Francois Hollande nach den Attentaten von Paris: Der Brandstifter als Biedermann
Kaum waren am vergangenen Freitag die Explosionen in der Pariser Innenstadt verhallt, da trat der französische PrĂ€sident Hollande vor die Kameras und forderte alle Demokraten auf, âdie Reihen zu schlieĂen und in dieser schweren Stunde zusammenzustehenâ.
Hollandes Auftritt war ein klassisches Beispiel dafĂŒr, wie ein Brandstifter nach einer selbst gelegten Feuersbrunst als Biedermann auftritt. SchlieĂlich war es seine Politik, die entscheidend dazu beigetragen hat, den Boden fĂŒr die TerroranschlĂ€ge in Paris zu bereiten.
Die französische Regierung hat den NĂ€hrboden fĂŒr den Terror selbst geschaffen
Kurz vor den AnschlĂ€gen hatte Hollande die US-Bombardements in Syrien mit der eigenen Luftwaffe unterstĂŒtzt und damit den gefĂ€hrlichsten Brandherd im Nahen Osten bewusst angefacht. Die militĂ€rische Eskalation stand im Einklang mit der immer aggressiveren AuĂenpolitik, die Hollande seit seiner AmtsĂŒbernahme verfolgt.
Diese Politik hat vor allem in den Vororten der französischen GroĂstĂ€dte verheerende Folgen. Dort sind die LebensverhĂ€ltnisse der Bewohner – darunter viele Migranten afrikanischer oder arabischer Herkunft – seit Jahrzehnten von Armut, Bildungsnotstand und Arbeitslosigkeit geprĂ€gt.
Seit der Finanzkrise von 2008 hat sich in den Wohnghettos angesichts des Ausbleibens sozialer Verbesserungen unter dem sozialistischen PrĂ€sidenten ein Klima der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung breit gemacht. Hollandes aggressive Politik gegenĂŒber den afrikanischen HerkunftslĂ€ndern der Migranten hat nun dazu gefĂŒhrt, dass sich das GefĂŒhl der Ohnmacht mit einer immer gröĂeren Wut auf den Staat vermischt.
Auf diese Weise hat der PrĂ€sident den idealen NĂ€hrboden fĂŒr die Rekrutierung politischer VerzweiflungstĂ€ter durch Extremisten geschaffen. Und nicht nur das: Die terroristischen AnschlĂ€ge liefern Hollande auch noch den Vorwand, die eigene Politik mit noch gröĂerer Entschlossenheit als zuvor durchzusetzen: Unmittelbar nach den Attentaten verfĂŒgte der PrĂ€sident die SchlieĂung der Grenzen, um so die FlĂŒchtlingsströme nach Frankreich einzudĂ€mmen. AuĂerdem weitete er die französischen Bombardements in Syrien aus, um der Welt zu zeigen, dass er unbeirrt an seiner Politik der Durchsetzung auĂenpolitischer Ziele mit militĂ€rischer Gewalt festhĂ€lt.
Frankreich kÀmpft gegen den wirtschaftlichen Abstieg
Hollandes Politik ist nicht neu. Sie reiht sich nahtlos in die seiner VorgĂ€nger ein und verfolgt vor allem ein Ziel: Frankreichs Absturz als Industriemacht mit allen Mitteln zu verhindern. Anders als die StĂ€rke anderer fĂŒhrender IndustrielĂ€nder grĂŒndet sich die Frankreichs nĂ€mlich nicht auf die eigene Wirtschaftskraft, sondern in erster Linie auf die anhaltende AusplĂŒnderung und UnterdrĂŒckung der ehemaligen französischen Kolonien.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass der französische Kolonialismus in den Sechziger Jahren zu Ende gegangen sei. Seine Ăra hat nie aufgehört und dauert bis heute an â und zwar â von der Ăffentlichkeit weitgehend unbemerkt – im Bereich der Wirtschaft und der Finanzen.
Vor der vermeintlichen Entlassung in die UnabhĂ€ngigkeit hat Frankreich 14 seiner ehemaligen Kolonien gezwungen, Abkommen zu unterzeichnen, die die LĂ€nder (Ăquatorialguinea, Benin, Burkina Faso, Gabun, Guinea-Bissau, ElfenbeinkĂŒste, Kamerun, Kongo, Mali, Niger, Senegal, Togo, Tschad und die Zentralafrikanische Republik) auf unbestimmte Dauer an Frankreich binden, finanziell ausbluten und ihre tatsĂ€chliche UnabhĂ€ngigkeit bis heute verhindern.
Frankreichs kriminelle Vereinbarungen mit den ehemaligen Kolonien
Die seit 1961 bestehenden Abkommen verlangen von den betroffenen LĂ€ndern u.a. Gelder fĂŒr die Nutzung der zu Kolonialzeiten errichteten Infrastruktur, gestehen Frankreich ein Vorkaufsrecht auf neu entdeckte Rohstoffvorkommen zu, bevorzugen französische Konzerne bei öffentlichen Ausschreibungen, erlauben ausschlieĂlich Frankreich die Lieferung von RĂŒstungsgĂŒtern und die Ausbildung von Soldaten und gewĂ€hren den LĂ€ndern das Recht auf militĂ€rische Allianzen nur mit Zustimmung der französischen Regierung.
Als Folge dieser vertraglichen Regelungen befinden sich die fast alle Vermögenswerte dieser LÀnder in den Bereichen Versorgung, Finanzen, Transport, Energie, Landwirtschaft und MilitÀr in den HÀnden französischer Konzerne.
Besonders perfide aber ist folgende Regelung: Alle 14 LĂ€nder sind seit 1961 gezwungen, 85 Prozent ihrer WĂ€hrungsreserven in der französischen Zentralbank in Paris zu lagern, wo sie direkt vom französischen Finanzministerium kontrolliert werden. Da die LĂ€nder keinen Zugang zu diesen Reserven haben, mĂŒssen sie sich im Bedarfsfall zusĂ€tzliche Mittel zu marktĂŒblichen Zinsen beim französischen Finanzministerium leihen. Zusammen mit der Regelung, dass diese LĂ€nder Frankreich jĂ€hrlich ihre Bilanzen offenlagen mĂŒssen, bedeutet das nichts anderes, als dass sie vom Pariser Finanzministerium aus zwangsverwaltet werden.
Notfalls werden Regierungen gewaltsam beseitigt
NatĂŒrlich lassen sich derartige undemokratische Knebelvereinbarungen nur so lange aufrechterhalten, wie die Regierungen in den jeweiligen LĂ€ndern sie akzeptieren und mit Paris kooperieren. Deshalb hat Frankreich bis heute mit militĂ€rischer Gewalt dafĂŒr gesorgt, dass sich nur solche Regimes an der Macht halten, die Paris vollstĂ€ndig hörig sind. Insgesamt 45 von Frankreich unterstĂŒtzte MilitĂ€rcoups seit Anfang der Sechziger Jahre sprechen eine deutliche Sprache.
Wenn Francois Hollande jetzt nach den AnschlĂ€gen von Paris zum Schulterschluss mit der französischen Regierung aufruft und verlangt, dass alle Demokraten mit ihr die Reihen schlieĂen, dann fordert er nichts anderes, als dass sich rechtschaffene BĂŒrger mit genau den Verbrechern solidarisieren, die dem gegenwĂ€rtigen Terrorismus durch ihre jahrzehntelange kriminelle Politik den Weg bereitet haben.
Veröffentlichung auch auf Antikrieg.com http://antikrieg.com/aktuell/2015_11_17_francois.htm
