Merken Sie sich Jemen

Bin Laden hier, Bin Laden da und Attentate kommen mit Sicherheit: Regierungen, MilitÀrs und Spione starten heute einen allgemeinen schröcklichen Terror-Buhei. Auch Frankreichs Innenminister blÀst Schrecken (lateinisch: terror) in die Presse. Welcher Staat dabei heute auffÀllig unerwÀhnt bleibt, ist Jemen.

Jemen.

Frankreichs Innenminister Brice Hortefeux, dem im laufenden Generalstreik der Franzosen gegen Rentenreform und AusplĂŒnderung durch Regierung und Konzerne langsam das Benzin ausgehen mĂŒsste, setzte sich am gestrigen Sonntag hin und erzĂ€hlte in einem zusammen geschalteten Radio- und TV-Interview eine wirre Geschichte ĂŒber kommenden Terror, Attentate und allerlei blutigen Hokuspokus. Man wisse zwar nicht was, man wisse auch nicht wer, man habe auch keinen blassen Dunst wo, gescheige denn wann – aber „real“ sei das Ganze auf jeden Fall. Mit ganz, ganz, großer innerer Sicherheit.

Hinsichtlich Belegen und Beweisen auf seine Schwachsinnsgeschichte fĂŒr Hornochsen und Bettvorleger hatte Hortefeux folgendes anzubieten: die Geheimdienste der wahhabitischen Monarchie Saudi Arabien hĂ€tten ihm gesagt und Geheimdienste „aus Nordafrika“ hĂ€tten gesagt und Geheimdienste aus den USA hĂ€tten ihm gesagt, dass „in Europa“ ein Attentat von „Al Kaida“ (aka „al-Qaida“, usw) stattfinden wĂŒrde – und zwar von „Al Kaida auf der arabischen Halbinsel“ („al Qaeda in the Arabian Peninsula“, Aqab).

Ausserdem rannten noch „Quellen“ aus den US-Geheimdiensten zum CBS-Reporter Bob Orr und meinten, das Ganze sei glaubwĂŒrdig.

CBS brachte dann noch schnell zusammenhanglos das Stichwort „Pakistan“ unter und zitierte den eigenen Reporter Orr dahingehend, dass im Grunde die „Al Kaida“, „al-Qaida“, nein, doch „al Qaeda“ eigentlich viel lieber ein Attentat in den USA begehen wĂŒrde als in Europa. (1)

Ist es wahr. Tatsache?

Auch die BBC (2) konnte nicht anders, als ebenfalls Pakistan in der Meldung noch ins Boot zu holen. So ein Zufall: nachdem doch die Nato heute ĂŒber CNN vermeldet hatte, man mĂŒsse wohl demnĂ€chst nach Pakistan, weil dort der Osama sei, der Bin Laden. (CNN bringt Nato-MilitĂ€rpropaganda: Bin Laden lĂ€dt auf in Pakistan)

Welcher Staat erstaunlicherweise in dem ganzen Suchmaschinen-Massaker ĂŒberhaupt nicht auftauchte war ausnahmsweise einmal Jemen.

Jemen. Jeeeeeeeeeeeeeemen.

Gestern war man nĂ€mlich frustriert in Washington. Wegen Jemen. Das ist man dort nĂ€mlich öfter. In Washington, nicht in Jemen. Man war nĂ€mlich in Washington frustriert ĂŒber Jemen. Weil die Regierung im Jemen einfach viel zu wenig Schutz benötigen will.(3)

Schutz aus den USA, aus Saudi Arabien, aus Frankreich, aus Deutschland, aus Großbritannien und allen anderen in Asien kriegfĂŒhrenden Staaten. Dabei braucht doch Jemen Schutz. Gegen die „Al Kaida“, „al-Qaida“, nein, doch die „al Qaeda“. Eigentlich die „al Qaeda in the Arabian Peninsula“ (Aqab). Einfach gegen alle, die die Nato-Staaten seit neun Jahren quer durch bald darauf verbrannte Erde jagen, ohne sie irgendwie zu fangen, die „Al Kaida“, die „al-Qaida“, nein, doch die „al Qaeda“. Leider.

Also, der Jemen tauchte heute nicht auf, in den Suchmaschinen. Neben Bin Laden, der Nato undundund. Undundund. Dabei hĂ€tte es doch so viele GrĂŒnde gegeben. Zum Beispiel:

9.Oktober: Die Geheimdienste Ugandas, Kenias und der USA basteln sich eine Verschwörung in Somalia, Jemen und Pakistan wegen der Attentate in Uganda auf Fußballfans im Juli. Und irgendwie sieht diese ganze Scharade nach General David Petreaus aus. (4)
11.Oktober: „El-Kaida-MilitĂ€rchef im Jemen kĂŒndigt Aufbau einer Armee an“ (5)
13.Oktober: “ Obama sieht Jemen als RĂŒckzugsort des Terrornetzwerks El Kaida“ (6). (Verdammt, das KĂŒrzel hatten wir noch nicht.)
13.Oktober: „Jemen: Paris fordert Franzosen zum Verlassen des Landes auf“ (7)
16.Oktober: „Australien verschĂ€rft Reisewarnung fĂŒr Jemen“ (8)
17.Oktober: „Luftangriffe im Jemen gegen mutmaßliche El-Kaida-Verstecke“ (9)
18.Oktober: „El-Kaida-KĂ€mpfer im Jemen zum Tode verurteilt“. (10)

Also: merken Sie sich Jemen. Jemen. Das Land an der sĂŒdöstlichen Ecke Asiens. Da beim Katzensprung nach Afrika. Da wo die bösen Piraten wohnen. Da wo die ganzen Transportwege, Schifffahrtsrouten und Versorgungswege durch den Suezkanal rauschen und in umgekehrter Richtung die Rohstofftransporte nach China aus den SeehĂ€fen Sudans. Da wo man prima MilitĂ€rstĂŒtzpunkte bauen kann, weil man jemanden beschĂŒtzen muss. Vor den Piraten. Vor dem Iran.

Und vor der „Al Kaida“, nein, der „al-Qaida“, nein, doch der „al Qaeda“. Eigentlich vor der „al Qaeda in the Arabian Peninsula“ (Aqab).

(…)

Artikel zum Thema:
11.10.2010 Tuareg – neue “Mudschaheddin” der Sahara und Sahel
06.10.2010 Erpressung der UNO durch WestmĂ€chte fĂŒr Ostafrika-Krieg
08.09.2010 Somalia unter falscher Flagge: Regierungstruppen sind “Al Shahab”-Milizen, tonnenweise US-Waffen “verschwunden”

Quellen:
(1) http://www.cbsnews.com/stories/2010/10/18/world/main6968447.shtml
(2) http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-11562598
(3) http://timesofindia.indiatimes.com/world/middle-east/US-terror-war-in-Yemen-frustrated-by-politics/articleshow/6763194.cms
(4) http://www.google.com/hostednews/ap/article/ALeqM5hzHMeIMsFmUA1bDTDUdeL_hCMbjAD9INR3KO1?docId=D9INR3KO1
(5) http://www.stern.de/news2/aktuell/el-kaida-militaerchef-im-jemen-kuendigt-aufbau-einer-armee-an-1612837.html
(6) http://www.stern.de/news2/aktuell/obama-sieht-jemen-als-rueckzugsort-des-terrornetzwerks-el-kaida-1613318.html
(7) http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/jemen-paris-fordert-franzosen-zum-verlassen-des-landes-aus_aid_561814.html
(8) http://www.stern.de/news2/aktuell/australien-verschaerft-reisewarnung-fuer-jemen-1614397.html
(9) http://www.stern.de/news2/aktuell/luftangriffe-im-jemen-gegen-mutmassliche-el-kaida-verstecke-1614780.html
(10) http://www.stern.de/news2/aktuell/el-kaida-kaempfer-im-jemen-zum-tode-verurteilt-1614882.html

letzte ErgÀnzung: 17 Uhr