Von Karlsruhe bis Lubmin: Ticker zum Castor-Transport
Ticker zum laufenden Transport von fĂŒnf Castor-BehĂ€ltern mit 60 Tonnen hochradioaktivem AtommĂŒll ins Zwischenlager Nord beim alten DDR-Atomkraftwerk Lubmin (bei Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern). Betrieben wird das Zwischenlager Nord vom Bundesfinanzministerium und seinem Atomkonzern „Energiewerke Nord GmbH“.
Transportiert wird MĂŒll des Atomkonzerns „Kernforschungszentrum Karlsruhe GmbH“ und dessen von der Atomindustrie 1964 gegrĂŒndeten „Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe“ (WAK). Das kommerzielle Karlsruher Atomzentrum war 1958 MitbegrĂŒnder vom „Arbeitsausschuss fĂŒr Verwaltungs- und Betriebsfragen der deutschen Reaktorstationen“, aus dem spĂ€ter der als gemeinnĂŒtzig anerkannte und zu 70 % vom Staat bezahlte Verein „Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V.“ hervorging, mit 17 Forschungszentren in der ganzen Republik. Heute ist das Karlsruher Atomzentrum Teil der staatlichen baden-wĂŒrttembergischen UniversitĂ€t „Karlsruher Institut fĂŒr Technologie“.
Der durch die Kernforschungszentrum Karlsruhe GmbH von 1971 bis 1990 wiederaufbereitete AtommĂŒll stammt nur zu 30 Prozent aus Atomforschungszentren; 70 Prozent ist MĂŒll aus ganz normalen kommerziellen Atomkraftwerken der Industrie vor allem in Baden-WĂŒrttemberg, der ĂŒber das Karlsruher Atomzentrum als „ForschungsmĂŒll“ umdeklariert wurde.
„Der MĂŒll in Karlsruhe stammt zu drei Vierteln aus Anlagen in Baden-WĂŒrttemberg. Bei der Lagerung dieser AbfĂ€lle muss das Verursacherprinzip gelten und der MĂŒll im Land bleiben. Prinzipiell dafĂŒr geeignet wĂ€re das Zwischenlager am Atomkraftwerk Philippsburg, das nur wenige Kilometer von Karlsruhe entfernt ist“,
so Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital im Zuge einer gestrigen Blockade der ehemaligen Wiederaufbereitungsanlage durch 35 Aktivisten der Umweltschutzorganisation.
„MinisterprĂ€sident Mappus muss beim Thema AtommĂŒll endlich Verantwortung ĂŒbernehmen. Er muss seine Verweigerungshaltung endlich aufgeben und dafĂŒr sorgen, dass der Atomabfall aus Karlsruhe auch in Baden-WĂŒrttemberg gelagert wird. Die hochstrahlende Plutoniumsuppe aus Karlsruhe hat in Lubmin nichts zu suchen.“
Der 60 Tonnen hochradioaktiven AtommĂŒll umfassende Transport beinhaltet u.a. 500 Kilogramm Uran und 16 Kilogramm Plutonium. Nach Angaben der Energiewerke Nord GmbH des Bundesfinanzministeriums wurde der flĂŒssige AtommĂŒll in Glas eingeschweisst um ihn transportfĂ€hig zu machen. Die Kosten des Castor-Transportes trĂ€gt der Staat.
Ăffentlich zugĂ€ngliche Quellen der Anti-Atomkraft-Bewegung:
Seiten:
Castortv.de
Nachttanzblockade Karlsruhe
Contratom.de
Lubmin-niXda.de
Castorticker.de
auf Twitter:
Castorticker
Nachttanzblock
#castor #nachttanzblockade
auf Facebook:
Castor TV
Contratom
Castorticker
Gestern gegen 14 Uhr war die in den frĂŒhen Morgenstunden vor Ausfahrtstor und Schienenstrecke aus dem GelĂ€nde der ehemaligen Wiederaufbereitungsanlage WAK begonnene Blockade von Greenpeace durch die Polizei nach neun Stunden gerĂ€umt. Gegen 23 Uhr begannen dann rund 400 Personen in der NĂ€he von Karlsruhe-Neureut auf der Schienenstrecke die Nachttanzblockade, welche auf rund 700 Personen anwuchs. Nun die folgenden Ereignisse ab Dienstag Mitternacht.
+++ Ticker +++
Mittwoch, 16.Februar
00.50 Uhr
Die Polizei hat die Nachttanzblockade auf den Schienen umstellt, hat drei Personen mit Klettergurten in Gewahrsam genommen und fĂŒhrt Fahrzeugkontrollen im Umfeld der Schienenstrecke durch.
01.08 Uhr
Erste Auforderung der Polizei zum Verlassen der Gleise.
01.10 Uhr
Zweite Aufforderung zum Verlassen der Gleise. Die Polizei errichtet einen Kessel.
01.17 Uhr
Die Polizei kĂŒndigt die RĂ€umung der Schienenstrecke an.
01.30 Uhr
Die RĂ€umung der Gleise beginnt.
02.00 Uhr
Es kommt zu Auseinandersetzungen im Polizei-Kessel, die Polizei setzt Pfefferspray ein. Es gibt mehrere Verletzte unter den Atomkraftgegnern.
02.50 Uhr
Die Nachttanzblockade ist vollstĂ€ndig gerĂ€umt. Nach Angaben der Polizei werden 300 Personen in einer Gefangenensammelstelle unter freiem Himmel und festgehalten. Die unter unklaren Rechtsgrundlagen in KĂ€figen festgesetzten Atomkraftgegner berichten spĂ€ter im Zuge der stundenlangen Gefangennahme von „unertrĂ€glichen“ ZustĂ€nden.
04.0o Uhr
Der Castor-Transport setzt sich aus dem GelĂ€nde des Karlsruher Instituts fĂŒr Technologie in Bewegung und beginnt seine Fahrt Richtung Zwischenlager Nord in Lubmin. Er setzt sich aus je einer Lok am Anfang und Ende des Zuges, den fĂŒnf Castor-BehĂ€ltern, sowie zwei Personenwagen zusammen.
04.18 Uhr
Der AtommĂŒll-Transport rollt direkt neben den von der Polizei in der Gefangenensammelstelle unter freiem Himmel festgesetzten Atomkraftgegnern bei Karlsruhe-Neureut vorbei.
Im GĂŒterbahnhof von Karlsruhe hĂ€lt der Atomtransport anschliessend an. Die folgenden Rangierarbeiten dauern knapp zwei Stunden.
06.38 Uhr
Der Castor-Transport setzt sich aus dem GĂŒterbahnhof in Karlsruhe in Bewegung. Gleichzeitig werden die von der Polizei unter freiem Himmel festgehaltenen mehreren Hundert Atomkraftgegner wieder freigelassen.
07.00 Uhr
Der Castor fÀhrt durch Pforzheim.
07.17 Uhr
Der Atomtransport passiert MĂŒhlacker.
07.32 Uhr
Der Castor-Transport steht in Bietigheim.
08.09 Uhr
Der AtommĂŒll-Transport setzt sich aus Bietigheim wieder in Bewegung.
08.25 Uhr
Der Castor-Transport passiert Heilbronn. Er nimmt damit die östliche Route ĂŒber WĂŒrzburg, Schweinfurt und Erfurt.
Der Atomzug setzt sich zu diesem Zeitpunkt laut Castorticker.de nun wie folgt zusammen: 2 Loks (rot) vorne, 7 Personenwagen mit Begleitpersonal, den fĂŒnf Castor-BehĂ€ltern, noch einmal 7 Personenwagen und dann 2 Loks (rot) hinten.
09.50 Uhr
Nicht nur die Castoren scheinen wie vom Erdboden verschluckt. Auf Twitter wundert sich raketenmensch Marian, eingedenk spĂ€therbstlicher Donnerstage im Stuttgarter SchloĂgarten, ĂŒber fehlende Schwerverletzte bei einem Polizeieinsatz in Baden-WĂŒrttemberg und fragt sorgenvoll nach dem Verbleib von Baden-WĂŒrttembergs MinisterprĂ€sidenten und Innenminister:
„Sind Rech und Mappus in Tripolis untergetaucht oder beide schon in Sharm el Sheik?“
09.55 Uhr
Zumindest der Castor-Transport der Atomindustrie ist wieder aufgetaucht und befindet sich in Zell am Main bei WĂŒrzburg. Er steht dort zu einem Personalwechsel der (staatlichen) Wachmannschaft in den Personenwagen des Atomzuges.
11.00 Uhr
In Luckenwalde bei Berlin, einer der potentiellen Stationen des Castor-Transportest, beginnt am Bahnhof eine Mahnwache.
Derweil steht der Zug mit 60 Tonnen MĂŒll der Atomindustrie immer noch in Zell am Main bei WĂŒrzburg.
12.07 Uhr
Der Castor-Zug rollt wieder und hat nicht die Schnellbahnstrecke ĂŒber Erfurt, sondern die Nebenstrecke ĂŒber Fulda genommen, wo er nun eintrifft. In Kemnitz beginnt derweil eine Mahnwache.
12.16 Uhr
Der AtomĂŒlltransport rollt ein in HĂŒnfeld.
Derweil beginnen die Umland von Greifswald die Mahnwachen, u.a. in Guest, kurz vor dem Zwischenlager Nord bei Lubmin. In Wittenberg, so seit 10.00 Uhr eine Mahnwache stattfindet, ist fĂŒr 16.00 Uhr eine Demonstration vom Stern zum Bahnhof angekĂŒndigt. In Merseburg findet eine Demonstration auf dem Bahnhofsplatz ebenfalls um 16.00 Uhr statt.
12.50 Uhr
Der Atomzug verlĂ€sst HĂŒnfeld und fĂ€hrt weiter Richtung Bebra, wo sich die Route teilt. Nach Norden geht es ĂŒber Göttingen, östlich ĂŒber Erfurt.
13.17 Uhr
Der Castor-Transport biegt bei Bebra auf die östliche Route Richtung Eisenach und Erfurt ab. Derweil steht in Ludwigslust am Hauptbahnhof seit 10.00 Uhr eine Mahnwache und wartet auf den AtommĂŒll-Transport.
13.31 Uhr
Hinter Bebra entscheiden sich auf der Strecke Richtung Erfurt zwischen Ronshausen und Wildeck-Hönebach ein paar Passanten nicht am Bahnhof, sondern besser gleich auf den Gleisen auf den Atomindustrie-Express zu warten.
13.47 Uhr
WÀhrend der Castor-Zug noch nicht in Sichtweite ist und offenbar abwartet, kesselt die Polizei die Gleispassanten zwischen Ronshausen und Wildeck-Hönebach ein.
Derweil wird in Witzenhausen fĂŒr eine Mahnwache am Marktplatz von 16.00 – 18.00 Uhr getroffen. HeissgetrĂ€nke werden versprochen. Könnte ja jeder kommen.
14.01 Uhr
Die Schienenblockierer zwischen Ronshausen und Hönebach sind durch die Polizei von den Gleisen gedrÀngt und neben der Strecke eingekesselt. Der Castor-Zug passiert den Streckenabschnitt.
In Rostock lĂ€uft derweil eine Anti-Atom-Party, von der bereits geschwĂ€rmt wird. In Schwerin ist fĂŒr 18.00 Uhr eine Lichterkette angekĂŒndigt.
14.25 Uhr
Laut unbestÀtigten Meldungen passiert der Castor-Transport Eisenach.
14.30 Uhr
BestÀtigt: Castor-Zug ist in Eisenach.
14.54 Uhr
Im brandenburgischen Biesenthal beginnt eine Mahnwache.
15.03 Uhr
Der Castor-Transport rollt durch Gotha.
15.15 Uhr
Der MĂŒlltransport der Atomindustrie, der erkennbar einen flotten Schuh fĂ€hrt, passiert bereits Erfurt.
AnschlieĂend fĂ€hrt er weiter Richtung Weimar, WeiĂenfels und dem Leipziger Ring.
15.30 Uhr
Der Castor-Zug hat bereits Weimar hinter sich gelassen und rollt durch OĂmannstedt.
Derweil rufen die Kirchengemeinden von Greifswald fĂŒr 18 Uhr zu einem demonstrativen Lichterkreuz auf. An der Bahnstrecke zwischen Wittstock und Rostock herrscht eine hohe PolizeiprĂ€senz. Ăber Rostock kreisen seit Stunden Helikopter. Die mögliche Route des atomaren MĂŒlltransportes bei einem Schienenkreuz im Rostocker Stadtteil Dierkow wird durch die zustĂ€ndigen staatlichen EinsatzkrĂ€fte eingehend inspiziert.
Es wird bekannt, dass es gegen 14.30 Uhr in Leina bei Gotha zwölf AktivistInnen gelang, den Castor-Transport fĂŒr fĂŒnf Minuten zum Stehen zu bringen. Die Atomkraftgegner befinden sich noch in Polizeigewahrsam.
16.10 Uhr
Der Castor-Zug rollt an GroĂkorbetha vorbei und fĂ€hrt weiter Richtung Halle. Vorneweg sondieren zwei Polizeihubschrauber das Terrain.
In Kemnitzerhagen bildet sich eine Mahnwache.
16.21 Uhr
UnbestÀtigte Meldung: der Atomtransport fÀhrt durch Merseburg.
In Kemnitz gibt es mittlerweile zwei und in Kemnitzerhagen eine Mahnwache.
Wie alle Linken wissen, hat das Grauen einen Namen. In Greifswald droht es wieder – das Plenum. 19 Uhr, Infoplenum zur Sitzblockade.
Am Rostocker Hauptbahnhof wirbt man derzeit fĂŒr die dortige Mahnwache um mehr Teig fĂŒr die Waffeleisen.
16.33 Uhr
Kurz hinter Merseburg haben sich zwischen Schkopau und Halle-Ammendorf zwei Aktivisten von Robin Wood von einer BrĂŒcke abgeseilt und sind nur ein Drahtseil gesichert, das ĂŒber den Schienen verlĂ€uft. So blockieren unter Einsatz ihrer Gesundheit die Bahnstrecke und bringen den Castor-Transport zum Stehen.
17.04 Uhr
Die Polizei hat einen der Robin Wood Aktivisten abgeseilt.
17.24 Uhr
Der zweite Aktivist von Robin Wood ist abgeseilt. Beide Robin Wood Aktivisten werden in Handschellen abgefĂŒhrt.
17.45 Uhr
An der BrĂŒcke fĂ€hrt der atomare MĂŒlltransport wieder an.
In Calbe bei Magdeburg kontrolliert die Polizei die Bahnstrecke im Bahnhofsbereich. In Bernau bei Berlin wird fĂŒr Anti-Atomkraft-Aktivisten der Eisladen in der „Alten Post“ am Bahnhofsvorplatz als Infopunkt ausgegeben, in Eberswalde das „Exil“ am Bahnhof Eisenspalterei.
18.30 Uhr
In der deutschsprachigen Twitter-Welt erreicht das Thema #castor Rang 2, knapp nach dem Doktortitel des bayrischen Oberbefehlshabers.
Derweil wird – jetzt schon – die letzte Person der Gleispassanten bei Bebra aus dem fĂŒrsorglichen Gewahrsam der Polizei entlassen.
Um Rechtshilfe-Spenden fĂŒr Robin Wood Akrobaten wird ersucht.
18.49 Uhr
Der MĂŒlltransport passiert Köthen und fĂ€hrt weiter Richtung Magdeburg.
19.05 Uhr
Der Castor ist in Calbe, kurz vor Magdeburg.
19.10 Uhr
Der Transport passier Schönebeck-Felgeleben..
19.19 Uhr
..und Magdeburg-WesterhĂŒsen.
19.27 Uhr
Der atomare MĂŒlltransport durchquert Magdeburg-Buckau und erreicht ein WartungsgelĂ€nde. Es wird mit einem Personalwechsel der Wachmannschaft in den begleitenden Personenwagen des Atomzugs gerechnet.
20.02 Uhr
Achtung – Castor gesucht. Castorticker meldet: der Castor-Transport steht ja gar nicht auf dem WartungsgelĂ€nde in Magdeburg-Buckau.
Also, wenn Sie zufĂ€llig vor ihrem nahe an Bahngleisen gelegenen Fenstern in Brandenburg 60 Tonnen AtommĂŒll im Menschzahn vorbei brausen sehen: twittern Sie eine Meldung mit #castor in der Nachricht.
20.30 Uhr
Aha. Der Castor-Transport ist im SKET Industriepark Magdeburg gesichtet worden.
20.50 Uhr
Nachdem sich der MĂŒlltransport vor zehn Minuten wieder in Bewegung gesetzt hat, passiert der Atomzug nun den Hauptbahnhof Magdeburg.
21.00 Uhr
Der Zug nimmt von Magdeburg aus offenbar die direkte Nordroute ĂŒber Stendal und Schwerin. DafĂŒr spricht auch, dass in Seehausen Altmark ein groĂes Aufgebot der Polizei gesichtet wird.
21.23 Uhr
Der Castor-Zug brettert vorbei an Angern. Der Eindruck bestĂ€tigt im Laufe der nachfolgenden Beobachtungen: der atomare MĂŒlltransport fĂ€hrt mit sehr hoher Geschwindigkeit. Bereits hinter Magdeburg miĂachtete er laut Zeugen offenbar fĂŒnf Personen mit einem roten Warnlicht auf den Gleisen und verringerte nicht die Geschwindigkeit.
22.08 Uhr
Der Castor-Transport hat Stendal bereits hinter sich gelassen und passiert Osterburg.
Wichtig im Falle von Fragen wegen oder möglicher Festnahmen durch die AtomindustrieordnungshĂŒter: die EA Nummer 0176-943 694 25
22.13 Uhr
Der Atomzug passiert weiterhin sehr schnell fahrend bereits Seehausen Altmark und nÀhert sich nun Wittenberge, wo sich eine Mahnwache mit 50 Personen hÀlt.
In Ludwigslust hat ebenfalls eine Mahnwache von 50 Personen gebildet. Aus Schwerin werden Hubschrauber ĂŒber den Bahngleisen gemeldet.
22.23 Uhr
Der MĂŒlltransport passiert Wittenberge ohne ZwischenfĂ€lle, mit weiterhin sehr hohem Tempo.
NĂ€chste gröĂere Stationen sind KarstĂ€dt, Grabow, Ludwigslust, Schwerin und Bad Kleinen, wo zwei mögliche Strecken abzweigen. Eine davon geht sĂŒdlich nach BĂŒtzow, wo sich die möglichen Routen ebenfalls gabeln.
22.51 Uhr
Der AtommĂŒll-Transport passiert Ludwiglust. Das Tempo ist ganz offensichtlich weiterhin stark erhöht. Der Castor-Zug liegt eine Stunde vor dem von Atomindustrie und Polizei selbst aufgestelltem Zeitplan.
23.12 Uhr
Hinter Ludwigslust blockieren ca. 25 AktivistInnen unter dem Motto „Euer Nonsens ist kein Konsens“ die Schienen. Die Strecke ist gesperrt, der Castor-Transport steht.
Derweil sind Akrobat und Akrobatin von Robin Wood, die die BrĂŒcke bei Schkopau blockierten, von der Polizei mittlerweile wieder freigelassen worden.
23.28 Uhr
Die Blockade hinter Ludwigslust bei Rastow ist aufgelöst, alle Atomkraftgegner sind von den Schienen gerÀumt und in Gewahrsam genommen worden.
23.35 Uhr
Der MĂŒlltransport setzt sich wieder Richtung Schwerin in Bewegung.
23.57 Uhr
Nördlich des Stadtzentrums von Schwerin befinden sich im Ortsteil Medewege dreiĂig Personen auf den Gleisen.
Donnerstag, 17.Februar
0.25 Uhr
Die Mahnwache steht noch. Sogar mit Feuertonne zum AufwÀrmen. Freut sich auf die Schweriner*innen. (Luckenwalde)
0.45 Uhr
Inzwischen sind mehrere Gruppen mit insgesamt 100 Menschen entlang der Schienen unterwegs.
0.46 Uhr
Der Castor steht in Schwerin-Medewege in Sichtweite der Blockade.
0.50 Uhr
Die Blockade ist jetzt gerÀumt und der Castor setzt sich in Richtung Bad Kleinen in Bewegung.
Zuvor hatte ein junger Mann den langsamen fahrenden Zug zu einem fĂŒnfzehnminĂŒtigen Stopp ! gezwungen, indem er auf die Gleise gesprungen war.
1.13 Uhr
Der Castor fÀhrt durch Bad Kleinen.
2.03 Uhr
Der Castor passiert das abgesperrte BĂŒtzow in Richtung GĂŒstrow.
GerĂŒcht: Menschen bewegen sich aus Barth kommend zur Strecke und wĂŒrden sich freuen, wenn sich ihnen viele, viele anschlössen.
2.19 Uhr
Kein Rauskommen aus Rostock: Polizei sperrt den Osten der Stadt ab und geht bisweilen rabiat vor.
In Kemnitz und Kemnitzerhagen werden die Mahnwachen gekesselt. Entlang der Strecke sammelt die Polizei alle ein.
In Kemnitz ist die Polizei gegen Menschen, die versuchten in Richtung Schiene zu gelangen, hart mit Pfefferspray vorgegangen.
2.23 Uhr
Der Castor passiert Primerburg in Richtung Rostock ĂŒber Laage.
02.48 Uhr
30 Atomkraftgegner bringen mit einer Sitzblockade an einem Streckenkreuz im Rostocker Stadtteil Riekdhel den Castor fĂŒr 10 Minuten zum Stehen. Sie sind einer mit Hunden, Pfefferspray und aggressiv vorgehenden Polizei ausgesetzt.
03.10 Uhr
Der MĂŒlltransport erreicht Rostock-Dierkow und wird dort umgekoppelt.
Derweil gibt es Mahnwachen in Stilow, BrĂŒnzow, KrĂ€pelin und Komenitzerhagen. Letzere ist durch die Polizei mittlerweile eingekesselt. Am Hauptbahnhof in Greifswalt lĂ€sst die Polizei FuĂgĂ€ngerunterfĂŒhrungen schlieĂen.
03.36 Uhr
Der Castor-Transport bewegt sich wieder und verlĂ€Ăt Rostock-Dierkow.
03.34 Uhr
Zwei AktivistInnen haben sich bei Altenwillershagen an die Schienen gekettet. Bei Kemnitz gibt es zudem mehrere Blockaden, Dutzende von Menschen sind auf den Gleisen.
03.53 Uhr
Bei Ribnitz-Damgarten sitzen Atomkraftgegner auf den Gleisen. Umgehend wird der Atomzug um Schrittgeschwindigkeit ersucht. In der Tat hÀlt dieser dann tatsÀchlich an.
04.51 Uhr
Die Blockade bei Ribnitz-Damgarten ist gerĂ€umt. Der Castor fĂ€hrt anschlieĂend weiter Richtung Stralsund.
05.08 Uhr
Bei Altenwillershagen sind die an den Gleisen angeketteten AktivistInnen von der Polizei gerÀumt. Um 05.15 Uhr passiert der Castor-Transport die Stelle im Schritttempo.
05.49 Uhr
Gegner des atomaren MĂŒlltransportes gehen zwischen dem Hauptbahnhof von Stralsund und Andershof auf die Gleise und bringen ihn dort, wenige Minuten nach dessen Durchqueren des Hauptbahnhofs um 05.54 Uhr, zum Stehen.
06.49 Uhr
Die Gleisblockade vor Andershof ist gerÀumt. Der Atomtransport kann sich wieder in Bewegung setzen.
07.15 Uhr
Mit ca. 40-50 km/h werden die Castor-BehĂ€lter durch den Hauptbahnhof von Greifswald gefahren. In Magdeburg werden am dortigen Hauptbahnhof Personen in SchutzanzĂŒgen beobachtet, die offenbar radioaktiven Abfall beseitigen.
07.37 Uhr
Bei Diedrichshagen muss der MĂŒlltransport wegen Blockaden in Kemnitz abermals fĂŒr rund zehn Minuten anhalten.
07.50 Uhr
Die Castor-BehÀlter rollen im Schritttempo durch Kemnitz.
08.12 Uhr
Nach 28 Stunden und 12 Minuten erreicht der unter groĂem Aufwand staatlich beschĂŒtzte MĂŒlltransport der Atomindustrie das Zwischenlager Nord in Lubmin.
Epilog
Der „Arbeitskreis Kritischer Juristinnen und Juristen“ (AKJ) aus Greifswald war wĂ€hrend der Demonstrationen und Versammlungen gegen den MĂŒlltransport der Atomindustrie vor Ort. Die Juristinnen und Juristen wurden von der Polizei zeitweise selbst festgenommen. Anschliessend berichteten sie wie folgt vom Vorgehen der Polilzei:
„Die von der Mahnwache Kemnitz in Richtung Schiene gehenden Aktivist_innen wurden von einem Teil der eingesetzten PolizeikrĂ€ften mit massiver Gewalt gestoppt. Ăber das ânormaleâ Schubsen hinaus wurden den Castorgegner_innen durch heftige Tritte von hinten in die Beine oder gezielte SchlĂ€ge gegen den Kehlkopf zu Fall gebracht. Ein Aktivist blutete nach SchlĂ€gen heftig aus der Nase.
Diejenigen, die zur Mahnwache zurĂŒckgingen, wurden dort eingekesselt. FĂŒr einige Zeit kam niemand (auch nicht als Einzelperson) heraus, obwohl es sich um eine angemeldete Versammlung handelte.
Der Gewalteinsatz der Polizei gegen eine von BrĂŒnzow losgehende Gruppe war angemessen. Allerdings wurde die Gruppe eingekesselt und verkĂŒndet, ihr werde die Freiheit entzogen. Erst nach einigen Minute gab ein Polizist zu erkennen, dass es sich wohl um eine Versammlung handele und wieder einige Minuten spĂ€ter wurde bekannt gegeben, dass die Gruppe auch zu einer Mahnwache gehen dĂŒrfe.
Von der RÀumung der Sitzblockade der KemnitzhÀger Gruppe wurden keine Probleme gemeldet.
Die Polizei hielt Aktivist_innen nach Durchfahrt des Castortransportes noch 30 Minuten in Gewahrsam, obwohl sie unverzĂŒglich hĂ€tten freigelassen werden mĂŒssen
Bei Kemnitzerhagen wurde ein SanitÀter festgesetzt und erst auf Intervention des AKJ und hinzukommen der Presse freigelassen
Die Polizei war teilweise schlecht informiert: mehrfach behaupteten Beamt_innen, es geben ein Versammlungsverbot entlang der Schiene (was nicht stimmt!)
Von Ingewahrsamgenommen bei Stilow wurde â obwohl sie keine Ordnungswidrigkeiten begangen hatten â die IdentitĂ€t festgestellt und selbst bei Vorliegen des Personalausweises die Gesichter fotografiert“
