Frontlinie des US-Militärs zwischen Polizei und Demonstranten verhinderte Eskalation am Denkmal für Vietnam-Veteranen

US-Militärs organisieren sich in neu gegründetem Verband und trainieren den aktiven Widerstand gegen weltweit wild zuschlagende Staatsgewalt:

"We stand in solidarity with … all peoples worldwide, who are standing up courageously, leading and often dying in the struggle for equality and justice as they are exposed to massive state run police and military violence."

Erstmalige Arreste in den USA: Polizeibeamte verhafteten in der 1.Mai-Nacht auch acht prominente Militärveteranen von Veterans Peace Teams und zwei Geistliche (darunter George Packard, Bischof der Episkopalkirche und Vietnam-Veteran) in New York, die sich als Schutzschilde im friedfertigen, aber zu allem entschlossenen Widerstand vor die Demonstranten an vorderster Front postierten, die eine grosse Volksversammlung abhielten.

Durch die Anwesenheit des US-Militärs an den Kundgebungen am 1.Mai 2012 wurden Ausschreitungen der Polizei und Massenverhaftungen gegen die Teilnehmer der Protestbewegung verhindert.

Da Polizeiblockaden im Finanzbezirk von New York die geplante After-Party im Battery Park vereitelten, versammelten sich mit Einbruch der Dunkelheit Zehntausende auf dem Platz am Vietnam Veterans Memorial an der Water Street, den die US-Veteranen als geeigneten Ort auswählten, um dort Stellung zu beziehen.

Die Gedenkstätte wird üblicherweise um 22 Uhr geschlossen und die Polizei rückte mit grossem Aufgebot an, um die versammelten Menschen vom Platz zu räumen. Dort hatte sich ein grosser Kreis mit Trommlern gebildet und es wurden Reden gehalten, die durch "Volksmikrophone" verstärkt wurden.

Tarak Kauff, einer der Gründer der Veterans Peace Teams und ein langjähriges Mitglied von Veterans for Peace erklärte auf diesem Meeting, dass seine Fraktion an der Front vor der Polizei steht - die bereits das umliegende Gebiet mit Hunderten von Beamten umzingelt hatte - um die Anwesenden zu verteidigen. Unter Bezugnahme auf die ökologische Krise und der anhaltenden Kriege im Namen von mächtigen Interessen sagte Kauff zum Publikum:

"Wir befinden uns in einem Kampf ums Überleben." (1)

Veterans Peace Teams haben sich Ende letzten Jahres gegen die Polizeigewalt gegründet und mit der Organisation und Schulung der Mitglieder begonnen, als eine Welle von Vertreibungen von den öffentlichen Plätzen und gewaltsame Repression gegen die Occupy-Bewegungen in den Vereinigten Staaten von Amerika um sich griffen.

Im Statement zur notwendig gewordenen Bildung der Veterans Peace Teams heisst es:

"Als Veteranen stehen wir an der Seite der Occupy-Bewegung als Mitglieder der 99 Prozent und gegen jegliche Anwendung von Gewalt durch die Polizei gegen friedliche Demonstranten, die mit ihrem Recht, sich friedlich zu versammeln, Missstände zu beseitigen suchen."

Kauff, der sich mit seinen ebenfalls verhafteten Mitkämpfern Ellen Barfield, Mike Ferner, Beverly Rice, Art Brennan, Steve Chrismer, Crystal Zevon und Steve Bray den Polizisten in einer Linie in den Weg stellte, sagte in einem Interview nach seiner Freilassung aus dem Polizeigewahrsam zu der Beteiligung am 1.Mai:

"Uns war das Potenzial für Polizeigewalt bewusst und wollten in der Szene sowohl als Teilnehmer an Maifeiertag und auch als US-Militär-Veteranen und unseren Verbündeten teilnehmen, wenn Hilfe benötigt wird und der Wunsch als Frontlinie gegenüber der Polizei besteht...

... Wir hatten jedes Recht da zu sein, wo wir waren und dort zu stehen. Wir fühlten, dass es nicht angebracht war, den Platz zu verlassen."

Die Demonstranten hatten sich letztendlich im Angesicht des riesigen Polizeiaufgebotes entschieden, den Platz freiwillig verlassen, da sich viele Eltern mit ihren Kindern an der abendlichen Kundgebung am Vietnam Veterans Memorial beteiligt hatten und es in den letzten Monaten in verschiedenen Städten der USA zu Gewalttätigkeiten mit Tränengas- und Schlagstockeinsätzen gekommen war.

"Ich denke, es wäre toll gewesen, wenn sie blieben wären, aber ich gebe ihnen keine Schuld, dass sie den Platz verlassen haben", meinte Kauff.

Die Militär-Veteranen verliessen nicht das Feld und wurden von den Polizisten verhaftet, in einen Bus verfrachtet und ins Gefängnis gebracht. Kauff sagte, dass sie von den Beamten mit Respekt behandelt wurden:

"Ich denke, es gab ein paar Faktoren - zum einen, dass wir Veteranen waren, zweitens, dass wir uns nicht offensichtlich widersetzten und drittens, dass unsere Haltung nicht auf Konfrontation aus war oder wütend aber sich sehr entschlossen zeigte.

Wir erkennen, dass sie Menschen sind. Wir verstehen völlig, dass die Polizei die Interessen der herrschenden Elite oder die 1 Prozent zu schützen hat, aber wir behandeln sie als Individuen, nicht als Feinde.

Ich sehe oft, dass viele von ihnen erhebliche Wut, Angst und die Fähigkeit brutal sein zu müssen haben - aber es gibt auch viele, die gute, anständige Menschen sind, die mit der Occupy-Bewegung sympathisieren. Sie können es in ihren Gesichtern lesen und daran, wie sie handeln, sehen.

Wir hatten das Glück, dass die Polizisten, die die Verhaftungen vorgenommen hatten, alle recht gut waren, und einige von ihnen haben sogar beträchtliche Sympathien für die Occupy-Bewegung während des Einsatzes zum Ausdruck gebracht."

Der ehemalige Präsident von Veterans For Peace, Mike Ferner, sagte nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis: (Foto aus dem Jahr 2010)

"Die Leute kommen oft zu den Veteranen um sich bei uns für unseren "Service" zu bedanken" (2),

Die Mitglieder und Verbündeten des "nichtstaatlichen" pazifistischen neuen US-Militärbundes werden auch im Ausland aktiv, wo sich das US-Verteidigungsministerium auf dauerhaften Stützpunkten einnistet und unterstützt aktiv die einheimischen Friedensbewegungen - so den Widerstand gegen den Bau einer Militärbasis auf der südkoreanischen Insel Jeju.

Die südkoreanische Regierung sieht in den professionellen Friedenskriegern aus den USA eine so grosse Bedrohung ihrer militärischen Interessen, dass sie diese aus dem Land ausweisen liess. Unter den "Deportierten" befand sich der ehemalige Präsident von Veterans for Peace Elliott Adams, der in Südkorea gedient hatte und zu dieser Ironie der Situation Stellung nahm:

"This is gratitude? I served in Korea with the 2nd Infantry Division defending the people from North Korea; I come back to again defend the people and I am pushed off into no-man’s-land." (3)

Zum kommenden Kriegstreffen der Nato sagte Kauff:

"Wir werden in Chicago an den NATO-Protesten teilnehmen und wir haben einen Brief für die NATO, den wir beabsichtigen, persönlich zu überreichen. Wenn wir an den Barrikaden angehalten werden, werden wir dort bleiben, ohne Wut oder Hass um uns Auge in Auge mit dem Polizeistaat gegenüber zu stellen."

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die überwiegende Anzahl der Polizeibeamten nicht mehr bereit ist, auf ihre Mitbürger einzuprügeln, wenn diese ihre Forderungen gegenüber der Politik in friedlichen Kundgebungen öffentlich vortragen.

Mike Ferner via skype über Veterans Peace Teams am 4.April 2012:

Pledge of Resistance

We believe that as people living
in the United States it is our
responsibility to resist the injustices
done by our government,
in our names

Not in our name
will you wage endless war
there can be no more deaths
no more transfusions
of blood for oil

Not in our name
will you invade countries
bomb civilians, kill more children
letting history take its course
over the graves of the nameless

Not in our name
will you erode the very freedoms
you have claimed to fight for

Not by our hands
will we supply weapons and funding
for the annihilation of families
on foreign soil

Not by our mouths
will we let fear silence us

Not by our hearts
will we allow whole peoples
or countries to be deemed evil

Not by our will
and Not in our name

We pledge resistance

We pledge alliance with those
who have come under attack
for voicing opposition to the war
or for their religion or ethnicity

We pledge to make common cause
with the people of the world
to bring about justice,
freedom and peace

Another world is possible
and we pledge to make it real.

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Quellen:
(1) http://wagingnonviolence.org/2012/05/veterans-peace-team-face-to-face-with-police-on-may-day/
(2) http://warisacrime.org/content/veterans-peace-team-members-arrested-may-day
(3) http://wagingnonviolence.org/2012/03/veterans-peace-team-is-too-dangerous-for-south-koreas-jeju-island/

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