Berliner Machtwechsel der Gewohnheit: Grüne bundesweit stärkste Partei

Bündnis 90/Die Grünen werden ballistisch. Mit einem Satz von plus sieben Prozent innerhalb von nur einer Woche steigen die Grünen in der im Auftrag von "Stern" und "RTL" erhobenen regelmäßigen Sonntagsfrage des Meinungsforschungskonzerns Forsa aktuell auf 28 Prozent und sind damit nur noch zwei Prozentpunkte hinter CDU und CSU. Da es sich bei diesen - das wird oft nicht begriffen - um zwei verschiedene Parteien handelt, ist Bündnis 90/Die Grünen demnach derzeit die stärkste der etablierten Staatsparteien in der Republik.

Nur zur Erinnerung: bei der letzten Bundestagswahl am 27. September 2009 kam die "Kanzlerpartei" CDU auf gerade mal 27.3 Prozent. Nur zusammen mit den 6.5 Prozent der CSU - die entsprechend alter Abmachungen innerhalb der Machtarchitektur der Parteien-Klasse nur in Bayern wählbar ist, wo wiederum die CDU nicht antritt - kamen CDU/CSU auf das Endergebnis von 33.8 %. Nun kann man sich entsprechend ausrechnen, wie bei einem Umfrageergebnis von bundesweit 30 Prozent (was natürlich nie getrennt ausgewiesen wird) der Anteil der CDU ist. Jedenfalls deutlich unter dem Ergebnis der Grünen.

Seit der Gründung der "Arbeitsgemeinschaft CDU/CSU Deutschlands" im Jahre 1947, zwei Jahre nach dem Faschismus noch unter Besatzungsrecht, betont der Begriff "Union" das vernebelnde Wischi und Waschi über ein äußerst fragiles Gewohnheitskontrukt, welches seit seiner Existenz die bis zu den 90er Jahren noch sozialdemokratische SPD strategisch eingrenzte,  die gesamte westdeutsche Bonner Republik (1949-1990) entscheidend beeinflusst hat und anschließend sogar die Einnahme der CDU-Blockpartei aus der DDR verdauen konnte.

Doch die Berliner Republik wird auch diese "Union" noch überleben.

Das Ergebnis der aktuellen Forsa-Umfrage im Einzelnen (Unterschiede zur entsprechenden Umfrage von letzter Woche):

CDU/CSU 30 % (-3)
SPD 23 % (-2)
Bündnis 90/Die Grünen 28 % (+7)
Linke 9 % (+1)
FDP 3 % (-2)
Andere 7 % (-1)

Für die FDP macht sich der ganze Charme vom zukünftigen vorsitzenden Einbauschrank Philipp Rösler noch nicht ganz bemerkbar. Die Umfrage wurde zwischen dem 28.März und dem 1.April durchgeführt.

Eigentlich darf man sich bei den Liberalen nun über nichts mehr wundern. Jeder weiß, dass eine große Schwinge (Bürgerrechtsflügel) und zweieinhalb gerupfte Straußenfedern (Wirtschaftsflügel) keinen Flug, sondern nur einen fortgesetzten Strömungsabriss zur Folge haben. Da kann man höchstens Purzelbäume schlagen, aber nicht mit den "Flügeln".

Vielleicht kann aber, wider alle Prognosen, Radio Utopie dennoch bald wieder fröhlich verkünden - FDP: Fette Drei Prozent (18.Juni 2010).

Bei den Fremdlinken wiederum bricht nach den verlorenen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Panik aus. Dreiste Lügen, tumber Betrug und dann dumm-dämliches Anwackeln bei den Betrogenen um nach noch mehr Gelegenheiten zum Betrug zu betteln, na das hätte sich doch irgendwie auszahlen müssen. Hat man denen gesagt. Sagt man. Hab ich gehört. Was die Leute sagen. Nach meinen Informationen.

Auch dies, der Betrug an allem, was einmal politisch links genannt wurde, stand in diesem großen Handbuch "Die Macht der Gewohnheit" (oder so ähnlich), die irgendeine Sau vor Jahren auch in Berlin zum Bestseller gemacht hat. Die Käufer und Gläubigen entsprechender Postillen - in der Presse sagt man "Medien" dazu - werden sich nun über den Wahrheitsgehalt ihrer jeweiligen Untertanen-und-Meister-Bibeln Gedanken machen müssen. Den heiligen Gral der Nomenklatura werden sie jedenfalls niemals finden; stattdessen werden die über schrumpfende Kreise herrschenden Machtmeister auch weiterhin alles behalten, was sie sich von ihren Dummbatzen auf der Schnitzeljagd einsammeln lassen. Was für ein blödes Pack.

Nun, die derzeitige Veränderung im Öffentlichen Interesse, welches mittlerweile zu einem Bewusstsein, einem öffentlichen Selbstbewusstsein der Republik geworden ist, kann im Kontext der vorhergehenden Entwicklungen beobachtet werden. Ein kurzes "Auf-Ab" jedenfalls, wie die Karussellprediger der Informationsindustrie jetzt den Marktmänneken und -weibern wieder an die Boulevard-Backe quatschen werden, sieht anders aus. Vor drei Tagen stiegen Bündnis 90/Die Grünen, in einer Erhebung der traditionellen Amtsträgerschaft von Emnid, immerhin um drei Prozent auf 23 %. Wohlgemerkt - ebenfalls innerhalb einer Woche. (Kleiner Tsunami rollt durch die Nomenklatura)

Was die Fremdlinken angeht - Oskar Lafontaine ist herzlich eingeladen, sich in Berlin wieder gemächlichen Schrittes vor die Zielscheibe zu stellen. Es wird uns ein Spaß. Soviel sei verraten, von uns aus. Mehr haben wir nicht nötig.

Letzten Donnerstag schrieben wir zu Renate Künast, Jürgen Trittin, Cem Özdemir und allen anderen neokonservativen, bellizistischen und von der Nomenklatura eingekauften Führungsfunktionären des Bundesverbandes von Bündnis Grünen:

"Man (kann) nun erwarten, dass sie mit weiteren Forderungen nach Angriffskriegen und Interventionen, Lohnraub und Sozialabbau, Zersetzung von Bürgerrechten und Verfassung, sowie natürlich dem üblichen schwarz-grünen Wählerkiller glänzen werden."

Wir sind gespannt, wann Betrug und Selbstsabotage der Berliner Parteiführung nun auch bei Bündnis 90/Die Grünen einsetzen und wie er konzipiert sein wird.

Am Ende wird man sich auch dort daran gewöhnen, dass die Macht der Gewohnheit nur Gewohnheit ist. Und die lässt sich ändern, wie man sieht.

(...)

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