Wahlwerbespot: Die Partei die es nicht gibt
Pünktlich zur kommenden Bundestagswahl: Der Wahlwerbespot der Partei die es nicht gibt. Kompatibel auch anläßlich jeder anderen Wahl.
Veröffentlicht auf meinem neuen Odysee Kanal.
Wie Ihr seht, es geht wieder los.
Aktualisierung 12.08.2025
Hier mit Verspätung das Transkript:
Hallo Wahlvolk.
Was willst Du denn jetzt wieder anrichten…? Hast Du nicht schon genug angestellt in den letzten, äh, ein, zwei Jahrzehnten? Muss das denn wieder sein? Denselben Mist nochmal zusammenwählen? Und nochmal und nochmal und nochmal, bis Du in die Kiste fällst?
Falls ja – hasta la vista! Falls nein – hier ist Deine Chance…
Fangen wir doch mal dort an, wo Du überhaupt etwas zu wählen hast: beim Parlament. Den Ministerpräsidenten, die Ministerpräsidentin, den Kanzler, die Kanzlerin, wählt das Parlament – nicht Du…
Und bei den Ministerinnen und Ministern hat sogar das Parlament nichts zu melden. Die werden ernannt und müssen zu gar nichts gewählt sein.
Nun wirst Du sicherlich sagen: „Immerhin! Das Parlament kann man noch wählen.“
Das ist richtig. Denn schlimmer geht‘s immer.
Schade nur, dass das Parlament rund sieben Monate im Jahr überhaupt nicht da ist.
Ja. Du hast richtig gehört. Das Parlament tagt in der Regel nur rund fünf Monate im Jahr. Genauer gesagt: 22 von 52 Wochen (1, 2).
Und bei einer Tagungswoche heisst es, Montag – in aller Ruhe – Anreise, Abreise Freitag, so dass man zeitig zuhause ist. Zwischendurch braucht man Reden gar nicht zu halten. Man kann sie einfach zu Protokoll geben und dem Präsi oben auf‘s Pult knallen.
Anwesend sein muss man auch nicht sein bei der Arbeit… (räusper) …Verzeihung, bei den Sitzungen.
Wir sagen: das muss besser werden!
Wir fordern eine Verdoppelung der Tagungsfrequenz des Parlamentes von 22 auf 44 Tagungswochen. Acht Wochen Urlaub im Jahr müssen reichen. Auch den Herren und Damen Parlamentsnehmern und – Nehmerinnen (zwinker zwinker).
Ach ja – und eine Anwesenheitspflicht bei der Arbeit, Verzeihung, bei den Sitzungen, das muss auch im Parlament drin sein.
Aber machen wir mal weiter.
Wie sieht‘s denn aus mit dem, worüber keiner mehr reden will – mit dem Geld?
Wer hat acht Billionen Euro Geldvermögen der „Privaten Haushalte“? (3)
Du vielleicht?
Dein Nachbar?
Deine Freundin?
Deine Chefin?
Wirklich?
Wie sieht es mit den weiteren acht Billionen Euro Geldvermögen aus, von den „nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften“, den Aktiengesellschaften?
Schon mal etwas davon gehört?
Wurde Dir schon mal ein Kaffee ausgegeben davon?
Wo ist das alles? Wo geht das alles hin?
Und wer hat das verdient…?
Wie merkwürdig, dass von allen Leuten, die sich heutzutage links nennen, keiner mehr über das System des Geldes, oder wie man früher sagte, Vorsicht – (umguck) – KAPITALISMUS redet.
Ist das eine Art kosmisches Gesetz? Eine Art Europhilie? Eine wie auch immer geartete Vergesslichkeit der Genösschen?
Oder ist der Kapitalismus heutzutage ganz besonders unantastbar – weil das prokontinental ist?
Weil man damit andere Völker auch so prima erpressen kann, zum Verkauf ihres Staatseigentums, ihrer Infrastruktur, um sie dann bis auf‘s Blut auszupressen, bis über den Hauptstädten dieses Kontinents schon der Rauch aufsteigt?
„Gemach, Gemach“, „um Himmels Willen“, werden jetzt viele rufen und sagen: „D-Mark! D-Mark!“
Versuchen wir es mal mit einem aus fünf Wörtern der deutschen Sprache bestehenden Satz…
Achtung:
Ein neues Finanzsystem wäre neu. Haben wir das jetzt alle verstanden?
Wir, die Partei die es nicht gibt, fordern ein neues Finanzsystem. Machbar wäre dies, zum Beispiel, durch die Schaffung einer Monetative, einer Vierten Säule der Gewaltenteilung, zu Zwei Dritteln gewählt von der Bevölkerung, vom Wahlvolk, von Dir – das muss man sich mal vorstellen – und zu einem Drittel vom Parlament. Das darf dann zinslose Kredite an Diejenigen ausgeben, die es in den Wirtschaftskreislauf ausgeben und nicht oben auf irgendeinen Talerberg schmeissen.
Denn Du hast sicherlich verstanden: gib einem Armen 50 Euro. Wo ist es in 15 Minuten? Beim Kiosk, beim Supermarkt, hi und da. Es geht ruckzuck in den Wirtschaftskreislauf. Gib 50 Euro einem Millionär, dann schmeisst er es oben auf den Talerberg und entzieht es dem Wirtschaftskreislauf.
Denjenigen Geld zu geben, die es in den Wirtschaftskreislauf ausgeben, belebt die Wirtschaft. Die Kon-junk-tur (kurbel kurbel).
Wir haben das verstanden, oder?
Übrigens: das Kernprinzip des Kapitalismus besteht in dem Monopol auf Erfindung von Kapital. Kapital darf sich selbst neu erfinden. Und drucken.
Du wirst sicherlich sagen: „Hab ich noch nie von gehört“.
Tjaaa – kein Wunder!
Das Kreditmonopol liegt bei den Banken. Der Staat darf keine Kredite vergeben. Warum nur?
Wenn Dir eine Bank einen Kredit gibt, dann greift sie nicht hinter sich in irgendeinen Tresor und holt da Geld raus was sie hat, nein, nein.. Das tut sie nur zu zwei Prozent. Den Rest, 98 Prozent, erfindet die Bank aus dem Nichts. Das nennt sich „Geldschöpfungsmonopol“. Wenn Kredite vergeben werden, wird Geld aus dem Nichts geschaffen. Finanzalchemismus könnte man das nennen. (5)
Nun, wer bezahlt wirklich (damit)? Na Du natürlich, mit Deiner Lebenszeit. Denn Du musst das zurückzahlen, was vorher gar nicht da war.
Jetzt kommen wir mal zum Lieblingssport des Kapitalismus: zum Krieg.
Warum?
Wofür?
Wo?
Wozu?
Haben all die Kriege in Afghanistan, Libyen, Syrien, Irak, irgendetwas Positives erbracht?
Wirklich?
Und war das Millionen von Tote wert?
Wir, von der Partei die es nicht gibt, sagen Nein zum Imperialismus und zu Angriffskriegen, ganz gleich, wer sie initiiert; ob seine Heiligkeit der Cäsar im Weißen Haus oder der neue Zar im Kreml. Das sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Und wenn eins klar geworden ist in den letzten Jahrzehnten, dann das der Imperialismus etwas kann, was Ihr nicht könnt: nämlich Zeitlupe.
Kriege, Eroberungen, Invasionen, Umstürze, diese geostrategischen Vorhaben werden über Jahrzehnte geplant und durchgesetzt, während Ihr euch immer wieder hinlegt wenn Ihr Euch kurz mal aufregt.
Wir werden das ändern. Wir werden das öffentlich machen. Wir werden Anhörungen ansetzen, für Alle, auch die ehrenwerten Herren und Damen in der Geheimpolizei oder im Bundesnachrichtendienst. Wir wollen wissen, warum die nichts wussten, von irgendwelchen Massakern, Angriffskriegen, Bombardements und so weiter.
Warum konnten sie das alles nicht verhindern? Warum haben sie nichts unternommen? Und warum sind sie immer noch im Amt wenn sie total versagt haben?
All dies werden wir immer wieder zum Thema machen, damit es eines bleibt und nicht untergeht in der großen Omerta, die diese Gesellschaft schon erfasst hat.
Wozu eine Mitgliedschaft im Nordatlantikpakt? Wozu?
Ist demnächst eine Invasion aus, äh, Liechtenstein, Dänemark oder Belgien zu erwarten?
Zur Unterstützung von souveränen Demokratien die angegriffen werden, kann man immer noch Sicherheitsgarantien abgeben und entsprechende Vorbereitungen treffen. Dazu braucht man nicht Teil eines Militärpaktes zu sein. Wir verstehen das richtig – keines Militärpaktes.
Wir fordern:
– einen Austritt aus jedem Militärpakt
– eine Halbierung der Militäretats
– eine Zivilisierung der Gesellschaft
– und ein Wiederaufblühen der Demokratie.
Und nun stellt Euch doch mal vor, die Partei die es nicht gibt, gäbe es nicht.
Wieder derselbe Mist? Lass uns über‘s Wetter reden? Blablabla?
AHA! Jetzt habt Ihr die Chance. Am Wahltag kommt es auf Dich an. Dich! Nicht auf irgendwen Anderes, nein, nein… Du musst das schon selber machen.
Denn so ist das: alles muss man selber machen. Sogar die Demokratie.
(…)
Quellenangaben:
1 2 Der Bundestag tagte 2024 nur 20 Wochen im Jahr. In 2025 nur 18 Wochen, bei zwei „Wochen“ bestehend aus jeweils einem und zwei Tagen.
Ich habe den Entwicklungen etwas hinterher gehinkt. Im zweiten Quartal 2024 lag das Geldvermögen der „Privaten Haushalte“ bei 8,8 Billionen Euro (3). Inzwischen sind es über 9 Billionen (4). Das Geldvermögen der „nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften“ stieg im selben Zeitraum von 8,8 Billionen auf 8,9 Billionen Euro.
Das von den Banken aus dem Nichts „geschöpfte“ Geld für den gemeinen Kreditkunden nennt sich „Giralgeld“. Und der Satz der „Mindestreserve“ , also das Geld, was die Bank von diesem „verliehenen“ Geld tatsächlich haben und bei der EZB hinterlegen muss („Mindestreservepflicht“), liegt im Eurosystem seit 2012 nicht mehr bei zwei, sondern bei einem Prozent. (5) Recht gut erklärt in diesem Video.