Hallo „Antikapitalistische Linke“: No Pasaran.
Die „Antikapitalistische Linke“, 2006 schon vor der Einverleibung der „Wahlalternative fĂŒr Arbeit und Soziale Gerechtigkeit“ W.A.S.G. durch die P.D.S. und der anschlieĂenden Umetikettierung in Die Linke gegrĂŒndet, hat auf ihrer Versammlung am 9. November in Hannover einen Aufruf zur „NeugrĂŒndung der Antikapitalistischen Linken (AKL) in der Linken“ veröffentlicht. Ebenso stellte die „Antikapitalistische Linke“ bei der Tagung des Parteivorstands von „Die Linke“ am 23. und 24. November in Berlin einen eigenen Entwurf fĂŒr den Wahlkampf zum machtlosen „EuropĂ€ischen Parlament“ in 2014 vor, den der Parteivorstand aber ablehnte.
Ich möchte hier kurz erlĂ€utern, warum auch dieser Topfdeckel des Imperialismus namens „Antikapitalistische Linke“ bald vom Bottich linker Politik fliegt.
1. Jeder wohlmeinende Charakter, der sich irgendwann dazu entschloss das mit der bunt bemalten Sklaverei alias „Kapitalismus“ mal sein zu lassen und sich das Etikett „links“ anzutun – meine Wenigkeit gehört dazu – hat das Messer im RĂŒcken quasi eingebaut (ich versuche mich deswegen jeden Morgen auf dem Weg zum Kaffeelabor nicht an der TĂŒr zu stoĂen). Ebenso ist uns Gesellschaftsmasochisten (schickes Wort, oder) bestens die Klientel vertraut, die dort was reinjagen wollen wo kein Platz ist. Ich möchte also den echten und unechten Genösschen, die mich immer noch nicht kennen, versichern, dass es nicht in meiner Absicht steht antikapitalistische Politik zu schwĂ€chen, weil ich im Gegensatz zu Euch schon welche gemacht habe.
Und ich meine damit diese „Partei des Demokratischen Sozialismus“, die seit dem Fall ihrer in Beton gegossenen Monopolverwertung echt sozialistischen Humankapitals 1989 nichts an Politik gemacht hat die meinem Kriterium von „links“ entsprechen wĂŒrde, zu allerletzt im Berliner Senat, mit den Genossen Gysi als (kurzzeitigem) Wirtschaftssenator und dem Genossen Thilo Sarrazin als „rot-roten“-Finanzsenator. Ich meine damit auch die lieben TrotzkistInnen, die in Landesvorstand und Landesschiedsgericht der W.A.S.G. Berlin meinen am 1.1.2006 gestellten Ausschlussantrag gegen Gregor Gysi vier Monate liegen lieĂen, bis die P.D.S.-Counterimmigranten auf dem Bundesparteitag satzungswidrig darĂŒber mitabstimmen durften ob sie wieder mitabstimmen durften (zum Beispiel ĂŒber die Zerschlagung der W.A.S.G. So wird man mehrheitsfĂ€hig), aber stattdessen mir wegen „allgemeinen Schimpfwörtergebrauchs“ auf Mailinglisten „AmtsunfĂ€higkeit“ attestierten, mich aller meiner Ămter enthoben und mit ZĂ€hnen und Klauen versuchten mich von Parteitagen fernzuhalten, nachdem sie einmal erlebt hatten was passiert wenn ich daran teilnehme.
Die halbe Stadt wurde von diesen „rot-roten“ Gesellschaftssadisten in S.P.D. und P.D.S. / Die Linke gequĂ€lt, vorneweg von Sarrazin, der die halbe Stadt an die lieben „Investoren“ verkaufte und dieses Milliardengrabmal BER-Flughafen in Schönefeld einbetonierte wie die Nomenklatura ihre Parteitage. Und ihr habt dazu nicht nur die Schnauze gehalten, sondern auch noch kollaboriert. Und jetzt springt genau dieser Saftladen „Die Linke“ den sozialen Initiativen wie dem Wassertisch auf dem SchoĂ, die ĂŒber Volksentscheide versuchen das wieder zu retten was Eure Partei an das Kapital verramscht hat. Da platzt mensch doch vor antikapitalistischer Bewunderung. Einheit, Einheit, ĂŒber alles, was?! Irgendwie kommt mir das bekannt vor.
Womit wir zum nÀchsten Thema kommen.
2. Wenn man keine Geschichte hat auf die man stolz sein kann, sollte man sie wenigstens kennen. Dutzenden von Gesellschaften, Demokratien, LĂ€ndern zu erklĂ€ren, dass man sich genauso wenig einen Dreck um ihre SouverĂ€nitĂ€t schert wie vor Jahrzehnten der deutsche Faschismus (oder noch 25 Jahren die Sowjetunion) ist weder emanzipatorisch, noch links, noch antikapitalistisch, noch eine Idee. Das ist, von allem anderen mal abgesehen, schlicht alt. Wer (wie im Aufruf zur A.K.L.-NeugrĂŒndung) „Nein zur AusteritĂ€t und Ja zu einem sozialistischen Europa“ sagt, sagt Ja zur PrioritĂ€t Nr.1 aller imperialistischen, militaristischen, kapitalistischen und autoritĂ€ren Modelle: zur Kontrolle. Die inhaltliche Bilanz eures Aufrufs lautet „Ja…zu Europa“, also Ja zu Paneuropa, der Mutation der 1992 gegrĂŒndeten „EuropĂ€ischen Union“ zum zentralistischen Einheitsstaat, zu einem kontinentalen Imperium. Aus welcher Motivation heraus auch immer: wenn man von auĂen das Existenzrecht anderer Staaten in Frage stellt und deren Beseitigung propagiert, sollte man wissen was man da tut und wer man ist. Ihr tut das nicht. Bekanntlich macht das auch nichts besser, aber das wussten schon die Römer nicht. Und wenn man schon die Selbstabschaffung auch der zweiten deutschen Demokratie fordert, sollte man erstmal erklĂ€ren warum die eigenen VorlĂ€uferorganisationen schon der Zerschlagung der ersten zusahen ohne zum Generalstreik aufzurufen, geschweige denn zum Aufstand.
3. Damit diese kleine politische Abholzung nicht ganz ohne SpĂ€ne vonstatten geht, hier nur ein einziges Beispiel, warum selbst nach marxistischer Definition (von Logik nicht zu schweigen) das, was Ihr da erzĂ€hlt, falsch ist. Zitat aus Eurem Aufruf zur A.K.L.-NeugrĂŒndung:
„Viele in der Linken fordern heute die Beseitigung der Konstruktionsfehler des Euros, sie fordern eine gemeinsame Sozial- und Wirtschaftspolitik der Euro-Staaten. Doch der Euro ist nicht die Ursache der Krise. Die Konkurrenz zwischen den Eurostaaten ist kein Konstruktionsfehler des Euros, sondern Ausdruck des Konkurrenzkampfes zwischen Konzernen, die weitgehend eine nationalstaatliche Basis haben. Die AKL sagt deshalb unmissverstĂ€ndlich: Der Kapitalismus selbst ist der Konstruktionsfehler.“
Das Finanzsystem Euro soll also „nicht die Ursache“ fĂŒr die (finanz-) imperialistischen ZwangsmaĂnahmen sein, die es selbst durch seine Organe wie die Frankfurter Zentralbank Millionen Menschen diktiert. Das ist Terry Gilliams „Brazil“, aber keine ernsthafte politische Aussage. Auch von der „Konkurrenz der Eurostaaten“ (ihr dĂŒrft immer noch z.B. Griechenland zu ihnen sagen) ist im E.U.-Regierungsrat nicht viel zu sehen. Man denke da mal an den Genossen Giorgos Papandreou, abseits seiner GeschĂ€fte als MinisterprĂ€sident Griechenlands noch „Vorsitzender der Sozialistischen Internationale“. „Konstruktionsfehler“ sagt man zum Beispiel, wenn man auf einen Abzug drĂŒckt und zwei Sekunden spĂ€ter einen das Zielobjekt immer noch mit groĂen lebendigen Augen anguckt. Aber man stelle sich jetzt mal die deutschen Arbeiterinnen und Arbeiter vor, die (ohne Hilfe der K.P.D.) durch den einzigen Generalstreik der deutschen Geschichte den monarchistischen Kapp-Putsch niederschlugen. HĂ€tten sie von dessen „Konstruktionsfehler“ gesprochen?
Das kollektive PlĂŒndern des halben Kontinents durch die Monopole als „Ausdruck des Konkurrenzkampfes zwischen Konzernen“ zu werten – da hört man es von weitem wuttata, wuttata, und es ist Rosa, wie sie in ihrem Grab rotiert.
Die Konzerne, die beim Raubzug nicht nur, aber maĂgeblich im Einflussgebiet des Euro-Systems plĂŒndern (können), sind die Finanzkonzerne, die Banken. Und nun zu behaupten, die im weltweiten Kartell „Institute of International Finance“ organisierten Banken – von denen am im November 2011 durch den G-20-Regierungsbund neunundzwanzig fĂŒr „systemisch wichtig“ / systemrelevant erklĂ€rt wurden, unter im Kern identischen Forderungen wie die von Euch Antikapitalisten, nĂ€mlich der Aufgabe der SouverĂ€nitĂ€t der angepeilten Zielobjekte, der europĂ€ischen Staaten – hĂ€tten „weitgehend eine nationalstaatliche Basis“, das ist Propaganda, nichts weiter. Propaganda, die wieder versucht irgendwie das Kapital aus dem Spiel und den bösen „Nationalstaat“ ins Spiel zu bringen (nochmal: ihr dĂŒrft immer noch z.B. Griechenland zu ihnen sagen).
Das kommt davon, wenn gewisse trotzkistische GenossInnen ihre Zentrale im „Nationalstaat“ Vereinigtes Königreich haben, was keineswegs beabsichtigt sein eigenes Imperium in den Pool eines handzahmen paneuropĂ€ischen PlĂŒnderungsreservoirs fĂŒr „Freihandelsabkommen“ mit den ach so hilflosen „Nationalstaaten“ Vereinigte Staaten von Amerika oder China zu schmeiĂen, sondern im Gegenteil gedenkt sich mit allen anderen Raubrittern weltweit daraus krĂ€ftig zu bedienen.
Wer dies alles nun fĂŒr Zufall hĂ€lt, kommt gut durch die TĂŒr und noch besser in diese Partei „Die Linke“.
Aber nicht durch.
Ich denke, wir haben uns verstanden.
