Wie die Freiheit verloren wurde

Wann begannen in Amerika die Dinge falsch zu laufen?

„Von Anfang an,“ sagen einige. Englische Kolonisatoren, selbst unter dem Joch eines Königs, rotteten die amerikanischen Indianer aus und stahlen ihr Land, wie es auch die Amerikaner im spĂ€ten 18. und im 19. Jahrhundert taten. Im Verlauf von drei Jahrhunderten wurden die Ureinwohner Amerikas enteignet, gerade wie die Israelis seit 1948 die PalĂ€stinenser von ihrem Land vertrieben haben.

DÀmonisierung spielt immer eine Rolle. Die Indianer waren Wilde und die PalÀstinenser sind Terroristen. Jedes Land, das die Zuschreibungsmacht hat, kann mit bösen Taten davonkommen.

Ich stimme der Ansicht zu, dass in jedem Land und in jeder Zivilisation viel Böses existiert. Im Kampf zwischen Gut und Böse war die Religion zeitweise auf Seiten des Bösen. Wie auch immer, die Idee des moralischen Fortschritts kann nicht so leicht verworfen werden.

Nehmen wir zum Beispiel die Sklaverei. Im 19. Jahrhundert existierte Sklaverei noch immer in LĂ€ndern, welche Gleichberechtigung verkĂŒndeten. Sogar freie Frauen hatten nicht die gleichen Rechte. Heutzutage wĂŒrde kein westliches Land mehr tolerieren, dass Menschen Besitz sind oder dass das Eigentum einer Frau bei der Hochzeit auf ihren Mann ĂŒbertragen wird.

Es stimmt, dass westliche Regierungen Eigentumsrechte an der Arbeit ihrer BĂŒrger haben, und zwar durch die Einkommenssteuer. Das bleibt eine abgemilderte Form der Leibeigenschaft. Bis jetzt hat allerdings noch keine Regierung das Besitzrecht an der Person selbst beansprucht.

Gelegentlich höre ich von meinen Lesern, dass meine BemĂŒhungen sinnlos sind, dass Eliten immer dominieren und dass die einzige Lösung darin besteht, seinen Weg in die kleine vernetzte Clique von Eliten entweder durch Heirat zu finden oder dadurch, dass man ihren Interessen dient.

Das mag klingen wie ein zynischer Ratschlag, aber es entbehrt nicht einiger Wahrheit. In der Tat ist das die Art, in der Washington und New York funktionieren und zunehmend die Art, in der das ganze Land funktioniert.

Washington dient mÀchtigen Privatinteressen, nicht dem öffentlichen Interesse. UniversitÀtsfakultÀten dienen in ihrer Forschungsarbeit zunehmend privaten Interessen und immer weniger der Wahrheit. In den Vereinigten Staaten von Amerika sind die Medien keine Stimme und kein Schutz der Menschen mehr. Es wird in Amerika immer unmöglicher, einen guten Arbeitsplatz zu bekommen, ohne mit dem System vernetzt zu sein, das den Eliten dient.

Das Problem, das ich mit dieser „gib auf“-Einstellung habe, besteht darin, dass es im Lauf meines Lebens, und ĂŒberhaupt im Verlauf des 20. Jahrhunderts zu vielen positiven VerĂ€nderungen durch Reformen gekommen ist. Es gibt keine Reformen ohne guten Willen, es waren daher sogar die Eliten, die Reformen akzeptierten, welche ihre Macht einschrĂ€nkten, Teil des moralischen Fortschritts.

Gewerkschaften wurden zu einer Gegenmacht gegen die KonzernfĂŒhrungen und Wall Street.

Die Arbeitsbedingungen wurden reformiert. Die BĂŒrgerrechte wurden ausgeweitet. Vom System ausgeschlossene Menschen wurden in dieses hereingeholt. Jeder, der im 20. Jahrhundert aufgewachsen ist, kann seine eigenen Beispiele hinzufĂŒgen.

Der Fortschritt ging langsam – viel zu langsam aus der Sicht eines Reformers – und Fehler wurden gemacht. Wie auch immer, ob richtig oder falsch betrieben, es gab ein Bekenntnis zur Ausweitung der bĂŒrgerlichen Freiheit.

Dieses Bekenntnis endete unvermittelt am 11. September 2001. Innerhalb von elf Jahren setzte das Bush/Obama-Regime 800 Jahre menschlicher Errungenschaften außer Kraft, die das Recht zu einem Schutzschild der Menschen gemacht hatten, und formte das Recht um zu einer Waffe in den HĂ€nden der Regierung. Heute können Amerikaner und BĂŒrger anderer LĂ€nder nach dem alleinigen Willen des exekutiven Bereichs der Vereinigten Staaten von Amerika ohne gesetzliches Verfahren und ohne einem Gericht vorgelegte Beweise ihr ganzes Leben lang in FoltergefĂ€ngnisse gesperrt, auf der Straße niedergeschossen oder mit Raketen aus Drohnen ausgelöscht werden.

Die Macht, die die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika sich ĂŒber ihre BĂŒrger und auch ĂŒber die BĂŒrger anderer LĂ€nder anmaßt, ist uneingeschrĂ€nkt. Lenin beschrieb uneingeschrĂ€nkte Macht als Macht, die „direkt auf Gewalt beruht, durch nichts eingeschrĂ€nkt wird, weder durch irgendwelche Gesetze noch durch irgendwelche absoluten Regeln.“

Washington behauptet, es selbst sei die unentbehrliche Regierung, die das außergewöhnliche Volk reprĂ€sentiert und dadurch das Recht hat, ihren Willen und ihr „Recht“ dem Rest der Welt aufzuzwingen, und dass Widerstand gegen Washington Terrorismus ist, der mit allen nur möglichen Mitteln ausgerottet werden muss.

So sprechen die amerikanischen Neokonservativen von Atombomben gegen den Iran, weil dieser auf seiner UnabhĂ€ngigkeit von der amerikanischen Vorherrschaft besteht und sein Recht zur Nutzung der Kernenergie gemĂ€ĂŸ dem Atomwaffensperrvertrag wahrnimmt, dem der Iran als Signatarmacht angehört.

Mit anderen Worten, Washingtons Wille geht ĂŒber internationale Abkommen hinaus, die den Rang von Gesetzen haben, Abkommen, die Washington selbst der Welt aufs Auge gedrĂŒckt hat. Nach dem Willen der Neokonservativen und Washingtons ist der Iran nicht durch das Rechtsabkommen geschĂŒtzt, das der Iran mit Washington abgeschlossen hat, als der Iran den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnete.

Der Iran findet sich sozusagen in der Rolle eines weiteren amerikanischen Indianerstammes des 17. oder 18. Jahrhunderts, der seiner Rechte beraubt und von den KrÀften des Bösen ausgelöscht werden soll, die in Washington D.C. herrschen.

Die ĂŒberwiegende Mehrheit der „Supermacht”-Amerikaner, die in die Matrix eingeklinkt sind, wo sie glĂŒcklich sind mit der Desinformation, die von Washington und dessen Pressehuren in ihre Hirne gepumpt wird, wĂŒrden meine Fakten eher ablehnen, als sich ihnen zu stellen.

Das fĂŒhrt zu der Frage: wie wird einer aus der Matrix ausgeklinkt oder klinkt andere von der Matrix aus? Leser haben mich das gefragt, und ich habe keine vollstĂ€ndige Antwort.

Es scheint da mehrere Möglichkeiten zu geben. Du wirst gekĂŒndigt und gezwungen, deinen H-1B auslĂ€ndischen Nachfolger einzuschulen, der fĂŒr einen niedrigeren Lohn arbeitet, du wirst wegen eines Verbrechens verurteilt, das du nicht begangen hast, die Kinder werden dir vom Kinderschutz weggenommen, weil Sportverletzungen als Zeichen fĂŒr Kindesmissbrauch gedeutet werden, dein Haus wird dir gestohlen, weil eine betrĂŒgerische Hypothek mit der Macht des Gesetzes durchgesetzt wurde, du wirst freigesetzt vom „Freien Marktkapitalismus“, weil du zu alt wirst und die PrĂ€mie deiner Krankenversicherung dem Arbeitgeber zu teuer wird, du wirst von der Heimatlandsicherheit bei deiner RĂŒckkehr in die Vereinigten Staaten von Amerika schikaniert, weil du ein nichteingebetteter Journalist bist, der wahrheitsgemĂ€ĂŸ ĂŒber das Verhalten der Vereinigten Staaten von Amerika im Ausland berichtet. Es gibt viele Beispiele, wo Amerikaner in die RealitĂ€t gestoßen werden, weil ihnen die „Freiheit und Demokratie“-Schuppen von den Augen fallen.

Es ist möglich, dass aus der Matrix ausgeklinkt zu werden eine fortschreitende lebenslange Erfahrung ist fĂŒr diejenigen, die darauf achten. Je lĂ€nger sie leben, desto mehr kommen sie darauf, dass die RealitĂ€t den ErklĂ€rungen der Regierung und der Medien widerspricht. Die wenigen, die nach Reality Shows und Sportsendungen und Fantasiefilmen noch an wichtige Dinge denken können, kommen Schritt fĂŒr Schritt darauf, dass keine „neue Wirtschaft“ die Stelle der Produktion einnimmt, die in ferne LĂ€nder ausgelagert worden ist. Wenn sie erst ihre „schmutzige FingernĂ€gel-Jobs“ losgeworden sind, dann erfahren sie, dass es keine „neue Wirtschaft“ gibt, die sie anstellt.

Noch immer schĂ€umend wegen der Niederlage im Krieg gegen Vietnam und vor Wut gegen die Antikriegsdemonstranten kommen einige fahnenschwenkende Patrioten langsam auf die Konsequenzen der Kriminalisierung von abweichenden Meinungen und der AusĂŒbung der Rechte der freien MeinungsĂ€ußerung. „Du bist entweder fĂŒr uns oder gegen uns“ bekommt immer mehr eine drohende Bedeutung anstelle einer beruhigenden, was dazu fĂŒhrt, dass jeder, der oder die eine abweichende Meinung Ă€ußert, dadurch zu einem „Staatsfeind“ abgestempelt wird.

Mehr Amerikaner, bei weitem aber noch nicht genĂŒgend, kommen zu der Auffassung, dass die Auslöschung der Branch Davidians 1993 in Waco ein Probelauf war, um herauszufinden, ob die Öffentlichkeit und der Kongress die Ermordung von Zivilisten hinnehmen wĂŒrden, die mit falschen Beschuldigungen von Kindesmissbrauch und Waffenmissbrauch dĂ€monisiert worden waren.

Der nĂ€chste Test war das Bombenattentat 1995 in Oklahoma City. Wessen ErklĂ€rung wĂŒrde sich durchsetzen: die der Regierung oder die von Experten? Luftwaffengeneral Partin, ein Spitzenexperte fĂŒr Sprengstoffe, wies schlĂŒssig in einem ausfĂŒhrlich dokumentierten Bericht, der jedem Kongressmitglied ĂŒberreicht wurde, nach, dass das Murruh Bundes-AmtsgebĂ€ude von innen her gesprengt wurde, nicht von außen mit der KunstdĂŒnger-Autobombe. General Partins Fakten konnten sich gegen die Regierungspropaganda und den Kongress, der eine Auseinandersetzung darĂŒber vermeiden wollte, nicht durchsetzen.

Sobald erst die Regierung der „nationalen Sicherheit” gelernt hatte, dass ihre Behauptungen und die der prostituierten Medien mehr Gewicht hatten als die von Experten prĂ€sentierten Fakten, konnten Verschwörungen wie die Operation Northwoods in Gang gesetzt werden. Ein 9/11 wurde möglich.

Das Pentagon, CIA und MilitĂ€r/Sicherheitskomplex suchten verzweifelt nach einem neuen Feind, der die „sowjetische Bedrohung“ ersetzen sollte, die zu existieren aufgehört hatte. Der MilitĂ€r/Sicherheitskomplex und seine Diener im Kongress waren entschlossen, die Profite, die sie im Kalten Krieg gemacht hatten, zu ersetzen und die Macht zu vermehren, die sie in Pentagon und CIA angehĂ€uft hatten. Der einzig mögliche Ersatz fĂŒr die sowjetische Bedrohung waren „muslimische Terroristen.“ Daher also die Erschaffung der „al Qaeda-Bedrohung“ und die Verschmelzung dieser neuen Bedrohung mit sĂ€kularen arabischen Regierungen wie der irakischen und syrischen, die die wirklichen Ziele von Islamisten waren.

Ungeachtet der von Experten vorgelegten Beweise, dass sĂ€kulare arabische Regierungen wie zum Beispiel die von Saddam Hussein VerbĂŒndete waren im Kampf gegen islamischen Extremismus, stellte die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika in ihrer Propaganda eine Verbindung her zwischen der sĂ€kularen irakischen Regierung und den Feinden des Irak unter den islamischen RevolutionĂ€ren.

Nachdem Washington erst zur Auffassung gekommen war, dass die amerikanische Öffentlichkeit zu ignorant und zu nachlĂ€ssig war, um Ereignissen Aufmerksamkeit zu schenken, die ihr Leben Ă€ndern und ihre Existenz gefĂ€hrden wĂŒrden, folgte alles andere: der PATRIOT Act, die Aufhebung der Verfassung und Zerstörung bĂŒrgerlicher Freiheit, Heimatlandsicherheit, die rasch ihren Gestapo-Einfluss von FlughĂ€fen auf Bahnhöfe, Busstationen und Straßensperren ausweitete, die Kriminalisierung von abweichender Meinung, die Gleichstellung von Kritikern der Regierung mit UnterstĂŒtzern von Terrorismus, das Eindringen in Wohnungen von Antikriegsaktivisten und ihre Anklage vor einer Grand Jury, die Verfolgung von Whistleblowern, die Verbrechen der Regierung enthĂŒllen, die Gleichsetzung von journalistischen Organisationen wie WikiLeaks mit Spionage. Die Liste ist noch lĂ€nger.

Der Zusammenbruch der Wahrheit in den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren Handlangerstaaten stellt meine Auffassung, nach der Wahrheit und guter Wille KrĂ€fte sind, die das Böse besiegen können, vor eine große Herausforderung. Es ist möglich, dass meine Wahrnehmung, dass es in verschiedenen Perioden der westlichen Zivilisation zu moralischem Fortschritt gekommen ist, ein fortschreitendes Ausklinken aus der Matrix widerspiegelt. Was ich als Reformen im GedĂ€chtnis habe, könnten auch Ereignisse gewesen sein, die durch die rosa gefĂ€rbten GlĂ€ser der Matrix erfahren wurden.

Ich glaube jedoch nicht, dass das der Fall ist. Die Vernunft ist ein wichtiger Teil der menschlichen Existenz. Einige können sie gebrauchen. Fantasie und KreativitĂ€t können Ketten sprengen. Gutes kann dem Bösen widerstehen. Der außergewöhnliche Film The Matrix zeigt, dass Menschen ausgeklinkt werden können. Ich glaube, dass sogar Amerikaner ausgeklinkt werden können. Wenn ich diesen Glauben aufgebe, werde ich aufhören zu schreiben.

Orginalartikel vom 23.April 2012 How Liberty Was Lost

Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2012_04_25_wiedie.htm