Nixon hat Watergate gewonnen

Barack Obamas PrÀsidentschaft ist genau das, was sein umstrittener VorgÀnger wollte.

Diesen Monat sprach ich bei einer Veranstaltung zum Andenken an den 40. Jahrestag des Watergate-Skandals mit einigen von dessen Überlebenden im National Press Club. WĂ€hrend sich ein großer Teil der Diskussion um den historischen Konflikt mit PrĂ€sident Nixon drehte, beschĂ€ftigte mich eine andere Frage: Wer hat eigentlich gewonnen? Von einseitigen militĂ€rischen Aktionen bis zu Überwachung ohne gerichtliche Genehmigung, also den grundlegenden Elementen der im Raum stehenden PrĂ€sidentenanklage – schmerzliche Tatsache ist, dass Barack Obama der PrĂ€sident ist, der Nixon immer sein wollte.

Vor vier Jahrzehnten wurde Nixon in seinem Bestreben eingebremst, eine „imperiale PrĂ€sidentschaft” zu schaffen mit unilateralen Befugnissen und Privilegien. 2013 ĂŒbt Obama genau diese Macht offen und ohne ernsthafte Opposition aus. Der Erfolg Obamas bei der Erreichung von Nixon vorenthaltenen Machtbefugnissen ist eine seiner – wenn auch schĂ€ndlichsten – Leistungen. Sehen wir uns einige Beispiele an:


Überwachung ohne gerichtliche Anordnung

Nixons Einsatz von unbefugter Überwachung fĂŒhrte zur Schaffung eines Sondergerichts, genannt Foreign Intelligence Surveillance Court (FISA – Gericht zur Überwachung auslĂ€ndischer Geheimdienste). Es stellte sich jedoch heraus, dass diese Reform eher der Form nach wirkte als inhaltlich. Das geheime Gericht machte aus „wahrscheinlicher Fall“ einen bedeutungslosen Standard, was so gut wie jede Überwachung ermöglichte, die die Regierung wĂŒnschte. Von hunderttausenden Ansuchen ĂŒber die Jahrzehnte hinweg wurden nur einige wenige nicht genehmigt.

Vergangenen Monat machte der Supreme Court allen noch verbliebenen Illusionen ĂŒber FISA ein Ende, als er sich an die Seite der Obama-Administration stellte mit einem Urteil, nach dem potenzielle Ziele einer derartigen Überwachung Beweise dafĂŒr vorzulegen hĂ€tten, dass gegen sie spioniert werde, sogar wenn die Regierung derartige Beweise fĂŒr geheim erklĂ€rt hatte. Das ist nur das letzte von Dutzenden von Gerichtsverfahren, welche die Regierung blockiert hat, wĂ€hrend die Überwachung exponentiell ansteigt.

Unilaterale militÀrische Aktion

Nixons Anklage beinhaltete den Vorwurf, dass er die alleinige AutoritĂ€t des Kongresses missachtet habe, Krieg zu erklĂ€ren, indem er in Kambodscha einmarschierte. AnlĂ€sslich der libyschen „Mission“ gab Obama bekannt, dass nur er die alleinige Befugnis habe zu entscheiden, was ein „Krieg“ ist, und dass, solange er das als etwas anderes bezeichnete, keine Zustimmung oder auch nur RĂŒcksprache mit dem Kongress erforderlich sei. Er fuhr einfach fort, die Hauptstadt eines Landes zu bombardieren, MilitĂ€reinheiten zu zerstören und ĂŒber eine Milliarde Dollars auszugeben zur UnterstĂŒtzung einer Seite in einem BĂŒrgerkrieg.

Kill-Listen

Nixon ordnete einen Einbruch an, um Beweise gegen Daniel Ellsberg zu finden, der der Presse die berĂŒhmten Pentagon Papers ĂŒbergeben hatte, und versuchte danach, ihn einzusperren. Ellsberg erfuhr spĂ€ter von einer geheimen Verschwörung der „Klempner“ des Weißen Hauses, ihn durch einen physischen Angriff „außer Gefecht zu setzen.“ Das war eine schockierende EnthĂŒllung. Allerdings ist das nichts gegen die Anmaßung des Rechts durch Obama, jeden BĂŒrger der Vereinigten Staaten von Amerika ohne Anklage umzubringen, von einer Verurteilung gar nicht zu reden, nur aufgrund seiner eigenen Macht. Ein vor kurzem durchgesickertes Memorandunm besagt, dass der PrĂ€sident ein Recht hat, einen BĂŒrger zu töten, sogar wenn er nicht ĂŒber „eindeutige Beweise ĂŒber einen speziellen Angriff“ verfĂŒgt, der geplant wird.

Vorgehen gegen Whistleblowers

Nixon war bekannt fĂŒr seine Attacken gegen Whistleblowers. Er benutzte den Espionage Act (Spionage-Gesetz) aus dem Jaht 1917, um eines der seltenen Strafverfahren gegen Ellsberg zustandezubringen. Nixon wurde verteufelt, weil er das Recht missbrauchte. Obama hat doppelt so viele derartige Verfolgungen zustandegebracht wie alle vorhergehenden PrĂ€sidenten zusammen. WĂ€hrend sie es ablehnt, jemanden wegen Folter anzuklagen, hat die Obama-Administration den ehemaligen CIA-Beamten John Kiriakou verfolgt, weil er das Folterprogramm der Öffentlichkeit bekannt gegeben hat.

Weitere nixoneske ZĂŒge tragen Obamas ĂŒbermĂ€ĂŸiger Gebrauch der Geheimhaltungsgesetze und die Vorenthaltung von Material vor dem Kongress. Sogar fehlende TonbĂ€nder gibt es. Im Folterskandal gaben CIA-Vertreter zu, TonbĂ€nder zerstört zu haben, von denen sie befĂŒrchteten, sie könnten gegen sie in Strafverfahren verwendet werden. Auch bei Nixon gab es fehlende Tonaufzeichnungen, aber Rose Mary Woods behauptete, sie habe diese aus Versehen gelöscht, im Gegensatz zu den derzeitigen Regierungsvertretern, die offen die absichtliche Zerstörung zugeben.

Obama hat sich nicht nur offen die Machtbefugnisse angeeignet, welche die Grundlage fĂŒr Nixons Impeachment bildeten, sondern er hat auch zustandegebracht, dass ihn viele dafĂŒr lieben. Mehr als jede andere Figur in der Geschichte war Obama eine Katastrophe fĂŒr die BĂŒrgerrechtsbewegung der Vereinigten Staaten von Amerika. Dadurch, dass er aus der Demokratischen Partei kommt und eine Kultposition einnimmt, hat Obama die Bewegung mitten auseinandergerissen. Viele Demokraten und progressive Aktivisten sehen sich selbst außerstande, gegen Obama wegen der autoritĂ€ren Befugnisse, die er sich angeeignet hat, Widerstand zu leisten. Es geht nicht einfach um einen Fall, in dem sich eine Persönlichkeit ĂŒber Prinzipien erhebt, es ist ein Personenkult.

Lange nach Watergate hat sich nicht nur das PrĂ€sidentenamt geĂ€ndert. Wir haben uns geĂ€ndert. Wir haben uns gewöhnt an Elemente eines Sicherheitsstaates wie massive Überwachung und exekutive AutoritĂ€t ohne gerichtliche Aufsicht. Wir haben zu guter Letzt eine Frage beantwortet, die Benjamin Franklin offen ließ, nachdem eine Frau Powel ihn nach dem Verfassungskonvent fragte: „Nun Doktor, was haben wir bekommen – eine Republik oder eine Monarchie?“ Seine ernĂŒchternde Antwort: „Eine Republik, wenn ihr sie erhalten könnt.”

Wir scheinen der Republik ĂŒberdrĂŒssig geworden zu sein und haben diese verscherbelt fĂŒr Versprechen von Sicherheit seitens einer strahlenden politischen Persönlichkeit. Irgendwo muss sich Nixon wohl wundern, wie das alles so einfach gehen konnte.

Orginalartikel How Nixon Won Watergate vom 26.03.2013

Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2013_03_28_nixon.htm