Neues „Eilverfahren“: Die dritte „Griechenlandhilfe“ ist de facto bereits durch den Bundestag

Bereits am 5. Juli hat der designierte neue Co-FĂŒhrer der „Linksfraktion“, Dietmar Bartsch, die Zustimmung seiner Bundestagsfraktion zum neuen „Eilverfahren“ signalisiert, mit dem nun das neue Programm des umbenannten Triumvirats (vorher „Troika“, nun „Institutionen) ĂŒber Griechenland durch den Bundestag gejagt wird.

Bartsch am 05.07.2015 zur Zeitung „Welt“:

„Ich gehe davon aus, dass der Bundestag in der Lage ist, zu jedem Zeitpunkt eine Entscheidung zu treffen, die das große Projekt Europa nicht gefĂ€hrdet“

Wie Radio Utopie bereits am 28. Juni berichtete (und ein neues „Eilverfahren“ prognostizierte), sieht das Grundgesetz kein „Eilverfahren“ in der Gesetzgebung vor. Daher erfanden Staat bzw Bundesregierung und Parteien fĂŒr den faktischen Systemwechsel hin zur „Systemrelevanz“ kapitalistischer Banken fĂŒr Demokratien und Staaten weltweit im Oktober 2008 das „Eilverfahren“ statt verfassungsgemĂ€ĂŸer ordentlicher Gesetzgebung und rechtfertigten dies durch die Zustimmung aller Fraktionen im Rumpfparlament „Ältestenrat“.

Seitdem wurde dieses „Eilverfahren“ mehrfach fĂŒr finanzielle und militĂ€rische Blitzgesetze angewendet, wie die erste „Griechenlandhilfe“ (7. Mai 2010), das „Stabilisierungsmechanismusgesetz“ (21. Mai 2010, Grundlage fĂŒr die „luxemburgische Aktiengesellschaft „European Financial Stability Facility“ E.F.S.F. und spĂ€ter die internationale Finanzorganisation „EuropĂ€ischer StabilistĂ€tsmechanismus“ E.S.M.) und die Entsendung von „Patriot“-Raketen-Einheiten der Bundeswehr in die TĂŒrkei an die syrische Grenze kurz vor Weihnachten 2012.

„Bild“ meldete dazu bereits am 7. Juli:

Das Programm muss im Eilverfahren durchgepeitscht werden: Die griechischen Banken stehen kurz vor dem Zusammenbruch!“

Wie z.B. der „Spiegel“ das vor kurzem durch den „EuropĂ€ischen Gerichtshof“ neu entdeckte „Recht auf Vergessen“ interpretiert und entsprechende Inhalte im Eilverfahren verschwinden lĂ€sst, kann hier jeder bei Google nachlesen.

Der „Ältestenrat“ bzw die FĂŒhrungen aller Fraktionen werden wohl bereits zugenickt haben, wie immer. Es ist davon auszugehen, dass die Zustimmung zum neuen Programm des Triumvirats „EuropĂ€ische Union“, Internationaler WĂ€hrungsfonds“ und „EuropĂ€ische Zentralbank“ zur weiteren Entstaatlichung Griechenlands innerhalb von 2 Tagen durch den Bundestag rauscht.

Dass jetzt Millionen von Menschen, auch irgendwelche PopulĂ€re oder FunktionĂ€re, die entsprechenden VorgĂ€nge einen „Staatsstreich“ gegen die Hellenische Republik nennen (#ThisIsACoup), macht uns natĂŒrlich echt nachdenklich. Was Syriza angeht, ach..

Wer in Deutschland schon wieder geblitzdingst wurde: die Staaten in der „EuropĂ€ischen Union“ schĂŒtteten im Zuge des Systemwechsels allein in den vier Jahren von 2008 bis 2012 ĂŒber 5 Billionen Euro in den „Finanzsektor“. Hier noch einmal der Bericht der „EuropĂ€ischen Kommission“ aus 2012. Auszug:

„In der Zeit vom 1. Oktober 2008 bis zum 1. Oktober 2012 genehmigte die Kommission Beihilfen in Höhe von 5058,9 Mrd. EUR (40,3 % des EU-BIP) fĂŒr den Finanzsektor.“

Die griechischen Staatsschulden sind, Ihr erinnert Euch sicher nicht, durch ein dreimaliges Hochrechnen des Staatsdefizits fĂŒr das Jahr 2009 entstanden, von 3, 7 Prozent (MĂ€rz 2009) auf 12,5 Prozent (Oktober 2009) auf 15,4 Prozent vom BIP (November 2010).  Verantwortlich dafĂŒr die griechische Statistikbehörde ELSTAT und die E.U.-Statistiker von EUROSTAT, mit dem bis heute amtierenden Walter Radermacher, ex-Leiter vom Statistischen Bundesamt.

Anfang 2013 wurde dann endlich Anklage erhoben gegen die SchlĂŒsselfigur, den ehemaligen I.W.F.-Statistiker und ELSTAT-PrĂ€sidenten Andreas Georgiou, weil er

„als Teil einer von Deutschland angefĂŒhrten Verschwörung gehandelt habe, um strenge Sparmaßnahmen durchzusetzen.“

Einmal dĂŒrft ihr raten was auch dieses Parlament in Athen mitsamt seinem „Untersuchungsausschuss“ seitdem getan hat.

Im Juni 2015 bezeichnete der ehemalige Vize von ELSTAT, Nikos Logothetis, den PrĂ€sidenten der griechischen Statistikbehörde ab 2010 und ehemaligen I.W.F.-Statistiker, Andreas Georgiou, als „Bauer von EUROSTAT“.

Fazit: die Entscheidung ist bereits gefallen. Alles was jetzt irgendein Abgeordneter oder irgendeine Abgeordnete irgendeiner Partei des Parlaments in dieser Republik außer Funktion erzĂ€hlt, sei es positiv oder negativ, ist Geheuchel und / oder irrelevant.

ErgÀnzung 16.40 Uhr

Wie es nun „aus Koalitionskreisen“ heißt, stimmt der Bundestag bereits diesen Freitag (17.) am Vormittag ab.