Die Knesset-Wahl in Israel: Ticker, Analyse, Haudrauf

Mittwoch, 18.MĂ€rz, 08.00 Uhr. Endergebnis verkĂŒndet.
Likud: 30 Sitze
Zionistische Union: 24 Sitze
Gemeinsame Liste: 14 Sitze
Yesh Atid (Partei von Yair Lapid): 11
Kulano (Partei von Moshe Kahlon): 10 Sitze
Aktualisierter Bericht zur Parlamentswahl in Israel
Nachdem die erbĂ€rmliche Presse in der Republik die Wahlen in Israel bislang fast vollstĂ€ndig ignoriert hat – wie sie alles ignoriert was ihr nicht von Reuters, afp (frĂŒher Agence Havas), Associated Press (frĂŒher New York Press Association) und dem im 19. Jahrhundert mit Wollfs Telegraphisches BĂŒro zu Beginn der weltweiten Kommunikation gegrĂŒndeten Kartell der Nachrichtenagenturen (1, 2) vorgesetzt und vorgesagt wird – lassen wir es uns bei Radio Utopie nicht nehmen, unsere Berichterstattung zu diesem durchaus wichtigen Ereignis vorzutragen.
Viewer discretion is advised.
FĂŒr unsere echten Leserinnen und Leser – also diejenigen, die das nicht beruflich tun mĂŒssen – ist es nun zunĂ€chst wichtig die SchlĂŒsselfiguren, Individuen und KrĂ€fte bei dieser Wahl zu kennen und einschĂ€tzen zu können. Lassen wir ausnahmsweise mal die ĂŒblichen Geldgeber, „Spindoktoren“ und sonstige Strippenzieher beiseite und konzentrieren uns auf die Parteien und ihre „FĂŒhrungsfiguren“ bzw die wenigen tatsĂ€chlichen, normal gewĂ€hlten und nicht ernannten Vorsitzenden, also genau einen, Ayman Odeh von der Gemeinsamen Liste (wir berichteten). Die wird heute vorwĂ€rts schreiten.
Ansonsten gilt: das Einzige was hier in diesem Artikel stehen bleibt, sind die Menschenrechte, ich und Israel.
RudimentÀres
Die bisherigen Umfrageergebnisse sind hier zu finden. Da Israel seit 1949 zu beschÀftigt war um sich eine Verfassung zu geben, lÀuft heute alles faktisch auf Brauchtum hinaus.
Die Knesset hat 120 Sitze. Wer nach der Wahl im (bislang) unvermeidlichen Gefeilsche mit anderen Parteibesitzern irgendwie 60 Sitze zusammengaunert (und damit die absolute Mehrheit), kann zum PrÀsi gehen und sagen, schlage mich doch bitte zum MinisterprÀsi vor.
Ob der PrÀsi das macht, weià keiner, der kann vorschlagen wen er will.
AnschlieĂend muss der vom PrĂ€si abgesegnete MinisterprĂ€si-Kandidat in die Knesset gehen und testen, ob er tatsĂ€chlich 60 Sitze und mindestens 5 Sinne beisammen hat (Letzeres steht allerdings nicht zur Abstimmung).
Bemerkenswerterweise muss auch das gesamte Kabinett vom Parlament bestĂ€tigt werden (in Deutschland kann jeder Minister von Deutschland und damit EU-RĂ€te-Mitglied werden ohne im Leben jemals von irgendwem zu irgendwas gewĂ€hlt zu sein, siehe Frank-Walter Steinmeier 2005 als AuĂenminister).
Das Rennen um das Amt des MinisterprÀsidenten von Israel spielt sich nun ab zwischen
a) Amtsinhaber Benjamin Netanyahu und dem Likud
b) dem vor kurzem geschlossenen ParteienbĂŒndnis von Isaac Herzog, Arbeitspartei, und Tzipi Livni, mitsamt ihrer Ein-Frauen-Partei Hatnua.
Dieses zunĂ€chst von fast allen belĂ€chelte und als chancenlos eingestufte ParteienbĂŒndnis firmiert unter dem Namen „Zionistische Union“. Herzog bekam, a la Netanyahu („Bibi“) und Angela Merkel („Mutti“), den fĂŒr den primitive Wahlkunden griffigen Spitznamen „Bougie“ verpasst.
Dahinter steckt der Stratege Jeremy Bird, der bereits 2004 im Verbund mit dem alten Establishment der „Demokratischen Partei“ in den Vereinigten Staaten dafĂŒr sorgte dass der in allen Umfragen gegen George Bush haushoch fĂŒhrende Howard Dean die Vorwahl zum PrĂ€sidentschaftskandidaten gegen John Kerry verlor, damit der dann die Wahl gegen Bush verlor. (Wie sĂ€he die Welt aus, wenn Howard Dean 2004 zum PrĂ€sidenten der U.S.A. gewĂ€hlt worden wĂ€re?)
AnschlieĂend arbeitete Bird in der PrĂ€sidentschaftskampagne vom Team von Barack Obama 2008, auf niederrangigem Posten und 2012 im Mittelfeld (Stratege war beide Male David Axelrod).
Nun ist Jeremy Bird Stratege der „Zionistischen Union“. Ich wette darauf, dass er es war – im Verbund mit Livni – der sich diesen Namen ausgedacht oder zumindest abgesegnet hat, genauso wie diesen Spitznamen „Bougie“ fĂŒr Herzog und diesen Partnerlook a la Quentin Tarantino bei der PrĂ€sentation am 10. Dezember.
Strategisches
Die „Arbeitspartei“ von Herzog bzw der „Zionistischen Union“ ist Teil der, nach den Attentaten in New York und Washington zu Beginn des weltweiten Terrorkrieges vor nunmehr bald 14 Jahren, von oben zunĂ€chst neutralisierten und dann zu einem gruseligen Scheinbild transformierten ehemaligen parlamentarischen Sozialdemokratie in der U.S.-Hegemonie.
FĂŒr die „Arbeitspartei“ (Labour) in Israel gilt das Gleiche wie fĂŒr die S.P.D. in Deutschland, Labour im Vereinigten Königreich, die „Sozialisten“ in Frankreich, etc, etc. Sie ist eine VerrĂ€terpartei, eine Maschinerie, die entsprechend der seit den 50er Jahren in die Gesellschaften des „Westens“ eingesickerten spieltheoretischen Konzepte und Psychologie des Kapitalismus Vertrauen als Ressource ansieht und diejenigen, die es ihr geben als Opfer, die betrogen werden wollen, sonst wĂŒrden sie ihnen ja kein Vertrauen schenken, diese Idioten. Ist die gegebene Ressource aufgebraucht, wechselt die ausfĂŒhrende Macht zu den anderen „Playern“ der vermeintlich Konservativen oder Anderen, die ĂŒber (erneut) akquirierte Ressourcen (Vertrauen) verfĂŒgen, was auch den BetrĂŒgern auf der rechten Seite des politischen Spektrums automatisch zuflieĂt, da in Israel wie ĂŒberall die Leute zu dumm sind um auch nur die Zeitung lesen zu können und nach einiger Zeit sowieso wieder alles vergessen.
Genau das ist ein relevanter, ja zentraler Faktor in allen spieltheoretischen Kontrollmechanismen der vorgeheuchelten Demokratien des „Westens“ und assoziierter Staaten, ist der Faktor Vergessen. „BetrĂŒg die Leute, plĂŒnder sie aus, ermorde auch mal ein, zwei(hundert)tausend Menschen irgendwo in Asien, Afrika, SĂŒd- und Mittelamerika, in einem halben Jahr ist sowieso alles wieder vergessen“. Spieltheoretiker denken tatsĂ€chlich so.
Dazu ist wichtig zu verstehen: FĂŒr Spieltheoretiker ist die perfekte harmonische Gesellschaft, das „Equilibrium“, eine Ansammlung von absolut gewissenlosen, skrupellosen, selbstsĂŒchtigen BetrĂŒgern. Denn nur dann, wenn sie alle wissen dass die Anderen auch BetrĂŒger sind, wĂŒrden sich alle einigen und normal auffĂŒhren, so die spieltheoretische Ideologie (wissenschaftlich ist das nicht, auch wenn sich das ihre Protagonisten einbilden).
Entsprechend dieser Denke wird jeder, der sich wie ein guter (oder wenigstens normaler) Mensch benimmt, sofort zum Zielobjekt spieltheoretischer (neokonservativer) KrĂ€fte. Denn deren Ideologie zufolge gefĂ€hrdet dieser das „Equilibrium“, das Gleichgewicht der SelbstsĂŒchtigen und setzt dem Beutebringer, der Bevölkerung, nur lauter gefĂ€hrliche Flausen in den Kopf.
Diese auf maximalen Zynismus, maximale Heuchelei, bis hin zur Perversion ausgerichtete Denke der Spieltheoretiker gilt es auch heute, bei dieser Wahl, mit einzukalkulieren.
Gerade wenn es um deren Protagonisten geht.
Benjamin Netanyahu, Likud
Der Klassiker. Brauchen wir nicht mehr drĂŒber zu reden. Wer es nicht weiĂ: er wurde 1996 MinisterprĂ€sident (bis 1999) nachdem Amtsinhaber Jitzchak Rabin, der gerade Frieden mit der PalĂ€stinensischen Befreiungsorganisation geschlossen hatte, von einem Faschisten ermordet wurde. Die KrĂ€fte hinter diesem AttentĂ€ter sitzen bis heute in der Regierung von Netanyahu, der 2009 wieder ins Amt gelangte.
Isaac Herzog, Arbeitspartei
Gestern sitz ich vor der Tagesschau und mir fĂ€llt fast die Fluppe aus der Hand. Sagt da jemand „Arbeiterpartei“. Das hab ich ja noch nie gehört – in der ARD. Ein Anzeichen dafĂŒr, dass bestimmte KrĂ€fte – Kartelle wollen wir nicht sagen, das steht ja schon da oben – international nun in der Tat umgeschaltet haben und Netanyahu aus dem Amt haben wollen. Und er weiĂ das.
Ach ja. Isaac Herzog.
Isaac Herzog ist der Sohn von Chaim Herzog. Viel mehr muss man nicht wissen, auĂer dass er wie alle „Spitzenkandidaten“ der heutigen Wahl, auĂer Ayman Odeh, MillionĂ€r ist, was die Gemeinsame Liste klugerweise zum Wahlkampfthema gemacht hat. Und das Herzog nach der Wahl betteln muss.
Tzipi Livni, Hatnu
Tzipi Livni will Kalifin werden anstelle des Kalifen. Sie will MinisterprĂ€sidentin werden. Dass sie nun in letzter Sekunde ihren Rotations-Deal mit der Arbeitspartei revidiert hat, der vorsah, dass sie nach zwei Jahren anstelle von Herzog MinisterprĂ€sidentin wird, liegt daran, dass es nur eines gibt was sie noch mehr will als Kalifin werden: Netanyahu stĂŒrzen.
Und das wird ihr heute auch gelingen. Endlich mal etwas, was diese Person und ich gemeinsam haben (denn nein, ich war nicht beim Mossad).
Der Rest
– Yair Lapid, mit seiner Ein-Mann-Partei Yesh Atid. Lapid ist ein LĂŒgner und GarderobenstĂ€nder, der Netanyahu nach den Knesset-Wahlen in 2013 Netanyahu wieder an die Macht brachte und nun, als dessen Finanzminister bis zum Zusammenbruch der Regierung Netanyahu Ende 2014, das sinkende Schiff verlassen hat. Lapid wird alles tun um sich irgendwie dem Wahlgewinner der „Zionistischen Union“ und Herzog anzubiedern. Das entsprechende Rennen hat bereits begonnen.
– mit in diesem Rennen: Moshe Kahlon, mit seiner Ein-Mann-Partei Kulano. Dieser in den ĂŒblichen Agenturmedien als „Zentrist“ dargestellte ex-Likud Minister Netanyahus blaffte vor kurzem Naftali Bennett und dessen nationalistisch-faschistische Regierungspartei „JĂŒdische Heimat“ an, diese seien gar keine wahren Nationalisten. Das sei nĂ€mlich er. Kahlon wörtlich:
„Ich möchte Sie wissen lassen, Mr. Bennet – ich bin im Nationalistischen Lager… Als ich (schon) im Nationalistischen Lager war wussten Sie noch nicht einmal was das war.“
– die Orthodoxen. Die alte Sepharden-Partei Shas ist durch die Abspaltung Yachad geschwĂ€cht, die wahrscheinlich an der 3,25 ProzenthĂŒrde scheitern wird. Auch die Ashkenazi-Partei Vereinigtes Tora-Judentum schleppt sich so durch die Umfragen. Es wird auf ein eher mageres Wahlergebnis fĂŒr die von vielen in Israel geschmĂ€hten „Haredim“ hinauslaufen.
– Meretz, das Pendant zu „Die Linke“ in Deutschland. Fliegen die heute raus, wird alles gut, egal was sonst noch passiert. Kommt Meretz rein, naja, was sollÂŽs, dann wird auch alles gut, harhar.
– bleibt noch die faschistische „Unser Zuhause Israel“ (Yisrael Beiteinu) vom gröĂten AuĂenminister aller Zeiten (in Israel) Avigdor Lieberman. Möge auch diese an der 3,25 ProzenthĂŒrde scheitern.
16.50 Uhr
Wie die Haaretz in ihrem Ticker berichtet, ist die Wahlbeteiligung (Stand: 16.00 Uhr Ortszeit) noch schwĂ€cher als in 2013. Wohlgemerkt insgesamt. Die arabisraelische Minderheit, die bislang die Parlamentswahlen weitgehend boykottiert hat, strömt in Scharen in die Wahllokale, das sagen zur Zeit alle Berichte. Der Grund dafĂŒr dĂŒrfte offensichtlich sein: die in höchster Not gegrĂŒndete Gemeinsame Liste; ein interreligiöses und interethnisches ParteienbĂŒndnis der sozialistischen Hadash und der sĂ€kularen arabisraelischen TaÂŽal und Balad, die alleine alle von der neuen 3,25 ProzenthĂŒrde bedroht gewesen wĂ€ren (ebenfalls dabei ist RaÂŽam, die Vereinigte Arabische Liste). Nun steht dieses BĂŒndnis vor einem historischen Wahlerfolg bislang konkurrierender, wenn nicht sogar verfeindeter Gruppen, deren Zugkraft weit ĂŒber die arabisraelische Minderheit hinaus reicht und gerade bei der politisch heimatlosen jĂŒdischen Linken begeisterte Zustimmung erfĂ€hrt – nicht nur in Israel.
17.15 Uhr
Etwas Statistik. Heute können 5.881.696 Israelis wÀhlen gehen.
17.20 Uhr
Nach Sarah Silverman, die es nicht lassen konnte zu versuchen mit ihren 6,4 Millionen Twitter-Followern diese Schurken von Meretz zu retten, kommt jetzt auch noch Bar Refaeli an. „Bitte, bitte, geht zur Wahl“, etc.
Welche Israelis diese Proasiaten da wohl meinen mögen…?
17.25 Uhr
Hui. Das zentrale Wahlkomitee hat nach Einspruch der Zionistischen Union und Yesh Atid (die Lapid-Partei) eine um 17.45 Uhr Ortszeit geplante Fernsehansprache Netanyahus verboten: „Wahlpropaganda“.
17.28 Uhr
Einer von vielen Haaretz Artikeln, die wirken, als hĂ€tte da irgendjemand die KĂ€figtĂŒr aufgemacht: „Geht und wĂ€hlt Netanyahu raus“.
17.35 Uhr
Wer es noch nicht gesehen hat: Benjamin Netanyahu bedankt sich bei Chuck Norris fĂŒr die UnterstĂŒtzung. Mit einem Tweet.
Könnste nicht erfinden.
17.40 Uhr
Die Wahllokale in Israel schlieĂen ĂŒbrigens um 21.00 Uhr unserer Zeit (22.00 Uhr israelischer Zeit).
18.00 Uhr
Der Wahlkampfspot von Chuck Norris fĂŒr Netanyahu. Nicht nur das Popcorn möchte platzen.

Der Wahlkampfspot von Isaac Herzog (Arbeitspartei / Zionistische Union):

18.00 Uhr
Auch bei der Haaretz werden sie immer nervöser was ihren zionistischen Topfdeckel ĂŒber dem linken Spektrum angeht. Ein Hilferuf fĂŒr Meretz jagt den nĂ€chsten. AufgezĂ€hlt wird, wofĂŒr die Meretz steht (aber nicht ist). Klagelaute ĂŒber diese ganzen LĂŒmmel, die sich nicht wie ihre Eltern, GroĂeltern und UrgroĂ- , Ă€h, Moment Mal, naja, die sich jedenfalls nicht lĂ€nger von diesen BetrĂŒgern ĂŒberÂŽs Ohr hauen lassen wollen:
„Und manche erlauben sich sogar, sich an purer Ideologie festzuklammern, oder individualistischer Folklore, wie diese Juden die fĂŒr die Gemeinsame Liste stimmen“
Pah. Sucht euch doch ÂŽne Monarchie, wennÂŽs euch nicht passt.
18.50 Uhr
SpĂ€testens jetzt, zu Beginn dieses – ich verspreche es – hochdramatischen und historischen Wahlabends, ist nun klar, worum es bei der Wahl der 20. Knesset in Wirklichkeit geht: um die Gemeinsame Liste.
Netanyahu schwante bereits am Nachmittag, dass die Wahlbeteiligung seiner WĂ€hler bzw die der politischen Rechten und Nationalisten einerseits und die der arabisraelischen Minderheit und der jĂŒdischen Linken andererseits völlig unterschiedlich ausfĂ€llt. Netanyahu wörtlich, aus dem Haaretz Ticker:
„Das Regime der Rechten ist in Gefahr. Die Araber strömen in Scharen zu den Wahllokalen.“
Jetzt legte er erneut nach: „Fonds von auslĂ€ndischen Regierungen und Organisationen“ wĂŒrden benutzt, um die „arabischen“ WĂ€hler „en masse“ in den Wahllokale zu bringen. Netanyahu Ă€uĂerte, dies wĂŒrde die Wahl zugunsten der politischen Linken entscheiden und die Macht in die HĂ€nde der „extremistischen arabischen Liste“ geben. Damit meinte Netanyahu natĂŒrlich die Gemeinsame Liste.
Dass die „New York Times“ das Thema aufgriff und erwĂ€hnte, dass Netanyahu Rassismus vorgeworfen wird, zeigt, dass der Seismograf bereits ausschlĂ€gt.
Am 9. Februar hatte die Kommunistische Partei von Israel (assoziiert in der Hadash) zur MitbegrĂŒndung der Gemeinsamen Liste Stellung bezogen (Ăbersetzung: DKP.de):
„Diese Wahlen sind nicht weniger als historisch: Sie werden von grosser Bedeutung sein und entscheiden, wohin Israel geht â zu einem Ende der Besetzung und einem gerechten Frieden oder zu mehr UnterdrĂŒckung des palĂ€stinensischen Volkes und fortgesetztem Krieg; zu sozialer Gerechtigkeit oder brutalerer Ausbeutung und Polarisierung; zu wirklicher Demokratie oder Faschismus und Rassismus.
Kurz vor ihrem Abgang hat die neofaschistische Netanyahu-Regierung die Sperrklausel von 2 auf 3,25 % (praktisch 4 %) erhöht und uns so gezwungen, die Demokratische Front fĂŒr Frieden und Gleichheit (Hadash), deren Kern die Kommunistische Partei Israels (CPI) ist, mit arabischen Parteien fĂŒr eine gemeinsame Wahlliste zu vereinigen. Nach langer und grĂŒndlicher Diskussion in der Partei hat die grosse Mehrheit entschieden, dass eine solche vereinigte Liste der einzige Ausweg ist, um die ReprĂ€sentanz in der nĂ€chsten Knesset zu sichern und unsere Agenda des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit und der Demokratie fĂŒr alle fortzusetzen.
Alle beteiligten Parteien (einschliesslich der arabischen Nationalisten und der muslimischen religiösen Fraktionen) sind ĂŒbereingekommen, dass die neue Liste eine jĂŒdisch-arabische ist und Frauen auf den vorderen PlĂ€tzen einschliesst. Ebenfalls Konsens ist, dass die Kandidatenliste von Hadash angefĂŒhrt wird und vier Hadash-Mitglieder auf den ersten zehn PlĂ€tzen enthalten wird. AngefĂŒhrt wird die Liste vom GeneralsekretĂ€r der Hadash, Aiman Odeh; ausserdem vertreten sind zwei Mitglieder des PolitbĂŒros der CPI: die Genossen Aida Tuma Suleiman (Platz 5) und Dov Khenin (Platz 8). Platz 10 hat ebenfalls ein Hadash-Mitglied inne: Dr. Yousef Jabareen.“
20. 45 Uhr
So.
Um 21.00 Uhr schlieĂen wie gesagt die Wahllokale und dann gibtÂŽs auch sofort die ersten Wahlprognosen. Und dann geht der SpaĂ erst richtig los.
Die Wahlbeteiligung ist ĂŒbrigens in den letzten Stunden gegenĂŒber den vorhergehende Wahlen deutlich gestiegen und lag um 20.00 Uhr Ortszeit mit 65,7 % ĂŒber der Beteiligung in 2013.
20.50 Uhr
Mal angenommen, euch hĂ€tte im letzten Sommer wĂ€hrend des Massakers in Gaza (dieses dunkle Kapitel wollen wir heute mal nicht aufmachen) erzĂ€hlt, die Hamas wĂŒrde zu einer Parlamentswahl in Israel aufrufen. Und auch noch deren Milizen.
Was hĂ€ttet ihr dem erzĂ€hlt? „Demokratietheoretiker“ hĂ€ttet ihr geschmĂ€ht und den mit Schmutz beworfen.
Und nun guckt euch das mal an.
NatĂŒrlich versucht die Hamas, wie alle anderen die an bestimmte Dinge erst glauben wenn man sie ihnen einhĂ€mmert und vorher alles alleine gemacht hat, sich nun nicht ganz abhĂ€ngen zu lassen und irgendwie auch dabei zu sein (vorher hatte bereits Mahmud Abbas zur Wahl fĂŒr die Gemeinsame Liste aufgerufen und gestern die Fatah). Aber mal ehrlich – bei einer Wahl, was kann da schon wirklich Schlimmes passieren, solange es nachher noch die nĂ€chste gibt?
Halten wir mal fest: das ist eine israelische Wahl. Die Menschen in Israel haben die nÀmlich. Und das wird sich gleich zeigen.
Noch 10 Minuten.
20.58 Uhr
Ein Livestream mit englischer Moderation. Wegen der sicheren Verbindung via https will ich den hier nicht einbetten.
21.00 Uhr
Erste Prognosen auf i24 news.
Likud: 28 Sitze
Zionistische Union: 27 Sitze
Klingt mir erstmal surreal.
Prognose Channel 1:
Likud: 27 Sitze
Zionistische Union: 27 Sitze
Gemeinsame Liste: 12 Sitze
Yesh Atid (Partei von Yair Lapid): 12 Sitze
Kulano (Moshe Kahlon): 10 Sitze
geht grad alles durcheinander. Alle Sender geben Àhnliche, aber im Detail abweichende Prognosen raus.
21.10 Uhr
Der PrĂ€si – das ist ex-Likud Vorsitzender Reuven Rivlin – hat soeben klar gemacht worauf das heute hinauslĂ€uft, wenn es nach Netanyahu und der alten Nomenklatura geht:
Rivlin ruft zu einer „Regierung der Nationalen Einheit“ auf. Also mit Netanyahu und Herzog / Livni.
Die Dinge sind in Bewegung.
21.15 Uhr
Laut dem bisherigen Knesset-Sprecher  Yuli Edelstein wird das Wahlergebnis wahrscheinlich erst Freitag bekannt gegeben.
21.25 Uhr
Bevor die ĂŒblichen UnverdĂ€chtigen jetzt den Likud-Wahlerfolg bejubeln, nur schnell folgenden Hinweis:
die Gemeinsame Liste wĂ€re im Falle einer „Nationalen Einheitsregierung“, nach den vorliegenden Ergebnissen, die fĂŒhrende Oppositionspartei. Was sie im Rahmen der bisherigen ParlamentsbrĂ€uche der Knesset enorm bevorteilen wĂŒrde, was z.B. das Rederecht angeht (stets direkt nach dem Regierungsvertreter). Zudem wird die Gemeinsame Liste so oder so in allen wichtigen Knesset-AusschĂŒssen sitzen, auch in den Geheimdienst- und MilitĂ€rausschĂŒssen.
21.30 Uhr
Rechnen wir mal. Herzog und die Zionistische Union hĂ€tte die Option mit Moshe Kahlon, Lair Yapid, Meretz und den Haredim (die orthodoxen Parteien) eine absolute Mehrheit zu bekommen. Zur Wahl von Herzog wĂŒrde sicherlich auch die Gemeinsame Liste nicht Nein sagen, wohl aber zu einer Regierungsbeteiligung (entsprechendes hat die Gemeinsame Liste bereits angekĂŒndigt).
22.00 Uhr
Es ist das erwartete exorbitante Feilschen ausgebrochen.
Bennet (JĂŒdische Heimat) und Netanyahu (Liku) haben sich bereits verstĂ€ndigt Verhandlungen ĂŒber eine rechte Regierung aufzunehmen. Meiner bescheidenen Meinung nach war das nicht besonders geschickt, weil sich der „Königsmacher“ Kahlon und Bennett verkracht haben (siehe oben).
Kahlon seinerseits (mit derzeit 10 Sitzen in den Wahlprognosen) hat angekĂŒndigt, bis zur VerkĂŒndung des Wahlergebnisses mit seiner Entscheidung zu warten, also wahrscheinlich bis Freitag. Die Zionistische Union (Arbeitspartei von Herzog und Hatnua von Livni) wiederum hat verlautbart, es sei noch alles drin. Meretz hat die Zionistische Union aufgefordert nicht in eine Einheitsregierung mit Netanyahu (Likud) zu gehen.
Wir beenden damit den Ticker zur Wahl der 20. Knesset am 17. MĂ€rz 2015. Die Wahlprognosen (Exit Polls) sind hier zu finden.

Hinweis: Achten Sie auf die tÀgliche Berichterstattung in unserer Nachrichtenagentur.
Bleiben Sie uns gewogen.
