IWF greift nach Notstand – Unser Politikblog ruft zur Verfassungstreue auf

Am 07.06.2010 hat der Internationale WĂ€hrungsfonds in einem Concluding Statement nach einer Artikel IV – Konsultation gegenĂŒber der Eurozone in Tz. 16 seiner Stellungnahme gefordert, die geplante neue EU-Finanzaufsichtsbehörde
„European Systemic Risk Board“ mit der Befugnis auszustatten, fĂŒr die Mitgliedsstaaten der Eurozone eigenstĂ€ndig den Notstand ausrufen zu können.

Statt die Aufsicht ĂŒber die selbst ernannten „systemrelevanten“ Banken wirksam und durchgreifend zu stĂ€rken, soll hier die neue EU-Bankenaufsichtsbehörde dazu mißbraucht werden, die Völker Europas zu beaufsichtigen, ob diese die IWF-Kreditauflagen im Rahmen eines europĂ€ischen Stabilisierungsmechanismus ohne zu murren erdulden.

In Tz. 8 der gleichen Stellungnahme hat der IWF die Privatisierung aller Banken in der Eurozone gefordert. Das bedeutet dann nicht nur den Verkauf der Sparkassen, sondern auch der Bundesbank. Die Bundesbank hat allerdings Aufgaben der Bankenaufsicht. Wenn die in die HĂ€nde der bereits maßlos ĂŒberretteten selbst ernannten „systemrelevanten“ Banken fallen, gibt es noch mehr Risiken fĂŒr kĂŒnftige Finanzkrisen, noch mehr Bankenrettung, noch mehr Steuerverschwendung, noch mehr Staatspleiten und IWF-Auflagen, von Wettbewerbsverzerrungen ganz zu schweigen.

Außerdem hat der IWF die Reduzierung der Anreize, nicht arbeiten zu gehen, gefordert. Die deutsche Bundesregierung hat ebenfalls am 07.06.2010 in vorauseilendem Gehorsam angekĂŒndigt, fortan die RentenbeitrĂ€ge und das Elterngeld fĂŒr Langzeitarbeitslose zu streichen, sowie die BeschĂ€ftigten im öffentlichen Dienst des Bundes um 15.000 zu senken. Wenn das so umgesetzt werden sollte, dann werden die Bundesministerien vermutlich bald so wenig BeschĂ€ftigte haben, dass GesetzentwĂŒrfe nur noch von den mĂ€chtigsten Konzernen und „systemrelevanten“ Banken durchgereicht werden.

Ist die Bundesregierung nicht vom Parlament und dieses vom Volk gewĂ€hlt, sodass sie zumindest die Interessen der Mehrheit ihrer eigenen WĂ€hler vertreten mĂŒsste? Gibt es nicht einen Eid, in welchem es auch darum geht, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden? Hat da vielleicht jemand das Volk mit den Banken oder dem IWF verwechselt?

WofĂŒr der IWF den Notstand so schnell braucht, lĂ€sst sich erahnen an Tz. 10 des Memorandum of Unsterstanding, mit welchem er am 05.02.2010 seine Kreditauflagen gegenĂŒber RumĂ€nien vereinbart hat. Darin hat sich die rumĂ€nische Regierung verpflichtet, die Finanzverwaltung per Notstand umzustrukturieren. In 2009 hat der IWF von der TĂŒrkei ganz ohne Notstand den Verkauf der dortigen Bundesfinanzbehörde verlangt. Von RumĂ€nien muss er also etwas noch wesentlich drastischeres wollen.
In Thailand wurden 1997 per Notstand zahllose Schulen und KrankenhĂ€user zur ErfĂŒllung von IWF-Auflagen geschlossen.

Sieht man sich die IWF-Auflagen gegenĂŒber Griechenland und RumĂ€nien sowie die Empfehlungen des IWF gegenĂŒber Deutschland aus 2006 und 2010 an, dann ist außerdem damit zu rechnen, dass er auch gegenĂŒber Deutschland drastische LeistungskĂŒrzungen bei der Rente sowie eine Kopfpauschale und drastische KĂŒrzungen bei der Gesetzlichen Krankenversicherung fordern wird.

Wie weit die KĂŒrzungen im Gesundheitsbereich auf Grund von IWF-Auflagen anderswo gefĂŒhrt haben, zeigt eine Studie, von der Prisonplanet berichtet hat.

In einem Video hat der geschĂ€ftsfĂŒhrende Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn von der EU sogar deren Umstrukturierung gefordert. Das bedeutet, der IWF will die EU-Mitgliedsstaaten per Kreditauflagen zwingen, in anderen internationa-len Organisationen wie der EU in seinem Sinne abzustimmen. Eine unglaubliche Verletzung der SouverĂ€nitĂ€t (Art. 2 Abs. 1 Uno-Charta) der Staaten.

Dem IWF sollte umgehend der Status einer Uno-Sonderorganisation entzogen werden, damit er mit seinem Verhalten das Ansehen der VertrÀge der Vereinten Nationen nicht weiter schÀdigen kann.

Das dringlichste ist derzeit, die Demokratie vor der Machtergreifung derer, deren Werkzeug der IWF ist, zu retten. Darum ruft Unser Politikblog alle Sicherheitsorgane der Eurozone zur Verfassungstreue auf.

Links:

Parteispenden durch Banken
http://de.wikipedia.org/wiki/Parteispende

unser Politikblog zu Verfassungsbeschwerde vom 29.05.2010
http://unser-politikblog.blogspot.com/2010/05/burgerrechtlerin-legt.html

IWF Concluding Statement gegenĂŒber Eurozone 07.06.2010
http://bcmstrategy.com/bcm1080d/wp-content/uploads/2010/06/IMF-on-eurozone_7-June-2010.pdf

IWF Memorandum of Understanding mit RumÀnien
http://www.imf.org/External/NP/LOI/2010/rou/020510.pdf

Prisonplanet zu statistischer Untersuchung zu IWF und Tuberkulose
http://www.prisonplanet.com/are-ukraine-black-death-cases-result-of-imf-loans.html

IWF forderte Privatisierung des tĂŒrkischen Bundesamtes fĂŒr Finanzen
http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/weg-vom-iwf-diktat/

Dominique Strauss-Kahn Video
http://www.euronews.net/2010/05/17/euronews-speaks-exclusively-to-the-boss-of-the-imf/