Macht das Bundesverfassungsgericht Deutschland zur Zweckgesellschaft des Geldsystems?
Am 14.Mai trat der neue PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas VoĂkuhle, sein Amt an. BundesprĂ€sident Horst Köhler, ehemals PrĂ€sident des „Internationalen WĂ€hrungsfonds“ (IWF), versuchte vor den Augen der Ăffentlichkeit den neuen Verfassungsgerichts-PrĂ€sidenten zur Bewilligung der in wenigen Tagen anstehenden neuen gigantischen FinanzermĂ€chtigung zugunsten des demokratisch nichtkontrollierten Geldsystems, seiner Banken, sowie der von ihr kontrollierten WĂ€hrung „Euro“ zu erpressen. (Neues vom Hexer)
Am 21.Mai bewilligte das deutsche Parlament zur „Stabilisierung des Euro“ eine FinanzermĂ€chtigung in Höhe von insges. 148 Milliarden Euro zugunsten einer nicht nĂ€her definierten Zweckgesellschaft, ĂŒber die noch nicht einmal ein Vertrag vorlag. (Die Bankenrepublik unterwirft sich erneut der Finanzindustrie).
Unmittelbar nach dieser vom Parlament bewilligten FinanzermĂ€chtigung wurden dagegen beim Bundesverfassungsgericht mehrere AntrĂ€ge auf Einstweilige Anordnung gegen das finanzielle ErmĂ€chtigungsgesetz gestellt, u.a. von der Radio Utopie-Autorin Sarah Luzia Hassel-Reusing (AZ 2BvR 1183/10). ZustĂ€ndig wurde der 2.Senat unter Vorsitz des neuen PrĂ€sidenten VoĂkuhle.
Am 26.Mai veröffentlichte die Kommission der „EuropĂ€ischen Union“ PlĂ€ne fĂŒr einen „Bankenrettungsfonds“ bzw. eine „Bad Bank“ zur Ăbernahme von Banken-Schuldpapieren. Finanziert werden soll dieser – von Banken und Finanzindustrie seit Jahren geforderte – Fonds durch die Steuerzahler der EU-MitgliedslĂ€nder. Der fĂŒr âBinnenmarkt und Dienstleistungen zustĂ€ndige Kommissar der RĂ€teunion, Michel Barnier, berief sich auf den âInternationalen WĂ€hrungsfondsâ (IWF), als er die ungefĂ€hre GröĂe dieses âFondsâ bezifferte: âzwei bis vier Prozent des Bruttoinlandsproduktsâ. Damit mĂŒsse die EU âvon einem Bedarf von gut 350 Milliarden Euro ausgehenâ, hiess es. (RĂ€teunion: Kommissare bereiten staatlich finanzierten âBankenrettungsfondsâ und âBad Bankâ vor, 29.Mai)
Am 31.Mai trat urplötzlich der ehemalige PrĂ€sident des IWF, Horst Köhler, als BundesprĂ€sident zurĂŒck. Köhler hatte interessanterweise auch Verfassungsgerichts-PrĂ€sident VoĂkuhle von seinem Schritt unterrichtet. (1)
Aber warum?
Radio Utopie schrieb dazu in „Koch, Köhler, Wulff: RĂŒckzug, Bauernopfer und Rochade der Nomenklatura„:
„Dienen tut das alles einer Stabilisierung BrĂŒssels, der Installation einer âWirtschaftsregierungâ ĂŒber die EU-Mitgliedsstaaten durch ein âRatssekreteriatâ der BrĂŒsseler RĂ€teregierung, der Installation des geplanten gigantischen staatlich finanzierten Bankenfonds auf europĂ€ischer Ebene und damit einer weiteren substanziellen Ausschaltung der Berliner Republik“
Am 3.Juni schrieb dazu der Mann von Sarah Luzia Hassel-Reusing, Volker Reusing, auf Radio Utopie im Artikel „RĂŒcktritt des BundesprĂ€sidenten wegen Verfassungsbeschwerde gegen IWF- ErmĂ€chtigungsgesetz?“
„Genau dieses Gesetz soll dem Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF) erstmals die Möglichkeit geben, auf eu-rechtlicher Grundlage Kreditauflagen zu machen, und damit aller Voraussicht nach mit eu-rechtlichem Rang.“
Am 5.Juni berichtete dann der „Spiegel“ (2), dass nach der am 21.Mai eingereichten Verfassungsklage in Karlsruhe die Bundesregierung, der BundesprĂ€sident, sĂ€mtliche Landesregierungen der Republik und die Frankfurter „EuropĂ€ische Zentralbank“ (EZB) fĂŒr sie hochnotpeinliche Post bekommen hatten. Das Bundesverfassungsgericht hatte die AntrĂ€ge auf Befassung mit einer Einstweiligen VerfĂŒgung (darunter die von Peter Gauweiler) gegen den 148 Milliarden Euro schweren „Rettungsschirm“ zugunsten der unbekannten Zweckgesellschaft angenommen und verlangte nun eine Stellungnahme der Behörden und Banker dazu.
Ganz offensichtlich war der ex-IWF-PrĂ€sident Horst Köhler aus seinem Amt geflĂŒchtet, weil er bei seiner Unterschrift unter dieses Gesetz befangen war. Jetzt versuchten Berliner Regierung, die BrĂŒsseler RegierungsrĂ€te, deren Kommissare und die Banker zu retten, was von den geliebten Steuermilliarden noch zu retten war.
Denn die Banken brauchen, obwohl sie das Geldschöpfungsmonopol besitzen, dringend Geld. Obwohl sie sĂ€mtliche Finanzkrisen weltweit durch endlose Raffgier und systemischen Betrug selbst produziert haben und jahrzehntelang gesellschaftliche Verantwortung und Gesetze verĂ€chtlich von der Schultern schĂŒttelten, kommen sie nun seit Jahren beim BĂŒrger angewackelt und halten die Hand auf. Gigantische Summen verlangt man – kein Luftgeld, das könnten die Banken z.B. durch Interbankenhandel ja selbst produzieren, nein: echtes Geld soll her. Echtes, frisches Geld, fĂŒr das der Staat und damit dessen BĂŒrger mit ihrer Arbeit und Lebenszeit bezahlen.
Nach der just gestern veröffentlichten SchĂ€tzung der Bundesbank brauchen allein die deutschen Banken 338 Milliarden Euro , um die durch ihre BetrĂŒgereien und ZockergeschĂ€fte entstandenen Schulden allein bis Ende 2010 zu bezahlen. Sie einfach pleite gehen zu lassen, weil sie pleite sind, wollen sie natĂŒrlich unter allen UmstĂ€nden vermeiden. Dabei hilfreich: unsere korrupten Volksvertreter, ebenso die Regierungen der (von privaten Banken kontrollierten) Dollarzone und Eurozone, welche der (staatlich kontrollierten) WĂ€hrung Chinas, dem Yuan, hoffungslos unterlegen sind, aber sich weigern die einzig nĂŒtzliche MaĂnahme zu ergreifen – die Ăbernahme der Kontrolle ĂŒber die eigenen WĂ€hrungen. Stattdessen wirft man sich weiter den Banken und ihren Besitzern vor die FĂŒĂe und versucht die eigenen Staaten bis aufÂŽs Blut auszupressen und riskiert dabei nicht nur gesellschaftliche Konflikte ungeheueren AusmaĂes, nein, man schĂŒrt diese auch noch bewuĂt, um im Zuge einer gezielten Eskalation genau die Demokratie loszuwerden, welche die Kontrolle ĂŒber das Geldsystem legitim antreten könnte.
Der von der Bundesbank zugunsten der armen, notleidenden Kollegen in den GeschĂ€ftsbanken losgetretene Hilfeschrei fĂŒr 338 Milliarden mal Ein-Euro-Jobs fĂŒr Hartz IV-Sklaven und sonstige Untermenschen, trifft sich ĂŒbrigens ziemlich genau mit einer SchĂ€tzung des IWF. Dieser ging im April von 310 Milliarden Dollar Schulden aus, welche die globalisierten Banken mit Sitz in Deutschland bis Ende 2010 sich irgendwie zusammen erpressen mĂŒssen. (4)
Heute nun, nach der deutlichen Ansage aus Karlsruhe, traf man sich – hurtig, hurtig – mit dem Ecofin-Wirtschafts- und Finanzrat der RĂ€teunion in Luxemburg. Dort grĂŒndete man nun eiligst die Zweckgesellschaft, fĂŒr die das deutsche Parlament (mit den schlauesten WĂ€hlern der Welt) so willig 148 Milliarden Euro an Steuergeldern (der schlauesten BĂŒrger der Welt) bereit gestellt hatte.
Man sagt zwar nichts auf der Webseite der „EuropĂ€ischen Union“. Man veröffentlichte nichts genaues. Aber man kĂŒmmere sich. Man kĂŒmmere sich.
Eine „Investmentgesellschaft“ sei gegrĂŒndet worden, konnte man beim „ORF“ (5) lesen. Luxemburg sei bisher der einzige „AktionĂ€r“ dieser nach luxemburgischen Recht operierenden „Investmentgesellschaft“. Noch im Juni, hiess es, wolle man weiter AktionĂ€re begrĂŒĂen dĂŒrfen. Wer das wohl sein mag. Immerhin Belgien und die Slowakei wollten die Wahlen noch abwarten; soll heissen – deren Regierungen, weil sie berechtigte Angst vor ihren BĂŒrgern haben mĂŒssen. Schön, wenn das ein Land ĂŒber seine BĂŒrger sagen kann: dass deren Regierung Angst vor ihnen haben muss. Es muss ja nicht gleich die Guillotine sein. Ein einfaches Nein, alle paar Jahrzehnte mal, das könnte in Deutschland eigentlich vollkommen ausreichen.
Nur um es mal zu verdeutlichen: die Bundesregierung bekommt nicht etwa 148 Milliarden Euro von uns. Das hieĂe ja, dass wir irgendetwas zu sagen hĂ€tten. Wir dĂŒrfen fĂŒr die Banken, die fĂŒr ihre Bezahlung Staaten erpressen und diese wiederum in die Verschuldung treiben, 148 Milliarden Einheiten einer WĂ€hrung (die wir nicht demokratisch beeinflussen können) abarbeiten. Das Geld selbst muss die BrĂŒsseler Aktiengesellschaft der kapitalistischen Sowjetunion sich bei den Gelderfindern holen – am „Geldmarkt“.
„Die Gesellschaft soll möglichst die Bestnote der Ratingagenturen erreichen, um das Geld zu niedrigsten Zinsen zu bekommen.“ (6)
Wenn wir und unsere Kinder und Kindeskinder also unsere ganze Lebenszeit fĂŒr die Banken die Arbeitsbank drĂŒcken sollten, dann bedanken Sie sich zuerst einmal bei sich selbst und dann bei Andreas VoĂkuhle und dem 2.Senat des Bundesverfassungsgerichtes.
Und dann schlagen Sie vielleicht mal, in aller Ruhe, im Geschichtsbuch das Jahr 1848 nach.
Quellen:
(1) http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/services/nachrichten/ftd/PW/50120874.html
(2) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,698926,00.html
(3) http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=5726
(4) http://www.businessweek.com/news/2010-04-20/german-bank-writedowns-may-reach-314-billion-in-2010-imf-says.html
(5) http://oe1.orf.at/artikel/246222
(6) http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE65705820100608
