Kreative Weltordnung auf dem Vormarsch

Trotz Drucks auf Russland bei dem G8-Gipfel im kanadischen Ottawa wird es offenbar keinen gemeinsame Resolution fĂŒr Sanktionen gegen den Iran geben. Wie es heisst, solle China miteinbezogen werden in die Verhandlungen. Na so ein Zufall.

Wie die russische Zeitung „Ria Novosti“ (1) meldet, werden die G8-Staaten bei ihrem Gipfel im kanadischen Ottawa heute, einen Tag nach den blutigen Attentaten im U-Bahn Netz Moskaus, keine gemeinsame Resolution fĂŒr Sanktionen gegen den Iran beschliessen. Zu den G8-Staaten zĂ€hlen die Vereinigten Staaten von Amerika, das Vereinigte Königreich von Grossbritannien, das Kaiserreich Japan, Kanada, Frankreich, Italien und Russland an.

US-Aussenministerin Hillary Clinton löste das kleine Debakel der WestmÀchte auf bekannte westliche Art und Weise: entweder schönreden oder schön reden.

„Ich denke, sobald die Wochen voran gehen und wir die harte Arbeit beginnen zu versuchen eine Sicherheitsrats-Resolution zustande zu bekommen, wird China involviert sein..China ist Teil der Verhandlungsgruppe, welche sich die gesamte Zeit einig war, welche sehr deutlich gemacht hat, dass ein nuklear bewaffneter Iran nicht akzeptabel fĂŒr die internationale Gemeinschaft ist..Wir werden versuchen mĂŒssen zu einem Konsens zu kommen. Und wir sind in der Mitte dieses Prozesses.“ (2)

FĂŒr die in der Welt der 80er des 20.Jahrhunderts hĂ€ngen gebliebenen Neokonservativen (auch und gerade in Deutschland) war es doch eher wieder einmal kein „Prozess“, sondern eher ein „Protzess“,  ein Imponiergehabe und eitles Aufgepluster. Dabei ist Teil der (aktuellen und endgĂŒltigen) VerĂ€nderung der herrschenden weltweiten Macht- und EinflussverhĂ€ltnisse die Verwirrung genau dieser imperialen Verlierer im US-Machtbereich. Nach dem des Sowjetimperiums in 1990, am vermeintlichen „Ende der Geschichte“, hatten diese ihre Chance gesehen, die eigenen WĂ€hrungszonen und Machthegemonien weltweit auszudehnen und entsprechende PlĂ€ne Schritt fĂŒr Schritt umzusetzen.

Nun haben sich die Zeiten aber geĂ€ndert.Der „Terror“, der Schrecken des Krieges, ist gewichen und hat einem allgemeinen Staunen ĂŒber die realen VerhĂ€ltnisse Platz gemacht.

SCHÖN REDEN ÜBER „NEUE WELTORDNUNG“

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (3) – wahrlich kein Zukunftsprojekt – schrieb sich heute nun unter der Überschrift „Eine neue Weltordnung?“ wieder mal Wirres zusammen. Obwohl

„Indien und Amerika eigentlich das demokratische Traumpaar bilden könnten (und womöglich eines Tages bilden werden)“

hĂ€tte man ja im Goldenen Westen dazu noch immer jede Menge Alternativen. Leider, leider wehre man sich – zur Zeit  – noch in Peking

„vehement gegen die Vorstellung eines amerikanisch-chinesischen WeltfĂŒhrungsduos.“

So gehtÂŽs nicht. Die Verlierer der Entwicklungen in der Weltpolitik – und das sind die Profiteure der derzeitigen weltweiten VerhĂ€ltnisse, die aus der bisherigen Weltpolitik resĂŒmiert – werden mit jedem weiteren Versuch schön zu reden und schönzureden nur noch irrelevanter.

KRIEG DIENT INTERESSEN, ANSONSTEN WIRD ER NICHT GEFÜHRT

China wird fĂŒr den „Westen“ (wie Japan, Australien, SĂŒdkorea, Indonesien, Malaysia, etc) keinen Krieg gegen den Iran fĂŒhren, der die WĂ€hrungszonen Dollar und Euro rettet, samt der Farce von „Demokratien“ die dort installiert sind, die im gesamten 20.Jahrhundert von den gleichen elitĂ€r-mafiösen Seilschaften, Familien und Strukturen beherrscht worden sind und deren wahres Gesicht sich spĂ€testens seit Kriegsbeginn am 11.September 2001 gezeigt hat; denn seit diesem Zeitpunkt ist diese Nomenklatura zum offenen Angriff gegen den Restbestand der Demokratien, der GesellschaftsvertrĂ€ge und der SouverĂ€nitat der Mitgliedsstaaten in den wirtschaftlichen und  militĂ€rischen BĂŒndnissystemen ĂŒbergegangen, in der verhĂ€ngnisvollen FehleinschĂ€tzung, sie könnte diese nun widerstandslos einkassieren und die Einzelstaaten zu einer Art „Westblock“ von Kriegerstaat zusammen zu schmelzen (und/oder zu zwei konkurrierenden, der „Nordamerika-Union“ und der „EuropĂ€ischen Union“).

Ziel war es immer und stets, die herrschende Gesellschaftsstruktur aufrecht zu erhalten, dass hiess – die Nomenklatura oben und den Rest kontrolliert. Basis des Ganzen ist bis heute ein offizielles Sklavensystem, welches durch den Begriff „Geld“ dem einen die Möglichkeit gibt es unbegrenzt zu erfinden, zu vernichten und auszugeben und dem anderen die Möglichkeit ein Leben lang dafĂŒr zu arbeiten. Eventuell beinhaltet die letzte Möglichkeit – wenn er artig ist, ganz, ganz artig, die Schnauze hĂ€lt und sich fĂŒgt, und dann noch mittelmĂ€ĂŸig ist und alle anderen nicht in den Schatten stellt – regelmĂ€ssig etwas von diesem „Geld“ bekommen, aber nie soviel, dass irgendjemand irgendwann jemals zur Ruhe kĂ€me, sich Gedanken macht, zuviel Zeit hat und anfĂ€ngt irgendetwas von diesem durch die Jahrhunderte getarnten Neo-Adel (und seinen DĂŒmmlingen als dienstbare Untertanen) mitzubekommen.

WIE FÜHLT MAN SICH SO AUF DEM MONOPOLY-BRETT, UNTERTAN?

Der ganze Wahnsinn, die ganze Verkommenheit des Geldsystems und der daraus resultierenden Weltwirtschaftsordnung namens „Kapitalismus“ fasste heute (mutmasslich unabsichtlich) in Deutschland die Zeitung „Focus“ (3) in einer Schlagzeile zusammen:

„Lehman Brothers: GlĂ€ubiger fordern nur 605 Milliarden Dollar“

Es ist den ganzen Ich-weiss-doch-auch-nichts-Typen und sag-du-mal-Schatz-MĂ€dels jetzt wirklich zu empfehlen, sich ausnahmsweise mal Gedanken (und die Augen auf) zu machen. Und wenn nicht diese, ja dann eben andere. Sie haben immer noch keine Kameras in unseren Köpfen. Und das bleibt auch so. Aber notwendig wĂ€re das eh nur, wenn wir alle sie gebrauchen wĂŒrden. Unsere Köpfe. Unsere Augen. Ihr versteht mich.

Diese Zeit ist sehr, sehr spannend und die Niederlage des „Neuen Westen“ ist grösser, als es die meisten ahnen. Man könnte fast sagen, der „Alte Westen“ könnte wieder kommen, solange es der gute „Alte Westen“ ist, wenigstens seine Sonnenseiten. In denen werden nicht nur die stehen, die heraus ragen, sondern auch diejenigen, die bisher im Schatten sind.

FĂŒr die Verlierer dieses Machtkampfes aber, die neokonservativen RevolutionĂ€re – keine Gnade. Euch bleibt nur noch das, was Ihr mit aller Macht zerstören wolltet: Verfassung, Recht und Freiheit.

Quellen:
(1) http://de.rian.ru/safety/20100330/125676529.html
(2) http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jX44QOYfga26b6cfI66mVgkvJtAQ
(3) http://www.focus.de/finanzen/boerse/finanzkrise/lehman-brothers-glaeubiger-fordern-nur-605-milliarden-dollar_aid_494361.html