Syrien, Russland und amerikanische Verzweiflung

Es ist kein Zufall, dass die antirussische Propaganda in dem Moment hochgefahren wird, da die syrische Regierung dabei ist, ihr Land von Terroristen zurĂŒckzuerobern. Barack Obama und dem Rest der Kriegspartei bleibt nur mehr das Herumstottern unsinniger Argumente, nachdem ihr großer Plan, das neokonservative „Project for a New American Century“ (Projekt fĂŒr ein neues amerikanisches Jahrhundert) zu realisieren, in sehr großen Schwierigkeiten steckt.

Die amerikanischen Massenmedien ignorierten das Leiden der Syrer in der Stadt Aleppo, bis deren Gefangenschaft von der Syrisch-Arabischen Armee durchbrochen wurde. Die ganze Zeit seit 2012 hielten dort ISIS und andere von den Vereinigten Staaten von Amerika, der NATO, Saudiarabien und Qatar unterstĂŒtzte terroristische Gruppen Tausende Menschen als Geiseln. TĂŒrken nahmen die Region auseinander, plĂŒnderten syrische Fabriken und transportierten sie StĂŒck fĂŒr StĂŒck in ihr Land.

Jetzt, wo die Syrier die Stadt mit Hilfe ihrer VerbĂŒndeten Russland und Hezbollah wieder zurĂŒckerobern, gibt es einen stĂ€ndigen Strom von Nachrichten ĂŒber die Situation in Aleppo. Sie alle sollen die Herzen uninformierter Menschen aufrĂŒtteln, wĂ€hrend der menschenrechts-industrielle Komplex sein schmutziges Werk betreibt. Human Rights Watch und andere Gruppen, die im Dienste der Förderung der Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika stehen, sprechen endlos ĂŒber Kriegsverbrechen. Sie sagten kaum etwas, als Amerikas Alliierte Syrer terrorisierten, zeigen aber jetzt auf einmal mit dem Finger und immer auf diejenigen, die den RegimewechselplĂ€nen zuwiderhandeln.

Die seit fĂŒnf Jahren anhaltenden BemĂŒhungen, den syrischen Staat zu zerstören, haben zu vielen Opfern in diesem Land gefĂŒhrt und stĂ€ndig gedroht, einen grĂ¶ĂŸeren internationalen Konflikt zu entzĂŒnden. Die Ermordung des russischen Botschafters in der TĂŒrkei könnte so ein Anlassfall sein. Die letzten Worte des AttentĂ€ters und offensichtlich seine Taten waren ein Aufruf zum Jihad. Sogar nach 100 Jahren ist das Attentat von Sarajevo noch immer im GedĂ€chtnis.

Aber der Hauptakteur in diesem Drama sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Keines der anderen beteiligten LĂ€nder hĂ€tte ohne amerikanische Anweisung gehandelt. Alle Toten, die Belagerungen, der Hunger und die frenetische Suche nach Zuflucht kann Amerika zu FĂŒĂŸen gelegt werden. Auch der Tod des russischen Botschafters. Dieses internationale Wirrwarr ist ĂŒbersĂ€t mit amerikanischen FingerabdrĂŒcken.

Die syrische Regierung ist entschlossen, ihr Land zurĂŒckzuerobern, wĂ€hrend die Amerikaner und ihre Alliierten gleichermaßen entschlossen sind, das zu vereiteln. Die letzten Erfolge der syrischen Armee erklĂ€ren einen Teil der Verzweiflung, die Obama, die Demokratische Partei und die Massenmedien befallen hat. Russland die Schuld zuzuschieben trifft mehrere Vögel mit einem Stein. Es setzt den Propagandakrieg gegen ein Land fort, das der amerikanischen Hegemonie nicht nachgeben und diese nicht akzeptieren wird. Die aufgepeitschte Russophobie war auch ein Versuch, die widerwĂ€rtige und inkompetente Hillary Clinton attraktiver zu machen. Ihre Fortsetzung wird von Demokraten und Republikanern benutzt, um dem kommenden PrĂ€sidenten jede Chance zu vermasseln, die Beziehungen mit diesem Land zu verbessern oder die Regimewechsel-Doktrin zu beschneiden. Die Kriegspartei schlĂ€ft nie.

Barack Obamas letzte Pressekonferenz war vollgestopft mit LĂŒgen und mit an die Adresse Russlands und Vladimir Putins gerichteten Beleidigungen. Er hĂ€tte sich schĂ€men sollen zu sagen, dass Russland „kleiner,“ „schwĂ€cher“ ist und „nichts produziert, das jemand kaufen möchte, außer Öl und Gas und Waffen.“ Er endete diese bizarre Schimpftirade mit der Bemerkung, dass Putin „der ehemalige Chef des KGB“ war. Das war er nicht und natĂŒrlich weiß Obama das. Es ist nicht klar, ob er erwartete, dass ihm jemand glaubt, oder ob er sich angesichts seines Scheiterns zu HöhenflĂŒgen in rhetorische Narreteien verleiten ließ.

Obama hatte gedacht, dass Hillary Clinton gewinnen und seine RegimewechselplĂ€ne vollenden wĂŒrde. Sie verlor nicht nur und beraubte ihn seiner Hoffnungen, sondern jetzt ist auch die Hohlheit seines VermĂ€chtnisses klar. Offenkundig war „hope and change“ ein MarketingschmĂ€h, der den Zweck hatte, seine Verpflichtung gegenĂŒber dem weltweiten neoliberalen Projekt zu verbergen.

In gerade einmal vier Wochen wird Donald Trump PrÀsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein. Das ist eine kurze Zeit, um einen weichen Staatsstreich durchzuziehen. Er wird angelobt werden, aber Obamas Team will sicherstellen, dass er den Zustand nicht kippen kann, an dessen Aufrechterhaltung sie so hart arbeiten.

WĂ€hrend die Basis der Demokratischen Partei sich den Kopf zerbricht ĂŒber Rassismus, Einwanderung, Islamophobie, Richterbestellungen und WĂ€hlerunterdrĂŒckung, kĂŒmmern sich ihre FĂŒhrer nur um die Aufrechterhaltung des Imperialismus. Obama und der Rest der Demokratischen Partei sind die LoyalitĂ€t nicht wert, die sie mobilisieren. Am 20. Januar werden Tausende Menschen sich nach Washington aufmachen, um gegen Trump zu protestieren, wĂ€hrend die Demokraten letzte Anstrengungen unternehmen werden, um den Jihadisten bei der Zerstörung Syriens zu helfen.

Einige dieser Demonstranten sollten ihren Zorn gegen Obama und die Demokraten richten, und das nicht nur aufgrund ihrer Wahlniederlage. Sie sollten versprechen, die UnterstĂŒtzung fĂŒr kriegstreibende Demokraten ĂŒberhaupt einzustellen. Wenn es stimmt, dass Trump ein Faschist ist, so wird er nicht der erste im Weißen Haus sein. Sein VorgĂ€nger entspricht dieser Beschreibung genauso gut. Aber die Ereignisse könnten sich seiner Kontrolle entzogen haben. Das Schicksal Syriens liegt vielleicht gar nicht mehr in Amerikas HĂ€nden. Und das ist der Grund dafĂŒr, dass die Verzweiflung so offenkundig ist.

Margaret Kimberley betreibt den Blog Freedom Rider

Orginalartikel Freedom Rider: Syria, Russia and American Desperation vom 21. Dezember 2016, erschienen auf Black Agenda Report

Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2016_12_22_syrien.htm