Vorratsdenker gefragt

Kanzlerin Merkel (CDU) und Innenminister Friedrich (CSU) versuchen derzeit im Schatten der blutigen Attentate wĂ€hrend des französischen Wahlkampfs, sowie der im us-amerikanischen Wahlkampf von Justizminister Eric Holder (Demokratische Partei) verkĂŒndeten 5-Jahres-Speicherung der Telekommunikationsdaten der U.S.-StaatsbĂŒrger durch das Counterterrorismus-Zentrum NCTC, eine ganz miese Erpressung unserer Justizministerin. Da sich leider wieder einmal keiner aus Informationsindustrie, Parteien-Branche und Establishment bereit findet, die Worte Grundgesetz und Vorratsdatenspeicherung in Gegensatz und in die Suchmaschinen zu bringen (explizit auch niemand aus der Linken GmbH, wie z.B. der peinliche EU-Fetischist Jan Korte), hier noch einmal das Statement von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum neuen Angriff auf unsere verfassungsmĂ€ĂŸigen Rechte:

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass die EU-Kommission die lange ĂŒberfĂ€llige Überarbeitung immer wieder aufschiebt und gleichzeitig auf die Umsetzung eines Auslaufmodells pocht. Bis heute hat die Kommission keinen Entwurf vorgelegt, obwohl Frau Malmström die Evaluierung bis Ende 2010 und einen konkreten Vorschlag bis Ende 2011 angekĂŒndigt hat. Auf Grundlage meines Kompromissvorschlags werde ich jetzt die Kabinettbefassung zum Quick-Freeze-Verfahren einleiten.“

Immerhin Claudia Roth und Malte Spitz schafften es im laufenden Wahlkampf um die großen VorsitzendeN von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnInnen ein, zwei Worte zum erneuten Versuch der Massenspionage gegen die gesamte Bevölkerung durch Regierung, Polizei, internationale Geheimdienste, spionage-technischen Komplex und die weltweit verwobenen Konglomerate der Musik-, Film-, Medien-, IT- und Internetindustrie zu verlieren:

„Da die EU-Kommission die notwendige Evaluation und Überarbeitung der Richtlinie permanent verschleppt und vor sich herschiebt, ist der Druck aus BrĂŒssel schlicht absurd und leicht als politisches RĂ€nkespiel zu entlarven. Aus diesem Grund ist auch der Plan von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, nun einen Gesetzentwurf zu einer Vorratsdatenspeicherung light einzubringen, völlig inakzeptabel. Wir erwarten von einer fĂŒr Recht und Gesetz zustĂ€ndigen Ministerin, die sich zudem gerne als BĂŒrgerrechtlerin inszeniert, dass sie die Freiheitsrechte der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger wahrt, anstatt ihnen zu schaden. Ihr Vorschlag lĂ€uft nicht auf eine Speicherung nur bei Verdacht hinaus, sondern ebenfalls auf eine anlasslose Speicherung von IP-Daten.“

Wir erwarten auch von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, die sich hier wieder einmal als BĂŒrgerInnenrechtlerInnen (immer korrekt, ja?!) inszenieren, daß sie die Freiheitsrechte der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger in der Republik wahrt. Diese garantieren weder Regierung, noch Parlament, noch Polizei, noch deren GeschwĂ€tz und schon gar nicht dieser zum autoritĂ€ren Finanzimperium mutierte Staatenbund „EuropĂ€ische Union“ – sondern das Grundgesetz.

Bezeichnenderweise fehlen die Worte Grundgesetz und Verfassung auch in der Pressemitteilung der GrĂŒnen. Warum? Weil BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen auf ihrer letzten Bundesdelegiertenkonferenz das Grundgesetz als “offene Frage” bezeichnet haben und dafĂŒr plĂ€dierten, “anlĂ€sslich der EU-Vertragsreform eine verfassungsgebende Versammlung in Deutschland einzuberufen”. Einziger Sinn und Zweck der angepeilten “neuen Verfassung” soll die “stĂ€rkere Integration Deutschlands in der EuropĂ€ischen Union” sein. Und anschließend bezeichnete der “Rechtsexperte” der Bundestagsfraktion von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, Jerzy Montag, das Grundgesetz auch noch als nicht „europatauglich“.

Soviel zur GlaubwĂŒrdigkeit von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, Ableger der „EuropĂ€ischen GrĂŒnen Partei“ in der Republik, in Sachen Artikel 1-19 Grundgesetz, unserer Grundrechte.

Also: auch heute heisst es fĂŒr die verbliebenden Vorratsdenker der Republik ihren Schrank aufzurĂ€umen und wenigstens minimale geistige AktivitĂ€t zu entfalten. Das dĂŒrfte genĂŒgen, um diese lĂ€cherliche Attacke des Kontrollapparats auf die Justizministerin zurĂŒckzuschlagen.

Wer sich natĂŒrlich, typisch pro-europĂ€isch, faul und feige zurĂŒckflĂ€zt und „jaja, nee, nee“ vor sich hinblubbert, kann sich ĂŒber nichts beschweren und bleibt aus allen Kreisen von Denkern und Intellektuellen draußen. Das gilt dann, frĂŒher oder spĂ€ter, auch fĂŒr Regierungen und Parlamente, nach der Parole von Joseph Beuys:

Wer nicht denken will fliegt raus.

(…)

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Und eine Warnung.