Bericht: Aussenministerium direkt in Kunduz-Bombardement verwickelt

Afghanistan: Nach Informationen der "BZ" war am frühen 4.September nicht nur ein Vertreter des BND, sondern auch ein Vertreter des Berliner Auswärtigen Amtes (AA) unter Frank-Walter Steinmeier im deutschen Isaf-Hauptquartier in Kunduz anwesend.

Die Kunduz-Affäre wird zur Staatsaffäre und Bewährungsprobe der jungen Berliner Republik, die seit 8 Jahren in einem von den Parteien "SPD" und "Bündnis 90/Die Grünen" begonnenen Krieg im zentralasiatischen Afghanistan verstrickt ist.

Wie die "BZ" (1) berichtet, war nach ihren Informationen am frühen Morgen des 4.Septembers, dem Tag des Bombardements einer Menschenmenge 5 Kilometer entfernt vom deutschen Militärstützpunkt in Kunduz, neben einem Vertreter der deutschen Auslandsspionage "Bundesnachrichtendienst" (BND), auch ein Vertreter des Auswärtigen Amtes in der Operationszentrale der "Task Force 47" ("TF 47")  anwesend. Aus dieser Operationszentrale heraus wurde am frühen 4.September der Befehl zum Luftangriff auf eine Menschenmenge gegeben, die sich um zwei, nach Militärangaben "entführte", Tanklaster der Isaf versammelt hatte. Leitender Minister des Auswärtigen Amtes, also Bundesaussenminister, war zu diesem Zeitpunkt Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Gestern hatte die "Bild"-Zeitung berichtet (2), dass in der Operationszentrale der TF 47 in der Nacht des Bombardements auch Mitglieder des "Kommandos Spezialkräfte" (KSK) anwesend waren. Die "Faz" schrieb am 4.Dezember zu diesem Thema einen Bericht. In diesem Bericht wird der noch am Abend des 4.Septembers im deutschen Militäroberkommando ("Einsatzführungskommando") in Potsdam eingetroffene Feldjägerbericht aus Afghanistan zitiert. Heute ist unter der entsprechenden Url zu lesen (3):

"„Es liegen hier keinerlei Erkenntnisse vor, inwieweit nachrichtendienstliche Quellen in die Entwicklung des Lagebilds und in die Entscheidung eingebunden waren,“ heißt es da. „Es liegen auch keine Erkenntnisse vor, ob die Entscheidungen durch den Kommandeur des PRT Kundus und weitere Personen im PRT Kundus oder an anderer Stelle vorbereitet beziehungsweise getroffen wurden.“ Auch sei unbekannt, wo sich der Feuerleitoffizier (JTAC) mit dem Codenamen „Red Baron 20“ damals befunden habe. Hingewiesen wird nur auf den JTAC-Bediener, einen Oberfeldwebel."

Ursprünglich ging der Artikel noch ein kleines bisschen weiter. Er fiel beim ehrenwerten Blatt der Frankfurter Hohen Häuser wohl irgendwie unter den Salontisch. "Telepolis" (4) schnitt mit:

"Hingewiesen wird nur auf den JTAC-Bediener, einen Oberfeldwebel. Der war kein Angehöriger der Spezialkräfte (KSK). Das Rover-Empfangsgerät, auf dem in Kundus die Luftbilder mitverfolgt werden konnten, befand sich jedoch in der Operationszentrale der sogenannten Task Force 47 - dem KSK-Hauptquartier."

Wie gestern nun die "Leipziger Volkszeitung" aus ihr vorliegenden Unterlagen und Aussagen eines Bundesparlaments-Abgeordneten zitierte (5), änderte das deutsche Militär ("Bundeswehr") mittlerweile fundamental die Darstellung der Ereignisse. Nun hiess es, die TF 47 – mit ihrem Kommandeur, dem lokalen Isaf-Befehlshaber Oberst Georg Klein – habe am Abend des späten 3.September die Luftunterstützung von den US-Streitkräften gar nicht wegen den zwei “entführten” Isaf-Tanklastern angefordert, sondern wegen eines

"liegengebliebenen geschützten Bundeswehrfahrzeuges vom Typ Dingo”

Und weiter:

"Zu diesem Zweck war Luftunterstützung von den US-Truppen angefordert worden. Das defekte Bundeswehrfahrzeug sollte nicht in die Hände der Taliban fallen. Diese Aufklärungsflüge führten im späteren Verlauf zur Entdeckung der beiden von Taliban entführten festsitzenden Tanklastzüge."

Diese Darstellungen des deutschen Militärs, sowie der derzeit amtierenden Regierung, samt der bellizistischen und militärnahen etablierten Presse, sind in höchstem Masse unglaubwürdig - ebenso die Vertreter der "SPD" im Parlament. Ihr vor kurzem gewählter Fraktionsführer: der ehemalige Aussenminister Frank-Walter Steinmeier. Dieser hatte noch vor wenigen Tagen (3), am 6.Dezember, sich selbst laut die Frage gestellt,

“ob dem Auswärtigen Amt Informationen vorenthalten worden sind”

Gleichwohl enthielt er, im selben Atemzuge, der deutschen Öffentlichkeit folgende Information nicht vor:

"Wir alle wussten, dass es viele Opfer gab"

Und in der im Berliner Regierungsviertel so spontan-geplanten, zivil-militärischen, logisch-unlogischen Begabung zur Zwiedenkerei, war sich Frank-Walter mit innerer und äusserer Sicherheit gewiss, er sei am 8.September im Bundestag

“weder gegenüber dem Parlament noch in der Öffentlichkeit mit der Gewissheit aufgetreten, dass Zivilisten nicht ums Leben gekommen sind.“

Nun heisst es für die Staatsbürger entweder, nach der beliebten Kirmes-Parole für geübte Landeier, "Kopp zu und weg", oder "Auf sie mit dem Grundgesetz".

Untertanen bitte hinten anstellen, danke.

(...)

vorhergehende Artikel:

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Quellen:
(1) http://www.bz-berlin.de/archiv/auch-vertreter-des-auswaertigen-amtes-in-kunduz-article670381.html
(2) http://www.radio-utopie.de/2009/12/10/gehorte-der-fliegerleitoffizier-red-baron-20-zur-ksk/
(3) http://www.faz.net/s/Rub0CCA23BC3D3C4C78914F85BED3B53F3C/Doc~EDCE411F1C42B4D33A3C2D1B35AA70901~ATpl~Ecommon~Scontent.html
(4) http://www.heise.de/tp/blogs/8/146683
(5) http://www.radio-utopie.de/2009/12/10/bericht-bnd-einsatz-bei-kunduz-bombardement/
(6) http://www.radio-utopie.de/2009/12/06/kunduz-affare-wussten-wir-nicht-alle-dass-wir-nichts-wussten/

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