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Oberst Klein: Wer war “sein Geheimdienst-Chef”?
In der Kunduz-Affäre drücken sich Presse, Parteien, Militär und Spionage um die entscheidenden Fragen. Radio Utopie wird diese gern noch einmal erläutern.
Von Daniel Neun | 4.Dezember 2009
In der Kunduz-Affäre drücken sich Presse, Parteien, Militär und Spionage um die entscheidenden Fragen. Radio Utopie wird diese gern noch einmal erläutern.
Am gleichen Abend des vom deutschen lokalen Isaf-Befehlshaber Oberst Georg Klein am frühen 4.September befohlenen mörderischen Bombardements gegen eine Menschenmenge, das 137 Menschen das Leben kostet, fliegt ein Reporter der “Washington Post” mit einem Nato-Untersuchungsteam ins deutsche Militärhauptquartier nach Kunduz. Die Zeitung berichtet später folgendes… (1)
Als das Nato-Team am Freitag Abend auf dem Flughafen von Kunduz eintrifft, wird es von Isaf-Kommandeur Oberst Georg Klein “gedrängt”, nicht zum Ort des Geschehens zu fahren. Klein wörtlich:
“Es gibt die Wahrscheinlicheit, dass wir beschossen werden.”
Klein hält auch einen Besuch des Nato-Teams im Krankenhaus bei den Opfern des Luftangriffs für “zu gefährlich”. Stattdessen führt er das Untersuchungsteam in deutschen Isaf-Hauptquartier in einen kleinen, achteckigen Raum und “brieft” dort zusammen mit seinen Untergebenen das Nato-Team.
Klein stellt an jedem Freitag Abend die Ereignisse wie folgt dar: er haben einen strategischen B-1B-Bomber (mit 12.000 Kilometern Reichweite) zum 4 Meilen vom Isaf-Flughafen von Kunduz entfernten Ort des Geschehens entsendet. Die Besatzung des Langstreckenbombers habe am Boden auf dem Gelände rund um die mutmasslich “steckengebliebenen” Tanklastzüge bei einigen Umstehenden leichte Waffen und Granatwerfer wahrgenommen.
Nach 10 Minuten Kreisflug über dem Ort des Geschehens habe der B-1B-Bomber dann “wegen Treibstoffmangels” abgedreht, so Klein. Er habe ein neues Kampfflugzeug angefordert und den Vorfall zur “akuten Bedrohung” erklärt. Klein wörtlich:
“Mein Gefühl war, dass wenn wir die mit diesen Tanklaster davon kommen lassen, die sie für Angriffe auf Polizeistationen oder sogar die PRT (Anm.: das Isaf-Hauptquartier) präparieren”
Zwanzig Minuten später (also eine halbe Stunde nach dem ersten Eintreffen des B-1B-Bombers) seien dann zwei Kampfflugzeuge vom Typ F-15E Strike Eagle über dem Dorf Omar Kheil eingetroffen. Sie hätten Live-Videoaufnahmen in das Isaf-Hauptquartier übertragen. Das deutsche Militär nahm nun Kleins Bericht zufolge auf den Luftaufnahmen vom Ort nahe ihres Militärstützpunktes inmitten der zentralasiatischen Besatzungszone eine grosse Anzahl von Menschen rund um die beiden Tanklastzüge wahr.
Wie Oberst Georg Klein nun an jenem Freitag Abend des 4.September vor dem Nato-Team aussagt, war es “sein Geheimdienst-Chef” welcher am frühen Morgen behauptet hatte, er habe am Telefon von einem einzelnen Informanten gehört, dass es sich bei der Menschenmenge um die Tanklaster ausschliesslich um “Aufständische” gehandelt habe. Die Beschreibung der Szenerie, welche diese Quelle abgeliefert habe, sei entsprechend dem gewesen, was er auf den Bildern der F-15 Jets gesehen habe. Klein: “Die ganze Story passte 100-prozentig”
Wer war zu diesem Zeitpunkt Kleins “Geheimdienst-Chef”?
Wie konnte die Beschreibung der Szenerie, welche der einzelne Informant an den Geheimdienstchef von Klein durchsagte, mit dem den Bildern der F 15-Kampfjets übereinstimmen, wenn dieser Informant laut einem bereits am 4.September nach Potsdam zum Militäroberkommando übermittelten Bericht von Kleins Vorgesetztem, Brigadegeneral Jörg Vollmer, gar nicht vor Ort war?
Der afghanistane Informant hatte demnach nicht einmal Sichtkontakt mit den Tanklastern - war dafür aber in Telefonkontakt mit “den Aufständischen” (2).
Wie kann also Oberst Klein a) Szenerien vergleichen, die nie geschildert wurden und wenn sie b) erlogen waren, wie konnten sie dann zu den Luftbildern passen?
Wieso war der afghanische Informant des Geheimdienst-Chefs von Klein – wahrscheinlich ein Offizier des Bundesnachrichtendienstes – kurz vor dem Bombardement in telefonischem Kontakt mit “den Taliban”? War dieser afghanische Informant von der afghanischen Spionage NDS, der laut Angaben aus der Bundeswehr in Kabul eng mit dem BND zusammenarbeitet? (3)
Woher wusste der Kommandeur der deutschen Truppen in Afghanistan, Brigadegeneral Vollmer, bereits am Abend des Freitag davon, dass dieser Informant kurz vor dem Bombardent mit “den Taliban” in Telefonkontakt war? Wo sind die Protokolle der entsprechenden Handy-Ortung, welche der BND sicher vorgenommen hat? Und wenn nicht - warum nicht?
Warum standen, laut Aussage des Bundestagsabgeordneten Winkelmeier am 8.September (3), die in unmittelbarer Nähe des deutschen Militärstützpunktes an einem “vorgetäuschten” Checkpoint “entführten” Tanklaster der Isaf während ihrer ganzen Fahrt um den Stützpunkt herum unter Luftbeobachtung? (3)
Am 26.November sagt Franz-Josef Jung, zu diesem Zeitpunkt noch amtierender Arbeitsminister, vor dem deutschen Bundestag (4) folgendes aus:
“Als am 6. September ein Bericht der Washington Post im Hinblick auf 125 Opfer – darunter auch zivile Opfer – öffentlich geworden ist, habe ich noch einmal mit Oberst Klein in Afghanistan telefoniert, aber auch mit General McChrystal, dem COMISAF. Wir waren übereinstimmend der Auffassung, dass jetzt alles getan werden muss, um den Sachverhalt korrekt aufzuklären und danach gegebenenfalls die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
Am gleichen Tag, also an diesem 6. September, habe ich auch gegenüber der Öffentlichkeit unterstrichen, dass, wenn es zivile Opfer gegeben hat, wir dies sehr bedauern,
(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Sie haben es ausgeschlossen! Ausgeschlossen!)
und ich habe auch mein Mitgefühl gegenüber den Angehörigen zum Ausdruck gebracht. Ebenfalls habe ich hinzugefügt, dass wir uns in einem solchen Fall um die Angelegenheit kümmern werden. Mir ist dann ein Bericht über die Vorgänge vom 4. September aus Afghanistan zugegangen, der unterzeichnet worden ist von dem Gouverneur der Provinz Kunduz, dem Polizeichef der Provinz Kunduz, dem NDS-Chef der Provinz Kunduz, dem Provinzratsvorsitzenden der Provinz Kunduz und dem Kommandeur der zweiten ANA-Brigade. Dieser Bericht enthält unter anderem folgende Formulierungen – ich zitiere –:
`Durch die Explosion wurden 56 bewaffnete Personen getötet und 12 Personen verletzt. Die Verletzten hatten Verbrennungen und wurden ins Krankenhaus nach Kunduz gebracht, wo ein Verletzter am 4. September 2009 seinen Verletzungen erlag.`
Der Bericht geht dann weiter – ich zitiere wiederum wörtlich –:
`Um diesen Vorfall besser zu untersuchen, ist auf Anordnung des Präsidenten der Islamischen Republik Afghanistans eine Untersuchungskommission eingesetzt worden. Dieser Kommission gehören Vertreter des Innenministeriums, des Verteidigungsministeriums, des NDS und ein Vertreter des Präsidenten an.`
Ich zitiere weiter:
`Am 5. September 2009 ist die Untersuchungskommission mit einer ISAF-Delegation zusammengetroffen, um ihre Informationen abzugleichen. Nach Gesprächen mit Dorfbewohnern und Augenzeugen wurde bewiesen, dass alle Getöteten zu den Taliban und deren Verbündeten gehören.`
Ende des Zitats.”
Was heisst “dann”? Wann ist Franz-Josef Jung dieser Bericht all dieser ehrenwerten Leute – die samt und sonders Afghanistan-Kommandeur Stanley McChrystal am 5.September im Isaf-Hauptquartier bequatschten, es sei nicht nötig sich den Ort der Bombardierung anzugucken (1) – zugegangen? Wann wurde er erstellt und warum erschien er Verteidigungsminister Jung so glaubwürdig, deswegen das Parlament in Berlin anzulügen? Und warum wurde der (paschtunisch-stämmige) Vize-Chef des tadschikisch-dominierten afghanischen Geheimdienstes NDS, Abdullah Laghmani, keine 48 Stunden vor der “Entführung” der Tanklaster bei Kunduz, bei einem gezielten Attentat ermordet? (3)
Wenn das deutsche Militär wirklich, wie behauptet, immerhin schon am Mittag des 4.September – also ca 10.Stunden nach der Bombardierung, deren angegebener Zeitpunkt immer wieder unauffällig verschoben wird – am fünf Kilometer vom eigenen Stützpunkt entfernten Ort der Bombardierung war, wieso warnte dann Oberst Klein die Nato-Delegation dann noch am Abend des 4.September, diesen in Augenschein zu nehmen (1) ?
Und wie kann es sein, dass dann am nächsten Vormittag, am Samstag dem 5.September, der “New York Times”-Reporter Stephen Farrell am Ort der Bombardierung von “Taliban” entführt wird? Wieso hat Farrells Dolmetscher Sultan Munadi, der rein zufällig in Deutschland seine Ausbildung erhalten hat (5), nach Aussagen des entkommenen Fahrers “einen Freund im Dorf” und weiss, dass es am Ort des Luftangriffes gefährlich sein könnte? (3)
Wieso kann dieser Dolmetscher aus der brutalen Geiselhaft von Entführern, die in unmittelbarer Nähe des deutschen Militärhauptquartiers Journalisten entführen, in aller Seelenruhe seine Mutter anrufen und wieso wird dieser Dolmetscher Sultan Munadi dann, bei der “Befreiung” von ihm und Stephen Farrell aus den Händen “der Taliban”, vom britischen SAS praktisch exekutiert und sein Leichnam vor Ort zurückgelassen? (6)
Wieso fragt nicht ein einziger Berliner Parlamentarierer, ja nicht einmal ein einziger Vertreter einer etablierten Partei, wie es sein kann, dass irgendwelche Milizen in der deutschen Besatzungszone Schutzgeld erpressen und Steuern eintreiben, wie der afghanische Innenminister Hanif Atmar und einer der zentralen Autoren der neuen “Afghanistan-Pakistan-Strategie”, Christopher Kolenda, am 21.11. in der “New York Times” aussagten? (7)
Mittlerweile musste das italienische Militär zugeben, jahrelang “Taliban” bezahlt zu haben die Nato-Truppen überfielen, welche danach wiederum an der Heimatfront lautstark nach Verstärkung riefen. Die Monarchie Grossbritannien verkündete Mitte November, die Bezahlung von Milizen gehöre offiziell zu ihrer Militärpolitik, die USA bezahlen sogenannte “Anti-Taliban” (8). Hat die Bundeswehr Milizen bezahlt? Bezahlt sie immer noch Milizen? Wenn ja, wofür? Und was genau ist das eigentlich, ein “Taliban”? Ein Bewaffneter mit Turban? Mit einem speziellen Turban?
Warum redet niemand über die “Gruppe 22″ im Kanzleramt, die nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung” (9) Kanzlerin Angela Merkel “jederzeit über den Stand der Untersuchungen zu dem Luftschlag” informierte und auf dem Laufenden hielt?
Nehmen wir mal an, ein Mafiosi in Kreuzberg geht los und verbrennt 137 Menschen bei lebendigem Leibe. Wochen später tritt dann der Clanchef der Mafiosis vor die Presse und bekundet in lamoryantem Tone, dies sei strafrechtlich “nicht angemessen” gewesen. Seit wann ist es eigentlich wieder möglich, dass deutsche Soldaten Massenmorde befehlen und alle im Grunde stolz darauf sind, weil die Soldaten ein solch schweres Schicksal haben? Wann war dies das letzte Mal in der deutschen Geschichte der Fall und was unterscheidet diese Zeit noch von der heutigen?
Das ist vielleicht die erste Frage, die man sich stellen muss: was unterscheidet einen “weltweiten Krieg” gegen/für dies, das, jenes, von einem ganz normalen Weltkrieg?
(…)
vorhergehende Artikel:
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04.11.2009 Afghanische Warlords stehen jährlich mit Hunderten von Millionen-Dollar-Margen auf NATO-Gehaltslisten
Mit diesem Geld inszenieren diese unter anderem Anschläge, damit ihre privaten Milizen gemietet werden um die Sicherheit der ISAF zu gewährleisten, meldete The Asia Times unter Berufung auf einen Bericht des Zentrums für Internationale Zusammenarbeit an der New York University (NYU), der im September veröffentlicht wurde.
22.10.2009 Besatzungsmächte bezahlen “Taliban”: der Gespenster-Krieg entlarvt sich.
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13.09.2009 Kunduz: Journalist enthüllt Einzelheiten des deutschen Kriegsverbrechens
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Quellen:
(1) http://www.radio-utopie.de/2009/09/06/bundeswehr-oberst-befahl-offenbar-nach-bnd-behauptungen-luftangriff-auf-sichtbare-menschenmenge-125-tote/
(2) http://www.bild.de/BILD/politik/2009/11/26/bomben-video-kunduz-in-afghanistan/verschwieg-minister-jung-die-wahrheit-ueber-die_20bombardierung.html
(3) http://www.radio-utopie.de/2009/09/10/samstag-morgen-entfuehrung-eines-nyt-reporters-5-kilometer-vom-deutschen-isaf-stuetzpunkt-entfernt/
(4) http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/plenarprotokolle/17007.pdf
(5) http://www.welt.de/politik/article4497817/Tod-auf-Heimaturlaub-die-letzten-Worte-des-Sultan-M-Munadi.html
(6) http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/Afghanistan/article6828810.ece
(7) http://www.nytimes.com/2009/11/22/world/asia/22militias.html
(8) http://www.radio-utopie.de/2009/11/23/us-spezialeinheiten-bilden-offiziell-anti-taliban-in-afghanistan-aus/
(9) http://www.sueddeutsche.de/politik/936/496254/text/
Topics: Hintergrund und Analyse, Militär und Krieg, Spionage und Attentate | 7 Kommentare »
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4.Dezember 2009 at 13:07
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von CONTRACOMA, CONTRACOMA erwähnt. CONTRACOMA sagte: Oberst Klein: Wer war “sein Geheimdienst-Chef”?: In der Kunduz-Affäre drücken sich Presse, Parteien, Militär… http://bit.ly/4Cg8w9 [...]
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4.Dezember 2009 at 13:34
[...] von radio utopieOberst Klein: Wer war “sein Geheimdienst-Chef”?von Daniel NeunIn der Kunduz-Affäre drücken [...]
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4.Dezember 2009 at 14:08
Das folgende Video empfand ich als sehr aufschlussreich, was die Gesamtsituation rund um Afghanistan angeht:
http://nuoviso.tv/interviews/interview-mit-christoph-r-hoerstel.html
Dort wird unter anderem die These aufgestellt, dass eine absichtliche Konfrontationspolitik in Afghanistan betrieben wird, mit dem Ziel, so viele Truppen wie möglich in das Land zu bringen – also das Gegenteil, von dem, was uns immer suggeriert wird.
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4.Dezember 2009 at 16:45
@Maester
Das glaube ich auch. Es geht den USA in Wahrheit darum, sich dauerhaft in Afghanistan einzurichten, um von dort eine bessere Kontrolle über die Konkurrenten Rußland und China zu haben und evtl auch eingreifen zu können.
Da dies aber viel Geld und Menschenleben kostet, ist diese Politik selbst in den USA unpopulär und muß mit immer neuen Attacken vermeintlicher Taliban als “notwendig” begründet werden.
mit freundlichen Grüßen
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4.Dezember 2009 at 21:39
Für “unpopuläre” Angriffskriege oder Einnahme “strategischer” geopolitischer Basen braucht es nun einmal ab und an eine medial wirksame “Attacke”, damit das dumme Wählervolk und die Ab-GEORDNETEN in der Heimat was zum Bange machen geliefert bekommen.
Die getöteten Soldaten hier oder “da drüben” sind doch nur “Bauern auf einem Spielfeld”, wie es der noble VÖLKERMÖRDER Henry, the queer, Kissinger, einst verachtungsvoll absonderte. Busenfreund Helmut Schmidts.
“Bauern auf einem Spielfeld” sind sogar auch die EIGENEN LANDLEUTE ALS ZIVILISTEN, wenn man NICHTS unternimmt, um die Sprengung der 911 Türme zu verhindern, damit das zu verdummende Wahlpack was zum Fürchten GELIEFERT bekommt.
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6.Dezember 2009 at 02:45
“Klein stellt an jedem Freitag Abend die Ereignisse wie folgt dar: er haben einen strategischen B-1B-Bomber (mit 12.000 Kilometern Reichweite) zum 4 Meilen vom Isaf-Flughafen von Kunduz entfernten Ort des Geschehens entsendet. Die Besatzung des Langstreckenbombers habe am Boden auf dem Gelände rund um die mutmasslich “steckengebliebenen” Tanklastzüge bei einigen Umstehenden leichte Waffen und Granatwerfer wahrgenommen.
Nach 10 Minuten Kreisflug über dem Ort des Geschehens habe der B-1B-Bomber dann “wegen Treibstoffmangels” abgedreht, so Klein. Er habe ein neues Kampfflugzeug angefordert und den Vorfall zur “akuten Bedrohung” erklärt. Klein wörtlich:”
Der Verweis auf die Reichweite des B1-Flugzeugs macht diese Version der Geschichte nicht unglaubwürdiger. Im Gegenteil. Besagtes Flugzeug hatte an jenem Tag eine deutsche Operation nördlich von Kunduz unterstützt und war bereits sieben Stunden in der Luft, als es zum Ort des Geschehens gerufen wurde, welcher übrigens nicht Omar Kheil heißt, sondern Haji Saki Dedby. Dass es dann wegen Treibstoffmangel – es muss schließlich noch zurück zu seiner Basis fliegen und eine Reserve einhalten – den “Bomben”-Einsatz abbrach, ist absolut plausibel.
“Wer war zu diesem Zeitpunkt Kleins “Geheimdienst-Chef”?”
Im Wall Street Journal-Artikel steht etwas von einer “Intelligence Section”, “Geheimdienst” ist nur eine falsche Übersetzung dafür.
Der “Geheimdienst-Chef” ist der “S2″, das heißt, der im Stab des PRT für Aufklärung zuständige Offizier. Dieser ist ganz bestimmt kein Mitarbeiter des BND, sondern vielmehr regulärer Soldat in der Heeresaufklärungstruppe, Fernmeldetruppe oder Feldnachrichtentruppe.
“Wieso fragt nicht ein einziger Berliner Parlamentarierer, ja nicht einmal ein einziger Vertreter einer etablierten Partei, wie es sein kann, dass irgendwelche Milizen in der deutschen Besatzungszone Schutzgeld erpressen und Steuern eintreiben, wie der afghanische Innenminister Hanif Atmar und einer der zentralen Autoren der neuen “Afghanistan-Pakistan-Strategie”, Christopher Kolenda, am 21.11. in der “New York Times” aussagten? (7)”
Warum das möglich ist?! Die Antwort liegt doch auf der Hand. 1.100 Soldaten sollen eine so riesige Provinz mit hunderttausenden von Einwohnern bestreifen? Zum Vergleich: In Deutschland kämen auf die gleiche Zahl von Einwohnern 17.000 Polizisten.
Klar können 1.100 Soldaten nicht ständig da sein, wo gerade irgendein Bewaffneter seine Spielchen spielt.
Und so weiter, und so weiter. Leute – bitte, denkt mit. Und wenn ihr solche Rückschlüsse nicht selbst ziehen oder solche Informationen nicht selbst recherchieren könnt, dann überlasst die diesbezüglichen Diskussionen Leuten mit militärischem Sachverstand.
Dessen Mangel auch der Grund für das viele Pressegeblubber und die sich ständig widersprechenden Informationen ist.
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6.Dezember 2009 at 14:36
Noergler, vielen Dank. Endlich mal der Versuch einer informellen Gegenwehr. Also:
Die “New York Times” vermeldete am 4.September, dass laut afghanischer “Offizieller” der Luftangriff bei “einer Ansammlung kleiner Dörfer genannt Omar Kheil” erfolgte.
http://www.nytimes.com/2009/09/05/world/asia/05afghan.html?pagewanted=2&_r=1
An diese Ortsbezeichnung habe ich mich in den Artikeln gehalten, ich nehme mal an, dass Haji Saki Dedby eines von diesen kleinen Dörfern ist.
Zweitens: was im “Wall Street Journal” steht, ist irrelevant, weil diese Zeitung keinen Reporter vor Ort hatte und wie alle anderen von der “Washington Post” abgeschrieben hat, deren Reporter als einziger bei der Besprechung des Nato-Teams mit Oberst Klein und der deutschen Isaf-Führung am Abend des 4.September in Kunduz anwesend war. In der “Washington Post” wiederum heisst es über die Person, welche Offizier Klein die Information bezüglich der vermeintlichen Taliban-Versammlung 5 Kilometer vom Isaf-Flughafen präsentierte, es sei “his intelligence chief” gewesen, der mit einer “Afghan source” gesprochen habe
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/09/05/AR2009090502832.html
Nun würde es die Kollegen von der Spionage weltweit sicherlich freuen, wenn wir nur noch “Intelligenz” zu ihnen sagen würden. Aber die Intelligenz, das sind immer noch wir. “Geheimdienst” ist da immer noch ein brauchbarer Begriff und die Selbstbezeichnung ND (Nachrichtendienst) sei jedem gegönnt, aber ein Patent gibt´s da nicht. Der gute alte Begriff “Spionage” tut´s auch.
Von welchem Dienst war denn nun Kleins Spionage-Chef?
Wenn dieser “regulärer Soldat in der Heeresaufklärungstruppe, Fernmeldetruppe oder Feldnachrichtentruppe” gewesen wäre, wäre er erstens nicht der “intelligence chief” vom befehlshabenden Isaf-Kommandeur in Kunduz gewesen und zweitens hätte er wohl kaum behauptet, in telefonischem Kontakt mit einem einzelnen AFGHANISCHEN Informanten gewesen zu sein und allen Ernstes dann vom Isaf-Befehlshaber verlangt, wegen so etwas eine Menschenmenge zu bombardieren.
Falls Heeresaufklärungstruppe, Fernmeldetruppe oder Feldnachrichtentruppe mit afghanischen Informanten arbeiten, anstatt mit militärischer Aufklärung, bitte, dann lass ich mich natürlich gern überzeugen. Aber so wie sich das hier darstellt, hat sich Oberst Klein von jemandem dichtquatschen lassen, der Autorität besass. Und das kann, meiner Meinung nach, nur ein hochrangiger Offizier des Auslandsgeheimdienstes BND gewesen sein, der, wie wir alle wissen, bestens mit dem afghanischen NDS zusammenarbeitet.