ermittlungsberichten vermerkt gewesen. (10)

Außerdem stimme es nicht, so Edmonds, dass die Verbindung zwischen der US-Regierung und al-Qaida nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gekappt worden sei. Die Operationen von al-Qaida in den 1990er Jahren bis hin ins Jahr 2001 genossen die UnterstĂŒtzung von Pakistan und Saudi-Arabien,

„aber die USA ĂŒberwachten und leiteten sie. Sie wurden aus einem geheimen Teil des Pentagon mit einem eigenen BĂŒro geleitet.” (11)

Das FBI habe 1997 eine Untersuchung dieser Zielobjekte begonnen. Major Douglas Dickerson, der Ehemann von FBI-Mitarbeiterin Melek Can Dickerson, soll zu dieser Zeit diese „Gladio”-Operationen des Pentagon in Kasachstan und Turkmenistan geleitet haben. Jene Operationen seien eine

„,Erweiterung‘ des ursprĂŒnglichen ,Gladio‘-Programms gewesen, das in den 1970er Jahren in Italien aufgedeckt wurde und Teil einer EU-weiten verdeckten Operation der NATO war, die bereits in den 1940er Jahren begonnen hatte. Wie der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser in seinem wegweisenden Buch ,Nato-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte KriegsfĂŒhrung‘ festhĂ€lt, hatte eine offizielle parlamentarische Untersuchung in Italien bestĂ€tigt, dass der britische MI6 und die CIA ein Netz von geheimen, paramilitĂ€rischen ,Stay behind‘-Armeen gebildet hatten, deren Mitglieder Faschisten und Nazi-Kollaborateure waren. Die verdeckten Armeen fĂŒhrten TerroranschlĂ€ge in Westeuropa durch, die bei dem, was der italienischen MilitĂ€rgeheimdienst als ,Strategie der Spannung‘ bezeichnete, offiziell den Kommunisten angelastet wurden.“ (12)

Die gleiche Strategie sei laut Edmonds wÀhrend der 1990er Jahre auf einem neuen Kriegsschauplatz angewendet worden, namentlich in Asien.

„Anstelle der Verwendung von Neo-Nazis, verwendeten sie Mudschaheddin, die unter verschiedenen bin Ladens sowie al-Zawahiri arbeiteten“, sagte sie.

Das letzte öffentlich bekannte Gladio-Treffen fand 1990 im Allied Clandestine Committee (ACC) der NATO in BrĂŒssel statt. WĂ€hrend Italien eine Anlaufstelle fĂŒr die Ă€lteren europĂ€ischen AktivitĂ€ten war, sagte Edmonds, dass die TĂŒrkei und Aserbaidschan als KanĂ€le fĂŒr eine völlig neue, andere Art von Operationen in Asien dienten, bei denen Veteranen der antisowjetischen Kampagne in Afghanistan benutzt wĂŒrden, die so genannten ,afghanischen Araber‘, die von al-Qaida ausgebildet worden waren.

Diesen neuen, vom Pentagon gefĂŒhrten Operationen wurde von der FBI- Spionageabwehr der Codename ,Gladio B‘ gegeben. ,1997 bat die NATO [den Ă€gyptischen PrĂ€sidenten] Hosni Mubarak, islamistische Militante, die mit Ayman al-Zawahiri verbunden waren, freizulassen. [Al-Zawahiris Rolle in der Ermordung von Anwar Sadat fĂŒhrte zu Mubaraks Aufstieg.] Sie wurden unter US-Kommando in die TĂŒrkei zur [Ausbildung und Verwendung in] Operationen des Pentagon geflogen‘, sagte sie.

Edmonds Behauptungen finden einige unabhĂ€ngige BestĂ€tigungen in öffentlichen Aufzeichnungen. Das Wall Street Journal bezieht sich auf eine nebulöse Vereinbarung zwischen Mubarak und ,dem operativen FlĂŒgel des Ă€gyptischen Islamischen Dschihad, der damals von Ayman al-Zawahiri angefĂŒhrt wurde. 
 Viele der KĂ€mpfer dieser Gruppe begrĂŒĂŸten einem Waffenstillstand mit der Regierung des ehemaligen PrĂ€sidenten Hosni Mubarak in Jahre 1997.‘

Youssef Bodansky, der ehemalige Direktor der Kongress-Task Force zu Terrorismus und unkonventioneller KriegsfĂŒhrung, zitierte US- Geheimdienstquellen in einem Artikel fĂŒr Defense and Foreign Affairs: Strategic Policy, in dem er ,GesprĂ€che zwischen dem Ă€gyptischen TerrorfĂŒhrer Dr. Ayman al-Zawahiri und einem arabischen Amerikaner‘ bestĂ€tigte, ,von dem bekannt war, dass er sowohl ein Abgesandter der CIA, wie auch der US-Regierung war‘. Er sprach von einem ,Angebot‘, das al-Zawahiri im November 1997 im Auftrag der US-Geheimdienste gemacht wurde, das seinen Islamisten freie Hand in Ägypten gewĂ€hrte, solange sie die US-Truppen auf dem Balkan unterstĂŒtzten. 1998 fĂŒhrte al-Zawahiris Bruder Muhammed eine Elite-Einheit der Befreiungsarmee des Kosovo gegen die Serben im Kosovo-Konflikt an – er hatte angeblich direkten Kontakt zur NATO-FĂŒhrung.

,Deshalb‘, fuhr Edmonds in ihrem Interview fort, ,waren nur vier LĂ€nder von dem Protokoll befreit [wonach das FBI die diplomatische Kommunikation aller LĂ€nder routinemĂ€ĂŸig beobachtete] – Großbritannien, die TĂŒrkei, Aserbaidschan und Belgien – der Sitz der NATO. Kein anderes Land – nicht einmal VerbĂŒndete wie Israel oder Saudi- Arabien – wurde davon befreit. Das ist so, weil diese vier LĂ€nder integraler Bestandteil sogenannter Gladio B-Operationen des Pentagon waren.‘

Edmonds spekulierte nicht ĂŒber die Ziele der ,Gladio B’-Operationen des Pentagon, hob aber die folgenden Möglichkeiten hervor: die Projektierung der US-Macht in der ehemaligen sowjetischen EinflusssphĂ€re; um US-amerikanischen und europĂ€ischen Unternehmen Zugang zu bisher unerschlossenen strategischen Energie- und Mineralreserven zu verschaffen; das ZurĂŒckdrĂ€ngen der russischen und chinesischen Macht; und die Ausweitung des Umfangs lukrativer krimineller AktivitĂ€ten, insbesondere der illegale Waffen- und Drogenhandel.

Die Terrorismus-Finanzexpertin Loretta Napoleoni schĂ€tzt den Gesamtwert dieser kriminellen Ökonomie auf etwa $ 1.5 Billionen pro Jahr, von denen der Großteil ,in die westlichen Volkswirtschaften (fließt), wo es in den USA und in Europa recycelt wird‘, und zwar als ein ,wesentliches Element des Cash-Flows dieser Volkswirtschaften.‘“ (13)

Edmonds zufolge sei es ein Zufall, dass der Opium- und Heroinhandel seit des NATO-Engagements in Afghanistan gewachsen sei. „Ich weiß als eine Tatsache, dass NATO-Flugzeuge routinemĂ€ĂŸig Heroin nach Belgien lieferten“, von wo es dann ins weitere Europa, nach Großbritannien und in die USA gelangt sei. Die Überwachung dieses Vorgangs durch FBI und DEA (Drug Enforcement Agency) hĂ€tten zutage gefördert, dass an diesem eintrĂ€glichen Handel hochrangige Beamte des Pentagon, der CIA und des Außenministeriums beteiligt gewesen wĂ€ren. Gleiches gĂ€lte fĂŒr die DrogenhandelaktivitĂ€ten der Dickersons. Die Beweise hierfĂŒr seien Teil der klassifizierten Dokumente, die Edmonds ĂŒbersetzen sollte. (14)

Insofern sehen wir, dass manche Zeugen, die nur allzu gerne etwas aussagen möchten, daran gehindert wurden und werden – um die „nationale Sicherheit“ zu gewĂ€hrleisten. Wobei die großen Medien mit der entsprechenden Reichweite ihr Scherflein dazu beitragen, indem sie ĂŒber solche FĂ€lle wie den von Sibel Edmonds nicht in dem Maße berichten, wie man es eigentlich von ihnen erwarten sollte. Zumindest ist es schon beachtlich, wenn jemand wie Daniel Ellsberg, der Mann, der die berĂŒhmten Pentagon-Papiere zu Zeiten des Vietnamkriegs enthĂŒllte, zu verstehen gibt, dass die Geschichte um Edmonds „bei weitem explosiver ist als die Pentagon-Papiere“, und dass ihre Anschuldigungen auf ausdrĂŒcklichen Wunsch der Regierung von den Medien „vertuscht“ wĂŒrden. GrundsĂ€tzlich seien, so Ellsberg, einige der Behauptungen ĂŒber die Beteiligung der Regierung an 9/11 glaubwĂŒrdig und das Arrangieren von 9/11 wĂ€re menschlich oder psychologisch nicht außerhalb des Rahmens derer in Amt und WĂŒrden. (15)

Und zu der Frage: „Wenn nun aber so viele Leute beteiligt gewesen sein mĂŒssen, dann muss doch mal etwas davon durchsickern, oder nicht?“, hat Daniel Ellsberg auch so seine von reichlich Erfahrung geprĂ€gten Ansichten:

„Es ist ein Allgemeinplatz, dass ,man keine Geheimnisse in Washington behalten kann’ oder ,in einer Demokratie, egal wie heikel das Geheimnis ist, wird man es wahrscheinlich am nĂ€chsten Tag in der New York Times lesen.’ Diese Binsenweisheiten sind rundweg falsch. (
) NatĂŒrlich kommen am Ende viele Geheimnisse heraus, wie sie es in einer vollstĂ€ndig totalitĂ€ren Gesellschaft nicht tun wĂŒrden. Aber die Tatsache ist, dass die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der Geheimnisse nicht zur amerikanischen Öffentlichkeit durchsickert. (
) Die RealitĂ€t, die der Öffentlichkeit und den meisten Mitgliedern des Kongresses und der Presse unbekannt ist, ist, dass Geheimnisse, die fĂŒr viele von ihnen von grĂ¶ĂŸter Tragweite waren, ihnen fĂŒr Jahrzehnte zuverlĂ€ssig von der Exekutive vorenthalten werden können, selbst wenn sie Tausenden von Insidern bekannt sind.“ (16)

Quellen:

(1) Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon: The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil”, New Society Publishers, 2004, Seite 3.

(2) George White Jr.: “The Pimps have left the Building“, veröffentlicht auf der Website der Society for Historians of American Foreign Relations (SHAFR) am 10. Februar 2009 unter: http://www.shafr.org/2009/02/10/the-pimps-have-left-the-building/

(3) Nafeez Mosaddeq Ahmed: “Why was a Sunday Times report on US government ties to al-Qaeda chief spiked?”, veröffentlicht auf Ceasefie Magazine am 17. Mai 2013 unter: http://ceasefiremagazine.co.uk/whistleblower-al-qaeda-chief-u-s-asset/

(4) “Letter to Thomas Kean from Sibel Edmonds”, veröffentlicht auf Asia Times Online am 5. August 2004 unter: http://atimes.com/atimes/Front_Page/FH05Aa01.html

(5) Vgl. James Ridgeway: “This Made Ashcroft Gag“, veröffentlicht auf The Village Voice am 25. Mai 2004 unter: http://www.villagevoice.com/2004-05-18/news/this-made-ashcroft-gag/1/

(6) Vgl. Sibel Edmonds: “Classified Woman – The Sibel Edmonds Story: A Memoir”, erschienen im Eigenverlag von Sibel Edmonds, 2012.

(7) Nafeez Mosaddeq Ahmed: “Why was a Sunday Times report on US government ties to al-Qaeda chief spiked?”, a.a.O.

(8) Vgl. ebd.

(9) Ebd.

(10) Vgl. ebd.

(11) Ebd.

(12) Ebd.

(13) Ebd.

(14) Vgl. ebd.

(15) Vgl. Laura TycoThe Government Has Ordered the Media Not to Cover 9/11: Pentagon Papers Whisleblower Daniel Ellsberg”, veröffentlicht auf George Washington’s Blog am 16. Juni 2011 unter: http://georgewashington2.blogspot.de/2011/06/pentagon-papers-whistleblower-daniel.html
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(16) Vgl. Daniel Ellsberg: “Secrets: A Memoir of Vietnam and the Pentagon Papers“, zitiert in Susan Gardner: “Conversations with Daniel Ellsberg, Part 3“, veröffentlicht auf Daily Kos am 22. Januar 2006 unter: http://www.dailykos.com/story/2006/01/22/180382/-Conversations-with-Daniel-Ellsberg-Part-3

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