« Geldsystem – Christoph Lehmann / Bernd Senf | Home | FDP-Mitglied des Verteidigungsausschusses in Pakistan: “Ich bin gegen US-Drohnenangriffe” »
Geplatzte Jemen-Intervention: Strategischer Flop der USA
Von Daniel Neun | 12.Januar 2010
Der offizielle Einmarsch in Jemen und Somalia ist durch das US-Militär plötzlich abgeblasen – vorerst. FDP-Aussenminister Guido Westerwelle zeigt in Sana´a Statur. Wie geht es nun weiter?
Man sah es Guido Westerwelle in der jeminitischen Hauptstadt Sana´a an, dass er vor Zorn bebte. Sogar SpOn (1), was am Montag extra seinen Korrespondenten Ralf Neukirch ins bis vor kurzem am völlig unbeachtete Nirgendwo am Horn von Arabien geschickt hatte, bekam es mit der Angst zu tun. Der schöne Krieg…
“Es sei “ziemlich direkt und ungeschminkt zur Sache gegangen”, hieß es in der deutschen Delegation. Aus dem Diplomatendeutsch übersetzt heißt das, dass man sich fast angeschrien hat.”
Ali Abdulla Saleh, Jemens Machthaber und Schurke reinsten Wassers, er hatte es einfach übertrieben. In der Erwartung, einen moralischen Steinmeier vor sich zu haben, versuchte er ein bisschen zu direkt im Austausch für die ach-so-unaufffindbaren deutschen Geiseln (denen es aber gut gehe) ein paar Millionen Euro “Hilfe” zu erpressen.
Doch daraus wurde nichts: Westerwelle äusserte am Montag im Jemen, er setze auf eine “politische Lösung” der urplötzlich als weltbedrohender Faktor herbergezerrten innenpolitischen Probleme eines Landes, welches auch die meisten Bundesbürger sicherlich immer noch schwer auf einer Landkarte finden würden.
Trotz heftigen Inszenierungsversuchen von allerlei Schrecken und Szenarien in den letzten Wochen: es wurde nichts mit der von manchen ersehnten Verkündung einer deutschen Militärintervention – jedenfalls vorerst. Das Sprungbrett an den Persischen Golf, der geostrategische Fahrkartenschalter an der Meerenge zwischen Asien und Afrika, er bleibt vorerst nur durch die Jeminiten und die geheim operierenden Einheiten der USA und EU-Staaten besetzt. Reguläre Verbände, Bodentruppen, das ganze Geschrei und Getue einer offiziellen dritten Front von USA, EU und Nato, es blieb aus.
Dafür hatten die US-Militärs am Wochenende alle Hände voll zu tun, um einer wochenlang heissgeredeten US-Öffentlichkeit zu erzählen, dass sie die Chips wieder einpacken kann: es werde nach Irak und Afghanistan keinen “dritten Krieg” im Jemen geben. Nicht einmal ein kleines Massaker, vielleicht mit 140 toten “Verdächtigen” oder so. Erstmal ist Schluss.
Der Befehlshaber des US-Zentralkommandos und leitende Militärdiktator der USA, General David Petraeus, hatte am Sonntag in seinem Hauptquartier die CNN-Moderatorin Christiane Amanpour zu Gast (2):
Amanpour: Sie waren gerade in Jemen und sind gerade aus dem Jemen zurückgekehrt. Sie hatten Gespräche mit dem Präsidenten von Jemen. Werden die Vereinigten Staaten da eine direkte Verwicklung erleben – anders ausgedrückt, Truppen am Boden oder das Starten von Militärschlägen vom Territorium Jemens aus?
Petraeus: Nun, in der Tat, Sie haben ja auch mit dem jeminitischen Aussenminister gesprochen und er war da sehr deutlich, dass Jemen keine amerikanischen Bodentruppen haben will. Und das ist eine gute — gute Antwort für uns zu hören, sicherlich. Wir..
Amanpour: Sie wollen dort keine Bodentruppen stationieren.
Petraeus: Nein, natürlich nicht, wir würden immer wollen, dass eine gastgebende Nation ein Problem selber löst. Wir wollen helfen. Wir stellen Unterstützung zur Verfügung. Also werden wir im Laufe dieses Jahres mehr Unterstützung bereitstellen, als wir das im letzten Jahr getan haben, nachdem wir, wie ich denke, es ausgeschöpft haben im zurückliegenden Haushaltsjahr 2008, wie Sie sich erinnern werden. Also ist das eine Bemühung von uns ihnen zu helfen, mit einem Problem umzugehen, welches ganz besonders die Durchsetzungsfähigkeit ihrer Regierung und ganz besonders deren Existenz bedroht, so wie wir sie kennen.”
General Petraeus versuchte dann plausibel zu erläutern, warum die US-Subventionen für Jemens Regime von 70 Millionen Dollar auf ebenso läppische 150 Millionen Dollar angehoben werde und machte, wie nebenbei, Geldzahlungen der Saudis an das Regime in Sana´a von immerhin 2 Milliarden Dollar öffentlich – innerhalb eines einzigen Jahres. Laut Petraeus haben ausserdem die Vereinigten Arabischen Emirate “zwischen 600 und 700 Millionen Dollar” für das Regime Jemens zugesagt. Da sage noch einer, so ein bisschen “al-Qaida” im Land lohne sich nicht.
Ein wichtiges Stichwort lässt sich der General dann von CNN-Moderatorin Amanpour vorsagen: einem “systemischen Wechsel” der US-Militärstrategie.
Amanpour:..Stimmen Sie zu, dass diese Leidenschaft für schnelle Resultate, diese Kurzfristigkeit die den Vereingten Staaten oft zugeschrieben werden, sich ändern muss? Denken Sie, es braucht einen systemischen Wechsel für Themen wie den Jemen, wobei es so offensichtlich ist, wie so viele Leute sagen, dass die zermürbende Armut dort ein solches Werkzeug der Rekrutierung ist?
Petraeus: Ich denke, das stimmt genau. Ich denke wirklich, dass wir bei dieser Schlussfolgerung angelangt sind. Ich denke, dass wir erkennen, dass dies keine kurzfristigen Probleme sind. Dies sind keine Kampagnen, in denen Du eine Streitmacht antreten lässt, den Hügel nimmst, die Flagge aufpflanzt und dann nach Hause zur Siegesparade gehst. Dies sind Bemühungen, die in ihrer Natur umfassend sein müssen, und sie müssen andauernd in ihrem Zeitrahmen sein.
Die Vereinigten Staaten von Amerika, welche immer mehr Form und Inhalt einer Militärdiktatur Südamerikas während der 70er Jahre annehmen, sind mit ihrer geplanten Intervention im Jemen gegen die Wand gelaufen und rudern nun zurück.
Bereits am Freitag hatte der formal ranghöchste US-Militär, Generalstäbe-Chef Mike Mullen, in einem am Sonntag ausgestrahlten CNN-Interview hin- und herrudernd erklärt (3):
“Wir haben grossen Respekt für den Präsidenten dort, was seine, seine Beurteilung, was das angeht, was er zu tun gedenkt. Und im Augenblick, was irgendeine Art von Bodentruppen dort angeht, hinsichtlich der Vereinigten Staaten, das ist einfach keine – Möglichkeit. Er ist einfach, wir sind nicht, in diese Diskussionen verstrickt.”
Das hatte sich noch am 7.Januar ganz anders angehört. Da hiess es durch einen Washingtoner Denkpanzer (“think tank”), die USA hätten sich mit Jemens Regime auf die Errichtung eines Luftwaffenstützpunktes auf der jeminitischen Insel Soccotra geeinigt (4). Und kurz vorher waren die US-Behörden zwar angeblich vom vermeintlichen Flugzeut-Attentat in Detroit schwer überrascht worden, hatten es aber trotzdem geschafft, schon Tage später “seit längerem” Ziele für einen Militärschlag ausgespäht zu haben. Der “Süddeutschen Zeitung” (5) (als eines von vielen mähdialen Hitzeopfern, trotz der dafür so untypischen klimatischen Bedingungen) fiel offenbar gar nicht auf, was sie da am 30.Dezember schrieb:
“Antwort auf den Attentatsversuch: Laut Medienberichten wollen die USA Stellungen von al-Qaida im Jemen bombardieren. Seit längerem wurden bereits Ziele ausgespäht – Präsident Obama muss nur noch den Befehl für einen Angriff erteilen.”
Am gestrigen Montag nun folgte der US-Präsident der neuen Linie seiner Generäle und hielt sich dabei, wie üblich, alle Türen für Kriegsgelegenheiten offen. Gleichzeitig machte Obama deutlich: ohne internationale Unterstützung wird es für die USA schwer möglich sein, noch einen Krieg vom Zaun zu brechen (6):
“Ich schliesse niemals irgendeine Möglichkeit aus, in einer Welt, die so komplex ist..In Ländern wie Jemen, in Ländern wie Somalia, denke ich, ist an diesem Punkt mit internationalen Partnern zu arbeiten das Effektivste”
Am 27. Januar ist nun in London die “Afghanistan-Konferenz” der Besatzungsmächte. Gleichzeitig findet am selben Ort, mit den gleichen Teilnehmern, eine “Jemen-Konferenz” statt.
Allerdings: für die Befürworter eines umfassenden eskalierenden Krieges in Asien, mit drei Kriegen in drei Ländern rund um den Iran, dürfte die Luft mit jedem Tag dünner werden.
Artikel zum Thema:
11.01.2010 Geiseln im Jemen als Faustpfand der Regierungsmächte
10.01.2010 Deutsche Kriegsmarine: Kurs nach Südafrika – und Mittelmeer
10.01.2010 Iran Situation: Jemen soll “Thema” bei “Afghanistan-Konferenz” werden
05.01.2010 USA: Statist von Militärdiktator Petraeus kündigt Erklärung an
05.01.2010 Flug 253 Chronologie: Akt III – von Detroit nach Jemen
04.01.2010 Flug 253 Chronologie: Akt II – von London nach Houston
03.01.2010 Flug 253: Chronologie einer Inszenierung
03.01.2010 Jemen: Abzug der Diplomaten der USA und Grossbritannien – Ankunft der Spezial-Einsatzkräfte
03.01.2010 U.S. General Petraeus im Jemen – der Kriegsbogen wird jetzt straff über das Meer nach Somalia gespannt
28.12.2009 Hände weg vom Iran! Kein Krieg im Jemen und in Pakistan! Deutsche Truppen nach Hause!
Quellen:
(1) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,671253,00.htm
(2) http://transcripts.cnn.com/TRANSCRIPTS/1001/10/ampr.01.html
(3) http://www.nytimes.com/aponline/2010/01/08/us/AP-US-Mullen-National-Security.html
(4) http://www.radio-utopie.de/2010/01/07/us-militar-plant-luftwaffenstutzpunkt-im-jemen/
(5) http://www.sueddeutsche.de/politik/679/498965/text/
(6) http://www.nytimes.com/2010/01/11/world/middleeast/11prexy.html
Topics: Militär und Krieg | 8 Kommentare »
* * */
















12.Januar 2010 at 07:23
[...] und Dank an: Daniel Neun – Radio Utopie [...]
Wie bewerten Sie den Kommentar?
0
0
12.Januar 2010 at 09:04
“…. gastgebende Nation….”
Hihihi…
Wenn es nicht so traurig wäre, für einen Angriffskrieg bei dem Menschen abgeschlachtet werden SOLLEN.
Das wird dann, typisch Pentagon-Jargon, “HELFEN” genannt.
Wie bewerten Sie den Kommentar?
0
0
12.Januar 2010 at 11:14
Ergänzend zu diesem ausgezeichneten Artikel (und zu den anderen “Jemen-Artikeln” von Daniel Neun) wäre noch auf einen “geopolitischen” Gesichtspunkt hinzuweisen .
Wie Bhadrakumar auf Asia Times ausführt ( http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/LA09Ak02.html ), diente das gewaltige Gerummel – auch in den deutschen Medien – dazu, zu verhindern, daß China und/oder Rußland einen Flottenstützpunkt im Jemen bekommen. Mit der Vergabe eines Flottenstützpunktes an die USA (Insel Sokrotra), geht der erste Punkt leider an die USA.
Im nachherein wird auch das völlige Schweigen der deutschen Medien zum Massaker an den Tamilen auf Lanka und zu den dortigen KZs erklärlich. China hatte auf Lanka einen Flottenstützpunkt bekommen. Und die US-Politik will es sich mit der Diktatur auf Lanka (das alberne “Sri” sollte man weglassen – wie in der indischen Presse) nicht verderben, um die Vergabe des Flottenstützpunktes an China nicht irreversibel zu machen und weiterhin daran “sägen” zu können.
Das Schweigen der deutschen Medien zu der Tamilenverfolgung auf Lanka und der unglaubliche Rummel, den die deutschen Medien zu dem “Unterhosenbomber” und der angebliche terroristischen Bedrohung aus dem Jemen (besonders auch “arte” betrieb in den letzten Tagen übelste Propaganda) betreiben, zeigt leider eines:
Es wäre schon schlimm genug, wenn die deutschen Medien das folgsame “Schoßhündlein” einer autoritären deutschen Regierung wäre. Leider ist es schlimmer: Sie sind das “Schoßhündlein” des angelsächsisch-israelischen Komplexes und schaden deutschen Interessen sogar absichtlich und gezielt, wenn es der Herr+Meister befiehlt.
Die deutschen Medien kann man deshalb ohne weiteres “staatsfeindlich” nennen.
Wie bewerten Sie den Kommentar?
0
0
12.Januar 2010 at 11:42
Hmmm. Also wirklich, werter Mensch Jörg: Ihr Komplex scheint jedenfalls nicht angelsächsisch-israelischer Natur zu sein.
Wie bewerten Sie den Kommentar?
0
0
12.Januar 2010 at 15:19
Jemen: Tummelplatz für »al Qaida« oder geopolitischer Engpass für Eurasien
F. William Engdahl
Am 25. Dezember 2009 wurde in den USA der Nigerianer Abdulmutallab verhaftet, weil er versucht hatte, ein Flugzeug der »Northwest Airlines« auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit mit eingeschmuggeltem Sprengstoff in die Luft zu sprengen. Seitdem überschlagen sich die Medien, von CNN bis zur »New York Times«, mit Meldungen, es bestehe der »Verdacht«, dass er im Jemen für seine Mission ausgebildet worden sei. Die Weltöffentlichkeit wird auf ein neues Ziel für den »Krieg gegen den Terror« der USA vorbereitet: Jemen, ein trostloser Staat auf der arabischen Halbinsel. Sieht man sich jedoch den Hintergrund etwas genauer an, dann scheint es, als verfolgten das Pentagon und der US-Geheimdienst im Jemen ganz andere Pläne.
Seit einigen Monaten ist die Welt Zeuge einer immer offener zutage tretenden militärischen Einmischung im Jemen, einem trostlosen Land, das im Norden an Saudi-Arabien, im Westen an den Golf von Aden und im Süden an das Arabische Meer grenzt. An der gegenüberliegenden Küste liegt ebenfalls ein trostloses Land, das in jüngster Zeit Schlagzeilen macht, nämlich Somalia. Alles deutet darauf hin, dass das Pentagon und der US-Geheimdienst dabei sind, die Meerenge Bab el-Mandeb, einen strategischen Engpass für die Ölversorgung der Welt, zu militarisieren. Den Vorwand dafür bieten die Übergriffe somalischer Piraten und die angebliche neue Bedrohung durch al Qaida aus dem Jemen. Außerdem finden sich im Grenzgebiet zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien unerschlossene Ölvorkommen, die zu den größten der Welt zählen sollen.
Der 23-jährige Nigerianer Abdulmutallab, dem der vereitelte Bombenanschlag zur Last gelegt wird, hat angeblich erzählt, er sei von der »al Qaida auf der Arabischen Halbinsel« (AQAP) im Jemen auf seine Mission vorbereitet worden. Dementsprechend richtet sich nun die Aufmerksamkeit der Welt auf den Jemen als neues Zentrum der angeblichen Terrororganisation al Qaida. …
http://info.kopp-verlag.de/news/jemen-tummelplatz-fuer-al-qaida-oder-geopolitischer-engpass-fuer-eurasien.html
Wie bewerten Sie den Kommentar?
0
0
12.Januar 2010 at 16:12
Westerwelle zeigt Statur und muss die Steinmeier Müll reparieren. STeinmeier hat einen Dachschaden
Wie bewerten Sie den Kommentar?
0
0
12.Januar 2010 at 17:16
Dieser geschmückte Weihnachtsbaum Petraeus scheint ein wenig “Panne” im Kopf zu sein. Na ja, aber zum US-Militärdiktator reicht`s noch.
Wie bewerten Sie den Kommentar?
0
0
12.Januar 2010 at 20:45
Der Westerwelle wird mir ja unheimlich,
sollten die “Gelben” seit langem einen Chef haben der versucht mitzudenken ?
P.s. das kann aber gefährlich für ihn werden.
Wie bewerten Sie den Kommentar?
0
0