Dijsselbloem: Die Euro-Latten fallen vom Zaun

Der Vorsitzender der „Euro-Gruppe“ meint, die im Finanzsystem „Euro“ verschuldeten „sĂŒdlĂ€ndischen“ Staaten hĂ€tten ihr „ganzes Geld fĂŒr Schnaps und Frauen“ ausgegeben. Der Berufszyniker Dijsselbloem spricht dabei genau die „breite Mehrheit“ in Deutschland an, die keine Ahnung hat wie das WĂ€hrungssystem funktioniert mit dem sie selbst immer weniger und Wenige immer mehr zu „Euro“ kommen.

Die inoffizielle Gruppe derjenigen Finanzminister im E.U.-Finanzministerrat („Ecofin“), deren Staaten das Finanz- und WĂ€hrungsfinanzsystem „Euro“ benutzen bzw davon benutzt werden, nennt sich selbst „Euro-Gruppe“. Deren Vorsitzender wiederum ist Jeroen Dijsselbloem, Finanzminister ihrer MajestĂ€t in der verfassungslosen Monarchie Niederlande und als Mitglied der örtlichen VerrĂ€terpartei „Partij van de Arbeid“ Spezialdemokrat reinsten Wassers.

Und was erzĂ€hlt also Dijsselbloem, Jeroen, so alles beim Plausch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bezĂŒglich der „Hilfe“ fĂŒr „KrisenlĂ€nder“ der „EuropĂ€ischen Union“?

„Als Sozialdemokrat halte ich SolidaritĂ€t fĂŒr Ă€ußerst wichtig. Aber wer sie einfordert, hat auch Pflichten. Ich kann nicht mein ganzes Geld fĂŒr Schnaps und Frauen ausgeben und anschließend Sie um Ihre UnterstĂŒtzung bitten.“

Wer es vergessen hat, also die eher von medial-politischen BetĂ€ubungsmitteln statt Alkohol ruhig gestellte „breite Mehrheit“ aka die berĂŒhmten 99 Prozent auch von Deutschland:

Am 16. Dezember 2011 verkĂŒndete die Zentralbank des Euro-Systems, die „EuropĂ€ische Zentralbank“ (E.Z.B.) im Zuge von „liquidity-providing fine-tuning operations (FTOs)“ am 20. Dezember 2011 und am 28. Februar 2012 jeweils von 9.30 Uhr bis 10.05 Uhr Banken bzw Finanzkonsortien Kredite ĂŒber drei Jahre zu einem Zins von 1 Prozent zu gewĂ€hren. Das Geld dafĂŒr erfand sie durch ihr Geldschöpfungsmonopol selbst.

Am 20. Dezember 2011 hatten sich nach 35 Minuten fĂŒnfhundertdreiundzwanzig Banken 489,2 Milliarden Euro geliehen. Und am 28. Februar liehen sich die Banken noch einmal 530 Milliarden Euro.

Und was machten die armen, armen Banken nun mit der fast geschenkten Billion? Sie rannten zurĂŒck zur E.Z.B. und schĂŒtteten 820 Milliarden Euro wieder zurĂŒck, auf die sogenannte „Angstkasse“, die „Übernacht-Einlagen“. (05.03.2012, 820 Milliarden Euro: EZB-Gelddruckerei ĂŒberschĂŒttet die Wucherer, die schĂŒtten zurĂŒck).

Im September 2016 betrug die „ÜberschussliquiditĂ€t“, also das bei der E.Z.B. gebunkerte Geldvermögen der Banken, dann ĂŒber eine Billion Euro. Die Bundesbank, wie immer damit rechnend das keiner irgendeine Ahnung hat, schob es auf das in 2015 gestartete neue Staatsanleihen-Kaufprogramm der E.Z.B. (dazu untenstehend mehr).

Aber das war noch lange nicht alles.

Bereits vorher hatten innerhalb von vier Jahren die Staaten des Staatenbundes „EuropĂ€ische Union“ 5,0589 (bitte auf die Zahlen hinter dem Komma achten) Billionen Euro als „Hilfe“ in den „Finanzsektor“ geschĂŒttet, also in Banken und Konsortien. Aus dem Bericht der E.U.-Kommission vom 21.12.2012:

„In der Zeit vom 1. Oktober 2008 bis zum 1. Oktober 2012 genehmigte die Kommission Beihilfen in Höhe von 5058,9 Mrd. EUR (40,3 % des EU-BIP) fĂŒr den Finanzsektor.“

Und wie wir bereits dutzendfach berichteten, wird im selben Atemzug durch alle Parteien und alle „Medien“ gegen den Ankauf von Staatsanleihen durch die E.Z.B. gehetzt – dabei sind diese keine Geschenke, sondern Kredite bzw Schuldscheine, auf die die betroffenen „SĂŒdlĂ€nder“, Demokratien wie Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Zinsen zahlen – und zwar u.a. an diesen Staat. Allein 4 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2014 kassierte dieser SchĂ€uble-Staat fĂŒr die „Hilfen“ an die sogenannten „PeripherielĂ€nder“ des bejubelten „Europas“.

Dabei sind die betroffenen Staaten nur deshalb auf diese „Hilfen“, also die Kredite vom Staat Deutschland bzw der internationalen Finanzorganisation „EuropĂ€ischer Stabilisierungsmechanismus“ angewiesen, weil sie vorher an den GeldmĂ€rkten von Banken und korrupten Regierungen hochgejagte Zinsen auf ihre Staatsanleihen / Schuldscheine zahlen mussten, weil die E.Z.B. ihnen damals eben nicht durch Ankauf von Staatsanleihen zu Hilfe kam.

Stattdessen wartete die E.Z.B., bis die Staaten ins Loch gefallen und erpressbar waren, durch die im internationalen Kartell „Institute of International Finance“ organisierten Banken, durch die Regierung von Deutschland und nicht zuletzt durch die E.Z.B. selbst. Erst als klar war, dass der E.S.M. durch das vorbereitende „Stabilisierungsmechnanismusgesetz“ durch den Bundestag gejagt werden konnte (auf dessen Grundlage zunĂ€chst die luxemburgische Aktiengesellschaft E.F.S.F. entstand), startete die E.Z.B. im Mai 2010 das „Securities Markets Programme“ (hier erklĂ€rt). Dieses ließ sie immer dann ein bisschen laufen, um die Staatsopfer zwar im WĂŒrgegriff zu halten und erpressen zu können, aber nicht ganz kollabieren zu lassen.

Im September 2012, nachdem der E.S.M. installiert worden war, stellte die E.Z.B. das S.M.P. Staatsanleihen-Kaufprogramm ganz ein und kĂŒndigte ein „Outright Monetary Transactions“ (O.M.T.) an, was bis heute nie aktiviert wurde.

Aber auch das ist nicht alles.

WĂ€hrend hier jeder Wolfgang SchĂ€uble auf die Schulter klopft, weil der so ein toller Finanzminister ist, weil sich das Geldvermögen der „privaten Haushalte“ in Deutschland auf 5,5 Billionen Euro und deren Reinvermögen auf 11,19 Billionen Euro (Stand 2015) erhöht hat, sparte der deutsche Staat, Bund, LĂ€nder und Kommunen, bereits Hunderte von Milliarden Euro durch die Niedrigzinsen, die wiederum er an den GeldmĂ€rkten fĂŒr seine Schuldscheine / Staatsanleihen bezahlt – eine direkte Folge der sogenannten „Eurokrise“.

Bis August 2012 waren das nach einer Meldung vom „Handelsblatt“ 68 Milliarden „eingesparte“ Euro.  Laut einer Meldung der „Welt“ vom Juni 2013 waren es „bis Mitte 2014 irgendwo zwischen 100 und 200 Milliarden Euro“. Wie viele Hunderte Milliarden Euro der Staat Deutschland bis heute durch die „Eurokrise“ verdiente, wĂ€hrend die „SĂŒdlĂ€nder“ Europas bis aufÂŽs Blut geschunden werden, weil ihre VerrĂ€ter von ReprĂ€sentanten sich dieser Chunta im Regierungsviertel Berlins immer noch vor die FĂŒĂŸe werfen, wer weiß.

Was alle wissen: das die sogenannte „Opposition“ von all dem nichts wissen will. (3. August 2012, Staatsanleihen-Kauf: Sarah Wagenknecht von „Guardian“ links ĂŒberholt)

Den Euro-Kapitalismus und das Euro-System kann man guten Gewissens als Finanzfaschimus bzw Eurofaschismus bezeichnen. Und Dijsselbloem, dessen RĂŒcktritt jetzt von seinen Kumpanen wie dem gegen das italienische Wahlvolk gerannte Matteo Renzi gefordert wird – der wiederum vorher versucht hat die Verfassung der Republik Italien nach den Vorgaben der Merkel-Gabriel-Regierung und dessen Euro-Richelieu Wolfgang SchĂ€uble Ă€ndern zu lassen, wie in Spanien in 2011 – hat nur den Fehler gemacht auszusprechen was die lieben „Super-EuropĂ€er“ mit ihrem „Europa“ tatsĂ€chlich meinen.

Die verlogensten Beihelfer und Kollaborateure von Dijsselbloem und seiner offen zur Schau getragenen Herrenmenschen-MentalitĂ€t sind genau diejenigen, die nicht nur dieses kapitalistische und imperialistische Finanz- und WĂ€hrungssystem, sondern den Kapitalismus insgesamt bis heute mit Kader-ZĂ€hnen und -Klauen verteidigen: „BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen“ und „Die Linke“.