Aufstand der (Demokratie-) FĂ€higen: Auch in der Piratenpartei?
Zum Anstieg der Piratenpartei in den Umfragen, zum kommenden Bundesparteitag, sowie den Kandidaturen um den Bundesvorsitz ein Kommentar.
Im aktuellen ARD-Deutschlandtrend erreicht die Piratenpartei Deutschland 10 Prozent. 50 Prozent wollen ihren Einzug in den Bundestag. Bereits am 1. April stieg die Piratenpartei in einer Forsa-Umfrage auf 12 Prozent. Diese Entwicklung ist nicht Ausdruck irgendeines Zeitvertreibs, sondern eines offensiven Schurkenvertreibs der StaatsbĂŒrger. Diese sind im Zuge eines langen, zĂ€hen, mĂŒhseligen und letztlich erfolgreichen Aufstands der DemokratiefĂ€higen dabei, mit verfassungsmĂ€Ăigen Mitteln die korrupten und verkommenden FunktionĂ€re der etablierten Parteien in hohem Bogen aus genau den Parlamenten rauszuschmeissen, welche diese FunktionĂ€re selbst versuchen zu entmachten. (Bundestag: Parteien versuchen EinschrĂ€nkung der Rechte von Abgeordneten und Parlament)
Nun stellt sich die Frage – ist wenigstens die Piratenpartei Deutschlands fĂ€hig zu Grundgesetz, Republik und Demokratie? Wollen die Piraten das ĂŒberhaupt sein? Oder wollen auch sie nur noch aus einem einzigen Grund in den Bundestag einziehen, nĂ€mlich um diesen zu entmachten, das Grundgesetz zu stĂŒrzen und die vom internationalen Finanzkartell IIF und dessen kleinem LaufbĂŒrschen Wolfgang SchĂ€uble geforderten FinanzrĂ€te von Bankern ĂŒber die europĂ€ischen LĂ€nder zu installieren ?
Am 4. Dezember 2011 beschloss die Piratenpartei Deutschland den „Piratenappell pro Europa“, eingebracht von ihrer „AG Europa“. In diesem heisst es:
„Wir, die Mitglieder der Piratenpartei Deutschland, sind uns der Bedeutung der europĂ€ischen Einigung fĂŒr Frieden, Freiheit, Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit auf diesem Kontinent bewusst und erkennen, dass diese Errungenschaften weder selbstverstĂ€ndlich noch garantiert sind, sondern einer stĂ€ndigen aktiven Verteidigung und Ausgestaltung durch die BĂŒrger Europas bedĂŒrfen. (..)
Daher appellieren wir an alle europĂ€ischen Piratenparteien und Piraten, an alle europĂ€ischen Parteien und mit besonderem Nachdruck an alle EuropĂ€er, sich intensiv mit der institutionellen Zukunft Europas auseinanderzusetzen und insbesondere die Möglichkeit eines durch eine gemeinsame Verfassung konstituierten, demokratischen europĂ€ischen Rechtsstaates zu erwĂ€gen“
Wer noch bei Bewusstsein ist, weiĂ, welche Folgen die Handlungen der aus Regierungen (mit nie von irgendwem zu irgendwas gewĂ€hlten Ministern und deren Stellvertretern) zusammengesetzten RĂ€te und Kommissare des 1992 gegrĂŒndeten Staatenbundes „EuropĂ€ische Union“ fĂŒr „Frieden, Freiheit, Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit auf diesem Kontinent“ bereits gehabt haben. Wenn diese Menschenschinder so weiter machen, gehen ihnen bald die Rentner aus.
Der Zynismus in diesem Piratenbeschluss ist typisch antideutsch. Und der (fehlgeschlagene) Versuch, diesen vom IIF-Finanzkartell-Vorsitzenden Josef Ackermann explizit geforderten Verrat auch noch der Piratenpartei Ăsterreich PPĂ ĂŒberzuwuppen, ebenso antiösterreichisch.
Diese sogenannten „Pro-EuropĂ€er“ setzen sich aus Antideutschen und Antiösterreichern, Antigriechen und Antiitalienern, Antispaniern und Antiportugiesen zusammen. Nur wĂ€ren sie in allen anderen LĂ€ndern auĂer Deutschland nicht so bescheuert sich so zu nennen, weil sie aus allen demokratischen und verfassungstreuen Organisationen rausgeworfen und nicht auch noch hofiert wĂŒrden.
Am 28. und 29. April trifft sich in NeumĂŒnster die Piratenpartei zu ihrem nĂ€chsten Bundesparteitag. Seltsam, wenn nicht sogar verdĂ€chtig, ist es, einem solch wichtigen Bundesparteitag gerade zweimal acht Stunden von jeweils 10.00 bis 18.00 Uhr einzurĂ€umen. Wer Parteitage kennt (ich gehöre dazu), der weiss, wie wichtig Zeit auch in der partei-internen Demokratie ist. Und wenn man diese Zeit nicht hat, dann nimmt man sie sich eben und rĂ€umt alle aus dem Weg, die einen daran hindern wollen. So lĂ€uft das und nicht anders. Allein dieser Zeitplan des BPT ist schon exemplarisch, entweder fĂŒr Versagen oder fĂŒr Manipulation.
Und dann diese Liste von Kandidaten / Kandidatinnen fĂŒr den Bundesvorsitz. Dann lieber Kirmes und Geisterbahnfahren. Aber doch nicht sowas.
Ăber den derzeitigen Bundesvorsitzenden Sebastian Nerz brauchen wir hier nicht mehr zu reden. DaĂ dieser bis 2009 in der CDU war und dann flux zum Bundesvorsitzenden der Piraten gewĂ€hlt wurde, sagt genug, vor allem ĂŒber den Zustand der Bundespartei. DaĂ jetzt ĂŒberhaupt noch ĂŒber die Piratenpartei geredet wird, haben sie den Berlinerinnen und Berlinern zu verdanken, die sie ins Abgeordnetenhaus getragen hat. Getragen, weil auch der Berliner Landesverband ein Haufen SchlafmĂŒtzen und mĂŒder Krieger ist, die Mandate kriegen, weil man hier in diesem Saftladen von Republik nehmen muss, was man politisch kriegen kann.
Wer nun unbedingt noch ĂŒber Sebastian Nerz reden will, der sollte sich an diejenigen halten, die noch mit ihm reden.
Aber weiter durch die Geisterbahn.
Als weiterer Kandidat fĂŒr den Bundesvorsitz bietet sich natĂŒrlich auch ein Diplom-Kriminologe an, der gerne GefĂ€ngnisdirektor geworden wĂ€re und im Verteidigungsministerium arbeitet. Bernd Schlömer, nicht nur der Zukunft, sondern auch allerlei Medien zugewandt, ist bereits Bundesvize. Muss man es noch schlimmer machen?
Und dann Julia Schramm. Wisst Ihr, ich habe als Musiker und Regisseur (Kurzfilme, Musikvideos) schon eine Menge gesehen, was mich an diese Kandidatin erinnert.
Noch im MĂ€rz 2011 gibt Julia Schramm, ex-FDP-Mitglied und gerade eben erst aus der Weltstadt Bonn nach Berlin gezogen, als MitgrĂŒnderin der Internet-ExhibitionistInnen „Spackeria“ den Vorreitern aller Pro-Demokraten ein Interview und sagt dabei solche SĂ€tze wie:
„Keine Macht den DatenschĂŒtzern.“
„PrivatsphĂ€re ist sowas von Eighties.“
„PrivatsphĂ€re ist auch der Ort, wo EhemĂ€nner ihre Frauen schlagen.“
Kaum sind die Berliner Piraten ins Abgeordnetenhaus eingezogen, sagt die wohlstÀndige Politikwissenschafts-Studentin auf einmal SÀtze wie
„Die Piraten, das sind Leute, die so sind wie ich“
„Wir wollen weg von Hartz IV“
wobei sie hier notgedrungen den Pluralis Majestatis gegen eine (von Zugezogenen in Berlin nicht untypische) Art der mittelstĂ€ndisch-westdeutschen Eingemeindung profitabler WĂ€hlerunterschichten verwechselt. Wenn man sich nun, im April 2012, ihre Kandidaturseite ansieht, kann man das Motiv der Informationsindustrie fĂŒr dieses ganze Echo auf Nichts ĂŒber das jetzige Mitglied der BPT-Antragskommission nachvollziehen. Neben einem Putburri von Schaurigkeiten, die sich wie Mitschriften aus Castingshows lesen, sind es so SĂ€tze wie:
„Wir sind eine internationale Bewegung, also lasst uns international denken und handeln. Lasst uns mit Europa anfangen. Ich möchte die Grundlage fĂŒr ein Europawahlprogramm legen. Wie groĂartig wĂ€re es bitte, wenn wir die erste Partei wĂ€ren, die in allen LĂ€ndern mit den gleichen Forderungen antritt?“
Ich stelle mir vor, daĂ in allen LĂ€ndern Europas durch eine dort existierende Partei die Forderung nach einer Abwahl des EU-PrĂ€sidenten Wolfgang SchĂ€uble und einer RĂŒcknahme der Privatisierung von Friedhöfen, Notaufnahmen und MilitĂ€r aufgestellt wird und stoĂe gleich auf mehrere Paradoxien. Erstens muss es mehrere LĂ€nder geben, damit es dort zweitens ĂŒberhaupt Wahlen geben kann, die drittens durch eine Verfassung gesichert sein mĂŒssen, auf deren Grundlage sich viertens ĂŒberall die gleich Partei von Schwachköpfen grĂŒnden kann, um fĂŒnftens all das einzureissen was sie braucht, um sich zu bilden und zu einer Wahl antreten zu können.
Geht nicht.
Irgendjemand sollte das vielleicht Schwarzblond, muuh, und allen anderen Superhirnen erklĂ€ren, die sich schon als UnterstĂŒtzer fĂŒr Julia Schramms Kandidatur eingetragen haben. Nochmal: es geht in der Politik darum, politisch zu nehmen, was man kriegen kann. Gott und Grundgesetz sei Dank ist das nicht nur Julia Schramm. Und auch nicht die Piratenpartei, wenn sie weiter solchen Mist baut.
Laut dem ARD Deutschlandtrend wĂ€hlen 41 Prozent aller befragten BundesbĂŒrger „ihre“ Partei nur aus EnttĂ€uschung ĂŒber andere. Sogar 30 Prozent der CDU-WĂ€hler tun das (wobei man sich schauernd fragt, von wem die wohl enttĂ€uscht waren). Ganze 72 Prozent der WĂ€hler der Piratenpartei nehmen aus lauter EnttĂ€uschung ĂŒber alle anderen Parteien, was sie kriegen können.
Das kann ganz schnell auch eine attraktive, weil ganz normale Partei sein, in der man ĂŒber das Grundgesetz – den Ast, auf dem 82 Millionen Menschen ĂŒber einem Haufen grunzender Kriegs- und Finanzbarbaren sitzen – nicht diskutieren muss.
(…)
Artikel zum Thema:
30.01.2012 ESM âAttacke auf die SouverĂ€nitĂ€tâ: Piratenpartei Ăsterreich beschĂ€mt deutsche VerrĂ€terpartei
Die Installation eines âStaatskommissarsâ ĂŒber Griechenland (wie soll man sich das eigentlich praktisch vorstellen? Deutsche FallschirmjĂ€ger springen ĂŒber der Akropolis ab?) hatte bereits vor vier Tagen der FĂŒhrer der Fraktion CDU/CSU im Bundestag Volker Kauder gefordert.
18.02.2012 Netter Versuch, Gruppe 42. Aber da fehlt das Zauberwort.
Die âGruppe 42âł in und auĂerhalb der Piratenpartei Deutschland veröffentlicht eine ErklĂ€rung, die âGemeinsamkeiten der Netz- und BĂŒrgerrechtspolitik in den Vordergrundâ stellen will, um âanderen LĂ€ndern bei diesen Themen Vorbild und Wegbereiter zu seinâ. Das Ganze erweckt den Eindruck eines MarathonlĂ€ufers, der sich nach mĂŒhsam errungenem Sieg ĂŒber die Talkshow-Perser und Euro-Extremisten bis kurz vor die Ziellinie schleppt und sich dann doch noch in letzter Sekunde vom Durst gequĂ€lt ĂŒber die Seitenlinie in die Limo-Bude schmeisst.
18.12.2011 BULLETIN 4: Die Berliner Schule
Manches hat man nur, wenn es auch der andere hat. Manches hat man nur, wenn es alle haben. Die Freiheit, die Gerechtigkeit, faire Bedingungen des Zusammenlebens gehören dazu. Die Essenz des geistigen Begriffs von Reichtum ist eine Verfassung.
10.10.2011 âJemand zu Hause, McFly?â
Piratenpartei, Staatstrojaner und Spionage-AffĂ€re: Die kongeniale Abrechnung des Felix âFefeâ von Leitner mit den geschenkten GĂ€ulen Sebastian Nerz und Christopher Lauer.
19.09.2011 Zum Wahlerfolg der Piratenpartei in Berlin und den Auswirkungen auf unsere Republik
1. Die Bevölkerung will politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche VerÀnderungen.
2. Das war nur die Spitze eines Eisbergs.
3. Die parlamentarische Demokratie funktioniert.
06.04.2011 Berliner Machtwechsel der Gewohnheit: GrĂŒne bundesweit stĂ€rkste Partei
Wir sind gespannt, wann Betrug und Selbstsabotage der Berliner ParteifĂŒhrung nun auch bei BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen einsetzen und wie er konzipiert sein wird. Am Ende wird man sich auch dort daran gewöhnen, dass die Macht der Gewohnheit nur Gewohnheit ist. Und die lĂ€sst sich Ă€ndern, wie man sieht.
28.03.2011 Mappus ist weg: Machtwechsel der Gewohnheit
Auch Baden-WĂŒrttemberg steht nun nicht nur vor einem Regierungswechsel. Es steht vor einem Wechsel der Gewohnheit. Und genau dieser Wechsel im deutschen Obergesetz, der Gewohnheit, reprĂ€sentiert den eigentlichen Machtwechsel, nicht nur in Baden-WĂŒrttemberg, sondern in der ganzen Republik.