ESM: Siparium iacta est
Der Haushaltsausschuss fordert in aller Stille vom Bundesrechnungshof einen Bericht ĂŒber die VerfassungsmĂ€Ăigkeit des von den RegierungsrĂ€ten in BrĂŒssel schon beschlossenen „EuropĂ€ischen Stabilisierungsmechanismus“ (ESM) an. Das Parlament braucht diesen Bericht, weil es sogar zu feige ist gegen die eigene Entmachtung und Entstaatlichung Deutschlands selbst zu protestieren. Am 11.April wird der vertrauliche Bericht abgeliefert und dann an die Nachrichtenagentur „Reuters“ weiter gegeben. Dort erscheinen gestern AuszĂŒge. Nun dĂŒrfen die Abgeordneten des Bundestages auch mal und zwar im „Handelsblatt“ . Sie hĂ€tten da was bei „Reuters“ gelesen. Also so ginge das ja nun nicht.
Karger Auszug des achtseitigen Berichtes vom Bundesrechnungshof an den Haushaltsauschuss auf „Reuters“ (1):
„Alle Festlegungen zur Art und Höhe, insbesondere die Bestimmungen von Obergrenzen der deutschen BeitrĂ€ge zum ESM (Bareinlagen und Garantien) sind gesetzlich zu regeln und unterliegen damit der parlamentarischen Zustimmungserfordernis“.
Der Bundesrechnungshof vermerkt, so „Reuters“, dass
„es bisher keine Ăberlegungen fĂŒr eine PrĂŒfung und Kontrolle der kĂŒnftigen ESM-Gremien gebe.“
Ăbersetzt heisst das: die eigene Bundeskanzlerin Angela Merkel, sowie Bundesfinanzminister Wolfgang SchĂ€uble, versuchen in ihrer ganzen brĂ€sigen Art mal wieder einen plumpen Staatstreich gegen die eigene Republik.
Auftritt FDP-Bundestagsabgeordneter Frank SchÀffler (2):
„Der ESM ist ein tiefer Eingriff in das Budgetrecht des Parlaments und verĂ€ndert das PrimĂ€recht in Europa…Es ist grob fahrlĂ€ssig wie hier der Kernbereich demokratischen Handelns geschleift wird…Ein Thomas Dehler wĂŒrde sich im Grabe umdrehen und wĂ€re in seiner aktiven Zeit lĂ€ngst auf den Barrikaden.“
Nun, vielleicht wĂ€re der ehemalige Soldat des Kaiserreiches eher im SchĂŒtzengraben. Aber lassen wir die Manöverkritik an Thomas Dehler. War nicht alles schlecht. Wenden wir uns mal diesem HĂŒter der Verfassung SchĂ€ffler zu.
Vom FDP-Bundestagsabgeordneten Frank SchĂ€ffler ist nicht bekannt, daĂ er als Sarrazin-Sympathisant die ganze Zeit Richtung einer neuen Rechtspartei in Deutschland taktiert, die im Schatten xenophobischer Panikmache Lobby fĂŒr Banken, Konzerne und die transstaatliche „EuropĂ€ische Union“ spielt, etwa nach Vorbild der Geert Wilders-Partei in der niederlĂ€ndischen Monarchie.
Obwohl das nicht bekannt ist, tut SchÀffler genau das und zwar die ganze Zeit.
Dabei wendet SchĂ€ffler die ĂŒbliche Taktik neokonservativer Strategie an: „Fliegt die eine Strategie auf, starte aus ihr heraus eine neue und eskaliere sie“. Entsprechend tritt SchĂ€ffler regelmĂ€Ăig vor die Presse und bezeichnet den seit Jahren laufenden finanziellen, politischen und nicht zuletzt psychologischen Feldzug der Banken und der BrĂŒsseler Zentrale gegen die Berliner Republik, ihre Verfassung Grundgesetz und ihre SouverĂ€nitĂ€t nicht etwa als das was es ist; SchĂ€ffler bezeichnet die Ăbernahme der Finanzhoheit ĂŒber ganze Staaten durch die BrĂŒsseler Zentrale und den „Internationalen WĂ€hrungsfonds“ (IWF), nach einem systemischen Bombardement der Ratingagenturen und der Banken gegen die staatlichen Zielobjekte, als das Ergebnis „monetĂ€rer Planwirtschaft“ durch „staatliches ungedecktes Zwangspapiergeld“. (Die Neue Marktpartei, 19.Dezember 2010)
SchĂ€fflers BemĂŒhen ist dabei, genau das zu verhindern, was durch entsprechende Seilschaften, Bruderschaften und Burschenschaften in den letzten 20 Jahren im gesamten kapitalistischen Einflusraum konsequent unterdrĂŒckt und vernichtet wurde: eine ganz normale soziale und linke Politik, durch eine ganz normale soziale und linke Partei. Denn nicht nur Deutschland, sondern leider auch die ganze Welt sieht sich schlicht genau dem Kapitalismus gegenĂŒber, vor dem wir unsere Eltern immer gewarnt haben.
Die marktradikalen Propheten, die das GeschĂ€ft der Banken, Geldmonopolisten und nie demokratisch legitimierter „Weltorganisationen“ wie die des IWF erledigen – und dabei ausgerechnet immer die fundamental entgegengesetzten Interessen einer normalen (Volks)Wirtschaft anfĂŒhren – versuchen diesen Staatsabbau, ja diese Zerstörung der Staaten im EinfluĂbereich der WĂ€hrung „Euro“ und seines Geldsystems dazu zu benutzen, diesen Prozess noch zu beschleunigen. Dazu versuchen sie, das geostrategische Konzept des „gescheiterten Staates“ von zuvor geschaffenen militĂ€rischen Schlachtfeldern wie Somalia in das Herz Europas zu transportieren.
Der fortgesetzte Angriffskrieg gegen das Instrument des (demokratisch legitimierten) Staates soll BegrĂŒndung seiner selbst werden. So etwas nennt man eine Offensivtaktik. FDP-Bundestagsabgeordneter Frank SchĂ€ffler am 30.Januar 2009, in seinem Essay „Neue Geldordnung“ (3):
„Wir brauchen deshalb eine Geldordnung, in der sich die Zentralbanken jeglicher Zinspolitik enthalten, so dass der natĂŒrliche Zins seine die Konjunktur und das Wachstum stabilisierende Wirkung entfalten kann. Eine derartige Geldordnung ist jedoch nur realisierbar, wenn sowohl den Zentralbanken als auch den privaten GeschĂ€ftsbanken die Möglichkeit genommen wird, Geld- und Kreditschöpfung zu betreiben, d. h. die Geldmenge muss konstant gehalten werden, was in frĂŒheren Zeiten weitgehend durch den Goldstandard gewĂ€hrleistet wurde. Da eine WiedereinfĂŒhrung des Goldstandards jedoch mit enormen Problemen verbunden ist, sollten unsere heutigen Ăberlegungen auf die Zulassung von konkurrierenden PrivatwĂ€hrungen, die durch Vermögen gedeckt sind, gerichtet werden, wie Friedrich August von Hayek es bereits 1977 in seiner Schrift „Entnationalisierung des Geldes“ gefordert hatte.“
Frank SchĂ€ffler ist Mitglied der „Europa-Union“ und ihrer Lobby im Bundestag, die die „EuropĂ€isierung“ unseres Parlamentes zum Ziel hat. Bei wem es jetzt noch nicht klingelt, der hat seine Klingel abgestellt.
DaĂ der aus dem Haushaltsausschuss bereits vor einiger Zeit ausgeschiedene marktradikale EU-Zentralist im „Handelsblatt“ nun so in den Vordergrund geschoben wurde, hĂ€ngt mit einer anderen Persönlichkeit zusammen, die zwar als exrem langsam und begriffsstutzig, nichtsdestotrotz aber als authentisch und verfassungsoriert betrachtet werden kann: Carsten Schneider, 35 Jahre, 1998 als jĂŒngster Abgeordneter in den Bundestag eingezogen, seit 2005 haushaltspolitischer Sprecher der SPD im Bundestag und eines von einem Talent in dieser Fraktion. Schneider erwĂ€hnte heute das G-Wort, was SchĂ€ffler noch tunlichst vermieden hatte (2):
„Das ist ein Konstruktionsfehler des ESM, der bei den Vertragsverhandlungen bereinigt werden muss. Andernfalls wĂ€re der Vertrag nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.â
Ich denke, wir haben uns verstanden.
(…)
16.03.2011 Bundestag unterwirft Banken, IWF, EFSF, ESM, EU und Merkel dem Grundgesetz
Stille auf den RĂ€ngen. HĂ€? Dieser Ruf hĂ€ngt im Raum. HĂ€? Tausende brĂŒllen es, immer weiter im Takt, ein HĂ€? HĂ€? HĂ€? geht durch Deutschland, ein Ruck erfasst die Massen, sie stehen auf von den billigen, teuren und mittleren PlĂ€tzen und plĂ€rren es heraus.
HĂ€? HĂ€? HĂ€?
Immer weiter.
HĂ€? HĂ€? HĂ€?
Irgendwo, neben den billigsten PlÀtzen steht eine abgerissene Figur mit einer Kippe. Blick hierhin, Blick dahin. Jaja.
Abgang. Der Vorhang fÀllt.
Quelle:
(1) http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE73B0KO20110412
(2) http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/merkels-euro-plan-ruettelt-an-der-verfassung/4054070.html?p4054070=all
(3) http://www.frank-schaeffler.de/presse/medienspiegel/602
