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FDP: Fette Drei Prozent

Von Daniel Neun | 18.Juni 2010

Im neuesten ZDF-Politbarometer stürzen die ex-Liberalen in der politischen Stimmung auf drei Prozent.

Im Fantomringen der Blockparteien um die Gunst von Banken, Bossen und Brüssel gibt es mal was richtig Neues: die Bundesregierung unter Angela Merkel  (CDU) knackt weg. Ihr Koalitionspartner FDP fällt mit seinem begnadeten Senkblei Guido Westerwelle kopfüber (wenn auch nicht kopflastig) ins gelbe Loch. Auf ganze drei Prozent kommt die FDP noch laut ZDF-Politbarometer (1) in der politischen Stimmung.

Tja. Leistung lohnt sich eben wieder. Umgekehrt allerdings auch.

Die Fehler der ex-Liberalen ist, dass sie sich nach ihrem Dreikönigstreffen Anfang Januar, wo sie – richtigerweise – einen vielversprechenden Aufbruch in den “mitfühlenden Liberalismus” startete und sich mit Christian Lindner einen jungen Intellektuellen als Generalsekretär leistete, in voller Fahrt wieder nach rechts auf die Schotterpiste Richtung Brandschutzmauer quatschen ließen. Und zwar von denselben alten sozialen und geopolitischen Totschlägern, die vorher schon 10 Jahre lange die SPD beglückt hatten.

Spürte man Ende 2009 in Berlin, angesichts eines möglichen Wiederaufblühens des klassischen, traditionellen und wertkonservativen Liberalismus in Deutschland, noch allerorten die Nervosität der reaktionären, verfassungsfeindlichen und bellizistischen Kräfte, so konnten die Neokonservativen schon bald wieder mit ihrem Traumpartner Neoliberale über Bande spielen.

Die FDP startete eine wahre Eigentor-Kanonade. Dabei hatte sie wohlmeinende Tipps wohl irgendwie falsch verstanden.  (7.Januar, Ein Tor würde der FDP gut tun)

Schon bei der spätrömischen Wirrnis des Partei-Nero Guido Westerwelle lief den Spindoktoren und Beraterkolonnen vor Freude das Wasser in den Augen zusammen; Armutsdruck und Zwangsarbeit für “dekadente” Hartz IV-Empfänger einerseits und milde Abermilliarden teure Gaben für die ehrenwerten “Leistungsträger” in Banken, Konzernen und Hotel-Etagen andererseits. Das müsse dem Mittelstand doch einfach einleuchten, hieß es. Das hatte doch schon in Westdeutschland immer so gut geklappt, auch nach 1990, als man da im Osten was dran gepappt hatte.

Vor der Bundestagswahl hatte es noch geheißen, das mit dem Krieg, also das könne nach acht Jahren auch mal vorbei gehen. Man war sogar schon dabei, an der SPD vorbei zu gehen. (19.August 2008, FDP fordert “Rückzugsplan” aus Afghanistan-Krieg, Sozens in Panik)

Nach dem Parteitag Anfang Januar hiess es dann aber rechts schwenkt marsch, volles Brett auf die Schotterpiste. Man wollte mit den lieben Freunden in der CDU in Nordrhein-Westfalen mal so richtig gegen die Wand fahren. Immerhin – die FDP hatte es kommen sehen. (26.Januar, Eskalation in Afghanistan: Jetzt saust das Fallbeil über CDU, FDP und CSU)

Westerwelles verfassungswidrige Kriegserklärung im Bundestag, als schlipsbehelmter Armschoner des Militärs, tat dann ein Übriges. (10.Februar, Regierung und Parlament im bewaffneten Konflikt mit der Verfassung)

Die hörten mit dem Geballer gar nicht mehr auf. Dabei dachte die FDP wahrscheinlich, es wäre Asien, dabei war es das eigene Tor. (08.April, FDP erklärt Bundeswehr zur “Interventionsarmee” gegen “Weltterrorismus”)

Nun hat die FDP den Salat. Dabei hatte sie sich Anfang Januar offensichtlich für den Sommer schon eine Mähmaschine bestellt und anschliessend säen mit düngen verwechselt.

Generalsekretär Christian Lindner, seit Wochen erkennbar in Panik, passt zwar im Grunde glänzend in dieses Amt, taugt aber überhaupt nicht für die Rolle des pseudo-agressiven Rechtsmagnaten und tumben Phrasendreschers. Aber genau diese Rolle hat ihm irgendjemand eingeredet. Wieviel Blödsinn dieses politische Talent in den Monaten seit dem Dreikönigstreffen schon von sich gegeben hat, sobald er irgendwo ein Mikrophon und eine Kamera entdeckte, kann nicht mehr in Kurzfassung aufgezählt werden. Seine einzige gute Rede war seine Antrittsrede. Dann kamen offenbar wieder die gleichen Parteikörper-Fresser, die jedes neue Talent ruinieren, in jeder etablierten Partei der Berliner Republik.

Ende dieses Monats, sicherlich zufällig zeitlich nahe der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten am 30.Juni, möchte sich die FDP in einer “Klausur” neu aufstellen. Dazu Lindner eines Morgens: (2)

„Die Lage der FDP ist gegenwärtig nicht so, dass wir damit zufrieden wären“

Ach nee.

Es solle in der FDP mal überlegt werden, nur mal so,

“mit welchen Themen wir jetzt als FDP wieder so in die Offensive kommen, dass die Zustimmung wächst”.

Von einem außerordentlichen Parteitag im Herbst ist bereits jetzt die Rede. Dazu hatte Guido Westerwelle, gesetzt den Fall, er sei bis dahin noch Aussenminister, schon die glänzende Begründung parat, warum er zudem auch Parteivorsitzender bleibe:

“Auch die Kanzlerin ist gleichzeitig Parteivorsitzende”

Fast Drei Prozent” wäre als Parteiname natürlich auch noch zu haben.

Quellen:
(1) http://politbarometer.zdf.de/ZDFde/inhalt/16/0,1872,8080048,00.html
(2) http://www.welt.de/politik/deutschland/article8038078/Lindner-kuendigt-Neuaufstellung-der-FDP-an.html

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Topics: Aktuelle Nachrichten, Kommentar, Politik | 12 Kommentare »

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12 Kommentare to “FDP: Fette Drei Prozent”

  1. ich meint:
    18.Juni 2010 at 16:53

    Das tut mir aber Leid, ich bin (war) ein FDPler. Leider habe ich nicht sehr viel von Steuererleichterung gesehen. Also ist die Partei nutzlos.
    Weg, weg mit CDU, SPD, FDP, Grüne, weg mit dem Dreck. Als und verstaubt, weg.
    Partei der Vernunft sollte mal ran, vielleicht bringen die etwas auf die Reihe. So ist es nun einmal, Parteien werden alt, genauso wie Menschen. Wenn sie alt sind, sollte man sich rechtzeitig trennen und neue ran lassen.

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  2. gerd meint:
    18.Juni 2010 at 16:55

    fdp, die partei der wendehälse. ich kanns nicht mehr hören. endlich kehren sie zu ihrem politischen wert zurück, ähnlich wie papiergeld zu seinem inneren wert zurückkehrt. nämlich null …. und das ist auch gut so! je eher das passiert desto besser

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  3. Anonymous meint:
    18.Juni 2010 at 16:56

    [...] [...]

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  4. Augenzeuge meint:
    18.Juni 2010 at 17:18

    Die FDP ist der erste Teil der Großdeutschen Partei, der in der Versenkung verschwinden wird. Niemand braucht so einen Laden. Niemand braucht solch weltfremdes und elitäres gesocks – erst recht nicht dann, wenn Deutschland und die halbe Welt dank Privatisierung und Monopolisierung, unglaublicher Kapitalkonzentration in eine Wüste verwandelt worden ist und selbst in Deutschland Millionen Menschen dank Hartz-IV unter Mangelernährung leiden oder nichts zum Anziehen haben was nicht aus China kommt oder nur noch 3 mal im Monat duschen können…

    Insofern Schwesterwelle auf den Müllhaufen der Geschichte und die anderen Machtjunkies hinterher.

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  5. Luc Jochimsen: DDR kein Unrechtsstaat - Seite 4 - Augsburger Allgemeine Community meint:
    18.Juni 2010 at 17:34

    [...] [...]

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  6. BillyTheGreek meint:
    18.Juni 2010 at 18:38

    3% ??? Die sind inzwischen schon oh Wunder bei knackigen 5% wieder (korrigiert?)…

    Grüße, Billy

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  7. Jammer meint:
    18.Juni 2010 at 19:28

    @ich–”So ist es nun einmal, Parteien werden alt, genauso wie Menschen. Wenn sie alt sind, sollte man sich rechtzeitig trennen und neue ran lassen.”
    Schau mal in die Altenheime…..da sind die Alten….teilweise abgeschoben….. Blöder Vergleich !!!ne, richtig blöder Vergleich…..Bis zu der Stelle war der Kommentar allerdings gar nicht blöd.

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  8. Gast meint:
    18.Juni 2010 at 20:34

    Wer sind die Drei Prozent?

    Welche Menschen sind so Psychisch Krank, dass die noch FDP wählen würden?
    Und wäre es nicht besser solche Menschen ins geschlossene einzusperren?

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  9. BillyTheGreek meint:
    19.Juni 2010 at 07:58

    Hallo, wo ist mein Kommentar (Mimose?)Moderator? Was war denn falsch daran? Die haben den Wert halt geändert beim ZDF, auf 5%, sieht vielleicht besser aus als 3%, na und?…ts,ts,tss

    http://wahltool.zdf.de/Politbarometer/mediathekflash.shtml?2010_06_18

    Grüße, Billy

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  10. BillyTheGreek meint:
    19.Juni 2010 at 08:08

    Hej, sorry ! Mein Browser hat rumgesponnen, hat nur bis Beitrag 5. angezeigt, und jetzt beim abschicken von 7. zeigt’s wieder alles…komisch. also bitte 7+8 löschen kannst’ja vielleicht den Link von 7. an 6. mit ranpappen, wenn’s geht…

    Peace, Billy

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  11. Leo Trotzki meint:
    19.Juni 2010 at 15:03

    Soso, 3 Prozent also…

    Das dürfte dann ziemlich genau der Größe jener Personengruppe entsprechen, die von der Politik der “Mövenpick-Partei” profitiert.
    Es war schon erstaunlich, wie die “Freien Demokraten” durch eine unglaubliche Medienkampagne als großer Problemlöser promoted wurden. In diesem Blog gab´s ja damals einige nette Diskussionen zu diesem Thema.
    Heute sieht sich der (ehemalige) FDP-Wähler mit Personen wie Westerwelle, Rösler und Brüderle konfrontiert. Die legen in Sachen freier Marktwirtschaft ein Maß an Gläubigkeit an den Tag, den man sonst nur bei islamischen Fundamentalisten oder den Zeugen Jehovas findet.
    (Rhetorische) Frage: Wen überrascht das wirklich? Wer sich die Goebbels-Rhetorik der “Freiheitsstatue” Westerwelle vor der Wahl etwas genauer angehört hat, dürfte wohl ziemlich schnell kapiert haben, was da an Klientelpolitik geplant war.
    Jetzt sehen sich plötzlich alle betrogen: Die Egoisten um die versprochen Steuersenkungen, der Rest um einen “humanen Liberalismus”. Der war ohnehin Wahlbetrug, allein der Begriff ist ein Wiederspruch in sich.
    Also FDP-Anhänger, heult nicht rum, sondern stellt Euch endlich der Realität…
    Außer Ihr gehört zu den 3 oder 5 Prozent, die den Verein immer noch wählen würden, in dem Fall: Laßt Euch begraben!!!

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  12. FDP: Fette Drei Prozent | meint:
    21.Juni 2010 at 12:51

    [...] und Dank an: Daniel Neun – Radio Utopie Sorgen Sie für die Verbreitung dieses Artikels und speichern Sie diesen unter folgenden [...]

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