Neues aus dem Deppendorf: ARD ruft nach EU-Hauptstadtstudio
Der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf, fordert in den ARD-Tagesthemen den Staatsstreich gegen Deutschland: einen Finanzminister der „EuropĂ€ischen Union“, sowie eine Garantie-Ăbernahme aller Staatsschulden von EU-MitgliedslĂ€ndern beim internationalen Bankensystem durch die Deutschen – die „europĂ€ische“ Transferunion.
In den gestrigen ARD-„Tagesthemen“ pflegte Ulrich Deppendorf, nicht unĂŒppig von staatlichen Transferleistungen öffentlich-rechtlicher RundfunkgebĂŒhren in Deutschland alimentiert, mal wieder nervös die EU-Agenda Umsturz. In seinem Kommentar zur so plötzlich gelösten Schuldenkrise von Italien und Spanien durch massive AufkĂ€ufe von Staatsanleihen durch die Frankfurter Euro-Zentralbank EZB, verwirrt er ein wenig die Gefechtssituation, verwechselt die dringende Notwendigkeit von Verteidigung mit Angriff und zieht dann aus einem ganz eigenen Wahrnehmungsbild entsprechende SchlĂŒsse. Deppendorf:
„Die MĂ€rkte treiben die Politik weiter vor sich her“
Ich kann mir nicht helfen: irgendwie erinnert mich das an ein mir wohlbekanntes Mantra: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Wie im Himmel, so auf Erden.“ Nur wen meint der Herr Deppendorf damit?
„Und immer deutlicher wird: die EU bewegt sich hin auf eine Transferunion. Vielleicht am Ende sogar das einzige Mittel, um die MĂ€rkte zu beruhigen.“
Man schmeisse mich in eine MĂ€rkte-Grube. Und warte dann einfach ab.
„Dazu gehören dann aber automatische Sanktionen gegen SchuldensĂŒnder, ein europĂ€ischer Finanzminister, keine Kompetenzstreitigkeiten in BrĂŒssel, die StĂ€rkung weiterer europĂ€ischer Einrichtungen und des wirtschaftlichen Wachstums. Und: schnellere Entscheidungen. Dieses Europa muss endlich zu einer richtigen Wirtschaftsunion werden. Das wird fĂŒr einige LĂ€nder, auch fĂŒr nationale Parlamente, schmerzlich.“
Man muss jetzt nicht im Detail wissen, fĂŒr wen Herr Deppendorf den SĂŒnder spielt und um Vergebung seiner Schulden bitten muss. Offensichtlich aber sehr, sehr schmerzlich fĂŒr ihn und alle anderen Betreiber des Umsturzes gegen die Republik war gestern ein Vorgang, den der Leiter des gefĂŒhlten EU-Hauptstadtstudios der ARD in seinem Kommentar vorhergehend wie folgt beschreibt:
„Die EuropĂ€ische Zentralbank ist auf dem Weg zur Bad Bank. Sie muss auf einmal Haushaltspolitik, Haushalts-Rettung fĂŒr einzelne Staaten wie Italien und Spanien betreiben. Das ist nicht ihre Aufgabe. Eine Notlösung, die die UnabhĂ€ngigkeit dieser Institution immer mehr gefĂ€hrdet. Ein riskantes Manöver.“
Was der Ankauf italienischer und spanischer Staatsanleihen in Milliardenhöhe durch die EZB bedeutet, lese sich bitte jeder selbst in dem Artikel durch, der gestern 15 Minuten vor Beginn der „Tagesthemen“ auf Radio Utopie online ging. (Was da heute wirklich passiert ist)
Da die Meisten selbst dazu zu trĂ€ge und zu faul sein werden, hier eine kurze Zusammenfassung. Die EZB hat, zu unser aller Wohl und das von jedem Menschen innerhalb der WĂ€hrungszone „Euro“, Geld gedruckt und den Staaten Italien und Spanien geschenkt. Damit hat die Zentralbank nicht nur bewiesen, daĂ sie weder eine aus Steuergeldern finanzierte luxemburgische Aktiengesellschaft EFSF als „Rettungsfonds“ braucht, um Staaten innerhalb ihrer WĂ€hrungszone vor der Entstaatlichung und Entdemokratisierung zu bewahren, oder den geplanten Nachfolger „EuropĂ€ischen Stabilisierungsmechanismus“ ESM, einen faktisch diktatorischen EU-Finanzrat mit Bankern als „Beratern“; die EZB hat mit ihrer gestrigen MaĂnahme auch einen strategischen Feldzug des Weltkapitalismus gegen die Demokratien der Welt zum Stehen gebracht. (Strategischer Feldzug des Weltkapitalismus gegen die Demokratien: Chronologie und HintergrĂŒnde, 7.August)
Oder sagen wir besser: sie hat einen Fortgang abgesagt. Sie hat einen Angriff abgeblasen. Sie hat in ihrer Agenda schlicht gestoppt. Weil die 17 Notenbanker im Rat der Zentralbank – die dort zusammen mit sechs Mitgliedern des vom „EuropĂ€ischen Rat“ der Staats- und Parteichefs bestimmten Direktoriums sitzen – begriffen haben, daĂ ein Angriff auf Italien oder Spanien schlicht nicht den gewĂŒnschten Effekt haben wĂŒrde.
Nun, irgendjemand muss vergessen haben, das Ulrich Deppendorf in Berlin zu erzĂ€hlen. Oder dem „Experten“ des deutschen Ablegers der 2004 gegrĂŒndeten Einheitspartei „EuropĂ€ischen GrĂŒnen Partei“ im Bundestag, Gerhard Schick („BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen“). Oder dem Vorsitzenden des deutschen Ablegers der 1992 gegrĂŒndeten Einheitspartei „Sozialdemokratische Partei Europas“, Sigmar Gabriel („SPD“). Oder Wolfgang Gerke, „Honorarprofessor“ an der EBS European Business School gGmbH, die derzeit allen Ernstes in Hessen um ihre Anerkennung als UniversitĂ€t bettelt. Oder Ulrich Maurer vom deutschen Ableger der am 8.Mai 2004 gegrĂŒndeten Einheitspartei „EuropĂ€ische Linke“, der, 2002 als PDS aus dem Bundestag geflogen, zusammen mit ex-SPD-Finanzminister Oskar Lafontaine und Einheitsgewerkschafts-FunktionĂ€ren aus Westdeutschland eine skrupellose Intrige zur GrĂŒndung eines Sammelbeckens namens „Wahlalternative fĂŒr Arbeit und Soziale Gerechtigkeit“ initiierte, an der sich dann zumindest die Berliner Regierungspartei PDS zwar verschluckte, sich aber bundesweit umtaufen konnte in „Die Linke“.
Alle diese noblen Herrschaften hatten gestern ihren Auftritt in den „Tagesthemen“. Alle fĂŒhrten einen Angriff, der bereits von etwas kenntnisreicheren Herrschaften abgesagt worden war. Peinlich war das. Sehr, sehr peinlich. („Die Linke“ unterstĂŒtzte ĂŒbrigens die von EU-KommissionsprĂ€sident Jose Barroso geforderte Sondersitzung der Parlamente im Staatenbund EU, also auch die des Bundestages.)
Noch einmal zur ErlĂ€uterung: es gibt keine Transferunion. Es gibt auch keine Wirtschaftsunion. Es gibt eine vor neunzehn Jahren gegrĂŒndete Organisation namens „EuropĂ€ische Union“, die sich eine WĂ€hrungszone schuf, an der von mittlerweile 27 EU-Mitgliedsstaaten nur 17 teilnehmen.
Diese „EuropĂ€ische Union“, bei all ihren bereits ausgeworfenen Netzen und in die Gesellschaften hineingeborten Tentakeln, hat eine substanzielle SchwĂ€che: glaubt jemand noch an irgendetwas, ist fĂŒr einen Glauben an sie schlicht kein Platz mehr.
Radio Utopie Hauptstadtstudio, Deppendorf Berlin.. Ende des Berichts.
ARD Tagesthemen, 8.August 2011
Video-Download der ARD
(…)
Artikel zum Thema:
12.08.2011 Neues aus dem Deppendorf: die Rente mit 67 fĂŒr SPD-WĂ€hler
Berlin: Die alte Garde von Monopolen und Finanzindustrie macht, etwas knirschend und betagt, noch einmal mobil. In âDeppendorfs Wocheâ durfte nun gestern der in 12 Jahren Schröder-Merkel-Einparteienherrschaft zum Leiter des ARD-Hauptstadtstudios gereifte Ulrich Deppendorf auf Stichworte von Corinna Edmunds mĂŒrrisch Rede und Ausrede stehen. Thema: die Rente ab 67.
