Wann kommt die neue USPD?

USPD Plakat von 1920
USPD Plakat von 1920 (Bild: Deutsches Historisches Museum)

Die „UnabhĂ€ngige Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (USPD) grĂŒndete sich 1917 aus Sozialdemokraten, die den Kriegskurs des Kaiserreiches und der kollaborierenden SPD nicht mehr lĂ€nger mitmachen wollten.  WĂ€hrend der deutschen Revolution von Soldaten und Arbeitern im November 1918 spielten sie eine tragende Rolle. Unter ihnen: Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.

Bis heute werden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch alle linken, aber vor allem durch alle kommunistischen Gruppen und Parteien vereinnahmt. Dabei waren diese beiden Figuren der deutschen Geschichte genau 15 Tage ihres Lebens Kommunisten. Zuvor waren sie jahrzehntelang Sozialdemokraten, zuerst in der SPD, dann in der USPD.

Karl Liebknecht trat 1890 in die SPD ein, stimmte 1914 als einziger Abgeordneter des Reichstages gegen die Kriegskredite fĂŒr das Kaiserreich und trat nach GefĂ€ngnishaft der 1917 gegrĂŒndeten USPD bei, zusammen mit Rosa Luxemburg, die der SPD seit 1898 angehört hatte.

Was spĂ€ter in jedem Geschichtsunterricht verschwiegen werden wird: nach der Meuterei von Matrosen auf der kaiserlichen Flotte am 30.Oktober 1918, die sich blitzschnell in ganz Deutschland zur Revolution gegen das Kaiserreich ausbreitete,  hatten noch im Dezember 1918 die Arbeiter- und SoldatenrĂ€te die Macht in Deutschland. Diese RĂ€te unterlagen nicht etwa irgendeiner ZentralfĂŒhrung, sondern waren landesweit demokratisch aus Betrieben und MilitĂ€reinheiten gewĂ€hlt.

Dann kam der erste und einzige Kongress aller Arbeiter- und SoldatenrĂ€te („ReichsrĂ€tekongress“) , der vom 16. bis 21. Dezember 1918 im GebĂ€ude des preußischen Abgeordnetenhauses in Berlin tagte. Dieser machte den entsetzlichsten Fehler der deutschen Geschichte, der die spĂ€tere Transformation Deutschlands zu einer noch viel tödlicheren Diktatur als der des Kaiserreiches erst ermöglichen sollte.

Die Arbeiter- und Soldaten-RĂ€te Deutschlands beschlossen, die Macht bedingungslos an eine Nationalversammlung abzugeben, die aus den bĂŒrgerlichen Parteien und Delegierten des alten Kaiserreiches gewĂ€hlt werden sollte. Die gewĂ€hlten RĂ€te gaben also nach der Revolution freiwillig die Macht in die HĂ€nde der alten Parteien des Kaiserreiches zurĂŒck. Dabei machte sich der RĂ€tekongress allen Ernstes die Illusion, die Nationalversammlung werde die Verfassung einer sozialistischen Republik beschliessen. Dazu ein Zitat Richard MĂŒllers (USPD):

„Ich habe vorher meine Erwartungen nicht allzu hoch gestellt, aber daß dieser Kongreß zu einem politischen Selbstmörderklub werden wĂŒrde, das habe ich nicht geglaubt.“

Die Arbeiter- und SoldatenrĂ€te folgten dabei dem SPD-Vorsitzenden und Vorsitzenden des „Rates der Volksbeauftragten“ Friedrich Ebert. Ebert hatte noch am Tag der Ausrufung der Republik am 9. November vom Kaiserreich das Kanzleramt ĂŒbertragen bekommen und einen Tag spĂ€ter einen Geheimpakt mit der Obersten Heeresleitung des kaiserlichen MilitĂ€rs unter Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg geschlossen. SpĂ€ter sollte Ebert genau einer von zwei mit quasi-monarchischen Vollmachten ausgestatteten ReichsprĂ€sidenten der Weimarer Republik werden. Eberts Nachfolger wurde 1925 Hindenburg, der am 30.Januar 1933 einen ehemaligen Agenten seines MilitĂ€rs namens Adolf Hitler zu seinem Kanzler ernannte.

Mit dem politischen Selbstmord der RĂ€te war es nicht getan. Kurz danach nach diesem Beschluß des RĂ€tekongresses vom 21.Dezember 1918 begannen bereits die ersten Massaker an Arbeitern und Soldaten. AusgefĂŒhrt wurden sie von Milizen („Freikorps“) aus monarchistischen Soldaten, die von Ebert und seinem MilitĂ€r-„Volksbeauftragten“ Gustav Noske kontrolliert wurden. Am 15.Januar entfĂŒhrten und ermordeten diese Milizen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die nach dem Beschluss des RĂ€tekongresses enttĂ€uscht am 1.Januar 1919 die „Kommunistische Partei Deutschlands“ (KPD) mitbegrĂŒndet hatten.

Rosa Luxemburg hatte ĂŒbrigens wie viele andere fĂŒr den Namen „Sozialistische Partei Deutschlands“ plĂ€diert, sowie fĂŒr die Teilnahme an den Wahlen vom 19.Januar zu jener verhĂ€ngnisvollen Weimarer Nationalversammlung, die im Februar 1919 das Deutsche Reich fortbestehen ließ, eine quasi-monarchische PrĂ€sidialdemokratie schuf und als ersten ReichsprĂ€sidenten ausgerechnet Friedrich Ebert wĂ€hlte.

Als sich fĂŒnfundachtzig Jahre spĂ€ter, im Jahre 2004, der Verein „Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit“ (WASG) als Auffangbecken fĂŒr eine neue Partei der Berliner Republik grĂŒndete, hofften viele auf eine neuen USPD. Stattdessen wurden sie Opfer des ĂŒbelsten und schĂ€ndlichsten Verrates, der seit den Tagen von 1919 an Linken, Sozialisten, Pazifisten und Sozialdemokraten in Deutschland begangen wurde. HeimtĂŒckisch und skrupellos stiess man gerade den aufrechtesten und mutigsten Genossinnen und Genossen feige das Messer in den RĂŒcken und ĂŒberfĂŒhrte das Sammelbecken in die alte SED-Staatspartei, die bis heute dem Gespenst einer vermeintlich fortschrittlichen und notwendigen Diktatur hinterherlĂ€uft – im Allgemeinen, wenn auch verallgemeinernd, Kommunismus genannt.

Heraus kam bei „Die Linke“ eine heuchlerische Truppe reaktionĂ€rer Helfershelfer der Oberschicht, des Kapitals und des MilitĂ€rs, deren FunktionĂ€re nur eines kennen: Macht- und Kontrollwahn, Manipulation der Demokratie, und Verteidigung der eigenen PfrĂŒnde. Je kapitalistischer die Politik, desto kommunistischer die Phrasen. Man war gegen den Krieg in Asien, in Afghanistan – sagte man. Also wollte man gewĂ€hlt werden. Tun musste man ja nichts – schliesslich war man ja schon dagegen. Und links. Ehrlich.

Dem MilitĂ€r, und den Spionen, wurde seitens der Partei-Linken in der zentralen Frage des eigentlichen Kriegsgrundes nie widersprochen, nicht ein einziges Mal, zu keinem Zeitpunkt. Es wurde in neun Jahren Krieg noch nicht mal laut die Frage gestellt, gegen wen genau die deutschen Soldaten in Asien und weltweit eigentlich kĂ€mpfen, wo die sein sollen, wo die stationiert sind, wer die bezahlt und wo die eigentlich ihre Oberste Heeresleitung und Agenten haben.   (KUNDUZ-AFFÄRE: Wie “die Linke” systemisch MilitĂ€r, Krieg und Legenden stĂŒtzt)

Die unertrĂ€gliche Gesine Lötzsch, die ihren Wendehals kĂŒrzlich erst zur Suche nach Wegen zum Kommunismus und dann nach dem Weg aus der Schlinge reckte, verkĂŒndete am 5.Februar 2010, es habe sich

„die Wahrscheinlichkeit fĂŒr TerroranschlĂ€ge in Deutschland erhöht und nicht verringert“

Der Grund: das von der Reichswehr… das von der Bundeswehr angeordnete Bombardement einer Menschenmenge in der eigenen Besatzungszone Afghanistans, nur fĂŒnf Kilometer Luftlinie vom deutschen MilitĂ€rhauptquartier entfernt. Das Bombardement massakrierte ĂŒber 130 Menschen. FĂŒr den Offizier der den Befehl dazu gab, hatte dieser Befehl weniger Folgen als wĂ€re er betrunken ĂŒber eine Ampel gefahren. FĂŒr einen WĂ€hler der Linken kam der Effekt ungefĂ€hr aufÂŽs Gleiche raus.

Wer schon vor dem Jahre 2007 das Wort links als politischen Begriff kannte (und damit auch eine Praxis verband) hat in Erinnerung, dass damals jede einzelne kommunistische Gruppe und Organisation in Deutschland die ParteigrĂŒndung „Die Linke“ deckte und die GrĂŒndung einer neuen sozialistischen linken und demokratischen Partei ablehnte oder sabotierte. Ein Beispiel dafĂŒr war das „Netzwerk Linke Opposition“. (WASG, NLO: Linke Partei, aber nicht jetzt.. 21.MĂ€rz 2007)

Alle selbsterklĂ€rten linken, sozialistischen und kommunistischen Gruppen, die sich vor kurzem auf der Rosa Luxemburg Konferenz der Parteizeitung „Junge Welt“ einfanden (die ohne die Werbeanzeigen der Partei-Linken einfach nicht leben kann) beziehen sich auf eine politische KĂ€mpferin des letzten und vorletzten Jahrhunderts, die vor ihnen ausspucken wĂŒrde, wenn es sie vor Entsetzen ĂŒber diese VerrĂ€ter und Versager nach neun Jahren Attentaten und Krieg, Sozialraub und Ausverkauf an die Banken, nach Nichtstuerei und Heuchelei im Angesicht von Polizeistaat und Kapitalismus aus ihrem Grab reissen wĂŒrde, an dem die Parteibonzen, GewerkschaftsfunktionĂ€re, AnwĂ€lte und gelernten Mehrheitspolitiker Gregor Gysi, Klaus Ernst, Gesine Lötzsch und Oskar Lafontaine jedes Jahr ihre KrĂ€nze niederlegen.

Über das Original dieser FĂ€lschung – die SPD – braucht niemand mehr zu reden.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis echte Sozialdemokraten, echte Sozialisten und echte Linke dieses jĂ€mmerliche Schauspiel von SPD und Partei-Linken nicht mehr ertragen und genau wie die Genossinnen und Genossen der USPD im ersten Weltkrieg endlich die LĂŒcke schliessen.

Der große Vorteil unserer Zeit: wir haben keinen Kaiser mehr, den wir stĂŒrzen mĂŒssen, sondern eine Verfassung und eine Republik, fĂŒr die sich zu streiten lohnt. Wir mĂŒssen nur endlich aufstehen um sie zu verteidigen.

(…)

Artikel zum Thema:
14.04.2008 DAS GESPENST VON 1848: MONARCHIE UND KOMMUNISMUS