Gerhart Baum dreht durch: Enthaltung im Sicherheitsrat zu Libyen-Krieg soll FALSCH gewesen sein

Der frĂŒhere FDP-Innenminister Gerhart Baum, den auch Radio Utopie fĂŒr sein bĂŒrgerrechtliches Engagement immer geschĂ€tzt hat, gesellt sich unter die zahlreichen Opfer derzeitig um sich greifender geistiger Verwirrung. In seinem (berechtigten) Aufruf an Generationswechsel und RĂŒckbesinnung auf die Tradition auch des sozialen Liberalismus innerhalb der Liberalen, versteigt sich Baum zu einer verheerenden EinschĂ€tzung: die Enthaltung der deutschen Regierung am 17.MĂ€rz im New Yorker UNO Sicherheitsrat zur Kriegsvollmacht gegen Libyen – mithin der nicht stattgefundene Eintritt Deutschlands in einen Angriffskrieg gegen einen souverĂ€nen Staat, in dem zur Zeit ein BĂŒrgerkrieg tobt – sei „die falsche Entscheidung“ gewesen, so Baum.

Die entsprechende Passage im Interview von Gerhart Baum in der Frankfurter Rundschau:

„Baum: Ich will dem Bundesparteitag der FDP im Mai in Rostock nicht vorgreifen. Aber es ist festzuhalten, dass Westerwelle seit einem Jahr alles versucht hat, den AbwĂ€rtstrend der FDP umzukehren. Das ist ihm nicht gelungen.

Frage: Hat das vielleicht auch etwas mit seiner AmtsfĂŒhrung als Bundesaußenminister zu tun?

Ich gestehe, dass ich mit der Enthaltung der Bundesrepublik bei der Resolution des UN-Sicherheitsrates zum MilitĂ€reinsatz in Libyen nicht einverstanden war und bin. Das war die falsche Entscheidung.“

Hat jetzt auch noch Baum den Verstand verloren? Dreht jetzt hier jeder durch?

Ausgerechnet die bisher grĂ¶ĂŸte Leistung des FDP-Außenministers, seine nachdenkliche und schweren Schaden vom Deutschen Volke abwendende Haltung gegenĂŒber dieser Intrige, die durch die Regierungen von Frankreich, Großbritannien und der USA massiv voran getrieben wurde, soll falsch gewesen sein? Was stellt sich Baum eigentlich vor? Einen Weltkrieg, in dem westliche Nato-MĂ€chte in jedes Land einmarschieren, in dem sie vorher einen Putsch angezettelt haben oder in dem ein BĂŒrgerkrieg herrscht? Einmarsch in alle LĂ€nder, deren Diktatoren und Regime man kurz vorher noch abgeknutscht, mit denen man profitable GeschĂ€fte en masse abgewickelt, deren MilitĂ€rs und Sondereinheiten man durch die eigenen MilitĂ€rs und Sondereinheiten ausgebildet und deren Regime man mit Waffen vollgestopft hat, so wie es Frankreich, Großbritannien und Deutschland mit Muammar al Gaddafi in Libyen und die USA es mit Iraks Diktator Saddam Hussein und den Taliban in Afghanistan gehalten haben, noch kurz vor der Invasion?

Einmarsch in Russland nach KĂ€mpfen in Tschetschenien? Einmarsch in China nach Aufruhr in Tibet? Einmarsch in Israel, wegen Besatzung im Westjordanland, sowie UnterdrĂŒckung und Entzugs des Wahlrechtes fĂŒr ganze Bevölkerungsteile? Einmarsch in Saudi-Arabien, Jemen, Bahrain, Nigeria, Uganda, Sudan, Nordkorea – halt, die nicht, die haben ja Atomwaffen!? Was denn noch alles? Ist Baum noch ganz dicht?

Hat Baum nicht den offenen Brief des Sprechers vom US-ReprÀsentantenhaus John Boehner an Barack Obama gelesen? (Imperator Obama hat da ein Problem,27.MÀrz)
Hat Baum eigentlich Resolution 1973 gelesen, die da im Sicherheitsrat unterschrieben und von diesen besoffenen Legasthenikern, Waschlappen und Nato-Höflingen in Moskau nicht verhindert wurde?! (Analyse zur UN-Resolution: Eine umfassende Kriegsvollmacht gegen Libyen, 18.MÀrz)

Hat sich Baum vor seinem Interview ĂŒberhaupt ĂŒber die Lage in Libyen kundig gemacht, ĂŒber die drohende Destabilisierung in ganz Nordafrika, ĂŒber die im Windschatten des Libyen-Krieges ĂŒberhaupt erst möglich gewordene blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung in Bahrain und im Jemen?

Der Alt-Liberale und BĂŒrgerrechtler schadet mit solchen wirren, bellizistischen Äußerungen nicht nur seiner Partei, er schadet damit nicht nur seinem Anliegen, er schadet damit auch dem Weltfrieden, der internationalen Diplomatie, der Stellung Deutschlands als Mittler in der Welt und nicht zuletzt dem Völkerrecht, was nicht zufĂ€llig existiert, sondern nach Jahrhunderten blutiger imperialer Kriege mĂŒhsam durch eine aufgeklĂ€rte Menschheit zum Selbstschutz vor wahnsinnigen Eroberern, expansiven Ideologien und Machthabern ĂŒber unterdrĂŒckte Völker entwickelt wurde.

Baum sollte jetzt einfach still sein. Er hat sich selbst als politische relevante GrĂ¶ĂŸe abgeschossen und disqualifiziert.

Der FDP und Aussenminister Guido Westerwelle wiederum kann nur geraten werden, einmal darĂŒber nachzudenken, ob die FDP den knappen Einzug ins Landesparlament von Baden-WĂŒrttember ohne die Sympathie der immer noch zahlreichen – und nicht zu unterschĂ€tzenden – klugen Leuten in der Republik geschafft hĂ€tte, wenn sie diese aus dem Libyen-Krieg nicht heraus gehalten hĂ€tte.

(…)

Artikel zum Thema:

22.03.2011 Warum die FDP vom Nein zum Libyen-Krieg profitieren sollte
Die Bundesregierung mit ihrem Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) – und ganz nebenbei: mit ihrem neuen Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) – hat sich mit ihrem Botschafter Peter Witte am 17.MĂ€rz in New York im Sicherheitsrat der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) bei einer Resolution enthalten, die eine umfassende Kriegsvollmacht gegen den souverĂ€nen Staat Libyen darstellt. Auch wird die Bundesregierung nicht versuchen, vom Bundestag eine Erlaubnis zum weiteren Einsatz deutscher StreitkrĂ€fte in Libyen einholen, der durch die Bundesregierung noch mit dem alten Bundesminister der Verteidigung, Ehrendoktor Karl-Theodor zu Guttenberg, unter Berufung auf § 5 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes (ParlBG) wegen „Gefahr im Verzug“ bereits seit dem 26.Febuar ohne Zustimmung des Parlamentes exekutiert worden war.

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Gaddafi. Ausgerechnet Gaddafi.

Quelle: http://www.fr-online.de/politik/-die-fdp-hat-massive-probleme-/-/1472596/8273542/-/index.html